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Ethik mit Sauerstoffübersättigung

"SVETLANA! SVETLANA!! Bring mir eine Plastiktüte, schnell..."

Svetlana wirft die Hände über den Kopf. Wir können uns mittlerweile ziemlich gut mit Gesten verständigen. Ich deute ihr an, dass ich eine Tüte brauche. Svetlana sieht interessiert zu und murmelt irgend etwas vor sich hin.

"Tüte!", versuche ich ihr anzudeuten, mache mit meinen Händen rechteckige Bewegungen und zeige ihr, dass man in das rechteckige Ding was reintun können soll.

Sie schlurft davon.

Wieder und wieder lese ich die Postkarte von Frau Zappadong. Melonengroße Orangen. Wachsen in drei Tagen. Mein Gott. Genmanipuliert. Oh mein Gott!

Mit Kühen wurden schon Versuche gemacht. Genmanipuliert. Die gaben dann 25% mehr Milch. Gut, oder? Unterschied sich chemisch nicht von normaler Milch. Die Leute, die diese Milch tranken, hatten hinterher einen halben Tag lang ein hyperaktives Immunsystem. Keiner weiß, warum.

Wenn ich weiter so atme, falle ich um. Ich muss mich beruhigen. Wenn nur diese Lederfrau endlich die Tüte bringen würde...

Wussten Sie, dass bereits 90% der Soja auf diesem Planeten genverseucht sind? Das Sojazeugs wird auch an Kühe verfüttert. Die Kühe werden dann an Hamburger verfüttert, und wo die landen, wissen wir eh alle.

Ich darf mich nicht mehr aufregen. Ganz ruhig. Ist nicht so schlimm. Postkarte. Panik. Ich bin ein friedlicher Mensch. Aber diese Ethikkommission würde ich gerne dahin treten, wo es wirklich weh tut.

Svetlana schlurft heran, In der Hand hat sie eine Tasse Tee. Sie stellt diese auf den Tisch, hebt den Teebeutel raus und grinst mir zahnlückend entgegen. Mit der anderen Hand deutet sie auf den Beutel, sagt "Tütte" und grinst von einem Ohr bis zum anderen. Ich habe beschlossen, vorsichtshalber ohnmächtig zu werden, bevor die Sauerstoff-Übersättigung dies erledigt.

Gruß Alex L.

4 Kommentare:

Zappadong said...

Oha. Ich hätte es wissen müssen! Schnell, ein Sauerstoffzelt für Herrn Lightbringer, bitte.

Ich entschuldige mich. Nächstes Mal erzähle ich Ihnen die Geschichte mit Onkel Vladimir und den Skihäschen auf Bora Bora. Und nichts mehr von Or ... ähm ... Manchmal ist es einfach besser, nicht allzu viel zu wissen.

Thinkabout said...

Herr Lightbringer
Machen Sie es wie ich. Schauen Sie Fussball. Champions League. Engalnd. Die rennen, als wären sie auch schon mindestens so genmanipuliert wie sibirische Orangen. Aber sie verdienen so viel Geld damit, dass einem niemand richtig leid tun muss deswegen.
Es ist die perfekte Illusion. Reine Unterhaltung, scheint es. Und vielleicht wurden in der Pause sogar Svetlanas Teebeutel gereicht. So zum Schein.
Tragen Sie zu den Lichtern Sorge, die sie behüten können. Die andern brennen und verlöschen auch ohne Sie. Und Zappi kommt wieder. Und der Mr. Doormann auch. Machen Sie es ein bisschen heimelig. Die Geborgenheit des Daheims wird niemals lächerlich.

Frederik Weitz said...

Wenn Sie wieder mal hyperventilieren, würde ich Ihnen aber auch keine Tüte geben, vor allem nicht eine von meinen Tüten. Ich brauche immer 15 Minuten, um die zu rauchen. Bei Ihren hyperventilationistischen Fähigkeiten dürfte sie allerdings nur 15 Sekunden halten.

Überigens: In letzter Zeit wird dieser Blog wohl heimlich von Pamela Anderson gesponsert. Von Orangen, groß wie Zuckermelonen, über Lederweiber mit Tütten, bis hin zum Fußball (beim genverseuchten Mais); oder, wie Thomas Brussig seinen Trainer sagen lässt: "Fußball ist doch was für's Auge."
Weitere (scharfkantige) Klippen umkurve ich jetzt elegant, indem ich weiter über das Wort metrosexuell meditiere.
Tschüß!

Alex Lightbringer said...

Danke, Leute, mir gehts schon wieder besser, vor allem jetzt, wo ich mir Pamela Anderson mit Orangenhaut vorstelle...

Gruß Alex L.