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Küchentischgespräche, Teil 2 - Wenn man sich den Kopf am Himmel anstösst

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"Also", sage ich, "das mit dem briefmarkengrossen Poster im Panikraum tut mir leid."

Mr Doorman wedelt meine Wörter mit der Hand weg. Trotzdem fühle ich mich zu einer Erklärung verpflichtet. "Ich will keine Flat pimpen, und schon gar keinen Panikraum", rede ich deshalb weiter. "Also bin ich singen gegangen, aber das war nicht ganz das Richtige."

"Schon gut", murmelt Mr Doorman. "Es gibt viel Schlimmeres."

"Zum Beispiel?", frage ich.

"Zum Beispiel hat sich unser geschätzter Kollege Herr Thinkabout den Kopf am Facts-Himmel angestossen."

"Autsch", entfährt es mir, denn im Gegensatz zum Himmel draussen vor meiner Tür ist der Facts-Himmel ein ziemlich hartes Pflaster.

"Dieser Job ..." Mr Doorman greift zu seiner Wodkaflasche und genehmigt sich einen Schluck. "Der wäre was für Onkel Vladimir gewesen."

(Zwischenbemerkung: Das ist der mit den Orangenplantagen in Sibiren und den Verbindungen zur russischen Mafia.)

"Aha." Mehr fällt mir leider dazu nicht ein, denn ich will Mr Doorman nicht beleidigen. Auf eine Hintertür aufzupassen scheint mir eine leichte Unterforderung für einen Mann eines Kalibers von Onkel Vladimir.

"Eine Weile lang knallten die Leute im Sekundentakt auf das Strassenpflaster", sagt Mr Doorman. "Einige landeten auf dem Hintern, andere geradewegs auf der Nase. Ja, manche kamen durch die geschlossene Tür angeflogen."

"Das ist hart."

Er nickt. "Manche kamen zurück und wollten wissen, warum sie rausgeflogen waren. Andere kamen mit Papieren, die bewiesen, dass man in ihrer privaten Post gelesen hatte."

"Das ist wahrlich dicke Post", merke ich an.

"Einige haben recherchiert und sind auf ein paar erstaunliche Mauscheleinen gestossen."

"Das hat bestimmt einen ziemlichen Wirbel verursacht."

Mr Doorman schüttelt den Kopf. "Nein. Darum hätte der Job Onkel Vladimir ja so gefallen. Es war beinahe wie bei uns zu Hause. Wurde einfach unter den Teppich gekehrt, und wer etwas von der Sache mitbekam, schaute weg."

Das kann ich nicht einfach so hinnehmen, und darum öffne ich den Mund zu einer saftigen Rede. Aber genau in diesem Moment fährt ein Windstoss durch das Gebäude. Wenig später ist im französischen Kinosaal die Hölle los und aus der Empfangshalle schallt ein:

"MR DOOOOOOOORMAN!"

Sieh an! Frau Rösli ist wieder hier. Wir gehen besser gleich nachschauen, was da im Kinosaal läuft ...

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