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Auswandern

Henrike sah aufgrund des Niveaus der musikalischen Unterhaltung hier in Deutschland nur eine Möglichkeit für mich: auswandern.

Ein toller Vorschlag. Ich überraschte meine Frau also mit dem Ausspruch "Komm, lass uns auswandern."

Sie war diesem Vorschlag gegenüber viel weniger abneigend eingestellt, als ich eigentlich dachte. "Auswandern? Wohin denn?"

Ich holte Luft und wollte ihr gerade eine passende Antwort geben. Leider fiel mir auf Anhieb nichts geistreiches ein. Ich produzierte also ein langgezogenes "Tjaaaa..., ähhh. Keine Ahnung. Weg eben."

Diese Antwort war ihr nicht ausführlich genug, nehme ich an. Sie fragte "Warum willst du eigentlich weg?"

Jetzt saß ich in der Klemme. 'Die Musik in Deutschland ist zu schlecht' kam mir jetzt selber ziemlich bescheuert vor. Und die Frage nach dem Wohin ließ mir auch keine Ruhe. Wohin wollte ich denn auswandern, mal ernsthaft gefragt? Die Dokusoaps im Fernsehen, wie etwa "Mein neues Leben XXL", zeigen ja deutlich, dass wo anders auch nur mit Wasser gekocht wird. Und wo wir gerade beim Kochen sind: mir reichts schon, wenn ich in Deutschland kein anständiges deutsches Restaurant mehr finde. Pizzadienste schießen wie Pilze aus dem Boden. Dönerbuden an jeder Ecke. Schnellimbisse, Burgerhallen, Indisch, Koreanisch, Thailändisch, Chinesisch, Mexikanisch. Wo zum Teufel bleibt der Schweinsbraten mit Knödel, frage ich Sie!

Gehen wir die Möglichkeiten mal durch: die Familie sollte schon in der Lage sein, sich zu verständigen. Also bleiben nur deutsch- und englischsprachige Länder. Damit fallen bereits 80% des Planeten mit China, Indien, Russland, den ganzen -istans, Afrika und Südamerika durch das Raster. Österreich und Schweiz fallen ebenso weg, da kann ich ja gleich zu Hause bleiben. Dort ist die Musik auch nicht besser. Europa? Die Franzosen hassen uns Deutsche von ganzem Herzen. Spanier und Italiener sind einfach zu laut. Die Benelux-Staaten: zu flach! Osteuropa zu dunkel. Griechenland und Türkei zu heiß.

Die britischen Inseln: eher nicht. Das Wetter! Die Leute! Die Regierung! Die Gewerkschaften! Die Irländer! Die Schotten! Die Königsfamilie!

Australien? Immer auf dem Kopf stehen würde ich nicht aushalten.

Amerika - das gelobte Land? Mal sehen: 15.000 Tote pro Jahr durch Schusswaffen, Hypothekenkrise, Dollarverfall, religiöse Eiferer, Terror, Rassismus, fehlende Sozialabsicherung. Hmmm, hört sich an wie der nahe Osten. Fällt weg.

Was ist jetzt noch übrig? Eine Südseeinsel, Bora Bora etwa? Zu langweilig.

Nachdem ich diese Liste im Kopf überschlagen hatte und meine Frau immer noch mit vorwurfsvoll fragendem Blick vor mir stand, musste ich das Thema wohl ad acta legen. "Ach, ich weiß auch nicht. War nur so 'ne Idee", sagte ich etwas lahm zu ihr. "Was gibts zu Essen?"

"Nasi goreng mit Bambussprossensalat!"



Leise weinend ging ich ins Esszimmer.

Gruß Alex L.

3 Kommentare:

Henrike said...

ähm, nur mal so ganz leise nachgefragt, was genau, also im detail, stört dich an den schotten zum beispiel?
*wartet grimmig auf antwort*

Alex Lightbringer said...

Dass ich da als Mann Röcke tragen, Whisky trinken und Baumstämme werfen müsste? Alles Sportarten, die ich nicht besonders gut kann.

Der Ausruf mit den Iren und Schotten sollte darauf hinweisen, dass die britischen Inseln genug mit sich selbst zu tun haben, ohne dass ich mich dort auch noch einmischen muss. Das ist natürlich aus der Sicht eines Deutschen geschrieben, der nicht die geringste Ahnung hat, was dort wirklich abläuft und nur das nachplappert, was er in "Braveheart" gesehen hat.

Sollte ich dir versehentlich auf irgendwelche schottischen Befindlichkeiten getreten sein, bitte ich das vielmals zu entschuldigen.

Gruß Alex L.

Henrike said...

die schotten stecken ihre männer nur dann in röcke, wenn sie mit mehreren busladungen touristen rechnen, und baumstämme hat bis heute auch noch niemand auf mich geworfen. die holen sie ebenfalls gerne für touristen raus. aber der whisky, was in aller welt ist nicht in ordnung mit dem whisky???
bei den iren hingegen kann ich das mit dem whiskey verstehen. den mag ich auch nicht so wahnsinnig. aber die iren haben einen ganz anderen vorteil: da kann man als künstler steuerfreu leben.
*packt die koffer*