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Jagdverhalten

Irgendwas fehlt. Ich bin auf meinem Rundgang durch das Zappadong-Gebäude und mein Unterbewusstsein will ständig mit einer dringenden Meldung hervorpreschen, kommt aber an der Vernunft-Schranke nicht vorbei. Was ist es nur?

Mr. Doorman steht am Fenster und sieht wehmütig in den Zappadong-Garten hinaus.
"Hallo, Mr. Doorman!", rufe ich ihm zu. Er schaut sich um, wirft mir einen traurigen, ja fast gequälten Blick zu, nickt nur und dreht sich wieder zum Fenster.

Ich gehe zu ihm rüber und schaue ebenfalls aus dem Fenster. Der Garten liegt davor, schneebedeckt, ruhig, friedlich. Eigentlich kein Grund, gleich eine größere Depression vor sich her zu schieben.

"Was macht Ihnen zu schaffen?", frage ich ihn.
Er seufzt, ohne den Blick vom Fenster abzuwenden. Er öffnet den Mund, schließt ihn gleich wieder. Er senkt den Blick.

"Wissen Sie...", beginnt er und stockt dann wieder. So hab ich ihn noch nie erlebt. Ich sehe ihn ermutigend an und warte darauf, dass er seine Krise überwindet.

Nochmal dreht er sich zum Fenster. "Früher...". Er zwinkert. "Wir haben immer zusammen - wissen Sie, wir waren eine ziemlich große Familie - und da war um uns herum..."

Ich habe keine Ahnung, was das Gefasel soll. Aber wenigstens redet er jetzt. Irgendwann wird das Ganze schon einen Sinn ergeben. Ich nicke, als ob ich die Weisheit morgens mit den Haferflocken in mich hineingeschaufelt hätte. Mein Unterbewußtsein klopft wieder an. Ich weise es darauf hin, dass es sich gefälligst etwas gedulden soll.

Mr. Doorman holt Luft. "Als ich noch ein Kind war,..." fängt er an, und ich stelle mir unwillkürlich vor, wie ein 190 cm großer Wandschrank als Kind aussah. Wie ein Nachttischkästchen? "Als ich noch ein Kind war, sind wir um die Zeit, also meine ganze Familie, wir sind losgezogen, in den Wald um unseren Bauernhof herum." Er schaut mich erwartungsvoll an. Aha. Ja, sehr informativ. Meiner Miene entnimmt er wohl, dass eine genauere Spezifizierung durchaus angebracht wäre.

"Wir haben uns einen Weihnachtsbaum gesucht."

Genau. Das ist es. Das hat mir schon die ganze Zeit gefehlt. Ein Baum! Wie konnte ich den nur vergessen. Mein Unterbewusstsein schickt mir einen hämischen Impuls, weil es das ja schon dauernd gesagt hat, ich aber nicht hingehört habe.

Mr. Doorman hat also Heimweh. Da muss es doch was geben. Svetlana kommt durch die Halle geschlurft. Mit dem Besen in der Hand verteilt sie den Staub in der Lobby neu. Mir kommt da eine Idee.

"Mr. Doorman, was halten Sie davon", sage ich zu ihm mit verschwörerischem Blick, "wenn wir zusammen losziehen und in den Märkten hier in der Umgebung einen Baum aussuchen?"

Sein Blick wird etwas lebhafter. "Können wir Frau Zappadong und Svetje auch mitnehmen?"

OK, also alles ab in den Transporter. Die Zappadong-Meute ist auf Baumjagd.

Gruß Alex L.

1 Kommentare:

Zappadong said...

Au ja *Frau Zappadongs Augen glänzen*. Ich hätte gerne einen grossen, grossen, grossen Baum, eine Weiss- oder Blautanne. Und könnten wir gleich auch beim Weihnachtsbaumschmuck vorbei. Mir ist dieses Jahr nach ganz viel barockem Kitsch in Gold und Rot.

ähm ... dürfte ich noch fragen, ob wir uns den Baum legal beschaffen oder ob wir ... ach, vergessen Sie es, Mr Lightbringer, ich will es gar nicht so genau wissen.

PS: Ich möchte an dieser Stelle noch kurz vom Thema abkommen und darauf hinweisen, dass nächsten Mittwoch die Bundesratswahl stattfindet und wir - egal wie sie ausgeht - unsere musikalische Darbietung zum Besten geben werden. Sind auch alle bereit?

Frau Z.