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Die Placebo-Verschwörung

Ich bin über einen Artikel gestolpert, in dem beschrieben wird, wie eine Gruppe von belgischen Skeptikern versuchte, durch Überdosierung von homöopathischen Mitteln Selbstmord zu begehen. Sie nahmen einen Cocktail aus Giften wie Arsen, Schlangengift und Belladonna zu sich. Da ja die Wirksamkeit homöopathischer Mittel mit deren Verdünnung steigt, mischten sie sich eine "30c"-Lösung des Mittels. Ein paar von ihnen mussten tatsächlich aufstoßen. Eine "30c"-Verdünnung bedeutet, ein Teil Gift wird gemischt mit 10 Hoch 60 Teilen Wasser. Das ist etwa so, als wenn man ein Salzkorn in einer Menge Wasser auflöst, die dem zehntausend milliardenfachen Volumen des gesamten Sonnensystems entspricht (eine gängige Konzentration in der Homöopathie ist beispielsweise C12, was eine Konzentration von Wirkstoffen erzeugt, wie wenn man eine Kopfschmerztablette in den Atlantik wirft).

Witzig an dem Artikel sind aber auch die nachfolgenden "Leserbriefe", die auf verschiedene Ausprägungen des Aberglaubens eingehen. Ein Philosophie-Lehrer beispielsweise zeigt seiner Klasse ein "Anti-Schwarze-Magie-Parfum" aus Mexiko, das als Teil der mexikanischen Hexerei angesehen wird und das Böse vom Benutzer abwehren soll. Nachdem sich alle ausgiebig darüber amüsiert haben, holt er ein Fläschchen mit Weihwasser hervor, das, laut einem von der Kirche beigelegten Merkblatt, ebenfalls das Böse abwehrt. Fazit: Das Parfum riecht besser.

Gruß Alex L.

9 Kommentare:

Hanspeter Gautschin said...

Ja, liebe Frau Zappadong, das sind halt mysteriöse Dinge, die mit der sog. 'Feinstofflichkeit' (nicht zu verwechseln mit 'Feinstaub'!!!) zu tun haben. Und da die Mehrheit der Menschen (schätzungsweise 95 %) 'ihre' Welt lediglich mit den zur Verfügung stehenden physischen Sinnen wahrnehmen können, bleiben 'Homöopathie', 'Weih- und andere Wässerchen' dem grossen Gelächter eben dieser Masse ausgesetzt.

Who cares? In einer entzauberten Welt bleibt nur noch der Aktiengewinn.

Hanspeter Gautschin said...

Sorry, dieses Posting verfasste ja der Mister Lightbringer.

Alex Lightbringer said...
This comment has been removed by the author.
Alex Lightbringer said...

Hallo, Herr Gautschin

die große Masse lacht ja eben nicht über diese "Wässerchen", sondern beharrt auf deren Wirksamkeit. Sogar Krankenkassen lassen sich davon schon beeindrucken und übernehmen (manchmal) Kosten für solche Behandlungen.

Ich weise hier nur auf kuriose Ereignisse im Zusammenhang mit diesen Dingen hin. Oder haben Sie das mit den Belgiern gewusst? Ich finde es immer wieder faszinierend, auf welche Ideen manche Menschen kommen.

Wenn Sie aus meinem Artikel eine gewisse Ignoranz herausgehört zu haben glauben, beruht das wohl auf Tatsachen. Ich bin tatsächlich einer derjenigen, die die Welt nur mit den "normalen" Sinnen sieht und zu begreifen sucht. Und die Tatsachen sprechen eben eine deutliche Sprache: eine "Potenzierung" (aka Verdünnung) C12 bedeutet nun mal, dass weniger als ein Molekül pro Mol Stoffmenge im Endprodukt vorhanden sein kann. Wie daraus eine Wirkung entstehen soll, die über den Placeboeffekt hinausgeht, ist mir ein Rätsel, das bisher noch keiner für mich schlüssig aufklären konnte. Und auch der Wissenschaft oder den Homöopathie-Experten ist in dieser Richtung noch kein Beweis gelungen. Aus den Erklärungen, die ich bisher von Heilpraktikern und Geistheilern bekommen habe, ergeben sich mehr Fragen als Antworten.


Gruß Alex L.

Zappadong said...

Lieber Hanspeter

Ja, schimpfen Sie bitte mit Herrn Lightbringer.

Ich selber träufle völlig überzeugt Bachblütenwässerchen auf meine Zunge (gegen inneres und äusseres Chaos) und bilde mir ein, es helfe. Und die beste - na ja und auch einzige - Therapie, die ich jemals gemacht habe, war eine Kineseolgie-Therapie. Verraten Sie das aber bloss nicht Herrn Lightbringer (der wird mich nie im Leben mehr ernst nehmen) und schon gar nicht Herrn Doorman (der könnte auf die seltsamsten Ideen kommen).

Ihre Frau Zappadong

Zappadong said...

PS: Habe Herrn Lightbringers Posting zu spät gesehen und möchte ausdrücklich betonen, dass ich sowohl die Bachblütenwässerchen (billig) als auch die Therapie (schweinebacketeuer) selbst bezahlt habe.(Insofern könnte ich den entzauberten Aktiengewinn sehr gut gebrauchen).

