RSS Feed

Shut up and sing

Eine unbedarfte Äusserung an einem Konzert in London, mehr oder weniger am Vorabend vor Ausbruch des Irakkrieges, hat die Country-Band Dixie Chicks in Teufels Küche gebracht. Sie sei beschämt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus ihrer Heimat Texas stamme, erklärte die Sängerin Natalie Maines einem begeisterten Publikum.

Damit eröffnete sie in ihrer Heimat eine Hexenjagd. Die Band wurde von Radiostationen boykottiert, von Landsleuten geächtet, zum Abschuss freigegeben, ihre CD-Verkäufe brachen ein, man bezeichnete sie als hirnlose Schlampen, Bettgespielinnen von Sadam, Verräterinnen. Ihre CDs wurden weggeworfen und plattgefahren.

Von 2003 bis 2006 entstand ein Dokumentarfilm über die Band, der unter die Haut geht. Versuchten die einzelnen Bandmitglieder (nicht zuletzt auf Anraten von Manager und Sponsor) den Schaden in Grenzen zu halten und sich herauszureden (unbedachte Äusserung / wir lieben unser Land) und sich beim Präsidenten zu entschuldigen, wurden sie im Laufe der Zeit selbstbewusster und radikaler. Sie begannen, trotz oder gerade wegen aller Anfeindungen, zu der gemachten Aussage zu stehen, entdeckten für sich die Bedeutung von Redefreiheit und entwickelten sich von "the all American nice girls" zu einer Gruppe von Frauen, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu sagen.

Die drei Frauen bezahlten einen hohen Preis: Ächtung in der Countryszene, unverhüllter Hass von Berufskollegen und Leuten aus der Medienbranche, Einbruch in den Verkaufszahlen, abgesagte Konzerte. Man riet ihnen, die Schnauze zu halten und einfach nur zu singen (shut up and sing). Sie haben - zu unser aller Glück - die Schnauze nicht gehalten.

Resultat dieser harten Zeit: Eine geniale CD "Taking the long way" mit dem starken Song "Not ready to make nice".

I’m not ready to make nice
I’m not ready to back down
I’m still mad as hell and
I don’t have time to go round and round and round
It’s too late to make it right
I probably wouldn’t if I could
‘Cause I’m mad as hell
Can’t bring myself to do what it is you think I should

(Den restlichen Text finden Sie hier: Not ready to make nice)

Die Dokumentation endet 2006, in einer Phase, in der die Band Konzerte absagen muss. Schlusspunkt ist ein Konzert in London, am gleichen Ort, an dem Natalie Maines drei Jahre vorher die verhängnisvolle Aussage gemacht hat. Unbedarft, etwas verlegen lachend. Da steht sie also 2006 und wiederholt ihre Aussage. Bewusst und Selbstbewusst.

Dieses Jahr sind sie zurück. Fünf Grammys haben sie abkassiert; für den besten Song und die beste CD. Ich mag es ihnen von Herzen gönnen.

PS: "Taking the long way" ist eine CD, die ich Ihnen nur ans Herz legen kann.

Ihre Frau Z.

10 Kommentare:

Anonymous said...

Sehr geehrte Frau Zappadong,

mit dem CD-Tipp haben Sie mich auf eine sehr gute Idee gebracht!

Wir haben es zwar nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu tun, doch auch hier gibt es einen Mr. B., nicht wahr?
Als ich Sie gestern mit Mr. Doorman Arm in Arm im Kino vorfand, in der Hand die Vodkaflasche, eine melancholische Weise auf den Lippen, während Sie mit feuchten Augen zusahen, wie auf der Leinwand Frösche seziert wurden, da fiel mir auf, dass Mr. Doorman eine schöne Bassstimme sein eigen nennt. Zudem singt er laut - sehr laut.
Ihre Stimme hingegen ... Vielleicht könnten Sie sich mit dem Gedanken anfreunden, Schlagzeug spielen zu lernen?
Ich habe ausserdem beobachtet, dass Mr. Lightbringer sehr gut darin ist, Bierfässchen zu stemmen. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass er als Cheer Leader eine wunderbare Figur auf der Bühne machen würde. Svetlana wäre sicher bereit, ihm ein ansprechendes Kostüm zu nähen, meinen Sie nicht?
Ich bin überzeugt, dass Ihre Performance kein Auge trocken lassen würde! So ein Essemble gibt es kein zweites Mal.
Damit dürfte es eigentlich kein Problem mehr sein, Leute wie Mr. B. in die Flucht zu schlagen?

