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Datensicherheit

Folgendes stand am 21.9. auf Spiegel Online:"

"Branchenprimus MySpace hat jetzt angekündigt, ab sofort Informationen aus Nutzerprofilen für gezielte Online-Werbung zu nutzen. Solange Nutzer diesen wertvollen Rohstoff weiter freiwillig verschenken, werden sich Mitmach-Netzwerke mit immer aggressivere Akquise-Methoden bekriegen." (PS: der aggressivere-Fehler war im Original-Bericht;-) Was soll ich sagen: siehe "Deutsch für Runaways")

So viel zum Thema: warum sollte ich keine persönlichen Daten ins Internet stellen? Sind Sie Mitglied bei MySpace? Haben Sie im Profil Ihr Alter, Ihre Hobbies, die Anzahl Ihrer Kinder angegeben? Lustigerweise haben wir in Deutschland ein gutes Gefühl, wenn auf einer Seite bei einer Anmeldung auf die "Datenschutzbestimmungen" verwiesen wird. Meine Daten werden also geschützt? Na, ist doch super. Da brauche ich ja nicht tiefer nachzugraben, es gibt jemand, der sich darum kümmert.

Nehmen wir die Datenschutzbestimmungen mal auseinander:

"Darüber hinaus erfasst MySpace.com weitere Profildaten, einschließlich, jedoch nicht beschränkt auf: persönliche Interessen, Geschlecht, Alter, Ausbildung und Beruf."

Um Mr. Monk zu zitieren: der für mich absolut wichtigste Teil dieser Aussage ist "...nicht beschränkt auf...". Der ganze Satz ist nur eine Verharmlosung folgenden Satzes:

"Darüber hinaus erfassen wir alle Daten und Informationen, die überhaupt denkbar sind, einschließlich Blog-, Mail- und Fotoauswertung sowie der Analyse deines Surfverhaltens und aller jemals von dir verwendeten Mail-Adressen."

Und weiter geht's:


"Um die Suche nach Freunden und Bekannten zu erleichtern, ermöglicht der MySpace.com-Service Benutzern die Suche von Mitgliedern anhand ihres Vor- und Nachnamens, ihrer E-Mail-Adresse sowie von Schulen und/oder Firmen, die sie besucht bzw. bei denen sie gearbeitet haben."

Der Satz ist ebenfalls so gestrickt, dass der Leser über beruhigende Worte wie "Freunde und Bekannte" eingelullt wird. Ersetzen wir das mal durch etwas knackigeres:

"Um die Suche nach jedem beliebigen Menschen, einschließlich deinen Freunden oder Feinden oder dir selbst, zu erleichtern, ermöglicht der MySpace.com-Service Benutzern die Suche von Mitgliedern anhand jedes beliebigen Schlüsselwortes, das dir für deine Suche geeignet erscheint."

Was passiert aber jetzt mit meinen Daten?

"Auf diese Weise können die Werbeträger Informationen darüber sammeln, wo du oder andere Benutzer deines Computers ihre Werbung gesehen haben und feststellen, auf welche Werbung geklickt wurde. Anhand dieser Informationen können sie dir gezielt Werbung präsentieren, die ihrer Meinung nach für dich von Interesse sein könnte."

Die können mir dann gezielt Werbung zusenden. Das ist cool. Wenn ich mich also für Fotoapparate interessiere, bekomme ich dazu Angebote. Her damit. Lassen Sie mich das anders formulieren:

"Anhand dieser Informationen steigert sich der Wert deiner Webadresse um ein hundertfaches und MySpace kann damit mächtig Kohle verdienen. Außerdem wirst du Spam-Mails bekommen, die du von guten Angeboten nicht mehr unterscheiden kannst, weil der Spam direkt auf dich zugeschnitten wird."

Diese Bedingungen sind natürlich nicht auf MySpace begrenzt. Ähnliche Sätze finden sich auf praktisch allen Anmeldeseiten. Es spricht nichts dagegen, sich bei Diensten wie MySpace, Google oder Flickr anzumelden. Wenn Sie dabei eine Wegwerf-Mailadresse und anonyme Daten verwenden, haben Sie damit kaum Probleme. Sobald Sie allerdings weitere persönliche Daten über sich freigeben, kann Ihnen beim nächsten Bewerbungsgespräch durchaus mal einer Ihrer Chat-Einträge um die Ohren flattern. Darüber sollten Sie sich im Klaren sein.

Gruß Alex L.

1 Kommentare:

Zappadong said...

DESHALB bekomme ich also in letzter Zeit jeden Tag ungefähr 20 SPAM-Mails mit Viagra-Angeboten :-)

Wobei, ich kann mich nicht erinnern, mich als Mann ausgegeben zu haben ... hmmmm ... mindestens nicht kürzlich. Ob da Mr Doorman ... Den kann ich zur Zeit nicht fragen. Er hat die Woche frei genommen und bleibt gleich im Kino auf seinem reservierten Sessel sitzen.

Sohn Zappadong hat ihm gestern Gesellschaft geleistet - nachdem er vorgestern mit mir da gewesen war.

Frau Z. (die sich wundert, warum ihr noch niemand Gratisschokolade geschickt hat - wo sie doch ständig in allen Mails und Blogeinträgen darauf hinweist, wie sehr sie die mag).