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Politgeschichten aus Zappadong-Hausen, Teil 1 - all diese schönen Adjektive

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Die Leute südlich von Zappadong-Hausen waren nicht zufrieden mit ihrem Gemeindepräsidenten. Also bildete sich ein Bürgerforum, ging auf Kandidatensuche und wurde fündig. Cornelius Bärtsch heisst der Mann, der den bisherigen Gemeindepräsidenten herausgefordert hat. Angepriesen wurde er mit einem ganzen Blumensträusschen hübscher Adjektive:

- unternehmerisch und wirtschaftsfreundlich
- bürgernah und engagniert
- sozialkompetent und fair
- gesellschaftsorientiert und verantwortungsbewusst
- umweltbewusst

So weit. So gut. Jetzt zum weniger Guten:

Kurz nachdem sich der Kandidat offiziell als Gemeindepräsident beworben hatte, stellte sich heraus, dass er auch in seiner Wohngemeinde für dieses Amt kandidierte. Er wird sich wohl gesagt haben, dass zwei Eisen im Feuer besser sind als eines - wollte dann aber die Kandidatur in der Wohngemeinde zurückziehen, was aus rechtlichen Gründen nicht ging. Ein bisschen peinlich, aber "jo nu so dänn".

In den Leserbriefen kamen sowohl der amtierende Gemeindepräsident als auch sein Herausforderer ziemlich schlecht weg - es kristallisierte sich aber der Unterton heraus: Von zwei Übeln ist und das Unbekannte lieber / von zwei Übeln ist uns das Bekannte lieber.

Erstere Fraktion hat gewonnen. Die Gemeinde zog das unbekannte Übel dem bekannten vor. Das Bürgerforum wollte feiern ... konnte aber den Gewählten nicht erreichen, um ihm die frohe Botschaft zu übermitteln. Um ca. 20.00 Uhr meldete sich Herr Bärtsch dann doch noch. Er sei in Zürich gewesen und habe Hefte korrigiert und dann noch ein wenig Sport getrieben - und dazu habe er das Telefon ausgeschaltet.

JA! SO, genau SO, stelle ich mir einen engagierten, sozialkompetenten und verantwortungsbewussten Gemeindepräsidenten vor. Vielleicht hat er aber auch nur seine Prioritäten etwas anders gesetzt. Vom unternehmerischen Standpunkt aus mag er sich wohl gesagt haben, dass er sich erst dann einsetzt, wenn es auch etwas zu verdienen gibt (ab dem ersten Arbeitstag). Vielleicht wollte er auch einfach nur fair sein und den Verlierer nicht durch seine Anwesenheit brüskieren. Es kann aber auch sein, dass er als gesellschaftsorientierter Mensch die Gesellschaft seiner Sportlerkollegen höher einschätzte als jene seiner neuen Schäfchen. Oder er hat sich schlicht umweltbewusst verhalten und sich die Fahrt von seinem Wohnort zu seinem neuen Wirkunsort gespart (ca. 0.5 l Benzin).

Vielleicht ist es auch so, wie der Volksmund sagt: Jede Gemeinde hat den Präsidenten, den sie verdient (in diesem Zusammenhang weise ich auf die nächste Folge der Politgeschichten hin - da gibt es nämlich eine Nachbargemeinde, die gar keinen Präsidenten gewählt hat - mehr dazu demnächst im Zappadong-Theater).

Ihre Frau Zappadong

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