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Eidgenossen. Punkt.

Mr Doorman liest neuerdings die Zeitung nicht mehr gedruckt, sondern online. Das macht ihn leider nicht glücklicher. Im Gegenteil. Er guckt so grimmig auf sein Tablet, dass ich Angst darum bekomme (ums Tablet - um Mr Doorman mache ich mir keine Sorgen).
"Was ist?", frage ich. "Lesen Sie mal wieder Kommentare?"
Er grummelt vor sich hin.
Das bedeutet so viel wie: Ja, er liest Kommentare. Ich gestehe, die machen auch mich nicht gerade fröhlich. Weshalb man das Lesen ebendieser Kommentare als geistig gesunder Mensch besser bleiben lassen sollte.
"Eidgenoss", murmelt er. "Eidgenoss, Eidgenoss, Eidgenoss." Und dann bricht es aus ihm heraus. "Reicht es euch Schweizern eigentlich nicht mehr, Schweizer zu sein?"
"Nun, vielen von uns schon", antworte ich. "Aber die ganz senkrechten Schweizer nennen sich jetzt eben Eidgenossen. Damit man sie nicht mit den Papierli-Schweizern verwechselt, Sie wissen schon, den Eingebürgerten, die für den Pass bezahlt und ihn eigentlich gar nicht verdient haben. Ausser wenn sie für die Fussballnati spielen oder sonst irgendwelche Sportsiege für uns einfahren. Oder den Linken und den Netten, die zwar schlimmstenfalls eigentlich Schweizer wären, aber nicht dazugezählt werden können, weil die ja die Schweiz direkt in den Abgrund der EU oder des Sozialismus treiben, sozusagen Landesverräter sind."
Eigentlich wollte ich mit diesen etwas überspitzt formulierten Definitionen Mr Doormans Humor kitzeln, habe aber glaub ich stattdessen sein Aggressionszentrum getroffen.
"Senkrechte Schweizer?" Mr Doorman guckt noch grimmiger. "Und warum heissen die meisten dieser Eigenossen Punkt?"
Ich stutze.  "Punkt? Das ist kein Schweizer Name."
"Steht aber fast überall. Gucken Sie."
Er zeigt auf einen Kommentar, der an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden kann, da ich keine Lust habe, wegen Verstoss gegen das Anti-Rassismus-Gesetzes vor Gericht zu landen (der Kommentarschreiber scheint diese Angst nicht zu kennen, er ist schliessslich Eidgenoss und damit gilt für ihn die Meinungsfreiheit auch dort, wo sie andere Menschen verletzt). Am Ende dieses Kommentars steht Punkt.
"Ach", sage ich. "Das bedeutet so viel wie das indianische Hugh, ich habe gesprochen."
Mr Doorman seufzt und stellt seine Kaffeetasse aufs Tablet. Etwas heftiger als nötig. Auf dem Kommentar, den er mir gezeigt hat, schwimmen braune Flecken.
"Oha", sagt er.
"Punkt", beende ich die Diskussion. 
 

Kriegserklärung

Mr Doorman steht am Fenster und schaut auf die Berge, die poskartenkitschmässig schön aussehen an diesem föhnigen Herbsttag. "Sie gehören schon zu einem irren Volk", sagt er zu mir.
Nun, ob wir in der Schweiz irr sind, lasse ich mal offen, aber unseren eigenen Grind haben wir tatsächlich. "Wie kommen Sie denn zu dieser Schlussfolgerung?", frage ich meinen Türsteher mit russischen Wurzeln.
"Ich habe zum Beispiel nicht gewusst, dass das Schweizer Volk der Wirtschaft den Krieg erklären kann", antwortet er. "Den Krieg. Verstehen Sie?"
Nein, ich verstehe nicht. Weshalb ich sage: "Ich auch nicht. Wer behauptet denn so was?"
"Ruedi Noser. Nationalrat."
"Können Sie mir das genauer erklären?", frage ich. "Das mit Herrn Noser und der Kriegserklärung."
Mr Doorman nickt. "1:12", antwortet er.

(Anmerkung von Frau Zappadong: Sie wissen, diese Abstimmung, bei der wir darüber entscheiden, ob wir den höchsten Lohn in einer Firma  höchstens 12 Mal höher wollen als den tiefsten).

