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Vertragsverhandlungen

„Mr. Doorman, woran liegt es, dass Svetlana nicht auf meine Anweisungen reagiert?“

„Na ja, ähem. Sie...“ Mr. Doorman war sichtlich verlegen. „Sie spricht unsere Sprache nicht besonders gut.“

„Ach was. Wie um alles in der Welt soll ich jemand beschäftigen, mit dem ich mich nicht mal unterhalten kann? Soll ich englisch mit ihr reden?“

„Englisch“, sagte Mr. Doorman, und seine Wangen färbten sich rot. „... kann sie auch nicht.“

„Aber sprechen kann sie, oder?“

„Wissen Sie, sie ist in Kasachstan aufgewachsen, in einem kleinen Bergdorf. Und da spricht man so einen alten, kasachischen Dialekt, den versteht sie recht gut.“

Ich schloss die Augen und zählte langsam bis zehn. „Weiter“, sagte ich zu Mr. Doorman.

„Am Besten wäre es, wenn Sie mir die Anweisungen geben und ich sie an Svetlana weitergebe?“ Seine Augen blickten dabei so treuherzig, dass sogar ein Hundewelpe nachgegeben hätte.

„Sind Sie nicht auch der Meinung, dass das Zappadong-Gebäude doch etwas groß ist für eine Frau ihres Alters?“ Zweiunddreißig Stockwerke, kein Lift. Du meine Güte. Wenn ich vom Empfang ins Fitneßcenter im 32. Stock gehe, brauche ich eine halbe Stunde Erholung.

„Svetlana schafft das schon. Sie hat zu Hause ja auch eine Großfamilie betreut. Sieben Erwachsene und vierzehn Kinder!“

„Ja? Und wo haben die gewohnt?“

„Na ja, in so einer Einzimmerwohnung in Usbenka, an der chinesischen Grenze.“

Meine Kopfschmerzen von gestern klopften noch mal kurz und heftig an meine Schläfe. Ich wollte gerade zu einer geharnischten Erwiderung ansetzen, als ich Svetlana das erste mal was sagen hörte. Sie hat eine kräftige, aber angenehme Stimme. Gebückt, wie sie dastand, brachte sie einen Schwall an mich gewandter Worte hervor, von dem ich natürlich nichts verstand. Dann ging sie auf Mr. D. zu, umarmt ihn in Bauchhöhe, zog ihn zu sich herunter und gab ihm einen Schmatz auf die Wange. Sie drehte sich zu mir um, zwinkerte mir mit beiden Augen zu und verließ die Küche.

„Was hat sie...“, fing ich an, und während ich Mr. D. ansah, wurde mir ganz schwummerig zu Mute. Seine Augen glitzerten verdächtig.

Ich stand da, unfähig, etwas zu tun. Mr. D. sah ihr nach, dann drehte er sich zu mir um. Nach einer Pause, in der er sichtlich um Fassung rang, sagte er leise: „Svetlana hat sich bedankt. Sie hält Sie für einen anständigen Mann, und sie wird Sie und Frau Zappadong nicht enttäuschen.“

Tja, was soll ich sagen? Wir haben eine neue Putzfrau.

Gruß Alex L.

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