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Profane Dinge

Ich bin jetzt wieder so weit, dass ich eine Tür beim ersten Versuch, durchzugehen, nicht mehr verfehle. So schnell rühre ich keinen Alkohol mehr an. Mit der Menge an grauen Gehirnzellen, die uns bei dem Gelage abgestorben sind, könnte man wahrscheinlich einen Nobelpreisträger aus dem Boden stampfen.

Nach so einem Exzess werden selbst einfache Dinge schwer: das Öffnen einer Tür mit einem Schlüssel, das Bekämpfen des Durstes, das Schälen eines Apfels, das Bekämpfen des Durstes, das Vermeiden von Wiederholungen und der Durst, nur, um einige Beispiele zu nennen. Ich werde jetzt gleich was trinken, um wenigstens mal drei der Probleme zu lösen.

Heute haben wir den ganzen Tag aufgeräumt. Mr. Doorman, der übrigens glänzend aussieht und ebenso gelaunt ist, meinte, dass bezüglich meines Zustandes wohl einer von den Snacks nicht mehr ganz frisch gewesen sei.

Wir beide standen gerade in der Küche, um die letzten Reste des gestrigen Desasters wegzuräumen, als ich hinter mir ein schleifendes Geräusch und ein ziemlich trockenes Husten hörte. Erschrocken fuhr ich herum und sah vor mir ein kleines, runzliges Mütterchen in einem Kleid aus grobem, grau-braunen Stoff mit einer himmelblauen Schürze um den Bauch.

„Ach ja“, beeilte sich Mr. D. zu sagen. „Das ist Svetlana. Sie wissen schon...“ Dabei sah er mich verschwörerisch an.

Svetlana? Wer zum Teufel noch mal ist Svetlana? Ich kam mir vor wie im falschen Film. Das Mütterchen watschelte auf ihren ausgeleierten Ledersandalen um mich herum, nahm ein Geschirrtuch in ihre verknorpelte, dürre Hand und in die andere Hand einen der Teller, die ich gerade abgetrocknet hatte. Anschließend rieb sie mit dem Tuch über den Teller, ohne sich um mich zu kümmern.

Ich sah Mr. D. an. Mein Mund öffnete sich, aber mein Gehirn weigerte sich, das Offensichtliche zu akzeptieren.

„Svetlana?“, fragte ich mit einem völlig hilflosen Blick.

„Ja“, sagte Mr. Doorman und wand sich dabei wie eine Ringelnatter, die von einem Falken am Schwanz gepackt wird. „Svetlana Boriskovskaya, meine Großtante mütterlicherseits. Sie sagten doch...“

„Was?“

„Na ja, Frau Zappadong hat doch erwähnt, dass wir...“ Er stockte schon wieder. Wenn mein Zustand nur ein kleines bisschen weniger bedauernswert gewesen wäre, hätte ich mich wohl auf ihn gestürzt.

„WAS?“

„Putzfrau“, beeilte sich Mr. D. zu sagen. „Wir hatten doch gestern vereinbart, dass sich meine Tante hier als Putzfrau vorstellen soll.“

Und ich hatte gedacht, die Probleme wären überstanden.

Gruß Alex L.

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