"Ruedi Noser sagt, alles andere als ein Nein-Anteil von 70% bei dieser Initiative wäre eine Kriegserklärung an die Wirtschaft."
"Aha", sage ich (und stelle mir das mal nicht theoretisch, sondern praktisch vor).
"Vielleicht sollten Sie sich das mit Ihrem Ja noch einmal überlegen", meint Mr Doorman.
"Nein", sage ich.
"Aber Krieg, Frau Zappadong! Krieg! Das können Sie doch nicht wollen."
"Nein, ich will keinen Krieg. Ich will nur eine gerechtere Schweiz."
Mr Doorman schaut zu den Bergen hinüber. "Klingt gut. Sogar für einen wie mich. Soll ich mal mit Herrn Noser reden?"
"Können Sie gerne tun. Erklären Sie ihm dabei doch bitte gleich auch unsere Demokratie mit ihren Spielregeln."
Mr Doorman lacht schallend. "Ein Russe soll einem Schweizer FdP-ler die Demokratie erklären? Denken sie wirklich, das ist eine gute Idee?"
"Warum nicht?", antworte ich. "Ist einen Versuch wert. Und allemal besser als eine Kriegserklärung."

Weitere Posts zu diesem Thema: Gerechtigkeit ist subjektiv

Ist der Anreiz zu gross, leidet die Qualität

Ich finde Mr Doorman in Tränen aufgelöst über der Tageszeitung.
"Um Himmels Willen!", sage ich besorgt. "Was ist passiert?".
Mr Doorman gluckst. Dann stösste er Gackerlaute aus, die in lautes Gelächter übergehen. Ich begreife: Mein Türsteher weint nicht, weil er traurig ist, sondern weil er gerade einem Lachanfall erlegen ist.
"Darf ich Ihnen etwas vorlesen?", fragt er zwischen zwei Glucksern.
"Aber sicher", antworte ich.
Er räuspert sich, gluckst, räuspert sich erneut und liest dann vor. "Sind sie besonders produktiv, können Näherinnen gar 115% ihres Grundlohns erarbeiten. Mehr aber nicht, denn ist der Anreiz zu gross, leidet die Qualität." Mr Doorman gluckst erneut. "Stellen Sie sich mal vor, Frau Zappadong, ein Bankhäuptling sagt so was zu seinem Investmentfondheini. Wenn ich dir mehr als 115% deines Basisgehalts bezahle, leidet die Qualität!
Ich würde gerne mitglucksen, aber irgendwie fehlt mit jetzt grad der Humor dazu. "Wie viel verdient denn so eine Näherin?", frage ich.
"2700 bis 3300 Franken im Monat", sagt Herr Doorman.
"Also etwa das, was ein so ein Banker in ein paar Sekunden verdient", antworte ich.
"Ja."
"Und das in der Schweiz."
"Ja." Mr Doorman gluckst nicht mehr. "Darum kommen die Näherinnen als Grenzgängerinnen aus Italien. Dort kann man nämlich mit diesem Lohn gut leben."
"Aha", sage ich und so langsam steigt mir die Galle ziemlich hoch. "Kann man. Und was nähen denn die Näherinnen da so?"
"Unterwäsche", antwortet Mr Doorman. Für eine bekannte Firma. Nicole Kidman hat sie in einem Film getragen. Die Unterwäsche, nicht die Firma.." Er gluckst wieder. "Da kostet ein paar Unterhosen so zwischen 60 und 100 Franken."
"Sie meinen ein Multipack davon", sage ich.
"Nein, eine Unterhose."
"Eine?"
"Ja."
"Und die Näherin verdient 2700 Franken im Monat?"
"Ja."
"Und man erwartet von ihr Topqualität."
"Ja."
"Und wer sagt das mit den 115%?"
"Die Unterwäschefirma."
Ich schlucke meine Galle wieder dorthin, wo sie anatomisch hingehört. "Andere Frage, Mr Doorman. Worum geht es in dem Artikel?"
"Darum, dass ein Mindestlohn von 4000 Franken im Kanton Tessin tödlich wäre und man die Arbeitsplätze ins Ausland verlegen müsste, wenn er eingeführt würde."
"Und eine Unterhose kostet da schon mal 100 Franken?", vergewissere ich mich.
"Ja."
"Und die Näherinnen kommen sowieso die meisten aus Italien."
"Ja."
"Aber die Nähfabrik steht in der Schweiz?"
"Ja. Sie wissen schon. Made in Switzerland, unkomplizierte Bürokratie  und so."
"Aha."
"Frau Zappadong, sind Sie endlich fertig mit ihren Fragen?"
"Ja", antworte ich entkräftet.
"Darf ich ihnen einen Kaffee anbieten?"
"Ja. Und schütten Sie eine Flasche Vodka rein, Mr Doorman. Ich glaube, das brauche ich jetzt."

Quelle: Tages Anzeiger

Gerechtigkeit ist subjektiv

"Gerechtigkeit ist subjektiv", liest mir Mr Doorman vor.
"Aha", sage ich. "Wer sagt das?"
"Heinz Karrer, Häuptling von Economiesuisse."
"Aha", sage ich noch einmal. "In welchem Zusammenhang?"
"1:12."

