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Mit dem realen Tod konfrontiert

Entschuldigen Sie, liebe Zappadongler. Ich habe mir eine Auszeit genommen, da ich letzte Woche unverhofft und heftig mit dem realen Tod in der realen Welt konfrontiert wurde.
Zum Glück hat der Sensemann auf der Türschwelle umgekehrt, aber mir sitzt immer noch ein tiefer Schreck in den Knochen. Ich hätte beinahe einen mir sehr lieben Menschen verloren.

Ich bin in Kürze wieder bei Ihnen und kümmere mich um Sie.

Seien Sie lieb gegrüsst - und vor allem: Tragen Sie sich Sorge.

Z.

Mr Doorman greift ein

Regieanweisung: Über das Gesicht von Mr Doorman huscht ein zufriedenes Lächeln, um gleich darauf grösster Ernsthaftigkeit zu weichen. Langsam bewegt sich sein rechter Zeigefinger auf einen rosa leuchtenden Knopf zu. Einen Moment hält Mr Doorman inne, dann presst er den Finger entschieden auf den Knopf.

Rückkopplung.

Mr Doorman zuckt zusammen, aber er lässt sich nicht von seiner Mission abbringen. Entschlossen führt er seinen Mund nahe an das Mikrophon und gleich darauf hallt seine Stimme durch alle 35 (oder 36 Stockwerke) des Zappadong Gebäudes.

ACHTUNG, ACHTUNG, dies ist eine Durchsage an alle Menschen, die sich im Gebäude aufhalten. Ich darf melden, dass ich die Situation unter Kontrolle habe und auf Anweisung von Frau Zappadong hin gleich einen Kontrollgang durchführen werde. Mein erster Gang wird zum Panikraum führen, wo ich die Tür entriegeln werde. Ich bitte alle Eingeschlossenen, den Raum gesittet und ohne zu drängeln zu verlassen. Sollten Sie hungrig sein, hat es ihm grossen Esssaal noch genügend Essensreste um die halbe Einwohnerschaft des Zappadong-Landes zu versorgen.

Rückkoppelung. Mr Doorman verzieht sein Gesicht.

Entschuldigen Sie. Ich möchte noch sagen, dass ich nichts von Neidkliniken halte und das Verhalten von Frau Zappadong äusserst unprofessionell finde. Wäre da nicht eine gewisse Cleo aus PhillysBlog, welche eine dringende Nachricht für mich hinterlassen hat, läge Ihr Schicksal in Händen, in welche ich meins nicht legen wollte. Aber mich fragt ja niemand.

Irgendwo aus dem Innern des Gebäudes ertönt ein lauter Ruf: "Verdammt, halt endlich deine Klappe und tu deine Pflicht!"

Regisseur an Kameramann: "Hast du jemals so ein schlechtes Drehbuch gesehen? Und welcher Idiot schreibt hier eigentlich die Dialoge?"

SOS - Hilferuf - Hallo? Hallooo???

Dies ist ein Hilferuf von Frau Zappadong. Kann mich jemand hören? ... Hallo ? ...

Ich stecke in der Neidklinik und komme nicht mehr raus ... Halllllooooo ???

Ach je. Nichts. Nur eine schrille Rückkopplung. Ich glaube, diese ollen Therapeuten hier sind noch oller als die in der Krankehumorklinik. Die schirmen uns total von der Aussenwelt ab. Da bleibt nur eins. Ich schreibe einen Brief, stecke ihn in eine Flasche und werfe die in den Bach hinter dem Haus. Wenn ich Glück habe, kommt sie noch in diesem Leben im Zappadong Gebäude an. Papier habe genug; es ist Teil der Antineidtherapie, alle schelchten Gedanken zu Papier zu bringen. So ein Quatsch mit Quark. Einen Stift habe ich auch (einen ziemlich stumpfen, weil die Angst haben, man könnte sich sonst in einem Anfall von Neid erstechen).

Also:

Liebe Zappadong-Besucher

Als erstes entschuldige ich mich dafür, dass ich die kaputte Popcornmaschine nicht reparieren konnte. Sie müssen mir glauben, ich war auf dem Weg zum Panikraum, als mich das reale Leben einholte und mir einen zweitägigen Ärgeranfall der übelsten Sorte bescherte. Manchmal denke ich, dass irgendwo in mir drin doch eine verkappte Cholerikerin steckt. Nun, nach ein paar Stunden wilden Herumhüpfens, Kopf gegen die Wand schlagens und Haare raufens habe ich mich soweit beruhigt, dass ich mich imstande fühlte, Sie aus dem Panikraum befreien zu kommen. In meinem Handtäschchen hatte ich einen Gutschein für alle Eingeschlossenen, der Ihnen Gratispopcorn bis an ihr Lebensende zugesichert hätte. Dummerweise bin ich auf der Treppe von drei herzlichen und herzhaften russischen Damen abgefangen worden, die mit mir einkaufen gehen wollten. Nach einer achtstündigen Einkaufstour rund um Zappadongland schlief ich erschöpft in einem Einkaufswägelchen in der Migros ein. Als ich wieder erwachte, musste ich einem Sicherheitsangestellten erklären, was die leeren Wodkaflaschen im Wägelchen zu suchen hatten. Komischerweise fragte er mich nicht, was ICH im Wägelchen zu suchen hatte. Er fuhr mich dann aber netterweise nach Hause, wo ich mich - verwirrt wie ich war - in der Drehtür verhedderte und erst am nächsten Morgen von Mr Doorman gerettet wurde.
Ich schwöre, ich wollte als erstes die Panikraumtür öffnen kommen, aber eine starke Hand packte mich und ich landete unversehens im Esssaal wo ich zusammen mit Mr Doorman und seiner laut schmatzenden russischen Verwandtschaft das Abschiedsessen einnahm. Nach ein paar herzhaften Umarmungen und ein paar verdrückten Tränen verschwand die ganze Sippe durch die Drehtür. Ich rannte unverzüglich Richtung Panikraum, selber schon ganz in Panik, denn ich weiss ja nicht, wie lange Ihre Vorräte reichten. Sind Sie schon tot? Ich hoffe nicht. Doch dann schlug das Schicksal unerbittlich zu in Form einer weltäufigen Göttin namens Speranza aus Phillis Blog. Sie guckte mir giftig in die Augen und sagte: "Du bist ja nur neidisch." (Wer keine Lust hat, bei Philly nachzusehen: Sie glaubt, alle die ihre Blogeinträge nicht in der englischen Sprache verfassen, seien ein Ausbund an Neid.) Ich glaube, Speranzas Augen haben eine hypnotische Wirkung, denn ich wies mich unverzüglich selbst in eine Neidklinik ein. Dort ist zwar die Schoggi gut, aber ich habe ja immer noch Sie, liebe Zappadong-Besucher im Panikraum, und ich habe mittlerweile eine Heidenangst, dass Sie mir verhungert sind oder zumindest nahe am Hungertod stehen. Nur, ich komme hier nicht mehr raus. Ich glaube, diese Therapeuten beneiden mich um mein grosses Zappadong-Gebäude. Oder um die Drehtür. Oder um Mr Doorman. Was weiss ich ... oh, mein Stift ist beinahe ganz stumpf. Ich stecke den Zettel jetzt dann gleich in die Flasche. Harren Sie aus, liebe Leute im Panikraum. Oder noch besser. Befreien Sie sich irgendwie (obwohl, mir wurde gesagt, der Panikraum sei Ein- und Ausbruchsicher). Holen Sie mich hier ra ...

Elefanten versenden auf Russisch

Mr Doormans Verwandtschaft hat mir ein Geschenk mitgebracht. Wir haben es uns gestern im hauseigenen Zappadong-Kino angeschaut. Für all jene, die noch im Panikraum feststecken, installiere ich eine Liveschaltung aus dem Kinoraum an Ihr sicheres Örtchen.

Anleitung: Bitte drücken Sie auf den gelben Knopf neben der Tür - oder haben Sie das bereits getan, als Sie versucht haben, den Raum zu verlassen? In diesem Falle wissen Sie ja, dass die Leinwand oben an der Decke angebracht ist. Legen Sie sich einfach auf den Rücken und schauen Sie hoch. Hier kommt er, Ihr Film:

Elefanten versenden auf Russisch

Z.

Kurzfristiger Ausnahmezustand

Liebe/r Anonym

Wir befinden uns in einem kurzfristigen Ausnahmezustand.

Die Tür zum Panikraum klemmt nicht. Ich sah mich genötigt, sie - zu Ihrer Sicherheit - kurzerhand von aussen verriegeln, da sich im Zappadong-Gebäude Unglaubliches abspielt. Mr Doormans Familie ist von einer gewaltigen Sentimentalitätswelle überrollt worden und umarmt jetzt alles, was sich irgendwie bewegt und / oder atmet. Sie müssen sich das so vorstellen: Starke Arme packen Sie, und drücken Sie an einen wogenden Busen oder eine muskelgestählte Brust - je nach Geschlecht des Umarmers / der Umarmerin. Kurz bevor Sie denken, Sie würden einen elendiglichen Erstickungstod sterben, lässt der Druck nach - dafür klopfen ihnen Pranken so gross wie Bratpfannen auf den Rücken, was die Lunge kurzfristig auf einen Hundertstel ihrer Originalgrösse zusammenpresst. Obwohl Sie eben noch kräftig nach Luft schnappen wollten, gelingt Ihnen das nun nicht mehr. Eine Millisekunde bevor Sie mit dem Leben abgeschlossen haben und das Bewusstsein verlieren, werden Sie durch die Luft gewirbelt, wobei Sie zusätzlich mit einem Wortschwall eingedeckt werden. Und wenn Sie dann torkelnd und taumelnd wieder auf sicherem Boden stehen, werden Sie nochmals heftig gedrückt.

Mittlerweile habe ich dieses Prozedere 13 Mal durchgemacht. Da ich noch lebe, gehe ich davon aus, dass es um meine Fitness bestens bestellt ist und ich sämtliche Voraussetzungen für die nächsten olympischen Spiele mitbringe. Entsprechende Anmeldeformulare habe ich schon bestellt.

