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Der Streit um den Sitzplatz im Kühlschrank

Die Firma von Frau Zappadong nimmt an einer Messe teil. 9 Tage lang. 5 Werktage und zwei Wochenenden. Die ersten zwei Tage liegen hinter uns. Sie gipfelten beide in einem heissen Kampf um den Sitzplatz im Kühlschrank - den ich gegen ein paar Flaschen verloren habe.

Ich habe von Physik keine Ahnung, aber ich kann bestätigen, dass es in einem Zelt, auf dessen Dach bei Aussentemperaturen zwischen 28 und 30 Grad die Sonne knallt, sehr, sehr, sehr heiss werden kann. So heiss, dass die Zunge am Gaumen klebt, wenn man seine Lippen länger als drei Minuten vom Trinkbecher löst.

In weiser Voraussicht haben wir schon beim Einrichten des Standes unseren Kleinkühlschrank durch die ganze Messehalle geschleppt und installiert. Der erste Test ergab: Wenn man sich in der Mitte faltet, alle Körperteile eng an sich presst und den Kopf einzieht, bekommt man knapp seine beiden Ohren in das kühlende Teil. Eine Testphase lag nicht drin, da das Ausgestalten des Standes keine Ruhepausen zuliess.

Der erste Härtefall trat schon am Samstag um rund 14.30 Uhr ein. Der Prosecco flog aus dem Kühlschrank, das Wasser musste drin bleiben. Zwei Personen stritten sich darum, wer sich - bei geöffneter Tür - ein paar Minuten vor dem Kühlschrank auf den Boden legen durfte. Den Sitzplatz im Kühlschrank gewann nicht Gimli (der knuffelige Zwerg aus Herr der Ringe), sondern das letzte bisschen Verstand, das noch in meinem Hirn war. Bevor es sich mit einem leichten Zischen in Dampf auflösen konnte, setzte ich es hinein und lächelte ab diesem Zeitpunkt die Besucher wohl leicht schwachsinnig an. C'est la vie oder that's life.

Ihre Z.

Mr Doorman is not amused und Frau Zappadong möchte etwas zur Kulturförderung sagen

Oder um es etwas deutlicher zu sagen: Mr Doorman ist stinkesauer, weil ich ihm keine Postkarte geschickt habe - und weil ihm das Wort Kunst zu den Ohren heraushängt (was ihn nicht unbedingt ansehlicher macht). Mein Tipp: Betreten Sie das Gebäude die nächsten zwei Tage durch den Hintereingang.

Ich tue Mr Doorman den Gefallen und spreche heute nicht über Kunst - sondern über Kultur :-)
Bei uns in der Schweiz laufen heftige Diskussionen rund um das Thema Kulturförderung. Auf die Gefahr hin, mich bei der gesamten Autorenszene unbeliebt zu machen: Ich sehe Sinn und Zweck von Werkbeiträgen für Autoren und Autorinnen nicht so ganz ein. Wer sich ans Schreiben macht, weiss, dass er sich auf eine Mission (nearly) Impossible einlässt. Vom Schreiben können die wenigsten Autoren leben. Die naheliegende Konsequenz scheint mir, dass man deshalb seinen Brotjob behält und in der Freizeit schreibt.

Bestsellerautor James A. Michener bringt das folgendermassen auf den Punkt:

You know, you write your first three books at four a'clock in the morning, and you have a full day's job. Then you want a little exercise, or a little recreation. Go to bed early, and the alarm goes again at four. You'd better get up again. If you can't, I don't think you'll make it.
It can also be at eleven o'clock at night, but there has to be a time for you to prosecute your dream while you're doing something else to live.

Das mag eine altmodische Einstellung sein, aber ich teile sie. In meinen Ferien - aus denen ich Mr Doorman keine Karte geschickt habe - habe ich ein Buch mit Autorenportraits gelesen; kein einziger hat etwas von Werkbeiträgen gesagt, alle hatten lange Zeit einen Brotjob, bevor sie vom Schreiben leben konnten. Von jenen, welche diese Hürde nie schaffen, arbeiten die meisten und schreiben in ihrer Freizeit.

Ihre Z.

Kunst im Wald (leider ohne Mr Doorman)

Liebe Zappadongbesucherinnen und Zappadongbesucher

Hat Mr Doorman Sie während meiner urlaubsbedingten Abwesenheit gut betreut? Oder ist Ihnen ein wenig langweilig geworden? Dummerweise vergass ich Ihnen vor meiner Abreise zu sagen, dass ich im 7. Geschoss ein Künstleratelier eingerichtet habe - aber vielleicht hat es ja jemand von Ihnen entdeckt.

Wir - die ganze Familie Zappadong - sind letzte Woche mit Sack und Pack (aber ohne die Hamster von Tochter Zappadong) ins Trentino gefahren, genauer in das Val Sugano. Dort sind Herr Zappadong und ich unter anderem Kunst im Wald anschauen gegangen (leider ohne Mr Doorman, der für mich im Zappadonggebäude die Stellung halten musste).

Wie Sie wissen, liebe ich das Kunstmuseum Vaduz, aber diese Kunst im Wald hat so ziemlich alles geschlagen, was ich je an Kunst gesehen habe. Überzeugen Sie sich selbst und klicken Sie hier und hier.

Ach ja, in Venedig waren wir auch. Mit der Bahn. Ganz bequem von unserem kleinen Ferienort Roncegno aus.

Ich habe vergessen, Mr Doorman eine Karte zu schicken. Wenn er Sie morgen also leicht griesgrämig anschaut, liegt das nicht an Ihnen sondern an mir.

Ihre Z.

Geiz ist geil

Wenn es einen Spruch gibt, der mir schon sehr lange zu den Ohren heraushängt, dann dieser. Da ich heute wieder einmal auf recht unschöne Weise damit konfrontiert worden bin, würde ich diesen absolut bescheuerten Slogan gerne loswerden. Vielleicht stifte ich ihn dem Kunstmuseum Vaduz. Die haben eine wirklich gute - und subversiv witzige - Ausstellung moderner Kunst.

Ich werde also mit weisser Kreide schwungvoll den Slogan Geiz ist geil auf eine schwarze Tafel schreiben, mir in den Finger ritzen und ein bisschen Blut über die weisse Schrift tropfen lassen, darunter eine Einkaufsquittung von einer dieser superdoopertollgünstigen Einkaufsketten pappen, ein paar echte Tränen darauf weinen, das ganze auf einen Preis von 543'999.95 CHF festlegen (ein Schnäppchenpreis für wahre Kunst) und dem Museum zu 0.00 CHF spenden. Wenn die mir dafür das Teil samt Spruch nur für immer entsorgen oder mindestens für immer in ihren Hallen einsperren.

Und dann gehe ich mit Mr Doorman zusammen hin. Ins Kunstmuseum. Das wollten wir sowieso. Aber irgendwie kommt immer irgendwas dazwischen.

Frau Z.

Writer's High oder Kunstmuseum, Versuch III

Entschuldigen Sie mein Abtauchen, liebe Zappadongbesucherinnen und Zappadongbesucher. Ich hoffe, Sie sind darüber nicht so beleidigt wie Mr Doorman, der am Samstag mit mir ins Kunstmuseum wollte.

Mr Doorman (steht breitbeinig und mit Kalaschnikow vor mir): "Ich bin bereit."
Frau Z.: "Wozu? Wollen Sie die Ameisen im Garten erschiessen?"
Mr Doorman (beleidigt): "Nein, ich will nach Liechtenstein. In dieses komische Museum."
Frau Z: "Mit dem Ding da?"
Mr Doorman: "Man muss immer auf alles vorbereitet sein, Frau Zappadong."
Frau Z.: "Keine Angst, die moderne Kunst ist bisweilen gewöhnungsbedürftig, aber sie beisst niemanden und schon gar nicht greift sie unschuldige Besucher an."
Mr Doorman: "Ich spreche nicht von der Kunst, sondern von den Liechtensteinern."
Frau Z.: "Aha." (Schweigepause) "Mr Doorman, ich habe jetzt keine Zeit. Weder für einen Besuch im Museum, noch für einen Vortrag über die Freundlichkeit der Liechtensteiner."
Mr Doorman (schweigt, während sein Gesicht Bände spricht).
Frau Z.: "Es ist nichts Persönliches, Mr Doorman. Heute ist der 31. März und morgen ist Deadline für mein Manuskript. Ich habe also zu tun."
Mr Doorman: "Das ist ein ganz billiger Aprilscherz, Frau Zappadong."
Frau Z. (hält Mr Doorman eine Mail an die Verlagslektorin unter die Nase, in welcher der 1. April als Abgabetermin verbucht ist).
Mr Doorman: "Ja, sind Sie denn noch nicht fertig?"

Ich schwieg.
Und Ihnen verrate ich jetzt etwas.
Ich liebe Deadlines.
Ich brauche Dealines.
Ich halte Deadlines ein, komme, was da wolle.
Ich habe aber auch immer ziemlich viel zu tun bevor eine Deadline abläuft, da ich ihnen ungerührt ins Auge sehe, während sie auf mich zurasen - um sie im letzten Moment gründlich und vernichtend zu schlagen. Das heisst nicht, dass ich erst einen Tag vor der Ablauf der Frist zu arbeiten beginne; das heisst, das ich einen Tag vor Ablauf der Frist zu Hochform auflaufe.

Und so kam es, dass ich mich am Samstag, den 31. März, mit aller Kraft und Energie in meine letzte schreiberischen Runde in Bezug auf Feinschliffarbeiten stürzte. 15 Stunden mehr oder weniger Nonstop. Dabei erreichte ich ein Writer's High (was mir beim Joggen mit dem "Runner's High" leider nie passiert). Ich hob ab. Lebte in meinem Text. Sah jedes Wort glasklar. Fand neue Formulierungen. Schliff. Feilte. Perfektionierte. Schloss um 23.45 glücklich den Laptop. Und konnte vor lauter überschüssigem Glück danach nicht schlafen.

Am Morgen danach - am 1. April - lies ich den Text los (ja, am Sonntag). Seither bin ich in der "Abkühlphase", will heissen: Ich komme langsam vom Writer's High runter. Mal sehen, ob es dann beim vierten Versuch mit dem Kunstmuseum klappt.

Ihre Z.