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Herr Kulturminister "is not amused"

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Seit 189 Tagen ist er im Amt, unser vom Volk gewählter und vom Staat unabhängiger, völlig unterbezahlter Kulturminister Dominik Riedo. In dieser Zeit ist er nicht untätig gewesen: Er hat seinen Wohnort zur Kulturhauptstadt ausgerufen, wirkt aktiv bei verschiedendsten Projekten mit, hält Neujahrsansprachen, die man im Internet abrufen kann, reist durch Europa, liest zwischendurch immer wieder Druckfahnen und war Interviewgast bei BBC. Dies alles hält er in seinem Online-Tagebuch schriftlich fest: ruhig, knapp, eher behäbig und sehr ernsthaft - fast zu ernsthaft. An seinem 187. Amtstag aber, da ist ihm der Kragen geplatzt ob all der Event-Kulturanlässe:

Die meisten Ausstellungen werden dabei wieder einmal mehr als «Events» angepriesen. Da krieg ich gleich n’Hautausschlag. Was wollen die immer mit ihren Events? Wenn Kunst nur noch wahrgenommen wird, wenn sie Event ist, dann sollen sich die Leute doch einen Staubsauger kaufen und den an die Ohren halten, bis sie ertauben. Dann haben sie ihren Event. Bei dieser ganzen Eventkultur bleibt nämlich die Wahrnehmung der Kunst als solche völlig auf der Strecke. Gefragt sind nicht mehr Werke, die einen langfristig nicht mehr loslassen, wie ein Nagel im Hirn, sondern bloss noch solche, bei denen man zehn Sekunden ein bisschen verlegen ist, dann geht’s weiter zum Buffet.

Wo er recht hat, hat er recht, unser Kulturminister.

Frohe Ostern

Ihre Frau Zappadong

2 Kommentare:

Hanspeter Gautschin said...

Ich kann mich nun mal nicht gerade als Fan des Kulturministers outen. Aber bei diesem Statement muss ich ihn voll und ganz unterstützen. Auf meinem Blog hab' ich solches noch drastischer ausgedrückt:

"... Schöne neue Welt: Es hat jetzt eine Generation von 'Eventkunst-Managern' Einzug gehalten in die banale Welt von «Geschmack» und «Mode». Ich sehe keine relevanten Unterschiede mehr zu seichten Verdummungskisten der Fernsehindustrie ..."

Alex Lightbringer said...

Mich soll der Blitz beim Scharnierölen treffen, wenn ich schon mal was politisch unkorrekteres von einem Minister gehört habe. Gratuliere!

Alex