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Kunstmuseum. (Gescheiterter) Versuch II. Stanger than fiction

Der Tag gestern war voll, hektisch, frustrierend und gegen den späten Nachmittag sogar angsteinflössend beunruhigend. Bis ich mich so weit erholt hatte, dass ich wieder an ein ablenkendes Vergnügen denken konnte, war es zu spät für einen Museumsbesuch.

Dafür gingen Herr Zappadong und ich ins Kino. Mr Doorman kniff. (Zitat: "Mir ist nicht nach Fiction, mir reicht die Realität; ich gehe Blumenkataloge anschauen.")

Mr Doorman hat einen grandiosen Film verpasst. Der beste, den ich dieses Jahr gesehen habe. Wenn Sie einmal auf unterhaltsame Art erleben möchten, was Schreiberlinge so alles anrichten können, organisieren Sie sich doch die DVD zu Stranger than fiction.

Ihre Z.

Kunstmuseum. Versuch I

Sie erinnern sich? Gestern wollte ich meiner drohenden Untergangsstimmung entgehen und mit Mr Doorman ins Kunstmuseum Vaduz pilgern. Als netten Nebeneffekt hatte ich im Hinterkopf, Mr Doormans Vorurteilen in Bezug auf unser kleines Nachbarland den Wind aus den Segeln nehmen. Es ist beim Versuch geblieben.

Frau Z.: " Mr Doorman, lassen Sie uns zusammen ins Kunstmuseum Liechtenstein fahren."
Mr D. *tupft sich (schon wieder, Anmerk. Fr. Z.) Tränen aus den Augen*
Frau Z.: "Warum weinen Sie? Den Blümchen geht es doch allen wieder wunderprächtig, seit der Schnee geschmolzen ist und die Sonne wärmend auf die zarten Pflänzchen scheint. Zudem ist hinter Ihnen ja nichts Gehörntes her, weder ein Ziegenbock noch der Leibh..."
Mr D. *hält sich das Taschentuch vor sein Gesicht und bebt am ganzen Körper dann bricht es aus ihm heraus*:"Eine Frau gehört nicht hinter den Herd, weil die Knöpfe ja schließlich vorne sind."
Frau Z. *stellt fest, dass ihr etwas seltsamer Türsteher nicht weint, sondern Opfer einer Lachattacke ist. Bevor sie etwas sagen kann, ist sie der nächsten Lachsalve ausgesetzt, die so heftig ausfällt, dass Frau Z. nur wenige Worte aufschnappen kann*
Mr D.: "Strand .... Frauen .... Lava ... Liegestuhl ..."
Frau Z. *???*
Mr D. *als er sich beruhigt hat*: "Mr Lightbringer war hier und hat mir einen köstlichen Witz erzählt. Wollen Sie ihn hören?"
Frau Z. *will*
Mr D. "Also ... Ein Mann stirbt und kommt in die Hölle. Dort findet er sich an einem tropischen Strand wieder..."

Frau D. hat herzlich gelacht. Wenn Sie den Witz noch nicht kennen, gucken Sie in den Kommentar von gestern.

Alex, in Zukunft geht die Cola im Zappadong-Gebäude aufs Haus!

Ach ja, Mr. Doorman und ich konnten das Haus nicht verlassen. Wir hatten vom Lachen gerötete Augen und brachen noch Stunden später in unkontrolliertes Kichern aus.

Beim nächsten Versuch klappt es vielleicht. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Ich bin geliefert

Der Feind sitzt nicht in Liechtenstein (das habe ich ja immer gesagt), sondern unter uns. Wobei unter uns durchaus im doppelten Wortsinn verstanden werden kann.

Unter uns, das heisst, in der Schweiz, in Form jener Partei, welche sich einen Ziegenbock zum Maskottchen gemacht hat und von der hier schon mehr die Rede war. Nun hat der Parteipräsident zum grossen Rundumschlag gegen uns berufstätige Mütter ausgeholt. Wer dem Link nicht folgen will (was ich verstehen würde; es könnte einem nämlich nach der Lektüre übel sein), für den seien hier ein paar ausgewählte Müsterchen hineinkopiert:

"Es ist schlecht, wenn Mütter arbeiten und sich der Staat um die Kinder kümmern soll
«Die Devise heisst, Kinder weg, wann immer es geht. Wir haben bald Zustände wie in der DDR
Kein Wunder, sagt Maurer: Er habe lieber Mütter zu Hause als Frauen, «die in Bern das grosse Wort führen».