(Zwischenbemerkung von Frau Zappadong: 1:12 ist eine Initiative, über die wir Schweizer im November abstimmen. Sie verlangt, dass das höchste Einkommen in einem Betrieb - egal ob gross oder klein - nicht mehr als 12 Mal so hoch sein darf wie das geringste.)

"Oha", antworte ich. Und ahne schon mal, dass die Subjektivität von Herrn Karrer und mir nicht am gleichen Ort liegt.
"Darf ich Sie noch etwas mehr provozieren?",  fragt mich Mr Doorman.
Ich seufze, denn ich habe so ein Gefühl, ich weiss, was jetzt kommen wird. Also öffne ich den Mund, um Nein zu sagen, aber ich komme zu spät. Mr Doorman ist schneller als ich.
"So etwas erfinden nur Leute, die sich nie in einem Arbeitsumfeld bewegt haben.", liest er mir vor, was Herr Karrer sonst noch so gesagt hat.
"So was kommentiere ich schon gar nicht, Mr Doorman", sage ich

"Aber er hat doch recht", sagt Mr Doorman, der mit der Nase tief im Interview steckt. "Der Staat hat den Firmen bei den Löhnen nicht dreinzureden."

Dieser Ansicht war ich auch einmal. Mit Betonung auf war. Bis irgendwelche Idioten bei den Banken das Geld schneller vernichtet haben, als es arbeitende Leute aus dem "Arbeitsumfeld" jemals gekonnt hätten - aber genau diese Leute aus dem "Arbeitsumfeld" dann den Grind (=Kopf) dafür hinhalten mussten. An die Selbstregulierung von Grossfirmen glauben nur noch Leute, die auch an das Christkind und die Zahnfee glauben.

Lieber Herr Karrer und Konsorten. Es ist so: Wenn die Firmen in den letzten paar Jahren nicht vollständig aus dem Ruder gelaufen wären in ihren Lohnzahlungen an ihr ach so tolles Management, dann hätte es NIE eine Initiative 1:12 gegeben. Genau wie es keine Abzockerinitiative gegeben hätte. Und es keine für einen Mindestlohninitiative brauchen würde.

Gerechtigkeit ist in der Tat subjektiv. Es sieht von oben (dort, wo man sich das Geld nimmt, von dem man denkt, es stehe einem zu) nicht gleich aus wie von unten (wo man 42 Stunden die Woche malocht und sich dann fragt, wie man Mietkosten, Krankenkasse und Sonstiges bezahlen soll).

"Frau Zappadong!" holt mich Mr Doorman aus meinen Gedanken.
"Ja?" frage ich.
"Wie stimmen Sie denn ab?"
"Na, raten Sie doch mal, Mr Doorman", sage ich. "Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten? Habe die Maschine gerade entkalkt und gereinigt."
"Gerne", anwortet Mr Doorman und grinst.

Durch die Drehtür rein

Mr Doorman und ich quetschen uns zur Drehtür rein und knallen die Koffer auf den Boden.
"Kaffee?", fragt Mr Doorman.
"Au ja", antworte ich.
Die Zeit bei Onkel Vladimir war ... reden wir nicht darüber. Weder über die Kalaschnikow, die er in mein Gepäck schmuggeln wollte, noch über seinen Bitte, in Zappadonghausen potentielle Anleger für seine Uranmine zu suchen. "Und sucht euer Zappadonggebäude gründlich nach Wanzen ab!", rief er uns hinterher. "Ihr wisst schon, euer grosser Bruder im Westen könnte ein Ohr auf euch geworfen haben." Dann lachte er wie eine meckernde Ziege und böllerte zum Abschied sein Magazin in den Himmel.
Nun sind wir also wieder da.
"Sollen wir unseren Kinoraum mit 3D ausrüsten?", fragt Mr Doorman nach dem ersten Schluck Kaffee.
"Bloss nicht", anworte ich.
"Auch recht", meint er. "Und sonst?"
Werden wir sehen.
Ich hatte Heimweh nach Zappadonghausen.
Vielleicht bleibe ich eine Weile.

Ohrlochstechen ...

... bei Kindern ist jetzt also Körperverletzung.

Mr Doorman und ich erstellen gerade eine Liste, was sonst noch alles verboten gehört für Kinder. Hier ein erster Rohentwurf:

- Radfahren (sie könnten hinfallen und sich verletzen)
- Schwimmen gehen (sie könnten ertrinken)
- TV schauen (Bohlen und Co. machen blöd)
- Zur Schule gehen (sie könnten auf dem Schulweg verunfallen, egal, ob sie selber da hingehen oder von den Eltern gefahren werden)
- Musik hören (all die Schimpfwörter in den Songs!!!)
- Essen (könnte Allergien hervorrufen)
- Leben (ist lebensgefährlich)

Es hat noch Platz. Fühlen Sie sich frei, die Liste zu ergänzen.