Herr Lightbringer, zu Ihrer Sorte gehörte ich auch. ABER: Warzen an Händen und Füssen gehen TATSÄCHLICH weg, wenn man zum "Warzenmännchen" geht, das den Finger auf die Warze legt und kurz etwas murmelt, das man nicht versteht. Und diese Kinesiologie-therapie war so gewaltig spannend, dass ich mich langsam mit dem Gedanken anfreunde, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die ich nicht verstehe - und es ist mir sogar egal, dass ich sie nicht verstehe, solange mein Schreibtisch und mein Innenleben etwas aufgeräumter daherkommen :-)

Ach ja, ein Kollege von mir hat ohne Insulinspritzen (okay, Tabletten hat er genommen) seinen Diabetes-wert gewaltig nach unten drücken können - weil er mit seinen Zellen spricht (lachen Sie nur - sein Arzt hat den Wert gleich zweimal gemessen, weil ihn nicht für möglich gehalten hat. Originalzitat Arzt: "Mit den Tabletten allein ist so was gar nicht möglich).

Frau Zappadong

Alex Lightbringer said...

Eieiei, ich seh schon, ich habe in ein Wespennest gestochen...

Liebe Frau Zappadong,

Warzen gehen auch weg, wenn man drauf pinkelt oder sie wegbetet. Allerdings hilft es auch, wenn ich die Warze jeden Tag anschaue und ihr inbrünstig sage, dass ich sie hasse (O-Ton Hautarzt ;)). Es ist nicht der Urin, der wirkt, oder das eintönige Gemurmel. Es ist der innige Wunsch, dass dieses Prozedere aufhören möge, der die Warze zurückgehen lässt.

Thema Insulin: klar, glaube ich. Allerdings habe ich auch gelesen, dass man innerhalb von drei Monaten seinen Insulinwert normalisieren kann (jedenfalls am Anfang der Erkrankung) durch fünf Stunden Sport pro Woche, zehn Kilo abnehmen und eine Ernährungsumstellung. Ohne mit den Zellen zu sprechen. Ohne Pastillen. Ohne Tabletten.

Sie sehen, ich bin ein hartnäckiger Fall. Glaube versetzt Berge. Und wenn mir ein Mittelchen für 10 Euro pro Einnahme dabei hilft, das zu glauben, ist der Zweck ja auch irgendwie erreicht.

Und es gibt Millionen von Dingen zwischen Himmel und Erde, die ich nicht verstehe (Frauen z.B., oder warum meine Autotür immer dann nicht von selbst entsperrt, wenn ich beide Hände voll habe). Ich hätte halt manchmal nur gerne eine Erklärung.

Gruß Alex L.

Hanspeter Gautschin said...

Apropos 'Da ist nichts drin': Tatsache ist, dass ab der Potenz D24/C12 keine Moleküle der ursprünglichen Substanz mehr vorhanden sind. Man befindet sich sozusagen jenseits der Materie ... Manche Forscher scheinen gewisse Strahlungen gemessen zu haben, trotzdem bleiben die Beweise einer Aktivität mager. Es ist erwiesen, dass Kälte, Hitze, Licht und Magnetfelder die Wirkung des Mittels zerstören. Also muss es sich um eine Information physikalischer Natur handeln. Vor einigen Jahren publizierte der französische Forscher Beveniste einen Bericht über Homöopathie und sprach vom „Gedächnis des Wassers“. Trotz sehr fundierten Argumenten, wurde seine Studie von anderen Forschern als unwissenschaftlich eingestuft.

Interessant ist die Studie englischer Techniker, in welcher homöopathische Simulatoren (Radionik) gebaut wurden. Mit bestimmten Kombinationen von elektrischen Widerständen, Magneten und Formen, konnten sie eine homöopathische Information auf ein neutrales Medium übertragen. Diese hat eindeutig eine spezifisch heilsame Wirkung. Dies bekräftigt die Idee, dass die Essenz des Mittels wie eine Gestalt oder eine kristalline Struktur zu verstehen ist, welche sowohl Wasser, Alkohol oder Milchzucker prägen kann. Eine Idee im Sinn von Platon.

RainbowNet-Blog said...

Homöopathie funktioniert vereinfacht gesagt nach dem Prinzip, dass nicht Materie sondern Information übermittelt wird. Wenn beispielsweise der Körper die Information bekommt, er hätte Belladonna intus, dann versucht er Gegenmassnahmen zu ergreifen, beispielsweise den Puls zu drosseln. Aber er versucht "nur" einen Ausgleich, wird das Spiel also nicht bis zum Null-Puls mitspielen. Insofern ist das Experiment unsinnig.

Zur Wirkung von Homöopathie kann ich nur soviel sagen, dass meine Tochter bereits als Säugling auf homöopathische Mittel ansprach. Ich kann es mir nicht erklären, aber wenn es funktionierte einfach. Gerade mit Belladonna habe ich gute Erfahrungen gemacht, der Puls und Temperatur kommen sehr schnell runter oder Alium Cepa (Küchenzwiebel) stoppt Fliessschnupfen innert kürzester Zeit.

Placebo? Ich kenne einen Homöopathen der erfolgreich Pferde und Kühe behandelt, ob die wirklich daran glauben?

Egal, wenn ein homöopathisches Mittel meine schwere Bronchitis heilt und ich dafür kein Antibiotika brauche, dann kann es von mir aus Placebo sein, hauptsache ich bin ohne Nebenwirkungen geheilt ;-)