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Neulich an der Supermarktkasse oder wie wir Konsumenten zum Verblöden gebracht werden, Teil II

Kürzlich standen Mr Doorman und ich an der Supermarktkasse. Wir hatten unser Wägelchen prall gefüllt mit nützen und unnützen Dingen des täglichen Lebens und standen vor der logistischen Herausforderung, diese Dinge in zwei Haufen zu sortieren, weil ein Teil davon für geschäftliche Zwecke bestimmt war und wir dafür eine separate Quittung brauchten. Nun, wir meisterten die Aufgabe recht gut und auch innerhalb einer akzeptablen Frist. Schön gebüschelt und in zwei sichtbar getrennte Berge schob sich die Ware auf dem schwarzen Band Richtung Kassiererin.

Die nette Frau an der Kasse scannte die Preise der ersten Ladung ein und noch bevor die nette Dame sehr nett fragen konnte, schob ich ihr die Kundenkarte hin. (Anmerkung von Frau Zappadong: Ich habe die Kundenkarte einzig und alleine zu dem Zweck, mir nicht JEDES MAL beim Einkaufen die Frage anzuhören "Haben Sie eine Kundenkarte?")

Die Frage nach der Kundenkarte hatte ich zwar elegant umschifft, aber schon drohte die nächste: "Sammeln Sie unsere Märkli?" (Anmerkung von Frau Zappadong: Diese Frage lässt sich leider nicht durch Entgegenstrecken irgendwelcher Karten oder "Märklis" vermeiden.)
"Nein", quetschte ich so freundlich wie möglich hervor.
"Darf ich Ihnen das Büechli mit den Benzinverbilligungsgutscheinen geben?"
"Nein, danke", sagte ich freundlich und bezahlte.

Das Prozedere wiederholte sich für den zweiten Berg an Gütern, die Mr Doorman und ich aufs Band gestapelt hatten:
Kundenkarte hinhalten bevor die unvermeindliche Frage kam. "Haben Sie eine K.... (ach, ich denke, Sie wissen mittlerweile, wie die Frage geht).
"Sammeln Sie unsere Märkli?"
"Nein danke, immer noch nicht."
"Möchten Sie das Büechli mit den Benzing..."
"Nein, danke, auch immer noch nicht."

Mr Doorman stand die ganze Zeit schweigend neben mir. Er schwieg, bis wir auf dem Parkplatz standen, dann platzte er heraus: "Frau Zappadong, wie schaffen Sie es, regelmässig einkaufen zu gehen und gleichzeitig geistig gesund zu bleiben?"
"Mr Doorman, wenn Sie es niemandem weitererzählen, verrate ich Ihnen ein Geheimnis", sagte ich.
"Ich werde schweigen wie ein Grab", versicherte Mr Doorman mit todernster Miene.
"Erinnern Sie sich an den Kongress, den ich vor zwei Monaten besucht habe? Das war kein Kongress. Ich war in einer Klinik. Bei Gehirnklempnern."
"Oh", flüsterte Mr Doorman. "Ich verstehe." Und er sah wirklich aus, als ob er verstanden hätte. "Und, hat's geholfen?", wollte er wissen.
"Nein." Mehr gab es nicht zu sagen. Ach doch ... da ist noch eine Neuerung, die es zu erwähnen gibt.

"Wir werden schon bald alle Produkte selber einscannen dürfen", sagte ich.
"Cool", meinte Mr Doorman, der schon immer ein Faible für Technik hatte. Ich konnte sehen, wie es in seinem Gehirn ratterte. "Und weshalb dürfen wir das?", wollte er schliesslich wissen.
"Damit das Prozedere an der Kasse schneller geht."

Sie werden verstehen, dass Mr Doorman und ich danach einen heben gingen. Oder zwei. So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiss nur, dass wir irgendwann im Laufe unseres Gelages die Kundenkarte zerbrachen. Und deshalb darf ich mir seit neustem auch die wunderbarste aller Fragen anhören.

"Haben Sie eine Kundenkarte?"

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