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Mr Doorman besucht einen Freundlichkeitskurs

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"Es guet's Tägli!"
(Übersetzung: Einen guten Tag!")

Ich drehe mich einmal um meine Achse. Wer begrüsst mich denn heute Morgen so ausgesprochen freundlich und aufgeweckt? Da ist nur Mr Doorman und der ist doch .... Moment mal. Mr Doorman? Lächelt?

"Hännsi guet gschloofe?"
(Ü: "Haben Sie gut geschlafen?")

Okay. Er hat zu viel gesoffen gestern im Bügelzimmer und irgendwie haben alle unsere wüsten Wörter (siehe gestrigen Eintrag) wohl etwas bewirkt. Etwas, das ich gar nicht erst zu verstehen versuche.

"Isch's Chopfchüssi waich gnueg gsi oder söll's d'Svetlana wechsle?"
(Ü: "Ist das Kopfkissen weich genug gewesen oder soll es Svetlana wechseln?")

Während ich Mr Doorman keine Sekunde aus den Augen lasse, tasten meine Hände so unauffällig wie möglich nach dem Handy in meinem Handtäschchen. Wie ist noch mal die Notrufnummer? Mr Doorman strahlt mich an.

"Möchten Sie z'Köbi Kuhn Kicker-Müesli oder en Alex Frei Energiriigel zum Zmoorge?"
(Ü: "Möchten Sie das Köbi Kuhn Kicker-Müseli oder einen Alex Frei Energieriegel zum Frühstück?")

"Alex Wer?", hauche ich.

"Üsere Nazzi-Tschutter", sagt Mr Doorman und zieht seine Mundwinkel noch ein wenig weiter nach oben.
(Ü: "Unser Nationalfussballspieler.")

Ich gebe die Suche nach dem Handy auf. Diese Diagnose kann ich selber stellen. "Sie besuchen einen Freundlichkeitskurs für die Euro 08", konfrontiere ich Mr Doorman mit meinem scharfsinnigen Verstand und leider ziemlich heftig aufkommenden Unmut. Er (der Unmut) übermannt mich. Ich zähle innerlich auf 1,5 und sage dann ganz ruhig und gefasst:

"5000 ERWARTETE BESUCHER AUF DEM WUNDERSCHÖNEN MARKTPLATZ MITTEN IM WOHNGEBIET, EIN VERKEHRSKONZEPT, DAS DIESEN NAMEN NICHT EINMAL ANSATZWEISE VERDIENT, EINE DREIWÖCHIGE DAUERBESCHALLUNG, DIE EIN AN ARROGANZ NICHT ZU ÜBERBIETENDER ORGANISATOR AN EINEM WAHNSINNIG INFORMATIVEN INFORMATIONSABEND (60 Minuten PR - 3 Minuten Vorstellung (k)eines Verkehrskonzepts, 1,5 Minuten zur Sicherheit und dem Abfallproblem und gefühlte 24 Stunden im Nichternstnehmen besorgter Anwohner) MIT EINEM SCHLEIMIGEN "Nun seien Sie doch ein bisschen tolerant - und wissen Sie, Lärm ist subjektiv" UND EIN PAAR WEITEREN WIRKLICH WAHNSINNIG WITZIGEN KALAUERN ABTUT UND ..."

Weiter komme ich nicht. Sanft lächelnd nimmt mich Mr Doorman am Arm und geleitet mich zum Ohrensessel beim Fenster.

"Högglen Si doch es bizzeli hera. Das tuet guet. Schnufen Si tüüüüüüüf dure und sägen Si 48'000 Mol: I freue mi waaaansinnig. I hole Iine in dr Zwüschezit üsseri bunt und eggstrem informativ Broschüre."
(Ü: "Setzen Sie sich doch ein bisschen hin. Das tut gut gut. Atmen Sie tiiiiiieeeeef durch und sagen Sie 48'000 Mal: Ich freue mich wahnsinnig. Ich hole in der Zwischenzeit unsere bunte und extrem informative Broschüre.")

Ich fürchte, das letzte "informativ" war ein "informativ" zu viel für mich. Ich springe Mr Doorman an die Gurgel. Starke Hände packen mich und ich werde durchgeschüttelt wie auf der höchsten Stufe im besten Mixer der Welt. Dazu prasselt eine Fluchkasskade auf mich ein. Dem Himmel sei Dank. Mr Doorman ist wieder Mr Doorman.

Drei Stunden später ist das Zittern meines Körpers - insbesonders der Finger - so weit abgeklungen, dass ich mein Handy aus dem Handtäschchen klauben kann. Ich stelle die Nummer ein und melde Mr Doorman vom Freundlichkeitskurs ab.

Ihre Frau Zappadong

PS: Noch 100 Tage zur EM. Freuen Sie sich. Und wenn Sie es nicht tun: Freuen Sie sich.

4 Kommentare:

Alex Lightbringer said...

Sollen wir das Dach des Zappadong-Gebäudes an Zaungäste vermieten? (Lechz, Sabber...)

Gruß Alex L.

Zappadong said...

Nein, glauben Sie mir, es wird keinen Platz für Zaungäste haben. Die Besucher der Veranstaltung werden uns mit Waffengewalt zwingen, das Gebäude bodeneben einzufahren, damit es wenigstens EINEN Parkplatz gibt, der den Namen Parkplatz verdient. Bestellen Sie schon mal Parkuhren und programmieren Sie sie auf einen Minutentarif von 1000 Franken.

Ach ja, und an die Anwohner verkaufen wir Ohrenstöpsel mit der Aufschrift "fuck you, Marketing B." Glauben Sie mir, für die können wir locker 10'000 Franken kassieren. Die Leute werden Sie uns trotzdem aus den Händen reissen.

Und noch was: Mit den Einnahmen gründen wir im Liechtenstein eine Stiftung.

Ihre Frau Zappadong

Zappadong said...

PS: Ich habe Mr Doorman gebeten, zur Sicherung unseres Parkplatzes seine gesamte russische Verwandtschaft einzufliegen. Ich hoffe, das ist Ihnen recht, Herr Lightbringer.

Alex Lightbringer said...

Arbeiten alle bei Moskau Inkasso, oder?