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Herbstlaub

Rasend schnell naht die Zeit der Stille. Alles ist draußen eingepackt in eine weiße Hülle aus Samt. Geräusche werden wie durch Watte gefiltert, das Licht kehrt in die Welt zurück durch die Reflektionen des weißen Tuches aus Eiskristallen.

Davor hat Gott aber den Herbst gepackt. Grau in grau; windig; matschig; dunkel; der Herbst ist wirklich die depressivste Jahreszeit. Und die Blätter! Im Zappadong-Garten haben wir eine Ecke, in der sich der Wind fängt. Diese Ecke füllt sich regelmäßig mit dem biologischen Abfall. Eiche, Buche, Haselnuss, Ahorn, alle werfen ihren Ausschuss in diese Ecke. An windigen Tagen stapelt sich da das Laub bis zu einem halben Meter hoch. Ich frage mich, wo das Zeug herkommt. Wir haben keine Bäume im Zappadong-Garten.

Als Hausmeister sind Blätter natürlich Teil meiner Stellenbeschreibung. Ich schnappe mir morgens den Laubsauger, werfe ihn an. Das Brummen des Motors verschafft mir innere Seelenruhe. Ich lasse den Motor ein paar mal kurz aufheulen. Schließlich sollen die Blätter wissen, dass jetzt ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Einige der Ahorn-Blätter zittern bereits, ich vermute, vor Angst.

Ich stecke den Rüssel des Laubsaugers in den Blätterhaufen, drücke das Gaspedal, und mit einem saugenden Geräusch füllt sich der Auffangsack. Ich leere den Sack auf den Komposthaufen, gehe wieder zu den Blättern, die gleiche Prozedur. Und nochmal. Wer zum Teufel hat diesen kleinen Sack zu dieser sch(*zensiert*) Maschine geplant? Da bringe ich ja in einen Eimer mehr Blätter rein! Nach sechsmaligem Ausleeren ist die Ecke trotz aller Fehlplanungen völlig blätterfrei, der Komposthaufen hat um geschätzte zehn Kubikmeter zugenommen.

Nach dieser befriedigenden Arbeit (schließlich sieht man ja, was man getan hat), rufen mich andere Arbeiten im Zappadong-Gebäude. Der Sturm hat ein Fenster aufgerissen, das wieder eingehängt werden muss. Auf der Dachterrasse bringe ich die Liegen in die Abstellkammer. So Sachen eben. Als ich meinen Abendrundgang mache, um noch mal alles zu überprüfen, gehe ich auch in den Garten. Und was sehe ich? In der berühmten Ecke liegen die Blätter wieder genauso dort wie heute morgen.

Durch den noch sehr heftigen Wind kann ich auch sehen, woher die Blätter kommen: der Komposthaufen ist wie leergefegt...

Gruß Alex L.

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