Die Versprechen der Woche

31 kg wengier in 6 Wochen (Bio-Botanica) .
12 Millionen neue Jobs in den USA. (Mitt Romney)
Mehr Hirnmasse für alle (Mr Doorman und ich)

Frau Zappadong und die Demokratie

"Was tun Sie denn da?", fragt Mr Doorman.
"Blättern."
Mr Doorman wirkt etwas besorgt. "Blättern? Worin? Ich sehe nichts."
"Können Sie auch nicht", antworte ich.
"???"
"Ich lese die Abstimmungsunterlagen zu den Novemberabstimmungen."
"A... Ab ... Aber .." Mr Doorman gerät hoffnungslos ins Rudern. "Die sind doch noch gar nicht gedruckt."
"Egal", erkläre ich. "Ich mache es wie mein Staat. Ich bereite mich frühzeitig vor. Die drucken die Abstimmungsunterlagen, bevor überhaupt feststeht, worüber wir abstimmen. Da habe ich gedacht, ich lese sie auch gleich, bevor sie gedruckt sind. Effizient, nicht wahr?"
Mr Doorman kratzt sich hinter dem Ohr. "Und dann? Füllen Sie die noch ungedruckten Stimmzettel aus, Frau Zappadong?"
"Nein, ich werde überhaupt keine Stimmzettel mehr ausfüllen."
"Was?" Dr Doormans Augen kullern beinahe aus den Höhlen. "Heisst das, Sie hängen die Demokratie an den Nagel?"
"Aber nein doch! Sobald ich die gedruckten Stimmzettel erhalte, werde ich sie ordentlich, wie sich das gehört, in das Stimmcouvert packen und an die Gemeinde schicken."
"Unausgefüllt?"
"Ja. Unausgefüllt. Leer. Aber korrekt."
Der arme Mann sieht aus, als könne er nicht entscheiden, ob ich spinne oder er.
"Es ist so", sage ich. "Ich lege meine Stimmzettel leer ein, damit Bundesrat und Parlament nachher mit meiner Stimme tun können, was sie wollen."
"Das tun sie doch sowieso schon längst", antwortet er und ich sehe ein Blitzen in seinen Augen.
"Eben", sage ich.

Von der Mühsal der freien Marktwirtschaft

Ich finde Mr Doorman lachend beim Zeitunglesen. Als er mich kommen sieht, begrüsst er mich mit den Worten: "Börsenzocker sind die witzigsten Menschen auf diesem Planeten."
Nun, dass sie zuweilen gierig und manchmal auch grenzenlos dumm sind, das wusste ich schon. Aber witzig? Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Bis ich den Artikel gelesen habe.

Ich muss mich korrigieren. Börsenzocker sind zuweilen gierig, manchmal grenzenlos dumm und in der Kombination dieser beiden Eigenschaften auch mal sehr witzig. Noch witziger wäre nur noch, wenn der Kerl recht bekäme.

PS: Sie ist aber auch mühsam, diese freie Marktwirtschaft. Jeder kann alles, jeder darf alles. Je mehr, desto besser (und cooler). Dass man dabei auch verlieren kann, könnte einem doch ab und zu mal wer sagen. Gott aller Finanzen noch mal!

Zubetonieren

"Also ich", murmelt Mr Doorman angesichts seiner Zeitungslektüre, "ich wäre dafür, dass wir das Wallis zum Zubetonieren freigeben."
Ich auch.

Mr Doorman und ich sind tief beeindruckt

Der Schweizer Bundesrat will für drei Millliarden Franken Flügerli kaufen, die in Tests die Note "zufriedenstellend" erhalten haben. Allein das hinterlässt bei Mr Doorman und mir einen tiefen Eindruck. Drei Millarden Hämmer für ein "Zufriedenstellend." Also, damals, als wir unsere Zeugnisse nach Hause gebracht hatten, gab es für die Note genügend/zufriedendstellend keinen Bazen, keinen kleinen und schon gar keinen grossen. (Vielleicht hätten wir aus dem Zeugnispapier Flügerli basteln sollen ...)

Noch tiefer wird unser Eindruck, als wir andächtig lesend erfahren, dass "nicht nur militärische, sondern auch politische Überlegungen berücksichtigt werden müssten im Hinblick auf den Kauf eines neuen Kampfjets." Natürlich fragen wir uns jetzt, was für welche Überlegungen das sind. Aber bevor wir zu sehr darüber nachdenken, hören wir lieber wieder auf. Wir haben so den leisen Verdacht, dass wir dabei auf dem Eis der Zynik ausrutschen könnten.

Wie auch immer: Hauptsache Flüger, Hauptsache teuer und Hauptsache zufriedenstellend.

