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Ansturm auf den Panikraum

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"Frau Zaaaaapppaaaaaadoooooong!"

Oha. Wenn Mr Doorman so ruft, dann eilt es. Ich lasse also eine etwas erschöpfte, eimertragende FrauvonWelt in Abseilmontur stehen (ich bin gerade dabei, ihr zu erklären, dass ich in meiner Morgeneile den Fehler gemacht habe, ihr zu sagen, das Gebäude hätte keine Treppe - natürlich hat es eine Treppe, aber KEINEN Lift - Entschuldigung, Frau von Welt, ich hoffe, solche Kommunikationsfehler passieren mir nicht mehr, jetzt muss ich aber, Mr Doorman ruft ....).

"Was ist?", keuche ich, als ich nach 23 Treppen (161 Stufen) bei Mr Doorman an der Reception stehe.

Eigentlich müsste ich nicht fragen. Vor der Drehtür drängelt sich eine Horde Männer in feinstem Zwirn. Dass eldes Gewand nicht unbedingt auch gute Manieren mit sich bringt, zeigt die Tatsache, dass alle wie die Verrückten ihre Fäuste gegen das Glas knallen.

"Ich nehme nicht an, dass das die Umzugsmänner sind, die FrauvonWelts fein säuberlich in Bananenschachteln abgepacktes Leben in unsere bescheidene Hütte tragen wollen", sage ich zu Mr Doorman.

"Nein!", antwortet er in einem Tonfall, in dem einem andere ein herzhaftes "F****" vor die Füsse spucken.

"Wissen Sie, was die wollen?", frage ich.

"Fragen Sie sie selber."

Nochmals oha. Da läuft gerade etwas ziemlich schief.

"Okay", sage ich, "pflücken Sie mir einen davon und bringen Sie ihn herein. Dann frage ich."

Mr Doorman setzt seine würdevollste Miene auf, geht durch die Drehtür, hebt einen der Anzugsexemplare am Kragen in die Höhe, trägt ihn zu mir hinein und lässt ihn mir vor die Füsse fallen.

"Was wollen Sie?", will ich von dem nach Angstschweiss riechenden Kerl wissen.

"Wir haben gehört, Sie verfügen über einen Panikraum. Wir verlangen Einlass."

Verlangen? Zum dritten Mal oha.

"Aber dieser Prolet hier", der Anzugsheini zeigt anklagend auf meinen Mr Doorman. "Dieser Prolet hier sagt, wir dürfen nicht rein."

"Aha!", sage ich. (Oha, denke ich.)

"Wie kommt dieser Wurm dazu? Hat wahrscheinlich nie was geleistet, sondern seine Hände mit rechtschaffener Arbeit schmutzig gemacht. " Sein rechter Mundwinkel zieht sich verächtlich nach oben. "Wir sind wichtig! Wir sind die Elite! Jeder von uns ist Millionen wert", schnarrt der Mann. "Allein mein letzter Bonus lag bei ..."

"Halt, verraten Sie es mir nicht", unterbreche ich ihn. "Sonst könnte es sein, dass ich auf Ihre teuren Schuhe kotze."

"Wie bitte?"

"Darf ich raten? Ihr Vorname ist Arroganz und Ihr Nachname ist Gier."

"Ähm, woher wissen Sie das? Ich glaube nicht, dass ich mich Ihnen vorgestellt habe."

"Nicht nötig", erkläre ich und drücke ihm einen Papierkorb wertloser Wertpapiere in die Hand, die der Obdachlose von gegenüber heute Morgen bei uns gegen ein gutes Frühstück getauscht hat.

"Ich weiss noch mehr", rede ich ungerührt weiter. "Sie sind Banker. Haben sich nie mit rechtschaffener Arbeit die Hände schmutzig gemacht, sondern das Geld anderer Leute in Kamikazeaktionen verschreddert."

"..." (Ich glaube, das bedeutet, dass unserem Banker die Worte fehlen)

"Managertyp, nicht wahr. Fette Prämien. Null Moral. Null Ethik." Ich zwinkere ihm zu. "Null Panikraum."

Ich winke Mr Doorman heran. "Könnten Sie den Herrn bitte wieder vor die Tür befördern?"

So, und jetzt muss ich nochmals schnell zu FrauvonWelt. Ihr das mit der vorhandenen Treppe und dem fehlenden Lift etwas genauer erklären.

Ihre Frau Zappadong

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