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Gestern, im Kino

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Gestern überquerten Herr Zappadong und ich die Grenze und fielen - etwas weniger spektakulär als damals unsere Armee - im Nachbarland Liechtenstein ein um uns den Film "Into the Wild" anzusehen (Trailer am Ende des Eintrags).

Der Film lief im takino, einem der weltweit knuffeligsten Vorführsäle mit einem weltweit wohl einzigartigen Personal, das da wäre: Kassiererin, Getränkeverkäuferin, Platzanweiserin und Filmvorführerin in einem.

Bevor Sie weiterlesen, klicken sie bitte HIER und sehen sich den Vorführsaal an.

Geguckt? Gut! Nun, da Sie wissen, wie es dort aussieht, werden Sie auch den Rest der Geschichte, die an dieser Stelle eigentlich erst anfängt, zu geniessen wissen.

Die gemütlichen Sofas waren besetzt, was mir nur recht war, da ich es liebe, etwas höher zu sitzen. Also lümmelten Herr Zappadong und ich uns in die Sitze der "Estrade" und schauten den Leuten beim Hereinströmen zu. Es kamen mehr und mehr und mehr und irgendwann sassen sie dann auf den Stufentritten und Ersatzstühlen (die in allen Farben und Formen vorkommen). Die Dame mit dem Multijob guckte ein paar Mal rein, bat Leute auf den Sofas, doch bitte etwas zusammenzurücken und zählte schliesslich die Anwesenden (so ähnlich wie ein Lehrer Kinder auf der Schulreise zählt). Dann murmelte sie: "89. Das reicht. Mehr als 90 darf ich aus feuerpolizeilichen Gründen sowieso nicht hineinlassen."

Dann kletterte sie hoch zu ihrem bequemen Sessel (auf dem Bild nicht sichtbar; links vom Vorhang, oben bei der Estrade) und liess die Vorfilme laufen. Zuerst war das Bild nicht scharf und dann komisch in der Mitte zerschnitten und als dann endlich der Hauptfilm kam, stimmte das Format nicht. Kurz danach fiel der Sound aus und dann das Bild. Leicht gestresst rannte die nette Multitaskerin hin und her, das Licht ging an, dann wieder aus und wieder an. Schlussendlich verkündetet die Dame, dass es wie verhext sei. Jedesmal, wenn eine Vorstellung gut besucht sei, gehe etwas schief. Im aktuellen Fall rutsche ihr der Film stets wieder von der Rolle. Jemand versuche das nun zu beheben und wir sollen ein wenig Geduld haben.

So warteten wir geduldig. Irgendwann ging das Licht wieder aus, der Film lief - im falschen Format. Aber auch diese kleine Nebensächlichkeit wurde behoben und so kamen wir in besten Filmgenuss. Ohne Pause und in der englischen Originalsprache. Ich war kurz davor, vor Begeisterung den Boden (oder Herrn Zappadong) zu küssen.

Zum Schluss sei noch angefügt, dass der gezeigte Film sehr, sehr sehenswert war.



Ihre (begeisterte)

Frau Zappadong

2 Kommentare:

Anonymous said...

Sehr geehrte Frau Zappadong,

ich hoffe, Sie haben sich beim Küssen für Herrn Zappadong und nicht für den Wanderschuh-beschmutzten Flur entschieden. (Wobei Küssen ja sowieso unappetitlich ist, mit all den Bakterien, die da ausgetauscht werden.)

Um das Kino beneide ich sie allerdings sehr - was für ein Programm!

Das Buch zum Film kann ich ihnen übrigens uneingeschränkt empfehlen. Es ist sperrig zu lesen, aber quälend eindringlich. Den Autor zu begleiten, wenn er die ganz eigene Biographie von Mc Candless freischürft und dabei Parallelen zu seinem eigenen Leben zieht, das berührt.
(Ausserdem bin ich seither wieder sorgfältiger beim Kräutersuchen. Nicht dass ich Ihnen, falls Sie sich doch einmal zu mir verirren sollten, Maiglöckchenblätter-Pesto statt Bärlauch-Pesto serviere ...)

Hochachtungsvoll

Ihr

Rösli von DerAlp

Ps: Ein Glück, dass Sie auf ihrer Wanderung nicht zu den Bergen weitergelaufen sind. Meine Alp liegt definitiv nicht in Liechtenstein!

Zappadong said...

Liebe Frau Rösli

Ich stamme aus einer Familie von begeisterten Berggängern und Kletterern. Klettern tue ich nicht, aber in den Bergen bin ich sehr gerne (eines Tages werde ich bestimmt auf Ihre Alp stossen).

Warum ich das schreibe? John Krakauer hat nicht nur "Into the Wild" geschrieben, sondern auch "Into thin Air" - ein Buch über eine entsetzliche und entsetzlich schief gegangene Mt. Everest Expedition - für jemanden mit meinem Familienhintergrund ein "Must". "Into thin Air" ist ein faszinierendes Buch über menschlichen (Grössen)wahnsinn.

Ich habe aufgehorcht, als ich gelesen habe, dass das Buch, auf dem der Film basiert, von Krakauer ist und habe es auf meine Leseliste gesetzt. Dass Sie es nun empfehlen, rundet das Bild ab.

PS: Die Berge auf dem Bild mit dem Grenzübergang liegen in Österreich. Im Liechtenstein hat es auch welche, aber ehrlich gesagt, sind die meisten von ihnen "schtozigi Chööga" und deshalb nicht unbedingt zuoberst auf meiner Liste. Sollten Sie mit Ihrer Alp im Liechtenstein angesiedelt sein (was ich nicht glaube), dann werden Sie mich wohl eher nicht zu Gesicht bekommen.

Liebe Grüsse

Frau Zappadong