«Mir sind sehr arme Menschen egal.»

Das sagt ein Mann, der neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden will.
Mr Doorman und mir wären solche Ignoranten wie der Mann, der neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden will, gerne auch egal. Leider verschwinden solche Ignoranten aber nicht in der Versenkung, sondern regieren allenfalls mal Grossmächte (oder tun es heute schon). Irgendwie könnte einem da ziemlich schlecht werden. Und irgendwie ertappt man sich beim Wunsch, es möge tatsächlich eine Hölle geben, auch wenn man nicht daran glaubt. Es könnte auch sein, dass diese Hölle ganz real wird, dann nämlich, wenn es die sehr armen Menschen gestrichen satt haben, dass sie jenen mit der Kohle und der Macht egal sind.

Kleines Quizz

"Haben Sie Lust auf ein kleines Quizz?", fragt Mr Doorman.
"Was kann ich denn gewinnen?", frage ich zurück.
"Nun ..." Mr Doorman grinst. "Sie dürfen wählen."
"Zwischen?"
"Einem Kaffee, einem Lachanfall und dem russischen Pass."
Klingt spannend, finde ich. Weil es zudem in diesem Land schon eine Weile nichts mehr zu lachen gab, bitte ich Mr Doorman, mir die Quizzfrage zu stellen.
"Also", holt Mr Doorman Anlauf. "Von wem ist dieses Zitat:

Wir stärken die Institutionen, indem wir die Verantwortlichen entfernen, die sie schwächen. Das war auch bei Valentin Roschacher, Erwin Beyeler oder Samuel Schmid und Roland Nef der Fall. Erstere waren für die Bundesanwaltschaft, Letztere für die Armee ein grosses Problem. Es sitzen die falschen Leute in den Institutionen.

"Viel zu einfach", sage ich. "Das ist von einem SVP-Christoph. Ich tippe auf den Mörgeli. Der ist sich für gar nichts zu blöd. Auch nicht dafür, zuzugeben, den eigenen SVP-Bundesrat aus dem Amt geschossen zu haben."
"Bingo!", ruft Mr Doorman. "Welchen Preis hätten Sie denn gerne?"
"Den russischen Pass", antworte ich. "Man kann nie wissen, wer nach dem Bankrat und dem Bundesrat als nächstes dran sein wird."

Quelle (das Zitat findet sich am Ende)

Und jetzt?

Der Hildebrand ist weg.
Der Blocher und seine wackeren Mannen sind noch da.
Mr Doorman und ich sind grad ziemlich rat- und sprachlos.
Und ich frag mich mal wieder, was aus der Schweiz geworden ist.

Darüber ist jetzt Zeit zu schweigen.

Mr Doorman starrt in die Zeitung und seufzt.
"Was?", frage ich.
"Darüber ist jetzt Zeit zu schweigen", murmelt er.
"Wir haben doch heute noch gar nicht miteinander geredet, Sie und ich", wende ich ein. "Und gestern und vorgestern auch nicht." (Amerkung: Ich war in den Bergen. Ohne Mr Doorman.)
"Ja, dafür redet jetzt ein anderer."
"Lassen Sie mich raten", sage ich. "Der Herr B."
Mr Doorman nickt und seufzt grad noch einmal. "Dabei hat er schon mehr als einmal gesagt, dass er jetzt schweigen wird." Und dann kommt es. Unvermittelt und extrem laut: "WARUM VERDAMMT NOCH MAL TUT ER ES DANN NICHT?"
Weil er nicht anders kann, als seinen Senf zu allem zu geben, denke ich. Sag's aber nicht. In meinen Ohren klingelt es immer noch.
"Hier", sage ich und reiche Mr Doorman eine Tasse seines Lieblingskaffees. Extra stark. Ohne Milch. Dafür mit drei Löffeln Zucker. Dann warte ich, bis das Zeug wirkt.
"Ist halt sein neuer Lieblingsspruch", sage ich. "Lassen Sie ihm doch die Freude."
"Schon gut", brummt Mr Doorman. "Wie war's denn in den Bergen, Frau Zappadong ..."

The Boss ... oder: Demokratie war gestern ... oder: so blöd sind wir nicht - oder doch?

Ziemlich entlarvend, das hier (Video gucken).
Da würde mich jetzt natürlich interessieren, wie ernst dem Herrn Chef seinen Vertrag mit dem Volch nimmt. Und am Schluss noch ein wenig total unfreiwillige Realsatire (ab 1:55, Frage an Freysinger).

A propos Bahnfahren ...