Jetzt ist Ihnen wahrscheinlich schlecht, auch ohne dass Sie dem Link gefolgt sind. Besagter Parteipräsident hat diese Worte übrigens nicht anno domini gesagt, sondern im März 2007.

Damit aber noch nicht genug. Der Feind sitzt auch buchstäblich unter uns. Er trägt Hörner und liebt es vorzugsweise sehr heiss.
"Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, dass er uns alle im Paradies haben will und dass die Hölle, von der man in unserer Zeit so wenig spricht, existiert und ewig ist für jene, die ihre Augen vor seiner Liebe verschliessen." (Zitat Papst Benedikt XVI.)

Ich bin geliefert. Am Arsch (Verzeihung). Als Frau und Mutter (berufstätig). Als Anwärterin auf die Hölle (Atheistin).

Mr Doorman, gehen wir zusammen das Kunstmuseum Vaduz anschauen?

Z.

Bad to the Bone, Teil II

Die Jungs von Bad to the Bone haben dummerweise immer noch keine Webseite (am zweiten Dezember 06 hiess es "sie basteln dran"), aber Musik machen Sie einfach gewaltige gute (siehe Blogeintrag im Dezember).

Mr Doorman warnte mich zwar: "Frau Zappadong, die Gruppe ist aus dem Liechtenstein!!!"
Da meine freudige Erwartung auf das Konzert mein Gedächtnis kurzfristig ausser Gefecht gesetzt hatte, fragte ich leicht verwirrt: "Was ist denn daran so schlimm?"
Mr Doorman schaute mich an, als wäre ich von allen guten Geistern verlassen. "Na, das ist doch der FEIND."
"Feind?", fragte ich. "Mr Doorman, diese Jungs spielen absolut köstlichen, genial guten Rock. Jedes einzelne Bandmitglied ist ein Künstler auf seinem Instrument und der Sänger... " (hier geriet ich ins Schwärmen) "... der Sänger hat eine Stimme, die in jeder internationalen Rockband mithalten könnte."
"Und warum ist dann die Schweizer Armee bei denen einmarschiert?", holte mich Mr Doorman zurück auf den Boden.
"Das habe ich Ihnen doch schon gesagt. Weil sie zu spät gebremst hat oder sich von der Naturschönheit im Grenzgebiet hat ablenken lassen."
Mr Doorman schüttelte den Kopf. "Sie gehen da wirklich hin, nicht wahr?"
"Aber sicher doch!"
An dieser Stelle murmelte Mr Doorman etwas von Landesverrat und verzog sich schmollend in das Bügelzimmer.

Landesverrat hin oder her. Das Konzert war einsame Spitzenklasse, eine Kategorie für sich. Ja, es war so gut, dass ich mir überlegte a) ab sofort ein Rock'n'Roll Groupie zu werden und der Gruppe hinterher zu reisen und b) mich morgen nach einem Kurs umzusehen, in dem ich lerne, die elektrische Gitarre zu spielen wie Dennis Mungo, der Gitarrist. Singen wie Röbi Frick kann ich leider, leider nicht. Da würde wohl kein Kurs der Erde helfen.

Und wer weiss, vielleicht hat ja die Gruppe bis im August - wenn sie dann das nächste Mal in der Nähe spielt, endlich eine Webseite.

PS: Haben Sie gewusst, dass gute Rockkonzerte 20 Jahre jünger machen und gute Laune für mindestens zwei Monate geben?

Z.

Was tun eigentlich Schreiberlinge wenn sie nicht schreiben

Und wie kommt Frau Zappadong darauf, sich so eine Frage zu stellen?

Nun, Mr Doorman sitzt tübsinnig an der Reception, schaut ab und zu nach draussen und tupft dann mit einem frisch gebügelten, gestärkten Taschentuch ein paar Tränen aus den Augen.
"Ich habe ja nichts gegen solche Schneeflockenattacken, Frau Zappadong", hat er mir heute Morgen mit erstickter Stimme verraten. "Aber doch nicht auf unsere hübschen Frühlingsblumen."

