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Game over! Oder doch nicht?

Wer sich heute der Diskussion um Klimawandel entziehen will, muss schon ziemlich abgebrüht sein (oder blind und taub). Selbst vermeintliche Lichtblicke wie hier im Spiegel sind nichts als Augenwischerei. Die deutsche Energielobby hat sich erst kürzlich 25 Kohlekraftwerke als Neubauten genehmigen lassen und dafür die Emissionspapiere vom Staat bezahlt bekommen. Schließlich schaffen sie ja dadurch Arbeitsplätze...

Indes treibt der Hype um das Klima immer ausgefallenere Blüten: eine Seite parodiert den Handel mit Emissionspapieren auf geradezu haarsträubende Weise: Cheatneutral. Dort können sich Leute, die in der Ehe nicht treu waren, von ihren Sünden durch Ablassscheine freikaufen. Treue Landsleute werden vom eingenommenen Geld dafür bezahlt. Woanders wird darauf hingewiesen, dass man bei Google bitte nicht mehr nach Globaler Erderwärmung suchen sollte. "Global" stehe doch schon für die ganze Erde, das wäre dann ja eine Tautologie. Ein US-Fotokünstler lässt 600 Menschen nackt auf einem Gletscher posieren. Sex sells eben auch hier.

Auf der anderen Seite gibt es jetzt einen Film von der renomierten BBC, der den Klimawandel als großen Bluff hinstellt: The great global warming swindle. Auf der Webseite der Welt wird dieser Film sogar als relativ glaubwürdig dargestellt.

Die Folgen für den einzelnen Bürger sind verheerend. Alle Themen, die die Presse tage- oder wochenlang dominieren, werden zunehmend verdrängt (Wer spricht heute noch von Acrylamid? Was ist das überhaupt). Wenn also auf der ersten Seite der Tageszeitung wieder eine neue Statistik vorgestellt wird, die eine noch schnellere Erwärmung vorhersagt, simuliert man Betroffenheit (Man müsste da wirklich was tun) und blättert dann auf die Sportseite weiter. Wenn sich dann auch noch Berichte über die Unzuverlässigkeit der Statistiken dazwischen schmuggeln, tendiert der normale Verbraucher dazu, für sich selbst das anzunehmen, was am bequemsten und sichersten ist. Wie sonst hätte die Katastrophe in New Orleans solche Ausmaße annehmen können? Warum sonst sollten Menschen auf der San Andreas-Falte Wohngebiete ausweisen? Warum sonst sollten Menschen an der Flanke des Vesuv wohnen wollen?

Ich möchte weder die Globale Erwärmung abstreiten noch uneingeschränkt als wahr erklären, aber, liebe Wissenschaftler, wie wäre es mit weniger unausgegorenen Vermutungen und dafür mehr beweisbaren und auch stichhaltigen Fakten? Wem soll ich als nicht-wissenschaftlicher Verbraucher noch glauben, wenn sogar die BBC und andere Medien mir sagen, dass die meisten Berichte über dieses heikle Thema auf unvollständigen Daten beruhen?

Ich hoffe, der Klimawandel macht unsere neue Dachterrasse nicht überflüssig, die bald montiert werden wird.

Gruß Alex L.

6 Kommentare:

Zappadong said...

Oh, der Intellekt ist in unserem Blog zurückgekehrt. Danke, Herr Lightbringer.

Den BBC-Film habe ich gesehen, genauso wie den von Al Gore.

Beide waren sehr überzeugend und schliessen einander nicht aus. Ich persönlich finde die BBC-Dokumentation viel verstörender, weil sie u.a. darauf fusst, dass die heutigen Probleme ihren Ursprung in der Vergangenheit haben (nicht nur in der näheren).

In einem Fall gebe ich Ihnen recht: Die Hysterie um den Klimawandel treibt seltsame Blüten. Man kann zum Beispiel auch Ablass kaufen für seine Vielfliegerei. Geflogen wird trotzdem. Am Freitagnachmittag, nach New York, um dort ein Handtäschchen zu kaufen - und zu sagen "ich war kurz shoppen in New York und nächstes Wochenende fliege ich nach London, falls ich den Jet-Lag von meinem Kurztrip nach Brasilien aufholen kann."

Ich will trotzdem eine Dachterrasse.

Fraz z.

Phrixus said...

Tja, das IST eine Tautologie, und zwar eine der schwachsinnigeren. Und wenn so am Tag dreißig Leute bei mir landen, die alle "Globale Erderwärmung" googeln, geht der Linguist mit mir durch. :-) Herzliche Grüße, Phrixus

Alex Lightbringer said...

Hallo, Phrixus

Selbstverständlich hast Du Recht! Ich habe deinen Beitrag nur deswegen erwähnt, weil eine Sache, die so oft nachgefragt wird, dass man dabei nicht mehr über das Thema an sich, sondern sogar schon über Rechtschreibfehlern (und Tautologien) diskutieren kann, doch reichlich überhyped ist.

Gruß Alex L.

Phrixus said...

Als "Wissenschaftler" (naja, es wird einem halt wissenschaftliches Vorgehen eingeprügelt) muss ich dagegen halten: Ich denke, dass es für den Beginn der Diskussion wichtig ist, dass man überhaupt in der Lage ist, den ganzen Kram richtig zu benennen - sonst macht man sich unglaubwürdig. Wer nicht weiß, dass 'global' und 'erdumfassend' dasselbe ist, sollte darüber erstmal informiert werden, oder? Über das Thema an sich diskutiere ich nicht mehr wirklich gern. Ich finde, es ist die Pflicht eines jeden Menschen, das Klima so gut zu schützen, wie es eben geht - und langsam ist mir dabei echt völlig egal, ob und wie sich die Erderwärmung manifestieren wird. Wir haben alle eine Verantwortung, weil wir eben alle in unsere Umwelt eingreifen. Umweltschutz sollte mal von dieser ganzen "Erderwärmung-Ja-Nein-Vielleicht"-Diskussion unabhängig gemacht werden. Herzliche Grüße, Phrixus

Phrixus said...

Oh, eine Sache noch: "The Great Global Warming Swindle" wird keineswegs positiv bewertet. Der Stern berichtete nach der Ausstrahlung auf RTL, dass sich beispielsweise einige der zitierten Wissenschaftler im Nachhinein vom Film distanziert haben, weil sie die Argumentation als völlig falsch dargestellt empfinden. Dass die Sonnenaktivität für die Erderwärmung verantwortlich sein soll, ist inzwischen widerlegt, was aber im Film nicht erwähnt wird. Hier ist der Link zu Stern online:
http://stern.de/wissenschaft/natur/
590931.html?q=klimawandel

Alex Lightbringer said...

Danke für die Information.

Gruß Alex