Mr Doorman und ich hätten da noch was für die Hardcore-Realsatiriker unter Ihnen:

"Am gravierendsten ist der Ausfall des bisherigen Nachtzugs um 7.10 Uhr ab Buchs, der viele Pendler umsteigefrei und mit einzigem Halt in Sargans nach Zürich brachte. Ursache ist die neue Fahrplanlage der beiden Euronight(EN)- Züge. Diese verlassen nun Buchs um 6.10 Uhr und 8.10 Uhr. Allerdings dürfen sowohl in Buchs wie in Sargans keine Passagiere zusteigen, sehr wohl aber in Feldkirch."

Anmerkung. Feldkirch ist gleich über der Grenze, wenige Bahnminuten entfernt.

"Um nicht unnötige (!) Rangiermanöver durchführen zu müssen und so die Weiterfahrt der EN-Züge zu verzögern, verzichte die SBB darauf, zusätzliche Inlandwagen anzuhängen (...), hält Marti fest.

Aha! Na, das ist doch wohl ein Argument. ähm, wäre ein Argument, wenn da nicht ...

"Ein Augenschein vor Ort zeigt allerdings, dass doch ein Wagen zusammen mit der Lok angehängt wird, dieser aber leer bleibt. Denn die Anzeige auf der Hinweistafel ist eindeutig: «Bitte nicht einsteigen!» Auf die Frage, warum das Anhängen einer Lokomotive mit zwei, drei Waggons (wie vorher) wesentlich länger dauern soll als das Anhängen einer Lok und allenfalls eines Wagens (wie nach dem Fahrplanwechsel), erklärt Marti: «Es stehen nicht überall Wagen à discrétion zur Verfügung, die man ruck, zuck an- und irgendwo wieder abhängen kann.Zudem: Wagen müssen intensiv gewartet und gereinigt werden. Nur so können wir der Kundschaft den hohen Standard bieten, den sie von der SBB zu Recht erwarten.»"

Grad nochmals Aha. Auf die seltsame Zählerei der Waggons gehen wir mal nicht ein, halten jedoch gerne fest, dass so oder so rangiert wird. Viel mehr interessiert uns die interessante Definition von hohem Standard: Vielleicht hat er ja recht und das nostalgische Rollmatieral, das rund um Zappadong-Hausen eingesetzt wird (sprich: uralte Wagen, unsäglich heiss im Sommer, ziemlich zugig im Winter, in jeder Jahreszeit mit brüllend laut quietschenden Bremsen) gehört wirklich zum Feinsten und wir wissen das einfach nicht zu schätzen. Aber zurück zum Thema:

"Eine präzisere Antwort liefert Thomas Gartmann vom Kundendienst Region Graubünden-Walensee in der Antwort auf einen Beschwerdebrief der «Zürich-Pendlerin» U. M. aus Buchs: «Die Nachtzüge verkehren nun als reine Nachtverbindungen mit Halten in Buchs und Sargans nur zum Aussteigen. Die Nachtzüge verfügen nur über Zweitklasswagen, in denen Fahrgäste sitzen, welche die Nachtreise hinter sich haben, und es entsprechend im Wagen riecht und Fahrgäste auf den Sitzbänken schlafen.» "

Und ein letztes Mal ein AHA, ein etwas Erstauntes. Die Österreicher müssen andere Sensoren in den Nasen haben, denn was kurz nach der Grenze "stinkt", ist in Feldkirch noch ganz normal.

Zitate aus einem Artikel im Werdenberger & Obertoggenburger, erschienen am 27. Januar 2010, verfasst von Hanspeter Turnheer.

PS: Mr Doorman und ich fahren jetzt für ein paar Tage in die Berge. Mit der SBB, der RhB und dem Postauto. Dazu brauchen  wir nur ein einziges Ticket - und wir könnten über all ein- und aussteigen, wo die verschiedenen Bahnen resp. das Postauto anhält. Hoffen wir. Bis bald.

Mr Doorman, der Railjet, die SBB und ich

Morgen früh, am Bahnhof von Zappadong-Hausen.
Mr Doorman: "Kommen Sie, Frau Zappadong, wir nehmen diesen Zug."
Frau Zappadong: "Geht nicht. Ist der Railjet."
Mr Doorman: "Was haben Sie gegen den Railjet?"
Frau Zappadong: "Falsche Frage. Sie müssen fragen, was der Railjet gegen uns hat."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "Wir dürfen da nicht mitfahren."
Mr Doorman: "äh .. aber ... der Zug steht da, samt SBB Wagen ..."
Frau Zappdong: "Sie dürfen trotzdem nicht einsteigen. Sehen Sie, steht sogar auf der Anzeigetafel."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "Vergessen Sie es. Wir nehmen einen von denen, in die wir einsteigen dürfen. Welchen hätten Sie denn gerne: Den pumpenebenvollen etwas schnelleren, wo Sie sich nachher eine Viertelstunde lang in Sargans den Arsch abfrieren oder den pumpenebenvollen, der so knapp in Sargans ankommt, dass Sie im Vollspurt auf Gleis 2 hecheln müssen?"
Mr Doorman: "Keinen der beiden. Dieser hier fährt direkt nach Zürich. Da müssen wir nicht umsteigen. Er steht hier. Der Wagen ist leer ..."
Frau Zappadong: "Wir nehmen den pumpenebenvollen mit der Arschabfrierwartezeit."
Mr Doorman: "???"