Ich sitze trübsinnig ein paar Stockwerke höher und versuche verzweifelt, den Gedanken an erfrorene Blüten zu verdrängen. Da kam mir ein Zitat, das ich bei unserem Zappadong-Besucher Alex gefunden habe, gerade recht.

Ein Schriftsteller ist eine Maschine, die Kaffee in Text verwandelt.

Aha! Habe ich mir gedacht. Darum trinke ich so viel Kaffee. Für mich ist dieses Zitat eine Absolution für meinen exzessiven Kaffeekonsum. Lieber Alex, ist das auf deinem Mist gewachsen oder gibt es eine Quelle dafür?

Und dann ist mir eingefallen, dass der Word Doc, dessen Link Sie auf der rechten Seite des Blogs finden können (Tales of an Angry Editor), sich im Moment mit etwas ganz anderem als Schreiben befasst - mit Resultaten, die durchaus sehenswert sind. Neugierig? Klicken Sie doch auf seinen Link und scrollen Sie sich durch die hübschen Bildchen.

Wie das so ist, wenn die Gedanken erst einmal schweifen: Mir fiel noch der Link zu einer wirklich köstlichen und köstlich geschriebenen Geschichte ein, die ich kürzlich auf einem Forum gefunden habe. In dieser Geschichte geht ein Schriftsteller der Frage nach, was eigentlich mit den Büchern passiert, die nicht verkauft werden. Erschienen ist der Text in der "Süddeutschen Zeitung" und lesen können Sie ihn hier.

Ihre Z.

Die Blümchen, um Himmels Willen, die Blümchen!

So was in der Art hat Mr Doorman heute Morgen geschrieen.

Bevor ich aber zu der Ursache dieses entsetzten Aufschreis komme, hier eine öffentliche und offizielle Entschuldigung: Ich war in den letzten paar Tagen ein grässlicher Elefant in einem wirklich netten Porzellanladen. Dafür entschuldige ich mich.

Nun aber zu den Blümchen und Mr Doorman:

Ich war ja froh, überhaupt etwas von ihm zu hören, denn seit ein paar Tagen stand er auf dem Dach, das Fernglas in den Händen und schaute konzentriert in Richtung Liechtenstein. Dort findet tatsächlich täglich eine Invasion statt - allerdings eine ganz legale und unmilitärische. Lange Blechkolonnen wälzen sich über die wenigen Strassen unseres kleinen Nachbarlandes, sehr viele von ihnen mit Schweizer Nummernschildern. In den Autos sitzen ganz normale Angestellte, die ganz normal ihrem Job nachgehen. Das habe ich Mr Doorman auch zu erklären versucht, aber er traute meinen Erklärungen nicht.

Frau Zappadong: "Mr Doorman, glauben Sie mir, diese Menschen gehen zur Arbeit oder Ski fahren" (Sie erinnern sich vielleicht: Ich habe meinen Ausflug in das Liechtensteiner Skigebiet mit heftigen Ohrenschmerzen bezahlt. Dafür kann aber Liechtenstein nichts - das war meine Schuld, wie mir Alex erklärt hat.)
Mr Doorman: "Alles Tarnung! Da läuft was."
Frau Zappadong: "Es ist alles in Ordnung. Die Geschichte ist ein Irrtum. Wahrscheinlich hatten die Schweizer Armeefahrzeuge einfach einen etwas langen Bremsweg. Ausserdem ist die Landesgrenze in dieser idyllischen Landschaft wirklich schwer auszumachen. Wollen Sie nicht ein Stück dieses köstlichen russischen Zupfkuchens mit mir essen?"
Mr Doorman schüttelt den Kopf, aber man sieht ihm an, wie gross die Versuchung ist.

So ist er auf dem Dach geblieben, Mr Doorman, bis heute Morgen, als er ohne anzuklopfen in mein Zimmer stürmte (so etwas tut er nur im alleräussersten Notfall) und rief: "Die Blümchen, um Himmels Willen, die Blümchen!"

