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Dekadenz

Skifahren ist eine Sportart, die viel mit Hoffnung zu tun hat. Etwa der Hoffnung, dass sich zum Sonnenschein am nächsten Tag bitte auch noch zwanzig Zentimeter Neuschnee gesellen sollen; dass alle anderen Skifahrer, die die Piste blockieren, demnächst vom Noro-Virus befallen werden; dass der Anfänger, auf den ich gerade mit achtzig Sachen zurausche, nicht in die falsche Richtung abbiegt (nur in seinem Interesse!).

Meine Hoffnung, dass unsere Skifahrergruppe aus achtzehn Personen einigermaßen kompatibel in ihren Interessen sei, musste ich allerdings früh begraben. Schon am Mittag des ersten Tages meldete sich Gundula(*) bei mir zu Wort und forderte vehement den Besuch einer Apres-Ski-Einrichtung am Abend. Sie kenne da ein Lokal, das wirklich phänomenal sehenswert sei.

"Ist das so ein Lokal, wo die Skifahrer direkt von der Piste reingehen?", fragte ich mit gespielter Naivität.
"Klar. Da ist voll die Stimmung drin." Gundula glühte vor Begeisterung.
"Und da ist sicher auch Musik und Halli-Galli und Schunkeln und so?"
"Ja! Genau!" Sie fängt an, im Takt einer nur ihr bekannten Melodie hin und her zu wackeln.
"Und gibts dort auch Alkohol?"
"Na sicher! Was glaubst du denn?"
"Also soll ich mich nach sieben Stunden Skifahren total verschwitzt und fertig mit meinen nassen Klamotten und den drückenden Skischuhen noch zwei Stunden lang irgendwo hinstellen, wo ich einen Gehörschaden bekomme und mich mit ein paar völlig besoffenen Halbstarken um den einzigen Stehplatz an einer Theke prügeln muss, um Drinks zu bekommen, die ich überall anders zum halben Preis kriege?"
"Ja. Ähh, ... was?"
"Vergiss es."

Frau Lightbringer brachte mich dann so weit, dass ich mich dem Gruppenzwang beugte und dem Apres-Ski huldigte. Und was soll ich sagen? Es war noch schlimmer, als ich befürchtet hatte. Nicht nur, dass die Bude gerammelt voll und die Musik ohrenbetäubend war, sie war auch noch so verraucht, dass ich nach fünf Minuten kaum noch Luft bekam. Gundula war nicht mehr zu bändigen. Sie tanzte und jodelte zu "Zehn nackte Friseusen" durch das ganze Lokal und war voll in ihrem Element. "Du hast den schönsten Arsch der Welt" veranlasste sie dazu, das entsprechende (leicht überdimensionierte) Körperteil mit anderen Tänzern in Kontakt zu bringen.

Als dann das unglaublich tiefsinnige "Rote Pferd" mit 3000 Watt durch die Bude dröhnte, bedeutete ich meiner Frau, dass ich rausgehen und mich übergeben werde. Sie schrie und deutete etwas zurück, was ich als "Bring mir auch einen mit..." interpretierte.

Ganz ehrlich, Leute: diese Art der "Unterhaltung" ist für mich nicht geeignet.


Gruß Alex L.

(*) Name von der Redaktion nicht geändert. Wozu auch?

6 Kommentare:

Anonymous said...

Sehr geehrte Frau Zappadong,

Herr Doormans Urgrossonkel mütterlicherseits war so grosszügig, mir seinen Laptop auszuleihen, so dass ich endlich die Möglichkeit habe, Ihnen zu schreiben.
Ja, Sie vermuten richtig, ich bin bei Herr Doormans Verwandtschaft in St. Moritz untergekommen. Eigentlich sind Sie daran schuld. Oder vielmehr, Ihr Bericht über die Lamas im Dezember - Sie erinnern sich?

Jedenfalls hat mich die Idee nicht mehr losgelassen, dass es eigentlich mehr als vorteilhaft wäre, wenn man ein Lama mit einer Geiss kreuzen könnte. Stellen Sie sich nur einmal die Wolle vor! Und das Fleisch würde auch nicht mehr so stark "bockelen". Also machte ich mich auf den Weg ins verschneite Hinterland, und wurde nach langem Hin und Her mit den Leuten handelseinig. Nachdem ich versprochen habe, das erstandene Lama nicht zu schlachten, sondern erst seine Nachfahren, machte ich mich mit Adler und Geissen auf Richtung Heimat.
Aber was soll ich sagen? Meine Alp ist vollständig eingeschneit. Dabei dachte ich, dass die Klimaerwärmung wenigstens dieses Problem lösen würde.

Glücklicherweise ist Mr. Doormans Familie sehr gastfreundlich, nur der Hotelier ist nicht ganz erbaut davon, dass mein Lama an seinen Vorhängen kaut. Wladimir (sie kennen Wladimir nicht???) hingegen hat mit meinen Geissen Brüderschaft getrunken und teilt Tisch und Bett mit ihnen. Aber eigentlich wollte ich Ihnen das alles gar nicht erzählen. Ich wollte eigentlich, nun - da Mr. Doormans Sippe die Schweiz bald wieder verlässt - anfragen, ob das Zappadong-Gebäude inzwischen einen Geissenstall besitzt, und ob ich bis Ostern bei Ihnen unterkommen könnte?