Wir nehmen also den pumpenebenvollen, frieren uns in Sargans eine Viertelstunde den Arsch ab und quetschen uns dann in den pumpenebenvollen Zug, der von Chur her in Sargans einfährt.

Später, am Abend desselben Tages, am Bahnhof in Zürich.

Mr Doorman: "Jetzt nehmen wir aber den direkten Zug nach Zappadong-Hausen, nicht wahr? Er fährt um 20.40 Uhr und hält in Sargans und Zappadong-Hausen. Ohne umsteigen. Super."
Frau Zappadong: "Nein, den nehmen wir nicht."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "In diesen dürfen wir nicht einsteigen."
Mr Doorman: "Wo steht das?"
Frau Zappdong: "Nirgends."
Mr. Doorman: "Aber wir dürfen nicht einsteigen?"
Frau Zappdong: "Nein."
Mr Doorman: "Sagt wer?"
Frau Zappadong: "Die SBB."
Mr Doorman: "Aber ..."
Frau Zappdong: "Fragen Sie nicht."
Mr Doorman: "Ist's wieder dieser Railjet?"
Frau Zappdong: "Richtig geraten! Kommen Sie. Wir können den 20.37 Uhr Zug nehmen und dann in Sargans umsteigen."
Mr Doorman: "Und uns in Sargans den Arsch abfrieren beim Umsteigen?"
Frau Zappdong: "Nein, wir müssen seckeln. Sonst verpassen wir den Anschluss."
Mr Doorman: "Aber ... aber Sie haben vier volle Einkaufstüten. Mit dem Direktzug wäre ..."
Frau Zappdong: "Den Direktzug dürfen wir nicht nehmen."
Mr Doorman: "Sind Sie sicher, dass wir hier nicht in Russland sind?"
Frau Zappdong: "Nein."
Mr Doorman (grinst): "Dann machen wir es wie die Russen. Wir nehmen den direkten Zug."
Frau Zappdong (grinst auch): "Machen wir. Schliesslich steht nirgends geschrieben, dass wir das nicht dürfen."

Noch etwas später, auf dem Railjet.

Mr Doorman: "Wir bezahlen doch Steuern, oder nicht?"
Frau Zappadong: "Ja."
Mr Doorman: "Und damit finanzieren wir auch Bahnschienen und SBB Wagen."
Frau Zappdong: "Ja."
Mr Doorman: "Um dann draussen vor der Waggontür zu stehen."
Frau Zappdong: "..."

Die Geschichte mit dem Schaffner, der uns darauf hinweist, dass wir nicht in diesem Zug sitzen dürfen, erzählen wir Ihnen ein anderes Mal.

Heute, beim Papierflüügerlibaschteln

Mr Doorman und ich sassen in trauter Eintracht beisammen und falteten aus dem Wahlwerbematerial der Masseneinwanderungspartei Papierflüügerli (ja, immer noch, der Vorrat reicht für mindestens acht Wochen), während im Toggenburg oben (auch immer noch) die sirenenlauten richtigen Flüüger auch dem letzten ausländischen Touristen klar machten, dass es besser ist, sein Bier oder seinen Kaffee in astreinem Schweizerdeutsch zu bestellen, statt in Hochdeutsch oder gar in einer fremden Zunge, die der einheimische Eidgenosse nicht versteht, da er (der auländische Tourist) sonst jederzeit Ziel eines Befreiungsschlags seitens der Schweizer Masseneinwanderungsgegner sein könnte.

Nach dem Falten des umpfzigsten Flüügers brauchte ich eine Pause. Mr Doorman auch. Also marschierte ich im Stechschritt zur Kaffeemaschine, während Mr Doorman das Radio einschaltete und Nachrichten hörte. Genau in dem Moment trat meine Kaffeemaschine lärmmässig in Konkurrenz zu den Flügern im Toggenburg und so verpasste ich die Nachricht des Tages. Machte nichts. Mr Doorman verkündete sie mir frohgemut, als ich mit dem Kaffee anmarschiert kam.