Ich kann ihm nur zustimmen: Die Blümchen, um Himmels Willen, die Blümchen! Sie sind unter einer Schneeschicht verschwunden. Mr Doorman und ich pflegen nun unsere wunden Seelen.

In all dem Elend habe ich auch noch eine gute Nachricht: Die virtuelle Kneipe mit dem virtuellen roten Sofa und dem unvergleichlichen virtuellen Kneipenwirt ist wieder eröffnet worden! S.Bee. sei Dank!

Stell dir vor, es ist Krieg und niemand weiss es

Oha. Zweimal war ich in den letzten zwei Tagen im angrenzenden Fürstentum Liechtenstein. Und trotzdem ist mir entgangen, dass die Schweizer in das kleine Land eingefallen sind. Als die Schweizer Armee in den Achzigerjahren einen Liechtensteiner Wald abgefackelt hat, war das ja weit herum sichtbar, aber diesmal ist das irgendwie still und leise passiert. Erst durch einen Late-Night-Moderator bin ich auf die Misere aufmerksam gemacht worden. Die Lage ist ernst, liebe Zappadongler! Wie ernst, können Sie hier nachschauen. Vielleicht sollten wir den Archivraum im dritten Untergeschoss gemeinsam ausbauen und kriegssicher machen. Verraten Sie bitte Mr Doorman noch nichts. Lassen Sie ihn seine ureigene Flower-Power Zeit noch ein Weilchen geniessen. Es reicht, wenn er sich seine Kalaschnikow morgen umschnallt und alle Bewohner und Besucher von Zappadong in seinen Aktivismus mit einbezieht.

Ihre Z.

Frau Zappadong nachtwandelt

Um drei Uhr morgens haben mich heftige Ohrenschmerzen aufgeweckt. Da man mit so etwas nicht schlafen kann, bin ich aufgestanden und habe im Zappadong-Gebäude nach Schmerztabletten gesucht; ein gar nicht so einfaches Unterfangen, da sich die Hausapotheke auf verschiedene Stockwerke aufteilt und ich mir nie so sicher bin, wo was ist. Während ich nun darauf warte, dass die Schmerzen nachlassen, plaudere ich Ihnen zwecks Ablenkung Ihre hoffentlich gesunden Ohren voll. (Frage in Klammern: Helfen Schmerztabletten gegen Ohrenschmerzen? Nun, ich werde es im laufe der nächsten Stunde herausfinden.)

Stellen Sie sich vor, am Montag wollte ich nach getaner Arbeit meinen Abend in meiner virtuellen Stammkneipe ausklingen lassen. Nun - die Kneipe war weg. Einfach weg. Die erste virtuelle Drehtür meines virtuellen Lebens bewegte sich keinen Milimeter. Ich drückte mir die Nase daran platt, schrie nach Mac, dem Kneipenwirt und suchte vergeblich, einen Blick auf das geliebte rote Sofa zu werfen, auf dem ich so manche Stunde verbracht hatte.

(Ich habe immer noch Ohrenschmerzen.)

In dieser Kneipe wurde so manche heftige virtuelle Diskussion ausgetragen und meistens endeten sie mit einer Versöhnung. Sie müssen sich das so vorstellen: Entweder besoffen wir uns virtuell am virtuellen Lagerfeuer vor der Kneipe (entzündet mit virtuell kaputt geschlagenem virtuellem Mobiliar) oder am virtuellen Thresen mit einem grausam grässlichen virtuellen Bärwurzgesöff, das kein vernünftiger Mensch freiwillig trinken würden. Die letzte Auseinandersetzung war besonders hässlich. Sie drehte sich um japanische Gedichte einerseits und den lieben Gott andererseits und irgendwann hatte die Kneipenbesitzerin genug und drückte den roten Knopf. Wobei ein roter Knopf in der virtuellen Welt schlicht und einfach die Delete-Taste ist. Päng. Weg war sie, die Kneipe.

(Und ich habe immer noch Ohrenschmerzen.)

Ist das nicht gleichzeitig ein beruhigender und beunruhigender Gedanke (nein, nicht der Gedanke an die Ohrenschmerzen sondern jener an die Delete-Taste)? Und rückt diese kleine Taste nicht die virtuelle Welt in die richtige Perspektive?

