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Däutschkurrrs

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Vor meiner Tür schlurft es. Und das an einem Samstagmorgen um sieben Uhr. Ich ziehe die Decke über meinen Kopf, schliesse die Augen, will gerade den Aus-Schalter meiner Gehirnwindungen drücken (um mich nicht schon frühmorgens mit dem Herbert-Problem auseinandersetzen zu müssen) .... HALT.

Es schlurft. Es schlurft. Es schlurft! Es schlurft! In diesem Gebäude schlurft(e) nur eine: Svetlana.

Ich hüpfe aus dem Bett, verheddere mich in der Decke und knalle kopfvoran auf die Beule (die vom Himmel). Auf allen vieren krieche ich zur Tür.

"Diiiiliiiiit, diiiiliiiit, diiiiliiiit", klingt es durch die Tür. Der hohe, schrille Ton schmerzt in den Gehörgängen und zerrt an meinen Nerven. Ich ziehe mich an der Türklinke hoch, öffene die Tür und blicke geradewegs auf den gekrümmten Rücken eines ledernen Etwas.

"Svetlana!", rufe ich.

"Diiiiiliiiiit."

"Was machen Sie denn da?"

"Diiiiliiiit. Dräkkkk diiiiliiiiiten."

Das iiiiii hilft nicht gerade beim Denken. Trotzdem. Letztes Mal, als ich Svetlana gesehen habe, sprach sie kein Wort Deutsch.

"Verstehen. Sie. Mich.?", frage ich ganz langsam und deutlich.

"Sichchcherrr. Haaaabe Däutschkurrrrs bessssuchchcht."

"Oh!"

"Jaaaaaaaa. Diiiiiliiiiit. Söööörffferrrr. Aiiiiiiipiiiiiii Nummerrrr. Iiiiiiiiiuserrrrr."

Ich kratze mich am Kopf (schlechte Idee!). "Kein. Deutschkurs. Sie. Computerkurs", sage ich.

"Naiiiiiiin. Däutschkurrrrrs. Jäzzzzzt määäär Gehaaaaaaalt, Frrrau Schäfff."

Okay, es war ein Deutschkurs. Wenn sie mich schon versteht, die Svetlana, dann kann ich gleich auch einen ersten Befehl geben. "Geben Sie Frau Rösli ihren Herbert zurück!"

Bevor ich auch nur blinzeln kann, knallt Svetlana den Besenstiel so heftig auf den Boden, dass das ganze Gebäude wackelt.

"Naiiiiiin!" Sie stemmt die Hände gegen ihre Hüften, reckt das Kinn vor und sagt: "Häääärrrrberrrrt hiiiiiirblaibt."

Ich glaube, ich habe ein Problem. Vielleicht sollte ich mich in mein Zimmer verkriechen und warten, bis Herbert Svetlana gefressen hat.

"Frau Zappadong!", hallt es aus der Eingangshalle. "Wer, verdammt noch mal, hat die Chips aus meinem Computer gestohlen?"

Ich fürchte, ich kenne die Antwort auf diese Frage.

Ihre Frau Zappadong

1 Kommentare:

Thinkabout said...

Also, Frau Zappadong, Ihr Morgen mag ja eine Prüfung für Sie gewesen sein. Danke, dass Sie ihn dennoch erzählt haben. Denn mich hat er bestens unterhalten!