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Beten Sie oder Wenn der Journalismus den Bach runter geht

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"Beten Sie."

Mit diesen Worten beendete Philipp Loepfe am letzten Freitag seinen Artikel im Online-Tagesanzeiger über den Crash an den Börsen.

"Beten Sie."

Da verfallen also hochbezahlte Experten in die totale Panik (eigentlich werden sie ja dafür bezahlt, einen kühlen, besonnen Kopf zu bewahren), rennen wie kopflose Hühner im Gemüse herum, weil es einmal nicht so läuft, wie sie es sich ausgedacht haben, und einem Journalisten einer seriösen (?) Tageszeitung fällt nichts Besseres ein als ein "Beten Sie."

Das habe ich sonst im Tages Anzeiger noch nie gelesen. Weder in Berichten über verhungernde Kinder, noch in Berichten aus Kriegsgebieten, noch bei Naturkatastrophen ... Kein Elend war bis jetzt gross genug, um einen Journalisten zu einem "Beten Sie" hinreissen zu lassen. Aber Geld und allgemeine Hysterie schaffen so was.

Da werden sie nervös, die Monopoly-Spieler, die das Geld anderer Leute verjubelt haben, und der vermeintlich seriöse Journalist auf der Suche nach dem bestmöglichen Knalleffekt.

Ich glaube, es ist Zeit für eine Denkpause.

Sehr Kluges zum Thema "vom Seriös- zum Boulevardjournalismus" gibt es bei Medienlese.

Ihre Frau Zappadong

3 Kommentare:

andré said...

Nein, ich bin nicht zum Beten bezahlt: Ich bin dem JOURNALISMUS verpflichtet! Und nun greifen Sie alle endlich zur Fernbedienung, zur e-mail-adresse, zum Telephon: Reich Ranicki machte gestern abend einen (pathetischen) Anfang - los geht's herrgottnochmal

Zappadong said...

Lieber andré

Und wen sollen wir anrufen? Ich habe hautnah miterlebt, wie mehrere Personen vom Chef eines Medienhauses mehr oder weniger kalt lächelnd abserviert wurden, als sie das Vorgehen einer Online-Plattform kritisch hinterfragten. Ich habe die Arroganz erlebt, die Medienleuten eigen sein kann - eine ähnliche Arroganz wie jene der Banker übrigens.

Vielleicht braucht es auch bei den Medien einen grösseren Crash bevor sie merken, dass immer seichter, immer krasser, immer geiler, immer mehr Sex and Drugs and dirty Stories nicht unbedingt ans Ziel führt.

Dass Sie dem Journalismus verpflichtet sind, ehrt Sie. Ich kenne übrigens Lokaljournalisten, die das auch noch sind. Schaue ich mich aber bei grossen Medienhäusern um, erlebe ich die als klicksüchtige mit allen Mitteln ins Internet vorstossende Klicksammler (damit sie Werbung schalten können). Und ihre Printprodukte passen sie ihren Online-Plattformen an.

Blogger, die kritisch über Medien berichten, werden im besten Fall belächelt und im etwas schlimmeren Fall als neidische, unwissende, publikationsgeile Versager dargestellt.

öhm, das ist jetzt ein wenig arge Schwarzmalerei. Aber wenigstens bitte ich Sie nicht, zu beten.

Ihre Frau Zappadong

andré said...

... ja und, dann lasst sie halt lächeln - vordergründig. sie ahnen ja nicht, als wie ätzend die chefetagen e-mails und anrufe empfinden; ein bisschen spass muss ja bei soviel kultur-pessimissmus auch noch herrschen gell.
ach' übrigens: beim tagi, sf, blick, nzz sind sie alle mail-mässig mit vorname.name@sf.tv resp; x.y.@tages-anzeiger.ch usw. erreichbar -- sie freuen sich auf post, garantiert :)