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Frau Zappadong nachtwandelt

Um drei Uhr morgens haben mich heftige Ohrenschmerzen aufgeweckt. Da man mit so etwas nicht schlafen kann, bin ich aufgestanden und habe im Zappadong-Gebäude nach Schmerztabletten gesucht; ein gar nicht so einfaches Unterfangen, da sich die Hausapotheke auf verschiedene Stockwerke aufteilt und ich mir nie so sicher bin, wo was ist. Während ich nun darauf warte, dass die Schmerzen nachlassen, plaudere ich Ihnen zwecks Ablenkung Ihre hoffentlich gesunden Ohren voll. (Frage in Klammern: Helfen Schmerztabletten gegen Ohrenschmerzen? Nun, ich werde es im laufe der nächsten Stunde herausfinden.)

Stellen Sie sich vor, am Montag wollte ich nach getaner Arbeit meinen Abend in meiner virtuellen Stammkneipe ausklingen lassen. Nun - die Kneipe war weg. Einfach weg. Die erste virtuelle Drehtür meines virtuellen Lebens bewegte sich keinen Milimeter. Ich drückte mir die Nase daran platt, schrie nach Mac, dem Kneipenwirt und suchte vergeblich, einen Blick auf das geliebte rote Sofa zu werfen, auf dem ich so manche Stunde verbracht hatte.

(Ich habe immer noch Ohrenschmerzen.)

In dieser Kneipe wurde so manche heftige virtuelle Diskussion ausgetragen und meistens endeten sie mit einer Versöhnung. Sie müssen sich das so vorstellen: Entweder besoffen wir uns virtuell am virtuellen Lagerfeuer vor der Kneipe (entzündet mit virtuell kaputt geschlagenem virtuellem Mobiliar) oder am virtuellen Thresen mit einem grausam grässlichen virtuellen Bärwurzgesöff, das kein vernünftiger Mensch freiwillig trinken würden. Die letzte Auseinandersetzung war besonders hässlich. Sie drehte sich um japanische Gedichte einerseits und den lieben Gott andererseits und irgendwann hatte die Kneipenbesitzerin genug und drückte den roten Knopf. Wobei ein roter Knopf in der virtuellen Welt schlicht und einfach die Delete-Taste ist. Päng. Weg war sie, die Kneipe.

(Und ich habe immer noch Ohrenschmerzen.)

Ist das nicht gleichzeitig ein beruhigender und beunruhigender Gedanke (nein, nicht der Gedanke an die Ohrenschmerzen sondern jener an die Delete-Taste)? Und rückt diese kleine Taste nicht die virtuelle Welt in die richtige Perspektive?

(Und bekommt man von Ohrenschmerzen philosophische Gedanken?)

Bevor ich zu meinen Ohrenschmerzen kam, verbrachte ich einen wunderbaren Nachmittag und Abend in den angrenzenden Liechtensteiner Bergen. Aber lassen wir doch Bilder sprechen:



Dummerweise vertrugen sich auf dem Heimweg nach unten ins Tal der Druck auf die Ohren und meine immer noch vorhandene Erkältung nicht so ganz. Weshalb ich nun Ohrenschmerzen habe und nicht schlafen kann (sagte ich das schon?).

Trotzdem: Ich beende hier meinen Eintrag. Sonst wird der zu lang und Ihr Boss könnte Sie beim Lesen ebendieses Eintrags erwischen. Und Sie deleten. Sprich: Feuern. Das wollen wir nun wirklich nicht.

Herzlichst

Ihre Z.

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