Eine Antwort können Sie mir gerne auf den Laptop des Urgrossonkels schicken, er braucht ihn die nächsten drei Tage sowieso nicht (es findet hier nämlich gerade ein Wettbewerb statt, wo Wodka ... aber ich schweife ab ...).

Hochachtungsvoll

Rösli von Deralp

Ps: Wer ist Gundula?
Pps: Was ist mit dem Kulturminister los? Vielleicht sollten wir ihm unser Konzert widmen, da wir jetzt ja Herrn B. nicht mehr damit beglücken werden?

Henrike said...

könnte man bitte den text von "zehn nackte friseusen" online stellen, der wäre doch sicher ganz interessant, auch so zum besseren verständnis der geschichte?
ps: da ich nicht skifahre, kann ich nur mit einer geschichte aus englischen studentenzeiten kontern. die ist aber lange nicht so aufregend.

Alex Lightbringer said...

Here it comes:

Das rote Pferd
Interpret: Markus Becker

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Jetzt gehts los Freunde,
hier ist Markus Becker und die Mallorca Cowboys
und das rote Pferd.

Wir singen zusammen

Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt
und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt

Die Fliege war nicht dumm, sie machte sumsumsum
und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum.

lalalalalalalalalalalaa.................

Ok Freunde das war nicht schlecht für den Anfang,
aber da geht noch was
seit ihr gut drauf ?
Jaaaaaaa
Habt ihr Lust zu Feiern?
Jaaaaaaa
Dann macht euch bereit und singt mit uns zusammen

Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt
und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt

Die Fliege war nicht dumm, sie machte sumsumsum
und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum.

Alle Hände nach oben

lalalalalalalalalalalalalalaa....

Wir reiten zusammen

Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt
und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt

Die Fliege war nicht dumm, sie machte sumsumsum
und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum.

Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt
und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt

Die Fliege war nicht dumm, sie machte sumsumsum
und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum.

Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt
und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt

Die Fliege war nicht dumm, sie machte sumsumsum
und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum.

lalalalalalalalalalallalalalaaa......
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Mickie Krause, Zehn nackte Friseusen

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Es gibt hunderttausend Frauen
denen ist alles zuzutrauen
Doch ich sag no no no no no
Es gibt fünfzigtausend Weiber
die haben einwandfreie Leiber
Doch ich sag no no no no no
REFRAIN
Ich will zehn nackte Friseusen
zehn nackte Friseusen oh oh
Zehn nackte Friseusen
mit richtig feuchten Haaren
Es gibt hunderttausend Mädel
die sind alle schön und edel
Da wird ich weich wa wa wa weich
Es gibt fünfzigtausend Damen
die wollen alle meinen Namen
Doch ich bleib hart ha ha ha hart
REFRAIN
Es gibt hunderttausend Schnitten
die haben wunderschöne Augen
Da bin ich weg weg weg weg weg
Es gibt fünfzigtausend Hasen
die woll´n mir alle ein´n erzählen
Ich hör nicht hin hi hi hi hin
REFRAIN
OK ich will hier nicht unnötig ´n Riesenfaß aufmachen ja aber folgendes
Ich hab sie alle gehabt
ich hab sie alle gesehn
Doch es gibt nur ein paar
die mich wirklich verstehnIch hab sie niemals gezählt
doch ich weiß was mir fehlt
Ja ich weiß was mir fehltja ich weiß was mir fehlt
REFRAIN Zehn nackte Friseusen ....
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Das mit dem schönsten Arsch siehe die aktuellen deutschen Charts, Platz 2!

Gruß Alex

Zappadong said...

Mein Beileid, Herr Lightbringer.

In weise diskret auf das Eckbüro im 25. Stockwerk des Zappadong-Gebäudes hin. Hinter der schweren Eichentür, auf der KEIN poliertes Schild mit schon gar keinem Namen angebracht ist, brütet der hauseigene Psychiater Dr. Dr. von der Dr. Doktor vor sich hin. Herr D. Dr. von der Dr. Doktor arbeitet für eine der unzähligen Zappadongstiftungen und bei Hausbewohnern mit schweren Traumas wendet er kostenlos seine Zack-Bumm-Methode an. Will heissen: Er holt sein goldenes Hämmerchen aus der Schublade, haut Ihnen eins über den Schädel, murmelt dabei etwas Geheimnisvolles - und dann sind Sie geheilt. Ich kann es nur empfehlen; war heute Morgen höchstselbst auch dort, ich weiss nur nicht mehr warum. Ich glaube es hatte mit roten Friseusen und nackten Pferden zu tun ... ist alles weg.

Herzliche Grüsse

Frau Z.

Henrike said...

ah und ich dachte schon, 25. stock... is ja hoch genug... man findet in dem raum ein offenes fenster... ganz diskret... nun! auch ne schöne lösung!
@alex: deutsche charts, ja? auswandern. ok.

Alex Lightbringer said...

Danke, Frau Z.. Ich begebe mich in den 25. Stock...

@Henrike: Auswandern. Gern. Sofort. Solange es kein österreichischer Nobelskiort sein muss... Mein bevorzugtes Auswanderungsland muss ich allerdings noch finden.