RSS Feed

Orangen so gross wie Zuckermelonen

.
Okay. Ich bin ein Feigling. Ich habe es nicht geschafft, Mr Doorman die traurige Wahrheit zu erzählen. Die da wäre: Onkel Vladimir hat sich Mr Doormans Einnahmen aus der Skilehrertätigkeit in St. Moritz unter den Nagel gerissen, ihm etwas von sagenhaften Gewinnen mit Orangenplantagen in Sibirien vorgeblabbert und sich dann auf Bora Bora mit ein paar der Skihäschen eine schöne Zeit gemacht.

Dachte ich.

Bis Mr Doorman seinen Wagen vor einem absolut enormem Gewächshaus anhielt, mir galant die Beifahrertür öffnete und mich mitten in eine Pfütze aussteigen liess.

"Hier sind wir", sagte er unnötigerweise.

Ein sonderbarer Typ Marke Mischung Frankenstein/Glöckner von Notre Dame kam uns entgegengeeilt, wischte seine bratpfannengrossen Hände an einer ziemlich schmutzigen Schürze ab, an der noch schwach der Aufdruck Mamas Liebling zu erkennen war, und begrüsste uns dann mit einem formvollendeten Bückling.

Wir folgten ihm ins Innere des Gewächshauses. Während Mr Doorman einfach nur strahlte wie ein Atomreaktor, blieb mir kurz die Luft weg (man erzählte mir später, man habe mich drei Minuten lang wiederbeleben müssen): Orangen, so gross wie Melonen, hingen an den Bäumen, zu Hunderten, ja Tausenden. Formvollendet. Herrlich riechend. Und erst der Geschmack im Mund! Orangiger als alles, was ich je an Orangen gegessen habe!

Als ich mich einigermassen erholt hatte, fragte ich nach der Erntezeit.

"Immer", erklärte Frankenstein/Glöckner von Notre Dame. "Wenn wir sie pflücken, wachsen die Dingerchen in drei Tagen nach."

Mr Doorman interessierte etwas ganz anderes: "Einnahmen?", fragte er knapp.

"Bis jetzt?" Frankenstein/Glöckner von Notre Dame kratzte sich am Kopf. "Schwierig zu sagen. Pro Ernte rund 100'000 Dollar."

Es wäre Erbsenzählerei gewesen, nach dem Wechselkurs in Rubel zu fragen. Also liess ich es bleiben und japste nur noch ein fassungsloses: "Wie ...?"

"Genmanipulation!" Aus dem Mund von Frankenstein/Glöckner von Notre Dame klang das fast ein wenig lustig.

Weil uns eine Schweizerische Ethikkommission kürzlich mit erhobenem Zeigefinger erklärt hat, dass

"eine willkürliche Schädigung von Pflanzen moralisch falsch ist"

habe ich mich kurz erkundigt, wie das denn im Falle der Genmanipulation aussehe. Nun, die Ethikkommission hat dazu eine klare Meinung. Sie gab bekannt, dass

"Auch gentechnische Veränderungen von Pflanzen stünden der Würde der Kreatur nicht entgegen, sofern deren Fortpflanzungs- und Anpassungsfähigkeit dabei nicht abhanden kommt."

Da sich diese manipulierten Organgen ja schneller vermehren und nachwachsen als Karnikel, ist also soweit alles in Ordnung.

Ich liebe Ethikkommissionen. Mr Doorman sowieso, vor allem, wenn sie zu seinen Gunsten sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Lightbringer gerade kurz vor dem Hyperventilieren steht (siehe: hier) und schliesse wieder einmal mit den Worten:

So ist es, das Leben.

Ihre Frau Zappadong

1 Kommentare:

Thinkabout said...

Frau Zappadong,
ich würde nie, wirklich nie behaupten, dass Sie lügen. Aber erstmals muss ich vermuten, dass sie ein wenig flunkern.
Denn es fehlt eine klitzekleine Ergänzung hinter:
So ist es, das Leben.
Wenigstens in Klammern:
(aber nur im Gewächshaus).