(Und bekommt man von Ohrenschmerzen philosophische Gedanken?)

Bevor ich zu meinen Ohrenschmerzen kam, verbrachte ich einen wunderbaren Nachmittag und Abend in den angrenzenden Liechtensteiner Bergen. Aber lassen wir doch Bilder sprechen:



Dummerweise vertrugen sich auf dem Heimweg nach unten ins Tal der Druck auf die Ohren und meine immer noch vorhandene Erkältung nicht so ganz. Weshalb ich nun Ohrenschmerzen habe und nicht schlafen kann (sagte ich das schon?).

Trotzdem: Ich beende hier meinen Eintrag. Sonst wird der zu lang und Ihr Boss könnte Sie beim Lesen ebendieses Eintrags erwischen. Und Sie deleten. Sprich: Feuern. Das wollen wir nun wirklich nicht.

Herzlichst

Ihre Z.

Mr Doorman fühlt den Frühling

Die letzten paar Tage, in denen ich auf der Krankenstation vor mich hinsiechte, hat Mr Doorman unseren Zappadong-Garten gepflegt. D.h. er hat den Blümchen beim Wachsen zugeschaut und sie jeden Morgen begrüsst und am Abend mit einem Wunsch zur guten Nacht verabschiedet. Genau nach Anordnung von Frau Zappadong. Sie müssen wissen: Wenn es um den Garten geht, werde ich ein bisschen sentimental, vor allem im Frühling, wenn alles so schön bunt zu spriessen beginnt.

Nun, ich stellte schon am zweiten Tag fest, dass sich bei Mr Doorman eine nie zuvor gekannte Zufriedenheit, gepaart mit einer schon fast stoischen Gelassenheit, einstellte.

"Was ist denn mit Ihnen passiert, Mr Doorman?", fragte ich. "Haben Sie sich verliebt?"
"Dann bemerken Sie es also auch?", fragte er leicht verlegen.
"Was? Dass Sie nicht mehr ganz der alte, sondern ein viel angenehmerer neuer Zeitgenosse sind?"
Weiter wollte ich nicht in ihn eindringen, was auch nicht nötig war, denn er öffnete mir sein Herz und sagte mit den Augen eines Kindes, das soeben den Weihnachtsmann, das Christkind und den Osterhasen persönlich kennengelernt hat: "Es ist Ihr Garten, Frau Zappadong. Er ist ein Wunder! Einfach ein Wunder!"
Ich lächelte wissend. Mr Doorman nahm das schicke Uniformkäppi ab, drehte es verlegen in seinen Händen, druckste ein wenig herum und verkündete dann mit feierlicher Stimme: "Ich möchte Gärtner werden."

Er hat bald Geburtstag. Kann mir jemand ein wirklich gutes Gartenbuch für Anfänger empfehlen?

Ihre

Z.

Ab in die Krankenstation

Wenn ich nicht zu schlapp wäre, würde ich auf der Stelle den Architekten des Zappadong-Gebäudes zu mir zitieren und ihm die Leviten lesen. Wie konnte er nur auf die hirnrissige Idee kommen, die Krankenstation ins 16. Stockwerk zu legen? Ich bin die Treppen mehr oder weniger hochgekrochen und in einem recht heftig ramponierten Zustand hier oben angekommen.

Nun liege ich hier, dick eingemümmelt, neben mir eine Tasse Tee mit Honig (danke, Mr Doorman, Sie sind ein Schatz), schnäuze ab und zu in ein Taschentuch und verteile ansonsten meine Bakterien freizügig im Raum. Ist ja sonst keiner da, den ich anstecken könnte.

Wäre schön, wenn Sie auf einen Besuch vobeikommen könnten. Ich mag Blumen (zum Anschauen), Pralinen (zum Essen) und Witze (zum Lachen, das bekanntlich die beste Therapie ist). Mr Doorman würde vorher auch alle Bakterien, Bazillen, Viren und sonstiges Geschmäus einsammeln.

Ihre Z.

