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Gefunden auf dem Schrottplatz der Berufe (Teil 2 einer losen Reihe)

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Mr Doorman steht an der Reception und poliert mit dem Ärmel seiner schnieken Uniform das edle Holz des Empfangsthresens.

"Sie glauben ja gar nicht, was da alles zu dieser Tür rein will", brummt er.

"Oh, war etwa Jasmin Hutter wieder einmal hier um für ihre Familieninitiative zu werben?", frage ich.

"Nahe dran, Frau Zappadong, nahe dran", sagt Mr Doorman, der endlich mit dem Polieren aufgehört hat. Er beugt sich zwei Zentimeter in meine Richtung vor. "Erinnern Sie sich an die Poesiepädadogin?"

Ich glaube zu fühlen, wie ich blass werde - oder mindestens, wie mein Blut in die Zehen rinnt und dort bleiben will. Wie könnte ich die Poesiepädagogin vergessen haben? Falls Sie haben (vergessen) oder zu neu hier sind, können Sie - auf eigene Gefahr - hier klicken: Poesiepädagogin.

Nun, nach diesem Hinweis ist es nicht mehr schwierig. Ich seufze. "Es war eine Familienmanagerin, nicht wahr?"

Mr Doorman kann seine leise Enttäuschung nicht verbergen. "Wie sind Sie so schnell darauf gekommen?"

"Ich glaube, es gibt nach der Poesiepädagogin nur noch eine Steigerung ..." beginne ich.

"... und das ist die Familienmanagerin", beendet Mr Doorman meinen Satz.

"Richtig."

"Aber, ich dachte immer, Sie sind auch ..." Diesen Satz spricht Mr Doorman nicht zu Ende.

"Ich bin Mutter und Hausfrau und gedenke das auch zu bleiben. Wissen Sie, manchmal habe ich keine Lust mit der Zeit zu gehen. Vielleicht werde ich alt."

Ich stelle mich zu Mr Doorman und schaue mit ihm Richtung Drehtür. Ich glaube, wir warten beide auf Herrn Lightbringer. Oder den Pizzaservice.

Ihre (Haus)Frau Zappadong

3 Kommentare:

Anonymous said...

Sehr geehrte Frau Zappadong,

da Sie und Mr. Doorman sich so fabelhaft auskennen mit Berufen und ihren Bezeichnungen, wende ich mich mit einer Frage an Sie, die mich seit gestern beschäftigt.
In Deutschland gibt es einen (zur Zeit hochgelobten) Schriftsteller, der sich gern als Autodidakt bezeichnet.

Bislang dachte ich, ein Autodidakt sei jemand, der
a) einem Auto Diktate diktiert
oder
b) sich selbst etwas beigebracht hat
oder
c) das englische „how to deflect” eingedeutscht hat (oder war es „author did act“?)

Nun habe ich aber gelesen, dass besagter Autor fünf Jahre lang am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte. Was kann ich daraus folgern?
Dass man am DLL nichts lernt?
Dass der Autor schon alles vorher gekonnt hat?

Oder ist die Berufsbezeichnung „Autodidaktischer Schriftsteller“ vielleicht ganz anders zu deuten? Falls einer vor Ihrer Drehtür stünde, würden Sie ihn hereinlassen?
(Von Hausfrau zu Hausfrau würde ich Ihnen empfehlen, nur waschechte Autodidakten hereinzulassen. Die andern färben aus, wenn man sie zu heiß wäscht)

Hochachtungsvoll

Ihr

Rösli von Deralp

Ps: Geht es Ihnen schon wieder etwas besser?

Zappadong said...

Danke der Nachfrage, Frau Rösli. Abgesehen davon, dass ich gar arg nach Zwiebeln stinke und mir neue Socken kaufen muss, geht es mir "much" besser (ich versuche hier nur, mit Ihnen sprachlich mitzuhalten).

Um auf Ihre Fragen einzugehen:

1. Hoffe ich, dass besagter Autor weder Studiengebühren bezahlt noch Stipendien bezogen hat. Es wäre in beiden Fällen eine absolute Geldverschwendung gewesen.

2. Mir das "author did act" die plausibelste Antwort scheint. Es kann aber auch sein, dass der Besagte das Wort "Understatement" irgendwie falsch interpretiert - oder schlicht und einfach einen unbändigen Hass auf irgendjemanden in Leipzig hat. Wer versteht denn heutzutage schon Autoren?

3. Ich überzeugt bin, dass Mr Doorman einen Trick finden würde, dem actenden author mit very much understatement die Drehtür so richtig heftig an die Nase fahren zu lassen.

Herzliche Grüsse

Frau Zappadong

Alex Lightbringer said...

Mir scheint, Sie sind wieder auf dem Dampfer. Schön.

Ich hab hier noch zwei Pizzen für den Drehtür-Beschleuniger und die Gehirnjoggerin ;)

Gruß Alex L.