Ich wollte mit Ihnen noch über etwas ganz anderes sprechen. Mr. Doorman und ich haben gedacht, dass sich im Kino wunderbar ein Geissenstall einrichten liesse, wenn man die hinteren drei Reihen herausreissen würde.
Ihnen ist ja sicher nicht entgangen, dass ich nicht nur meinen Adler, sondern auch meine Geissen von der Alm mitgebracht habe. Denen geht es im Moment zwar recht gut auf der Dachterasse, aber wenn es richtig Winter wird, ist es vielleicht doch etwas zugig da oben.
Wie gesagt, Mr. Doorman ist äusserst willig, mit der Arbeit zu beginnen. Dafür vergesse ich, dass er bei der "Sprüht die schwarzen Schafe weiss!"-Aktion meine Geissen ... naja, wie gesagt, Schwamm drüber, das wächst sich aus.

Falls Sie den Geissenstall gerne woanders hätten, müssen Sie schnell handeln. Mr. Doorman deponiert schon die Sprengladung, um die Kinositze loszuwerden.

Hochachtungsvoll

Rösli von Deralp

Alex Lightbringer said...

Als Cheerleader würde ich keine so gute Figur hinlege, dann schon eher als Bier-Leader.

Gruß Alex L.

Zappadong said...

Ein Geissenstall? In meinem Kino? Nur über meine Leiche!

Ich LIEBE Filme.

Das heisst... wie Sie sich vielleicht erinnern, haben wir ja für das französisch orientierte Filmpublikum ebenfalls einen kleinen Filmvorführraum eingerichtet, damit ich mir diese verworrenen Grausligkeiten nicht antun muss.

Ich werde Mr Doorman gleich in den französischen Filmvorführraum schicken. Da er sich mehrmals ziemlich despektierlich über Filme und Politiker aus Frankreich geäussert hat, wird es ihm eine Freude sein, nicht nur ein paar Sitzreihen, sondern gleich den ganzen Raum zu sprengen. Der Weg für den Geissenstall sollte dann frei sein.

Herr B. hat übrigens - aus Freude über die rosa Schürze, die auf unserer Dachterrasse so frivol luftig flattert wie weiland der Rock von M. Monroe über dem Lüftungsschacht - einen Besuch bei uns angekündigt. Mr Doorman übt sich in Heavy Metal (nicht ganz seine Stimmlage) und ich habe das ganze Topfarsenal der Küche hervorgeholt und schlage mit Kellen und Schwingbesen darauf herum, dass es selbst dem Tier aus der Muppet-Show wohlige Schauer den Rücken herunterjagt. Mr Lightbringer ist noch etwas zurückhaltend und Svetlana hat sich in der Toilette im 20. Stockwerk eingeschlossen.

Wir planen übrigens, Sie aus Ihrer Alp einzufliegen. Hätten Sie zufällig ein Alphorn, dem Sie ein paar Töne entlocken könnten?

Ihre Frau Z.

Alex Lightbringer said...

Und ich möchte mein Veto gegen die Kino-Verunstaltung einbringen. Wir können ja einen Winterverschlag auf der Dachterrasse bauen, um den Geißlein den Hintern zu wärmen.

Gruß Alex L.

PS: Habe grade mit Mr. D. eine Kiste Wodka geöffnet, um ihn etwas abzulenken.

Zappadong said...

Niemand verschandelt mir meine Dachterrasse!

Frau Rösli, da ich sehr grosse Stücke auf Mr Lightbringer halte und seine Meinung vorbehaltslos respektiere, fällt auch der französische Filmvorführraum weg.

Mr Lightbringer, irgendwo in diesen 33 Stockwerken muss doch ein Raum aufzutreiben sein, in dem man einen Geissenstall einrichten kann. Wir könnten ja Büro 874AgrK-WB25 benutzen, Sie wissen schon, jenen Raum, an dem wir unsere Unterlagen für das Steueramt aufbewahren. Da könnte Mr Doorman von mir aus hemmungslos herumsprengen. Was meinen Sie?

Frau Z.

Alex Lightbringer said...

Ich kann da nur Svetlanas Unterkunft empfehlen. Sie wohnt ja im Keller neben dem Heizungsraum. Da sie aus Kasachstan daran gewohnt ist, sollten die Ziegen über den Winter bei ihr im Keller bleiben. Dann hat auch Svetje ein wenig Unterhaltung.

Gruß Alex L.

Anonymous said...

Sehr geehrte Frau Zappadong,

leider können Sie mich nicht mehr einfliegen lassen, ich bin nämlich schon da, samt Adler und Geisslein. Vielleicht erinnern Sie sich?

Natürlich bin ich gerne bereit, Sie mit meinem Alphorn bei dem anstehenden Grossereignis zu unterstützen. Noch klingen die Töne, die ich produziere, recht eigenwillig, und Eigen-Willen ist wahrscheinlich nicht gerade die von Mr. B. bevorzugte Musikrichtung. Aber noch ist ja Zeit, und ich finde im Zappadonggebäude sicherlich einen geeigneten Platz, wo ich mein Alphorn aufbauen und üben kann.

Schade, dass Mr. Lightbringer so schüchtern ist und sich hinter einem Bierkasten verstecken will. Vielleicht könnte er jodeln, wenn er schon nicht tanzen möchte? Zur Not auch mit Bierkasten vor dem Bauch.