Soll ich die Tür zum Panikraum entriegeln oder möchten Sie lieber zuwarten, bis Mr Doormans fidele Verwandtschaft abgereist ist?

Z.

Babuschkas, Jack Bauer und Frau Zappadong

Ich bin direkt in den Kinoraum geschlichen. Da sich hierher selten jemand verirrt, glaubte ich mich in ruhiger Sicherheit, denn in den Hallen des Zappadong-Gebäudes geht es laut zu und her. Ab und zu fallen Schüsse (ich nehme an, Mr Doormans Familie frönt ihrem liebsten Hobby), gelegentlich klingt ein lautes, von Herzen kommendes "Kalinka" durch die dicken Wände. Ob Sie mitfeiern oder sich am ganzen Körper schlotternd im Panikraum verbergen, entzieht sich meiner Kenntnis - ich für meinen Teil will einfach nur meine Ruhe haben. Mindestens vorläufig. Sie sind also auf sich alleine gestellt.

Auf den wunderbar weichen, fellimitatbezogenen Sesseln sitzen bunte, schweigsame Babuschkas. Im Gegensatz zu mir zucken sie nicht zusammen, wenn Jack Bauer einmal mehr in Todesgefahr knapp einer Horde Feinde entkommt. Es scheint sie auch kalt zu lassen, dass Präsident Logan so sehr an den amtierenden amerikanischen Präsidenten erinnert, dass ich ihn kaum ertrage (der Schauspieler verdient ein Extralob - so einen schleimigen Kotzbrocken zu spielen ist wohl sehr schwierig). Wenn ich mich in meine Fingernägel verbeisse (was davon übrig ist) und mir am Ende jeder Episode der Atem stockt, bewegen sich die Babuschkas keinen Millimeter; sie zwinkern nicht einmal mit den Augen. Und sie erheben keinen Einspruch, wenn ich ohne Pause weiterschaue, weil ich diesen Zustand der Daueranspannung kaum ertrage. Im Gegensatz zu 24 scheint mir Russisch Roulette plötzlich ein friedlicher, gemütlicher Zeitvertreib. Das heisst - nein! In Staffel 3 geht ja dieses Spiel ganz schlecht aus.

Operateur, Licht bitte! Ich muss mich erholen. Am besten geht das wohl, wenn ich jede einzelne Babuschka in ihre Einzelbabuschkas zerlege und wieder zusammenfüge. Danach sollten meine Nerven bereit sein für den Showdown.

Z.

Frau Zappadong is back ...

... zusammen mit ihrer erholten Lunge.

Lunge, Herr Zappadong und ich waren in den Bergen. Im Tannheimertal. Eines der schönsten Täler, die ich kenne.

Jetzt stehe ich vor der Drehtür des Zappadong-Gebäudes, höre laute Musik und noch lautere Stimmen und bin mir nicht so sicher, ob ich überhaupt eintreten will. Ist die russische Verwandtschaft schon hier? Ich glaube, ich schleiche mich durch den Hintereingang.

Z.

Heute Morgen beim Husten ...

... hat sich meine Lunge selbständig gemacht, ist auf den Tisch gehüpft, hat mich kurz vorwurfsvoll angeblickt ("Wie kannst du mich so durchschütteln und hochwürgen?") und hat dann die Flucht ergriffen. Nach langem Suchen habe ich das Teil in meinem Handtäschchen gefunden, welches einem schmelzenden Schneemann vor den Füssen lag. Hier könnten wir jetzt in philosophische Untiefen abgleiten und über der Frage sinnieren, ob Schneemänner Füsse haben, aber ich fürchte, weder der Zustand meiner Lunge noch meines angeschlagenen Verstandes lassen ein solch hochgeistiges Thema zur Zeit zu.

Die Lunge ist wieder dort, wo sie hingehört, allerdings nicht, ohne beim Europäischen Gerichtshof eine Beschwerde eingereicht zu haben. Das nervt. Ich habe mir schliesslich meinen Husten nicht freiwillig von einem Gestell gepickt; er ist mir aus dem Hinterhalt angehüpft.

Als vorhin noch das Telefon klingelte und sich Onkel Vladimir (nicht MEIN Onkel Vladimir sondern Mr Doormans Onkel Vladimir) zu dem angedrohten Überraschungsbesuch anmeldete - samt 13 anderen Verwandten - habe ich kurzerhand meine Koffer gepackt. Ich verreise. Diesmal nicht in die Krankehumorklinik, sondern zur Kur. An die frische Luft, wo meine gebeutelte Lunge sich erholen kann.

Wenn ich es nicht schaffe, vor der russischen Verwandtschaft wieder hier zu sein: Im 25. Stockwerk hat es einen verriegelbaren Panikraum, falls Sie sich an Leib und Leben gefährdet sehen. Ansonsten: Nadrowje (wie immer man das schreibt - fragen Sie Mr Doorman).

Z.