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Mr Doorman disponiert um

Frau Rösli möge mir verzeihen, aber ich muss beim Film ausholen, um diesen Beitrag einzuleiten.

In jungen Jahren sah ich mir innerhalb von etwa zwei Wochen vier- oder fünf Mal den Film "Hair" im Kino an. Jene von Ihnen, die die Geschichte kennen, wissen, dass der Hippie anstelle seines Freundes nach Vietnam in den Krieg zieht (er hat sich auf die Militärbasis eingeschlichen und den Platz seines Freundes eingenommen, und genau in dem Moment werden die Soldaten einberufen und in ein Flugzeug verfrachtet). Nun, obwohl es immer derselbe Film war, hatte ich doch jedes Mal wieder die Hoffnung, der Freund möge rechtzeitig zurückkommen.

Genau dieses Gefühl hatte ich gestern Abend vor dem Fernseher. Die Wahlresultate zeichneten sich ab, die Gewinne für die Schäfchen-Ziegenbockpartei waren erschütternd hoch. Ich guckte und guckte und guckte, aber nichts änderte sich. Die Gewinne blieben hoch.

Schweizweit hat die Schäfchen-Ziegenbockpartei gemäss Hochrechnungen 7 Sitze gewonnen und belegt nun 62 der 200 Nationalratssitze. In meinem Heimatkanton sind es 5 von 12 Sitzen, und - leider kann man es nicht viel anders sagen - ein paar der Gewählten verfügen über nicht viel mehr Verstand als die Schafe und Ziegenböcke, die so gerne für ihre Partei ins Feld führen.

Eigentlich wollte ich bis zu den nächsten Wahlen im Jahre 2011 im Bett bleiben, aber ein unbeschreiblicher Lärm weckte mich. Ich schoss hoch, und das erste, das ich sah, war eine rosa Küchenschürze.

"Mr Doorman!", brüllte ich, "das ist NICHT witzig."

Mein Gebrüll verhallte ungehört. Dafür hörte ich aus der Lobby einen solchen Krach, dass ich - Vorsatz hin oder her - aufstehen und nachsehen musste. Im Eingangsbereich herrschte ein unvorstellbares Chaos und in der Drehtür steckte ein Herd fest.

"Was soll das?" (Ich brüllte immer noch.)

"Das ist unsere neue Küche", erklärte Mr Doorman. "Haben Sie übrigens die Schürze gefunden?"

"Ins Bügelzimmer. Wir spielen Russisch Roulette. Mit sechs Kugeln. Sie fangen an." (Gibt es eine Steigerung zu brüllen?)

Mr Doorman grinste und legte verschwörerisch seinen Zeigefinger auf die Lippen. Dann nahm er mich sachte am Arm und führte mich in den Panikraum, wo schon Frau Rösli auf uns wartete, in der einen Hand eine Tafel Schokolade, in der anderen die Hellebarde, mit der sich unser zweiter Nationalheld Winkelried vor vielen, vielen Jahren heldenhaft in eine aussichtslose Schlacht geworfen hat.

"Durchatmen, Frau Zappadong, tief durchatmen", befahl Mr Doorman.

"Was ...?"

"Zappadong wird die Zentrale", erklärte Mr Doorman mit feierlicher Stimme.

"Zentrale?"

"Geheimer Widerstand." Mr Doormans Stimme klang so sonor und staatstragend wie weiland Mr Ronald Reagans Organ (Anmerkung Frau Zappadong: amerikanischer Schauspieler und später amerikanischer Präsident). "Alles nur Tarnung, Frau Zappadong. Alles nur Tarnung."

Ich verstand. Frau Rösli streckte mir eine Tafel Schokolade hin.

"Sie sind auch dabei?", fragte ich.

"Aber sicher doch!" Frau Rösli schwang die Hellebarde.

"Und jetzt?", fragte ich.

"Jetzt retten wir erst einmal unsere Schafe", brummte Mr Doorman.

Unsere Schafe! Die hätte ich beinahe vergessen. Aus ökologischen Gründen haben wir keinen Rasenmäher, sondern lassen Schafe diese Arbeit tun. Schwarze Schafe.

Mr Doorman griff nach der Sprühdose der Farbe schafweiss. Er zwinkerte mir und Frau Rösli zu. "Bin gleich zurück. Lassen Sie mir etwas von der Schokolade übrig."

2 Kommentare:

Alex Lightbringer said...

So hat also nun auch das Muster aller Länder seine internen Probleme. Hätt' ich nie gedacht.

Solidarität aus Bayern! Ich werde hier gleich zum Streik aufrufen.

Gruß Alex

Zappadong said...

Danke für die Solidarität aus Bayern.

Mr Doorman überlegt, neben der Schweizer Flagge und der rosa Schürze auch die bayrische Flagge auf der Dachterasse anzubringen.

Ein zusätzlicher Farbtupfer wäre sie allemal.