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Frau Zappdong wird persönlich - eine Erklärung

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Nachdem ich mit wachsender Wut, aber auch Verzweiflung und - schlimmer noch - einem ziemlichen Ohnmachtsgefühl mitverfolgt habe, wie bei uns in der Schweiz eine Politkultur überhand genommen hat, in der der Respekt gegenüber Andersdenkenden verloren gegangen ist, löst sich eine in die Ecke gedrängte Mehrheit in einer fast schon unheimlichen Wellenbewegung aus ihrer Erstarrung.

Monate-, ja fast jahrelang hat nun eine einzige Partei für sich in Anspruch genommen "das Volk" zu sein und "das Volk" zu repräsentieren. Wer nicht denkt, wie man in besagter Partei denkt, ist ein Verräter, kein richtiger Schweizer, er ist nicht "das Volk". Gehässigkeiten und abschätzige Bemerkungen gossen und giessen kübelweise über all jene, die anders denken als diese "Volkspartei." Neuster Höhepunkt ist eine bespielslose Hetzjagd gegen eine vom Parlament in demokratischer Weise gewählte Bundesrätin. Mit einer solchen holzschnitzartigen Taktik ist diese Partei in einem unheimlichen Tempo gewachsen, wobei ich weder verstand noch verstehe, warum das so ist (Sie können Ihre Erklärungsversuche gerne hier posten - ich stehe einer solchen Wand von Aggression, Arroganz, Überheblichkeit und Respektlosigkeit absolut ohnmächtig gegenüber).

Und endlich, endlich spüre ich deutlich, dass ich nicht alleine bin, wenn ich sage: Ich bin nicht das Volk, von dem diese Partei spricht. Aber ich gehöre zum Schweizer Volk. Einem Volk, das die Freiheit hat, eine eigene Meinung zu haben und sie vertreten zu dürfen. Ich will nicht von einer Partei vereinnahmt werden, die meint, genau zu wissen, was "das Volk" denkt - oder noch schlimmer: zu denken hat. Es bilden sich Bewegungen. Im Volk. Nicht dem Volk der besagten Partei, sondern dem Volk, das die Schweiz ausmacht, nämlich jenem, das man nicht über einen Kamm scheren kann und darf, weil gerade die Meinungsvielfalt ein freies Volk ausmacht.

Zum ersten Mal seit vielen Monaten habe ich so etwas wie Hoffnung. Nein, Illusionen habe ich keine. Die "Volkspartei" wird keine Ruhe geben, sie wird weiterhin Anstand und Respekt mit den Füssen treten. Aber vielleicht, vielleicht haben jene 70 Prozent, die diese Partei mit totalitärem Anspruch nicht gewählt haben, endlich wieder etwas Luft zum atmen. Lösen sich aus der Starre. Schliessen sich zusammen. Gewinnen Vertrauen in die Möglichkeit, dass diese selbsternannte "Volkspartei" nicht irgendwann alles überrennt und mit einem über 50-Prozent-Anteil aus der schweigenden Mehrheit eine mundtote Mehrheit macht.

Für einmal sehr persönlich

Ihre Frau Zappadong

3 Kommentare:

Thinkabout said...

Liebe Frau Zappadong
Schön, dass Ihre zwei Männer Sie nicht zurückhalten konnten. Das hätten Sie wohl auch gar nicht gewollt. Und wissen Sie was? Die 70% sind tatsächlich nicht tot. Sie leben vielleicht mehr, als es der SVP noch lieb sein wird, auch wenn ich mir auch keine Illusionen mache.
Aber ich möchte Ihnen sagen: Ich stehe neben Ihnen. Auch mir reichts. Auch ich werde in meinem Blog sehr viel klarer als bisher und nicht unbedingt immer "konzilliant" und "ausgewogen" Gegenposition beziehen.
Ich danke Ihnen, dass Sie Ihrem Herzen eine Stimme gegeben haben. Ob das naiv ist? Illusion?
Ehrlich gesagt, mir ist es egal. Ich möchte auf jeden Fall nie in den Spiegel sehen und sagen müssen:
Und, warum hast Du Dich nicht gewehrt, nicht gesagt, was Du wirklich denkst?

Zappadong said...

Lieber Thinkabout

Danke fürs Nebenmirstehen.

In diesem Blog habe ich immer sehr deutlich geschrieben, wie ich über diese Partei denke. Das Problem war: Ich fühlte mich sehr einsam dabei. Es reicht nicht, wenn Einzelne rufen (in Blogs, die nur von Einzelnen gelesen werden).

Es braucht klare Stellungnahmen von vielen. Nicht Einzelkämpfer, die an der Situation verzweifeln.

Was ich bis jetzt nicht gemacht habe: Den absolut schrecklichen Leserbriefen in meiner Lokalzeitung paroli geboten. Das wird sich ändern.

Herzliche Grüsse

Frau Zappadong

roetext said...

schön gesagt. gut gedacht. gut gemacht.
bugsierer