"Frau Zappadong! Wir dürfen unsere Streumunition behalten."
Etwas irritiert stellte ich ihm seine Kaffeetasse hin. "Wir haben Streumunition?", fragte ich. "Wusste ich gar nicht."
"Ich auch nicht. Aber die Sicherheitskommission des Nationalrats hat heute beschlossen, das internationale Übereinkommen über Streumunition nicht zu ratifizieren. " Mr Doorman trank einen Schluck und stellte die Tasse wieder hin, zielgenau auf einen Papierflüger, der danach direkt in die Verschrottung musste. Wir überlegten kurz, ihn mit der Streumunition fertig zu machen, hatten dann aber Angst, dass wir dabei getroffen werden könnten und verwarfen den Gedanken wieder.
"Ähm", sagte ich. "Hat auch jemand gesagt, warum wir Streumunition brauchen?"
Mr Doorman nickte.
Sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel. Und es ist unseres Erachtens nicht legitim, den Angreifer gegenüber dem Verteidiger zu bevorzugen.  (sagte Nationalrat Ulrich Schlüer, SVP)
Alternativen wären zu teuer. Wir brauchen die Streumunition. (sagte Nationalrat Roland Borer, SVP, und fügte noch an, mit diesem Entscheid könne man der abtretenden Bundesrätin Calmy-Rey einen Strich durch die Rechnung machen, oder, im Originalton: "Eine Ohrfeige zum Abgang ist gut.")
"Na, das sind doch mal Argumente", sagte ich fröhlich. "Vor allem das mit der Ohrfeige."
Mr Doorman grinste: "Ihre Schweizer Politiker sind ja schlitzohriger als unsere russischen", meinte er. "Von denen könnte sogar Onkel Vladimir noch etwas lernen."
"Und erst unsere Jugendlichen!", fügte ich an. Dann fiel mir etwas ein. "Kann man eigentlich Streumunition auch selber baschteln?", fragte ich den russischen Experten (Mr Doorman).
"Wozu auch?" Er zuckte lässig mit den Schultern. "Ich ruf einfach Onkel Vladimir an. Der kann in zwei Tagen liefern."
"Letzte Frage", sagte ich. "Wo dürfen wir die Muntion denn einsetzen? Ich meine, da gibt es vielleicht doch Regeln, oder nicht?"
Auch auf diese Frage war Mr Doorman vorbereitet.
Da die Schweizer Armee Streumunition nur im Verteidigungsfall und nur auf Schweizer Hoheitsgebiet einsetzen würde, werde die internationale Gemeinschaft durch den Bestand der Streumunition der Schweizer Armee keinesfalls gefährdet
Also, das fand ich jetzt nicht grad so prickelnd cool. Damit würden wir ja uns selbst ... Aber nein, das wird schon nicht passieren. Schliesslich haben wir in der Sicherheitskommission lauter gescheite Leute, die wissen, was sie tun. Wir tranken also friedlich unseren Kaffee fertig und baschtelten weiter, in voller Vorfreude darauf, unsere Papierflüger mit Streumunition auszurüsten.

(Wenn Sie starke Nerven haben, erhalten Sie die Hintergrundinfos zu diesem Artikel hier und hier  - wenn nicht, lassen Sie es bleiben und überlassen die Verantwortung den Schweizer Politikern, Mr Doorman und mir)

Flüügerli

Während Mr Doorman und mir schon den ganzen Morgen die Ohren sausen und brummen von den Armeeflüügern, die zum umpften Mal über dem Toggenburg herumkreisen und dabei einen Lärm machen wie die gut schweizerischen Warnsirenen, hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat beschlossen, dass unser Land dringendst neue Flüüger braucht. Mr Doorman und ich finden auch, dass es nicht genug davon geben kann. Im Toggenburg hat es noch ein bisschen Platz und weil wir hier in Zappadonghausen nur die Hälfte des Lärms abbekommen, melden wir uns freiwillig als Unterflugsgebiet. Also, wir hätten gerne mindestens 100 Stück. Abstimmen darüber wollen wir nicht. Wir erklären uns auch prophylaktisch bereit, Klassengrössen von 40 Kindern zu akzeptieren, ab der Oberstufe Studiengebühren zu bezahlen, mit der Hälfte unserer AHV auszukommen (falls wir die noch erleben) und was halt sonst noch alles nötig ist, damit wir vor dem Unbill dieser Welt und allenfalls von anderen Planeten geschützt werden.

PS: Bis die Flüüger dann auch über dem Toggenburg eingetroffen sind, werden wir aus den unzähligen SVP Wahlunterlagen, die tagtäglich in unserem Briefkasten landen, Papierflüüger baschteln. Einfach, damit keine Versorgungslücke entsteht.

Wo sie recht haben, haben sie recht

Mr Doorman und ich haben's ja häufiger nicht so mit Gottes irdischen Vertretern, doch diesmal sitzen wir nicht nur kopfnickend da, sondern bedanken uns ausdrücklich für die klaren Worte.