Die 13. Klasse

Eigentlich ist es der Wunschtraum aller Schüler: Das ganze Schulhaus kracht zusammen und als Folge davon hat man dann erst einmal schulfrei. Bei der 13. Klasse läuft es allerdings nicht ganz wunschgemäss. Sie sitzt im Schulzimmer, als es passiert .... (Zur Leseprobe bitte hier klicken).
Schülerinnen, Schüler und Lehrer müssen im Dunkeln ausharren. Um die aufkommende Panik zu verbannen, erzählen sie sich Geschichten.

Die 13. Klasse ist fiktiv, ihre Geschichte erfunden (Zum Interview mit der Autorin geht es hier). Nicht fiktiv sind die Jugendlichen, die zu den einzelnen Geschichten Kurzfilme gedreht haben. Diese Kurzfilme werden zur Zeit in verschiedenen Blogs uraufgeführt. Es ist mir gelungen, eine Kopie zu ergattern. Wenn Sie mir bitte in den Filmvorführraum folgen würden ....

Sitzen Sie bequem? Dann schauen Sie hier ...

Zur ganzen Geschichte gibt es übrigens einen sehr unterhaltsamen Blog. Sie finden ihn hier ...

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen.

Z.

Niemand mehr da

Das leichte Zischen der Drehtür klingt wie Musik in meinen Ohren. Endlich wieder zuhause. Nur - es ist so merkwürdig still hier. Mr Doorman steht an der Reception; sein Gesicht ein einziger Vorwurf.

Mr Doorman : "Es sind alle weg."
Frau Zappadong: "Wie, alle weg? Sie meinen, es ist niemand mehr da?"
Mr Doorman: "Ja."
Frau Zappadong: "Ich war wohl zu lange ausser Haus."
Mr Doorman: "Das könnte man so sagen, ja."
Frau Zappadong. "Das mit der Neidklinik war wirklich ein dummer Irrtum - aber der Sensemann, der hat mich tatsächlich aus dem Tritt gebracht."
Mr Doorman: "Mit Verlaub, aber das erstaunt mich doch etwas. Wo Sie doch so leichtfertig mit Waffen durch das Gebäude rasen und ab und zu eine Runde Russisch Roulette spielen - und ihre Besucher im Panikraum beinahe draufgehen lassen."
Frau Zappadong: "Das ist nicht dasselbe."
Mr Doorman: "Sie meinen, Ihre reale Welt ist wichtiger als die Zappadongwelt?"

Frau Zappadong (Kommt ins Schleudern; wie bringt sie ihrem im Grund seines Herzens ässerst sensiblen Mr Doorman bei, dass er tatsächlich nicht ganz den Stellenwert hat wie die Menschen aus Fleisch und Blut in einer Welt ausserhalb des Cyberspace? Sie versucht es erst gar nicht und wechselt das Thema).

Frau Zappadong: "Ich habe auf dem Weg vom Krankenhaus hierher eine kreative Frau mit einem sehr kreativen Projekt getroffen."

Mr Doorman (schweigt beleidigt; schliesslich ist er nicht blöd und merkt, wann seine Arbeitgeberin ihn im Regen stehen lässt).

Frau Zappadong (lässt sich durch den leicht verkniffenen Mund ihres Türstehers und Empfangsmanns nicht beirren): "Sie heisst Nessa Altura und zieht gerade ein wirklich starkes Projekt durch. Mr Doorman, gehen Sie doch mal schauen, ob im Filmvorführraum Ordnung herrscht. Kann sein, dass wir ihn in den nächsten Tagen brauchen werden"

Mr Doorman (verlässt seinen Posten ohne Frau Zappadong auch nur eines Blickes zu würdigen).

Frau Zappadong (wendet sich an ihre abhanden gekommen Gäste):

"Liebe Zappadong-Besucher, ich entschuldige mich für die längere Abwesenheit. Ich hoffe, sie haben in der Zwischenzeit ihren Durst gelöscht, haben nicht mehr jede Nacht in ihren Träumen den Geschmack der seltsamen Dinge, die sie im Panikraum angeknabbert haben, im Mund und sind frohen Mutes. Das Leben im Zappadonggebäude läuft wieder an; morgen mit der Vorstellung des Projekts Die 13. Klasse. "

Z.