RSS Feed

Undorthoxe Methoden

.
Aus dem Panikraum dringen seltsam gedämpfte Geräusche. Nichts Gutes ahnend, reisse ich die Tür auf und blicke in die weit geöffneten Augen von Mr Lightbringer. Über sein Gesicht läuft der Schweiss in Bächen und auf seinem Mund klebt das Klebeband, das ich heute früh gesucht habe, um einen Schaden zu beheben, den eine von Frau Röslis Geissen angerichtet hat.

"MR DOORMAN!", brülle ich.

Als er etwas später zufrieden ginsend vor mir steht, zeige ich auf den verpackten Hausmeister. "Waren Sie das?"
"Sicher", erklärt er seelenruhig. "Ich habe ihn uns zurückgeholt."
"So, wie es aussieht, ist er nicht ganz freiwillig mitgekommen."
"Nicht ganz", schmunzelt Mr Doorman. "Ich musste ihm eins überbraten, ihn in den Kofferraum stopfen und über die Grenze schmuggeln."
Das Schmunzeln irritiert mich. "Und warum ist er eingepackt wie Onkel Vladimirs Weihnachtspaket von vor zwei Jahren?", frage ich.
"Weil er sofort wieder gehen wollte, als er erwachte."

Ich sehe mich in Gedanken schon in einer Einzelzelle für schwere Mädchen (und damit meine ich nicht mein Gewicht). "SO WAS GEHT NICHT!" Ich brülle schon wieder und wünsche mir ich hätte auf Frau Rösli gehört, als sie über Katastrophenpläne reden wollte.

"Aber sicher doch." Mr Doorman hält mir einen Zeitungsartikel unter die Nase.

"Um diesen Sumpf trockenzulegen, darf man auch unorthodoxe Maßnahmen anwenden", sagte SPD-Chef Beck.

"Mr Doorman", sage ich verzweifelt. "Er meint damit, dass es völlig okay ist, dass ein Rechtsstaat für eine gestohlene CD mit Kundendaten 5 Millionen hinblättert! Nicht, dass Sie Mr Lightbringer entführen dürfen."

"Unorthodoxe Methoden sind unorthodoxe Methoden. Und die sind jetzt in dem Rechtsstaat, aus dem ich Mr Lightbringer gekidnappt habe, offiziell abgesegnet. Schliesslich ging es mir um eine erzieherische Massnahme. Ich wollte den Kerl dazu bringen, seinen Job zu tun. Zum Beispiel Drehtüren ölen."

Ich schüttle den Kopf. Mr Doorman hält mir nochmals den Artikel hin.

"Das war ungeheuer wichtig, um präventiv und erzieherisch wirken zu können." Heisst es da.

Ich gebe mich geschlagen. Trotzdem würde ich Mr Lightbringer gerne noch fragen, ob er hierbleiben möchte. Freiwillig, natürlich.

2 Kommentare:

Alex Lightbringer said...

Aha, so war das also ;)

Wir sollten an unserer Kommunikation arbeiten, denke ich...

Gruß Alex L.

Zappadong said...

Kommunikation?

Kein Problem: Bezahlen Sie mir 5 Millionen Euro und ich sage ihnen alles, was Sie hören wollen.

Ich wäre früher gewesen, wenn nicht mein ganzer Text im Cybernirvana verendet wäre und ich ihn neu schreiben musste. Dauerte einen Moment länger.

PS: Mr Doorman freut sich auf das Seminar (siehe Kommentar zu Ihrem Beitrag), aber er fragt an, ob er es evtl. gleich leiten dürfe. Honorar: Na, raten Sie mal ...

Ihre Frau Zappadong