Ich wäre übrigens sehr froh, wenn meine Geissen nicht im Heizungskeller überwintern müssten. Sie sind frische Luft und Panoramablick gewohnt. Ausserdem steigen sie gerne in luftige Höhen. Wie wäre es, wenn wir das Treppenhaus zum Geissenstall umfunktionieren würden?

Hochachtungsvoll

Rösli von Deralp

Zappadong said...

Mir wächst diese Sache über den Kopf. Am einfachsten wäre es, den Versenkknopf zu drücken und das Gebäude über den Winter zu versenken - im Sommer können dann die Geissen nach draussen.

Da aber einfache Lösungen ehrer Herrn B.s Sache sind, müssen wir weiterhin beherzt nach Lösungen suchen. Frau Rösli, es ist doch bald Weihnachten: Wie schmeckt denn Geissenbraten?

Falls eine Schlachtung der Viecher nicht zur Diskussion steht, sehe ich nur eine Alternative: Wir bauen einen neuen Stall auf der Südseite des Zappadong-Gebäudes. Einen, der sämtlichen biologischen und ökologischen Kriterien entspricht. Zudem bekommt man im Lande von Herrn B. für nichts so leicht zu Subventionen wie für landwirtschaftliche Gebäude. Wir können also einen Stall aus Gold planen. Der Staat wird ihn schon finanzieren, keine Bange.

Zur Fronarbeit verpflichten wir dann Svetlanas Verwandtschaft.

Nachtrag: Entschuldigen Sie, Frau Rösli; ich dachte, Sie seien zurück auf der Alp. Letztes Mal, als ich in den Panikraum schaute, waren Sie nicht da ... es kann aber auch sein, dass sie glückselig schlummernd hinter einem Berg Schokolade steckten. Auf jeden Fall ist ihr Alphornsound sehr gefragt. Können Sie denn die Töne zu "Highway to Hell" und "The Number of the Beast" intonieren?

Frau Z.

Alex Lightbringer said...

Geißenbraten! Die beste Idee bisher.

Klarstellung: ich renne nicht dauernd mit einem Kasten Bier vor dem Bauch herum. Da ich aus Bayern komme, befindet sich das Bier im Bauch. Ich wollte nur einen Kontrapunkt zum Cheerleader setzen. Sie wollen mich nicht mit Minirock und Puschen an den Händen sehen, glauben Sie mir.

Gruß Alex L.

Anonymous said...

Sehr geehrte Frau Zappadong,
sehr geehrter Herr Lightbringer,

Geissenbraten ist definitiv keine Alternative. Meine Geissen sind nicht mehr die jüngsten, und während ein Zicklein wirklich einen schönen Weihnachtsbraten abgeben würde (planen Sie eine Grillparty auf der Dachterasse zu Weihnachten?), beisst man sich an älteren Vertretern der Gattung die Zähne aus.

Deshalb wäre es vielleicht nicht schlecht, den Geissenstall wie vorgeschlagen aussen anzubringen. Als symbolische Mahnung für Herrn B., was meinen Sie?

Goldener Pavillion hört sich für mich sehr vernünftig an. Man könnte ihn am Eingang des Gebäudes errichten ("durch diese goldene(n) Gas(s)e muss er kommen").
(Damit wäre auch das Problem gelöst, dass man einen nassen Schirm in Ruhe und überdacht zusammenfalten kann, ohne dass Svetlana mit ihrem Wischmop einem zwischen den Füssen herumfuhrwerkt, wie sie das in der Eingangshalle immer tut.)

ACDC ist übrigens kein Problem beim Alphorn spielen. Die zwei Töne, die von der Band für "Highway to Hell" verwendet werden, schaffe ich locker.
Iron Maiden ist da schon anspruchsvoller. Vielleicht könnten wir aus dem Stück etwas Tempo nehmen, und durch Lautstärke ersetzen?

Mr. Lightbringer, wenn Frau Zappadong sich auf diese Art Lä..., äh, Musik spezialisieren möchte, dann ist ein Miniröckchen samt Pompons wirklich nicht passend. Wie sehen Sie denn Ihren Anteil an der Performance? Animateur? Verantwortungsträger? Gitarren-in-die-Menge-Werfer? Rausschmeisser?
Oder wollen Sie nicht doch Mr. D. mit Ihrer wundervollen Stimme unterstützen?

Hochachtungsvoll

Rösli von Deralp

Ps: Sie haben mich nicht gefunden, Frau Zappadong, weil ich mit Mr. Doorman und meinem Adler eine Krisensitzung hatte, in der wir klären mussten, wieviel Vodka ein Adler allerhöchstens zu sich nehmen darf. Ich befürchte aber, die beiden haben mich überstimmt. Manchmal ist es nicht einfach, in einer Demokratie zu leben ...