RSS Feed

Writer's High oder Kunstmuseum, Versuch III

Entschuldigen Sie mein Abtauchen, liebe Zappadongbesucherinnen und Zappadongbesucher. Ich hoffe, Sie sind darüber nicht so beleidigt wie Mr Doorman, der am Samstag mit mir ins Kunstmuseum wollte.

Mr Doorman (steht breitbeinig und mit Kalaschnikow vor mir): "Ich bin bereit."
Frau Z.: "Wozu? Wollen Sie die Ameisen im Garten erschiessen?"
Mr Doorman (beleidigt): "Nein, ich will nach Liechtenstein. In dieses komische Museum."
Frau Z: "Mit dem Ding da?"
Mr Doorman: "Man muss immer auf alles vorbereitet sein, Frau Zappadong."
Frau Z.: "Keine Angst, die moderne Kunst ist bisweilen gewöhnungsbedürftig, aber sie beisst niemanden und schon gar nicht greift sie unschuldige Besucher an."
Mr Doorman: "Ich spreche nicht von der Kunst, sondern von den Liechtensteinern."
Frau Z.: "Aha." (Schweigepause) "Mr Doorman, ich habe jetzt keine Zeit. Weder für einen Besuch im Museum, noch für einen Vortrag über die Freundlichkeit der Liechtensteiner."
Mr Doorman (schweigt, während sein Gesicht Bände spricht).
Frau Z.: "Es ist nichts Persönliches, Mr Doorman. Heute ist der 31. März und morgen ist Deadline für mein Manuskript. Ich habe also zu tun."
Mr Doorman: "Das ist ein ganz billiger Aprilscherz, Frau Zappadong."
Frau Z. (hält Mr Doorman eine Mail an die Verlagslektorin unter die Nase, in welcher der 1. April als Abgabetermin verbucht ist).
Mr Doorman: "Ja, sind Sie denn noch nicht fertig?"

Ich schwieg.
Und Ihnen verrate ich jetzt etwas.
Ich liebe Deadlines.
Ich brauche Dealines.
Ich halte Deadlines ein, komme, was da wolle.
Ich habe aber auch immer ziemlich viel zu tun bevor eine Deadline abläuft, da ich ihnen ungerührt ins Auge sehe, während sie auf mich zurasen - um sie im letzten Moment gründlich und vernichtend zu schlagen. Das heisst nicht, dass ich erst einen Tag vor der Ablauf der Frist zu arbeiten beginne; das heisst, das ich einen Tag vor Ablauf der Frist zu Hochform auflaufe.

Und so kam es, dass ich mich am Samstag, den 31. März, mit aller Kraft und Energie in meine letzte schreiberischen Runde in Bezug auf Feinschliffarbeiten stürzte. 15 Stunden mehr oder weniger Nonstop. Dabei erreichte ich ein Writer's High (was mir beim Joggen mit dem "Runner's High" leider nie passiert). Ich hob ab. Lebte in meinem Text. Sah jedes Wort glasklar. Fand neue Formulierungen. Schliff. Feilte. Perfektionierte. Schloss um 23.45 glücklich den Laptop. Und konnte vor lauter überschüssigem Glück danach nicht schlafen.

Am Morgen danach - am 1. April - lies ich den Text los (ja, am Sonntag). Seither bin ich in der "Abkühlphase", will heissen: Ich komme langsam vom Writer's High runter. Mal sehen, ob es dann beim vierten Versuch mit dem Kunstmuseum klappt.

Ihre Z.

0 Kommentare: