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iadotubs ...

... habe ich laut und deutlich gesagt ... es hat gezischt ... und das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist der Geschmack von frischem Kuhfladen auf der Weide.

Nein, ich bin zum Glück nicht mitten drin gelandet. Aber fast.

Also, da sass ich, zwei Millimeter nebst dem grössten Haufen Kuhscheisse, die ich je gesehen habe und suchte nach meinem Handtäschen (Ja, natürlich hatte ich keines dabei, aber ich war verwirrt und wusste das zu jenem Zeitpunkt nicht, niemand ist perfekt, oder?), als ich unsanft am Arm gepackt und hochgezogen wurde.

"Sind Sie eine Frau?"
Ich war sprachlos. Hätte ich mein Handtäschchen dabei gehabt, ich hätte es dem rüpelhaften Fragesteller um die Ohren gehauen.
"Sind Sie eine Linke?"
Ich öffnete den Mund, aber bevor ich etwas sagen wollte, ging das Fragenbombardement weiter.
"Sind Sie etwa eine Rechtsextreme?"
Antworten war sinnlos. Ich wartete auf die nächste Frage.
"Haben Sie eine Bewilligung?"
"EINE BEWILLIGUNG WOFÜR?" (Ich fürchte, ich wurde undamenhaft laut).
"Eine Bewilligung, sich hier aufzuhalten."
"Das hier ist eine Kuhwiese. Mit Scheisse drauf. Wozu eine Bewilligung?"
"Sie sind verhaftet", sagte der Rüpel und legte mir Handschellen an.
"Ich will meinen Hausmeister anrufen."
"Ist er eine Frau?"
"Wie b..."
"Oder eine Linke?"
"Also ..."
"Eine Rechtsextreme?"
"ES REICHT!", rief ich. "WO BIN ICH?"

Leider bekam ich keine Antwort. Und das Telefonat mit Mr Lightbringer wurde mir auch verwehrt. Zu starke Verdachtsmomente.

Jetzt sitze ich in einer Zelle. Aber wenigstens kenne ich den Grund. Unerlaubtes Betreten der Rütliwiese. Das ist dieses kleine Stück Grasland in der Innerschweiz, wo am 1. August die Nationalfeier abgehalten wird. Betreten auf eigenes Risiko.

Ich habe noch einen einzigen Anruf zugute. Hoffentlich ist mir Mr Doorman nicht mehr böse.

Ihre Z.

Hallo ?

Schwarz ist meine Lieblingsfarbe. Trotzdem. So schwarz müsste es dann doch nicht sein.

Bin ich im Panikraum und Mr Doorman hat aus Boshaftigkeit über den - zugegebenermassen - schlechten Aufhebungszauber hinter mir die Tür zu- und das Licht ausgemacht? Bloss, wenn dem so wäre: Wie bin ich hierher geraten? Wo sind die Wände? Die Tür? Die Gegensprechanlage? Der Notfallknopf?

Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ist die Batterie meiner Uhr. Ich habe sie, genau nach Anweisung von Mr Lightbringer, zwischen 1 Uhr und 2 Uhr aus dem Gehäuse meines Zeitmessers entfernt. Es hat leicht gezischt, und seither ist es dunkel. Zappenduster dunkel. Ich finde das überhaupt nicht witzig. Vielleicht hätte ich doch eher nach der Adresse von Mr Lightbringers Mathelehrer fragen sollen (Sie wissen schon, jenen, mit dem "Der Tag hat 24 Stunden, und blablablablabla...."). Aber ich hatte einfach viel zu viel Angst, dass der mir dann versuchen würde, die Wahrscheinlichkeitsrechnungen beizubringen.

Hallo? Ist da jemand?

Ah! Da! Ein Männchen in einem neongrün leuchtenten grünen Gewand! "Hallo, Sie da! Wo bin ich?"

"Schwarzes Zeitloch. 98 Grad Ost, 27 Grad Nord, zwei Zillionen Ticken links vom Tack."

Hä?

Zeit und Zaubereien

Liebe Frau Zappadong,

mein Mathematiklehrer pflegte immer zu sagen: "Der Tag hat 24 Stunden, und da ist die Nacht noch gar nicht mitgerechnet!". Ich bin noch nicht ganz dahinter gekommen, wo der Trick bei dieser Rechnung liegt. Es muss irgendein Trick dahinter stecken.

Sie sollten wirklich keine Zaubereien verwenden, die Sie nicht mehr richtig rückgängig machen können. Ich dachte mir, dass vielleicht Wodka Mr. D. wieder auf die Füße hilft. Normalerweise funktioniert das immer. Er freute sich auch sehr darüber. Er hob das Glas mit glänzenden Augen und schüttete es sich mit einem beherzten Schwung - über die Schulter. Wir sollten ernsthaft in Erwägung ziehen, ihn ins St. Mungo-Hospital zu bringen.

Wir müssen uns wirklich dringend unterhalten. Ich werde mich gerne in Ihrem Büro einfinden. Nur mit der Uhrzeit - zwischen 0 und 2 Uhr liege ich im Bett. Vielleicht ist ja auch was mit Ihrer Uhr nicht in Ordnung. Nehmen Sie mal so um ein Uhr die Batterien raus und prüfen Sie dann, ob der Tag trotzdem um zwei endet. Bis zu unserer Unterhaltung bitte ich Sie, das "lederne Etwas" als gegeben hinzunehmen. Das ist eine längere Geschichte.

Der Kaffee ist in der Küche. Sie müssen nur noch das Pulver in die Maschine geben und etwas Wasser dazu, einschalten, fertig. Den Rest habe ich schon vorbereitet.Auch gegen einen kleinen Imbiss spricht nichts: Brot ist im Kasten, Tomaten sind im Garten, und wenn Sie noch Wurst brauchen, holen Sie sich einfach welche.

Gruß Alex L.

Notizzettel für Mr Lightbringer

Lieber Mr Lightbringer

Mit der Zeit stimmt etwas nicht. Meine Tage umfassen plötzlich nur noch zwei Stunden. Haben Sie irgendwo an einer Uhr gedreht oder liegt das an mir? Könnten Sie mir eventuell verraten, wie ich einen Arbeitstag von 12 Stunden in zwei Stunden packen kann - und wann ich schlafen soll?

Wie auch immer. Hier in Kürze ein paar Nachrichten für Sie. Ich bin trotz akkuten Zeitmangels schnell zum Turmzimmer von Herr Professor Bigot Blot gesaust (auf Harry Potters Besen; aber verraten Sie ihm das bloss nicht) und habe mir von ihm ein Hausmittelchen gegen Mr Doormans Starre geben lassen. Zaubern lag nicht drin. Bin immer noch auf Seite 197 von Band 7. Das Mittelchen von Prof. Blot hat zwar gewirkt, aber Mr Doorman läuft jetzt ziemlich steif durch die Gegend - und er schielt. Ich fürchte, wir müssen diese kleineren Schäden zu einem späteren Zeitpunkt beheben.

Dieses lederne Etwas, das mir ab und zu über den Weg läuft, verstehe ich nicht. Gegen Zeichensprache scheint es immun zu sein. Auf jeden Fall musste ich die Koffer alleine in mein Zimmer hochtragen, da Mr Doorman aufgrund seiner offensichtlichen körperlichen Mängel ausgeschieden ist. (Es ist etwas schmerzlich, ihn zu beobachten, wie er wegen eingeschränkter und verzwisteter Sicht gegen Wände rennt).

PS: Können wir uns morgen in meinem Büro treffen? Irgendwann zwischen null und zwei Uhr? Bevor der Zeiger auf übermorgen hüpft?

PPS: Sind Sie überhaupt noch da?

PPPS: Ich wäre froh, wenn Sie mir einen starken Kaffee machen könnten.

Frau Z.

Staubfänger

Heute früh kam Svetlana zu mir ins Hausmeisterbüro. Sie fuchtelte mit Händen und Füßen herum und deutete mir damit an, dass ich ihr folgen sollte. Sie führte mich in die Eingangshalle.

Ich konnte mir schon denken, was ihr dort auf den Magen schlug: Mr Doorman.

Der Arme stand immer noch dort herum, versteinert, gefangen in der letzten Pose, mit der er Frau Zappadong wieder an die frische Luft befördern wollte. Svetlana fing bei seinem Anblick sofort an, mit jämmerlicher Stimme zu lamentieren. Sie schlurfte um Mr. D. herum, schüttelte den Kopf, schlug die Hände über selbigem zusammen und hatte Tränen in den Augen. Vorwurfsvoll deutete sie auf die Schulterepauletten von Mr. Doormans Anzugjacke, auf der sich tatsächlich bereits Staub abgesetzt hatte.

Tja, was sollte ich machen? Solange Frau Z. noch nicht einsatzfähig ist und sie den Zauberspruch nicht wieder aufhebt, kann ich Mr. D. nicht von seinem Elend erlösen. Ich holte mir also meine Hausmeister-Sackkarre und verfrachtete Mr. D. von der Eingangshalle weg in eine Abstellkammer neben der Küche. Svetlana gab ich einen Staubwedel und deutete ihr an, dass sie Mr. D.'s Anzug flusenfrei halten sollte. Ob ihr Wortschwall eine Schimpftirade war oder nicht, kann ich nicht sagen. Zumindest ist jetzt die Eingangshalle wieder betretbar.

Frau Zappadong, sollten Sie das hier lesen: ich denke, Mr. D. hat seine Lektion gelernt. Er wird Sie nie wieder nach dem Ausweis fragen, da bin ich mir ganz sicher.

Gruß Alex L.

Ausweiskontrolle? - Ausweiskontrolle!

Wschschschsch ... sagte die Drehtür leise. Gebeutelt von einer gut 14-stündigen Heimreise schleppte ich mich zur Reception, wobei ich beinahe mit einem schrumpfledernen Etwas in Sandalen zusammenstiess. Leider verschwand das Ding um die Ecke, bevor ich es identifizieren konnte.

"AUSWEIS!", brüllte Mr Doorman.
Ich schaute mich um. Hinter mir hatte niemand das Gebäude betreten. Mr Doorman musste mich meinen.
"Ich bin's, Frau Zappadong." Trotz lähmender Müdigkeit setzte ich ein Lächeln auf, oder mindestens eine Grimasse, die man mit gutem Willen als Lächeln hätte interpretieren können. Mr Doorman schien dieser Wille zu fehlen.
"Kann ja jeder reinkommen und das behaupten", grummelte er und wollte mich mit einer Handbewegung wie eine lästige Fliege aus dem Gebäude wedeln. Aus meinem Gebäude.
Ehrlich gesagt, ich hatte weder Kraft, Energie noch den Willen, mich mit einem mürrischen Mr Doorman zu streiten. Also zog ich meinen am Flughafen Gatwick erworbenen Zauberstab aus der Jackentasche und versuchte mich an einem der Flüche, die ich im siebten Harry Potter Band gelesen hatte. Es zischte kurz und Mr Doorman erstarrte zur Säule. Ich tätschelte ihm liebevoll die Wangen, liess mein Gepäck mitten in der Lobby stehen und taumelte ins Gästezimmer im zweiten Stock. Mein eigenes liegt ein paar Stockwerke höher - zu weit oben für meine schmerzenden Glieder.

Im ersten Stockwerk brannte Licht. Durch eine offene Tür sah ich Mr Lightbringer ekstatisch auf die Tasten seines Laptops hämmern. Was der wohl schreibt? Ich werde ihn morgen fragen. Erst einmal gehe ich schlafen. Und dann muss ich den Harry Potter fertig lesen und schauen, ob es irgendwo einen Umkehrspruch gibt, der aus dem erstarrten Mr Doorman wieder ein einigermassen grumpelig missmutiges Wesen macht.

Müde Grüsse

Ihre Z.

Ankomme Samstag, den 21.

Ja, wie die Zeit vergeht. Da arbeitest du so gemütlich vor dich hin, denkst dir nichts schlechtes und wuuuusch – sind zwei Wochen vorbei. Wenn alles wie geplant verläuft, wird Frau Z. am Wochenende wieder das Ruder im Zappadong-Gebäude übernehmen.

Ich überlege gerade, ob ich jetzt schon meine Autobiografie über mein Leben und Wirken als Hausmeister anfangen soll. Ich habe Geschichten erlebt, da könnte ich Bücher drüber schreiben. Als Hausmeister hat man einfach alles: den totalen Überblick; die volle Ahnung; die absolute Kontrolle. Ich komme mir vor wie ein Halbgott in Blau.

Allerdings hat in letzter Zeit dieses Gefühl etwas gelitten. Für einen Halbgott ist es schon etwas erniedrigend, wenn man beim Betreten seines Regierungssitzes seinen Ausweis zeigen muss. Wenn einem beim Regieren ein Schwall unverständlicher Worte an den Kopf geworfen wird und dann ein Schrubber zwischen den Füßen den Boden wischt. Wenn plötzlich orange gekleidete, glatzköpfige Sektenanhänger vor der Tür stehen und für einen anderen Gott die Werbetrommel rühren. Wenn die Göttergattin auf die glorreiche Idee kommt, ihr Angetrauter könnte sich mal im Garten etwas bewegen, am Besten mit einem Rasenmäher an der Hand. Ach ja, was waren das noch für Zeiten, als Respekt und Anstand die Welt beherrschten.

Also, liebe Besucher: danke, dass Sie uns in der Zeit der Diaspora die Treue gehalten haben. Ab nächster Woche wird hier wieder Qualität, Niveau und Ordnung einkehren. Kommen Sie trotzdem ;)

Gruß Alex L.

Hitze

Einige Menschen in meiner Umgebung sind froh über die momentane Sommerhitze. Mr. D., wie immer in seiner makellosen Uniform, pfeift vor sich hin und genießt offensichtlich den Tag. Svetlana wuselt schwungvoll mit dem Wischmopp durch die Empfangshalle und plaudert munter mit ihrem Putzeimer, der, sowohl von dem kasachischen Redeschwall als auch von der Hitze völlig unbeeindruckt, weiter gemütlich vor sich hin müffelt.

Ich sterbe.

Im Ernst. Diese Hitze bringt mich um. Jede Bewegung fällt mir schwer. Mein Gehirn steht kurz vor dem Siedepunkt. Ich kann keine Schuhe mehr tragen, weil mir sonst die Füße wegschmelzen. Jeder Quadratzentimeter Stoff auf meiner Haut ist einer zu viel. Wenn die Kaltfront, die am Wochenende über uns hereinbrechen soll, eine Frau wäre, würde ich ihr wahrscheinlich einen Heiratsantrag machen.

Allerdings habe ich eine Methode gefunden, wenigstens in der Nacht schlafen zu können. Ich lasse meine Badewanne voll mit kaltem Wasser laufen (und kalt meint: wirklich nur den blauen Hebel aufdrehen). Im Sommer hat das Wasser dann etwa 17 Grad. Nach zehn Minuten da drin schlafe ich die ganze Nacht wie ein Baby.

Wie werden Sie mit der Hitze fertig? Jeder Tip ist willkommen.
Gruß Alex L.

Musik für alle

Nachdem die Musikanlage des Zappadong-Gebäudes momentan zu meiner freien Verfügung steht, habe ich den sonst hier durch die Gänge dröhnenden Hardrock, der den Putz rieseln und die Scheiben klirren lässt, durch Musik ersetzt, die nach Aussage von Mr. D. durchaus dazu geeignet wäre, selbst ihn als hartgesottenen Fitneßraumverweigerer die Wand hochgehen zu lassen. Zugegebenermaßen ist diese Beschallung etwas abseits vom Mainstream angesiedelt; mir ist eigentlich der Rhythmus am Wichtigsten. Und der Song hier etwa von Basement Jaxx ist wunderbar geeignet, um damit eine Piste runterzubrettern. Genauso wie die Caesars.

Eine kleine Workout-Unterstützung? Bitte sehr! Und hinterher zur Entspannung etwas zum Grooven.

Tja, sollte ich ihren Geschmack nicht getroffen haben, gesellen sie sich bitte zusammen mit Mr. D. in den schalldichten Panikraum. Am Montag ist ja Frau Z. wieder da, da geht’s dann wieder normal zu hier.
Übrigens: bei all diesen Videos ist das Video nur (un)nötiger Ballast (bei YouTube). Mir kommt’s mehr auf den Sound an...

Gruß Alex L.

Harry Potter

Ich wollte hier eigentlich über unser aller Harry schreiben, aber Dschungelwelt: Harry Potter V - Der Film auf Frederiks Blog sagt schon alles wesentliche.
Irgendwie kommen mir die Potter-Teile unfertig vor. Alles wird auf das endgültige Zusammentreffen von Du-weißt-schon-wem und Harry vorbereitet. Da gibt’s einige schöne Nebengeschichten (Umbridge, Prophezeihungen, Riesenbaby usw.), aber eigentlich war auch dieser Film wieder nur eine Vorbereitung auf den siebten Teil. Hoffentlich wird das Ende der Saga dem ganzen Erwartungsdruck auch gerecht.

Gruß Alex L.

Nehmen Sie es leicht!

Vermeiden Sie Leitern und schwarze Katzen. Nehmen Sie sich frei. Rufen Sie den Pizzadienst, wenn Sie Hunger haben. Kochen Sie auf keinen Fall selbst! Bleiben Sie im Bett. Passen Sie um Himmels willen auf, dass Sie nicht noch zusätzlich irgendwie Salz verschütten! Klopfen Sie den ganzen Tag auf Holz.

Die Angst vor Freitag, dem 13. ist so verbreitet, dass sie sogar einen wissenschaftlichen Namen hat: Paraskavedekatriaphobie

„Mit dem Aberglauben ist es so eine Sache. Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der sein dreizehntes Monatsgehalt zurückgegeben hätte.“


Das sagte Fritz Muliar.

Wir lesen uns (hoffentlich) nächste Woche wieder. Ich muss jetzt den PC ausschalten, bevor was passiert.

Gruß Alex L.

Nächtliche Unternehmungen

Ich bin normalerweise nicht gut zu sprechen, wenn ich mitten in der Nacht vom Telefon aus dem Tiefschlaf gerissen werde. Außerdem habe ich da leichte Artikulationsprobleme. Letzte Nacht so gegen zwei Uhr war es wieder so weit. Das Telefon penetrierte sich durch meine Alpträume. Im Dreiviertel-Schlaf griff ich nach dem Hörer, ließ ihn natürlich fallen und schlief sofort wieder ein, da das Läuten jetzt wieder vorbei war.
Nicht viel später klingelte es plötzlich im Flur. Meine Frau versuchte, nach mir zu schlagen, also robbte ich aus dem Bett. Dieses verfluchte ISDN! Was waren das noch für glückliche Zeiten, als man einfach den Hörer neben das Telefon legte und für den Rest der Welt aufhörte, zu existieren!
„*Grummel* hmm?“ Mehr brachte ich nicht heraus.
„Herr. Lightbringer?“ Das war Mr. Doorman. „Herr Lightbringer, kommen Sie bitte schnell ins Zappadong-Gebäude, wir haben einen Notfall!“
Bevor sich mein Hirn zuschalten konnte, legte Mr. D. wieder auf. Notfall. Was konnte das schon sein? Wahrscheinlich ist eine Sicherung rausgeflogen. Ich zog mich an und begab mich, natürlich immer noch todmüde, an meine Arbeitsstelle. Mr. Doorman empfing mich schon an der Eingangstüre. Komischerweise war er von oben bis unten durchnässt.
„Kommen Sie, bitte schnell!“, drängte er mich und schob mich durch die Tür auf die Treppe zu. Allerdings zur Kellertreppe.
„Wir haben einen Wasserrohrbruch“, eröffnete er mir. „Ich habe die Hauptwasserleitung bereits abgedreht.“
Tatsächlich stand im Heizungskeller mehrere Zentimeter hoch das Wasser. Svetlana war auch hier. Sie war mit Gummistiefeln bewaffnet, hatte einen Putzlappen in der Hand und wrang ihn gerade über einem Eimer aus. Irgendwelche großen, weißen Tücher und ein Stück Schnur schwammen im Wasser.
„Wissen Sie schon, wie das passiert ist?“, fragte ich Mr. D, der daraufhin etwas verlegen wurde.
„Ähh, ja. Sehen Sie...“, druckste er herum. „Svetlana kann nachts sehr schlecht schlafen, da hat sie unseren Vorrat an Tischdecken und Handtüchern gewaschen.“
„...“, war alles, was mir auf diese absurde Vorstellung hin einfiel.
„Ja, dann hatte sie die Wäscheleine hier im Heizungskeller befestigt und das Zeug da aufgehängt.“
Mir schwante Übles. „Und?“
„Und dann hat wohl eines der Rohre, an dem sie die Leine festgebunden hat, nachgegeben...“
Gruß Alex L.

Wieviele Planeten brauchen Sie?

Um das Umweltgewissen auf die Spitze zu treiben, gibt es in den unergründlichen Weiten des weltweiten Netzes diverse Spielereien. Hier z.B. Online-Test konnte ich mir ausrechnen, dass die Menschheit 4,2 Planeten benötigen würde, würde jeder so leben wie ich.

Andererseits würde ein halber Planet reichen, wenn jeder so leben würde wie Svetlana. Das gibt mir die Hoffnung, dass uns allen im Schnitt doch ein Planet reicht. Möglicherweise ist diese Statistik aber vielleicht etwas zu vereinfacht.

Natürlich verbrauche ich mehr Ressourcen dieser Welt als ein chinesischer Reisbauer. Andererseits versuche ich mich damit zu rechtfertigen, dass ich in Europa mit Reisanbau nicht weit kommen würde, Subventionen hin oder her. Diese himmelschreiende Ungerechtigkeit muss ich eben dadurch kompensieren, dass ich auf die Umwelt mehr Einfluss nehme, als zum Beispiel ein nordafrikanischer Nomade.

Wenn ich im nächsten Leben als indonesischer Urwald-Indianer oder als tibetanischer Mönch zur Welt komme, mache ich das alles wieder gut. Aber wo bekomme ich dann den Internet-Anschluss her, um das zu überprüfen?

Gruß Alex L.

Earthday

Das LifeEarth-Event brachte uns deutlich zu Bewusstsein, dass unser hochgeschätzter Planet momentan der Einzige ist, den wir haben. Zufällig habe ich gerade mal wieder „Der Schwarm“ von Frank Schätzing gelesen. Mein schlechtes Gewissen ist kaum noch zu bändigen.
Selbst Mr. Doorman kommt ins Grübeln. Heute lief er mit hektischem Blick durch das Gebäude, schloss alle offenen Fenster, drehte die Klimaanlage um zwei Grad höher, schaltete den Kinosaal von Standby auf Off.
„Jeder kann etwas tun, Herr Lightbringer, jeder!“, sagte er zu mir auf Nachfrage. Das ist natürlich völlig richtig, und so fanden wir bei einem kleinen Imbiss mit kalifornischem Rotwein und Bami Goreng heraus, dass die Wurzel allen Übels die Globalisierung ist. Zur Nachspeise gönnten wir uns ein paar Mangos und kamen anschließend mit echt italienischem Espresso zu der Erkenntnis, dass wir in Zukunft Globalisierung komplett ablehnen werden.
Gruß Alex L.

Der Groove machts

Mr. Doorman hat mich darauf hingewiesen, dass das Blog mal wieder was Kulturelles vertragen könnte. Unsere Leser stellen Ansprüche! Wir können sie nicht enttäuschen.

Nun, wer bin ich, dass ich dem widersprechen könnte. Hier also ein kleiner Ausflug in die gute Laune. Immer, wenn ich schlecht drauf bin, sehe ich mir einen kurzen Videoclip an, der mich wieder auf die Beine bringt:

Sie hat den Groove

Drehen sie dazu unbedingt den Ton auf, sonst ergibt das Gehopse keinen Sinn. Und noch was: wer beim Betrachten des Clips seine Füße ruhig halten kann, sollte dringend den Arzt aufsuchen.

Gruß Alex L.

Vertragsverhandlungen

„Mr. Doorman, woran liegt es, dass Svetlana nicht auf meine Anweisungen reagiert?“

„Na ja, ähem. Sie...“ Mr. Doorman war sichtlich verlegen. „Sie spricht unsere Sprache nicht besonders gut.“

„Ach was. Wie um alles in der Welt soll ich jemand beschäftigen, mit dem ich mich nicht mal unterhalten kann? Soll ich englisch mit ihr reden?“

„Englisch“, sagte Mr. Doorman, und seine Wangen färbten sich rot. „... kann sie auch nicht.“

„Aber sprechen kann sie, oder?“

„Wissen Sie, sie ist in Kasachstan aufgewachsen, in einem kleinen Bergdorf. Und da spricht man so einen alten, kasachischen Dialekt, den versteht sie recht gut.“

Ich schloss die Augen und zählte langsam bis zehn. „Weiter“, sagte ich zu Mr. Doorman.

„Am Besten wäre es, wenn Sie mir die Anweisungen geben und ich sie an Svetlana weitergebe?“ Seine Augen blickten dabei so treuherzig, dass sogar ein Hundewelpe nachgegeben hätte.

„Sind Sie nicht auch der Meinung, dass das Zappadong-Gebäude doch etwas groß ist für eine Frau ihres Alters?“ Zweiunddreißig Stockwerke, kein Lift. Du meine Güte. Wenn ich vom Empfang ins Fitneßcenter im 32. Stock gehe, brauche ich eine halbe Stunde Erholung.

„Svetlana schafft das schon. Sie hat zu Hause ja auch eine Großfamilie betreut. Sieben Erwachsene und vierzehn Kinder!“

„Ja? Und wo haben die gewohnt?“

„Na ja, in so einer Einzimmerwohnung in Usbenka, an der chinesischen Grenze.“

Meine Kopfschmerzen von gestern klopften noch mal kurz und heftig an meine Schläfe. Ich wollte gerade zu einer geharnischten Erwiderung ansetzen, als ich Svetlana das erste mal was sagen hörte. Sie hat eine kräftige, aber angenehme Stimme. Gebückt, wie sie dastand, brachte sie einen Schwall an mich gewandter Worte hervor, von dem ich natürlich nichts verstand. Dann ging sie auf Mr. D. zu, umarmt ihn in Bauchhöhe, zog ihn zu sich herunter und gab ihm einen Schmatz auf die Wange. Sie drehte sich zu mir um, zwinkerte mir mit beiden Augen zu und verließ die Küche.

„Was hat sie...“, fing ich an, und während ich Mr. D. ansah, wurde mir ganz schwummerig zu Mute. Seine Augen glitzerten verdächtig.

Ich stand da, unfähig, etwas zu tun. Mr. D. sah ihr nach, dann drehte er sich zu mir um. Nach einer Pause, in der er sichtlich um Fassung rang, sagte er leise: „Svetlana hat sich bedankt. Sie hält Sie für einen anständigen Mann, und sie wird Sie und Frau Zappadong nicht enttäuschen.“

Tja, was soll ich sagen? Wir haben eine neue Putzfrau.

Gruß Alex L.

Profane Dinge

Ich bin jetzt wieder so weit, dass ich eine Tür beim ersten Versuch, durchzugehen, nicht mehr verfehle. So schnell rühre ich keinen Alkohol mehr an. Mit der Menge an grauen Gehirnzellen, die uns bei dem Gelage abgestorben sind, könnte man wahrscheinlich einen Nobelpreisträger aus dem Boden stampfen.

Nach so einem Exzess werden selbst einfache Dinge schwer: das Öffnen einer Tür mit einem Schlüssel, das Bekämpfen des Durstes, das Schälen eines Apfels, das Bekämpfen des Durstes, das Vermeiden von Wiederholungen und der Durst, nur, um einige Beispiele zu nennen. Ich werde jetzt gleich was trinken, um wenigstens mal drei der Probleme zu lösen.

Heute haben wir den ganzen Tag aufgeräumt. Mr. Doorman, der übrigens glänzend aussieht und ebenso gelaunt ist, meinte, dass bezüglich meines Zustandes wohl einer von den Snacks nicht mehr ganz frisch gewesen sei.

Wir beide standen gerade in der Küche, um die letzten Reste des gestrigen Desasters wegzuräumen, als ich hinter mir ein schleifendes Geräusch und ein ziemlich trockenes Husten hörte. Erschrocken fuhr ich herum und sah vor mir ein kleines, runzliges Mütterchen in einem Kleid aus grobem, grau-braunen Stoff mit einer himmelblauen Schürze um den Bauch.

„Ach ja“, beeilte sich Mr. D. zu sagen. „Das ist Svetlana. Sie wissen schon...“ Dabei sah er mich verschwörerisch an.

Svetlana? Wer zum Teufel noch mal ist Svetlana? Ich kam mir vor wie im falschen Film. Das Mütterchen watschelte auf ihren ausgeleierten Ledersandalen um mich herum, nahm ein Geschirrtuch in ihre verknorpelte, dürre Hand und in die andere Hand einen der Teller, die ich gerade abgetrocknet hatte. Anschließend rieb sie mit dem Tuch über den Teller, ohne sich um mich zu kümmern.

Ich sah Mr. D. an. Mein Mund öffnete sich, aber mein Gehirn weigerte sich, das Offensichtliche zu akzeptieren.

„Svetlana?“, fragte ich mit einem völlig hilflosen Blick.

„Ja“, sagte Mr. Doorman und wand sich dabei wie eine Ringelnatter, die von einem Falken am Schwanz gepackt wird. „Svetlana Boriskovskaya, meine Großtante mütterlicherseits. Sie sagten doch...“

„Was?“

„Na ja, Frau Zappadong hat doch erwähnt, dass wir...“ Er stockte schon wieder. Wenn mein Zustand nur ein kleines bisschen weniger bedauernswert gewesen wäre, hätte ich mich wohl auf ihn gestürzt.

„WAS?“

„Putzfrau“, beeilte sich Mr. D. zu sagen. „Wir hatten doch gestern vereinbart, dass sich meine Tante hier als Putzfrau vorstellen soll.“

Und ich hatte gedacht, die Probleme wären überstanden.

Gruß Alex L.

Feierliche Schlüsselübergabe

Gestern abends traf ich mich mit Frau Zappadong. Sie übergab mir den goldenen Schlüssel fürs Zappadong-Gebäude. Der hängt jetzt an einer ebenfalls goldenen Panzerkette um meinen Hals. Ich komme mir vor wie Puff Daddy. Ein paar gute Ratschläge und Ermahnungen später lässt sie alles stehen und liegen und verschwindet wie ein Fünfzig-Euro-Schein an der Tankstelle.

Abends, beim letzten Rundgang, betrete ich das Foyer und – stehe vor einigen bedrohlich aussehenden Gestalten, die mich aus bedrohlich blickenden, schwarzen Augen bedrohlich anblicken. Nach einem kurzen, gehetzten Blick nach hinten (hoffentlich habe ich mich im Gebäude geirrt!) liegt plötzlich eine behaarte Pranke auf meiner Schulter und eine Stimme, der man anhört, wie schwer es ihr gefallen ist, sich durch die ganzen Halsmuskeln zu quetschen, sagt zu mir „Towarisch, privet!“ Auch die anderen Männer stimmen ein, versuchen, mir durch Schulterklopfen das Rückgrat weiter ins Becken zu stampfen und mir die Rippen durch Umarmungen zu brechen.

Eine laute Stimme aus dem Hintergrund verschaffte sich Gehör: das hörte sich an wie Mr. Doorman. „Herr Lightbringer, bitte, kommen Sie herein! Wir haben alles für Sie vorbereitet.“

Hilfreiche Hände helfen meinen Puddingknien, mich weiter ins Foyer zu tragen. Da steht Mr. Doorman, grinst über das ganze Gesicht und teilt mir lapidarisch mit, dass ein paar seiner Kumpels gekommen sind, um mit mir meinen Einstand als Hausmeister zu feiern.

In der Cafeteria im Erdgeschoss, zu der mich die besagten hilfreichen Hände vorwärts drängten, sah ich dann die von Mr. D. getroffenen Vorbereitungen: Ein langer Tisch, über und über bedeckt mit Speisen und Getränken, drum herum zehn Stühle, Zigarren, Eis, eben alle Zutaten für eine richtig ausufernde Party.

Bevor ich mich versah, saß ich am Kopfende des Tisches und bekam ein Glas gereicht, das vom Fassungsvermögen her einem großen Bier in Köln viel Ehre gemacht hätte. Mein Nachbar, Vassily, füllt es bis zum Rand mit einer klaren Flüssigkeit aus einer nicht beschrifteten Flasche und nach einem Toast rissen alle die Gläser hoch und tranken auf Ex. Als ich mich von meinem Hustenanfall erholt hatte, musste ich sofort etwas essbares nachschieben, um die Schmerzen in der Speiseröhre loszuwerden. Der selbstgebrannte Wodka von Mr. D.s Freunden hatte es echt in sich. Ich schätze mal, als Abbeize könnte das Zeug für Furore sorgen.

Der Rest des Abends wird dann etwas unscharf. Ich weiß nur noch, dass große Verbrüderung, Tänze, noch mehr Wodka und großartige Diskussionen folgten. Ich melde mich wieder, wenn ich meine Tastatur wieder scharf sehen kann.

Gruß Alex L.

Haifischbecken ? - Goldfischglas !

Eine alte russische - oder war es hintertimbuktische? - Volksweisheit besagt: "Wenn dir die Haifische in den Hintern beissen wollen, dann ist es Zeit für ..."

Der Rest ist mir leider entfallen, und so habe ich mich mir meine eigene Volksweisheit gebastelt: "Wenn du denkst, es geht dir besch..., suche jemanden, dem es noch viel besch.... geht."

Gesagt, getan, ins Kino gegangen. Die Hard 4.0 angeschaut.

Meine Welt ist wieder in Ordnung. Mein Leben findet in einem beschaulichen Goldfischglas statt. Mit der wirklich, wirklich bösen Welt und den Haifischen da draussen, schlägt sich zum Glück Bruce Willis herum.

Kurz: Mr Doorman, der selbstredend in Windeseile aus dem Bügelzimmer geschossen kam, als ich Die Hard auch nur flüsterte, Herr Zappadong und ich haben zwei vergnügliche Kinostunden genossen, an deren Ende die Welt zwar lädiert, aber wieder in Ordnung war.

Seit einer Stunde schaffen Mr Doorman und ich Ordnung in meinem Büro. Es wird was - ich kann den Bildschirm meines Computers wieder sehen.

Entspannte Grüsse aus dem Goldfischglas

Ihre Z.
(Mr Doorman lässt ebenfalls grüssen, ganz besonders den Hausmeister)

Im Haifischbecken

Mein Puls ist seit ungefähr 295'200 Sekunden auf Rekordhöhe. Ich schwimme und straffle im Meer der unerledigten Arbeiten, und Deadlines schnappen nach mir wie ein Rudel Haifische, die seit zwei Monaten nichts gegessen haben.

Ausgerechnet jetzt ist Mr Doorman nicht zur Stelle. Wo er doch endlich einmal schiessen dürfte was das Zeug hält ... nur eine tote Deadline ist eine gute Deadline.

Hat jemand von Ihnen unseren neuen Hausmeister gesehen?

Ihre - leicht verzweifelte -

Z.