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Noch mal gut gegangen

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Also. Da sassen der Gemeindevater und ich am Feuer und assen Biowürste vom Biobauern Res. Warm hatten wir es auch, dank eines Feuers, das seinen Ursprung in einem illegalen (weil ohne Baubewilligung erstellten) Holzbiigli hatte.

Als es gerade so richtig obergemütlich wurde, näherten sich Schritte und aus dem Dunkeln trat der Gemeindepolizist.
"Hoi", sagten der Gemeindevater und ich fröhlich und boten dem guten Mann an, sich zu uns zu setzen.
"Guten Abend."
So förmlich? Oha. Da bahnte sich etwas an. Und was!

"Zappadong, ich muss dich auf den Posten mitnehmen."
"Willst du dich nicht setzen und hier mit mir sprechen? Ich habe noch irgendwo eine Biow..."
"Geht nicht, musst mitkommen."
(Hab ich schon erwähnt, dass man sich auf dem Land duzt?)
"Warum? Wegen dem Holzstapel?", wollte ich wissen.
Er schüttelte den Kopf.
"Ist es wegen des Lochs, das ich buddle?"
Wieder schüttelte ich den Kopf.
"Hat mich Svetlana angezeigt, weil sie sich ausgebeutet gefühlt hat?"
Nochmals ein Kopfschütteln.
Da fiel mir nichts mehr ein.

Es sah auch nicht nach Verhandlungsspielraum aus. Wenn einer eine Reswurst ausschlägt, dann ist die Lage ernst. Und ganz ehrlich: Ich wollte schon immer mal mit einem Streifenwagen fahren. Am liebsten mit Blaulicht, aber der Gemeindepolizist meinte, so schlimm sei es denn nun auch wieder nicht.

Eine Weile später sassen wir bei ihm im Büro. Da war es zwar auch warm, aber es brannte kein Feuer.
"Du wirst beschuldigt, an einer Verschwörung teilgenommen zu haben."
"Einer WAS?"
"Einer Verschwörung", wiederholte er.
"Weil ich ein Loch in den Boden grabe?????"
"Nein, weil du etwas unterschrieben hast."
Mein Hirn versuchte, einen Gang höher zu schalten. Unterschrieben? Was hatte ich denn unterschrieben?
"Meinst du die Schultests von Zap-padong?", fragte ich etwas ratlos.
Er schüttelte den Kopf. Schon wieder. Wenn das nur nicht zur Gewohnheit wurde. Dann öffnete er eine Schublade und hielt mir ein Blatt Papier hin.
"Ach das!", sagte ich.
"Ja, das!", sagte er. (Wenigstens schüttelte er nicht den Kopf).
"Das haben über 60'000 andere auch unterschrieben. Gehört zu unserer Schweizer Demokratie, das mit den Referenden und so."
"Aber doch nicht DAS DA!" Er tippte mit dem Zeigefinger drei Mal heftig auf das Papier.
"Warum?"
"Weil das eine Verschwörung ist. Hier." Wieder griff er in die Schublade und zog ein Beweisstück heraus.
"Himmel noch mal!", rief ich. "Jetzt ist man also eine Verschwörerin, wenn man keinen biometrischen Pass will?!?"
"Ja."
"Du findest es also in Ordnung, wenn man in seinem Pass einen Chip und Fingerabdrücke hat?", fragte ich.
Er schwieg. Aber ich sah genau, dass er den Kopf schüttelte. Nur, der arme Kerl hatte seinen Job zu tun. Und so fragte ich: "Was tun wir denn jetzt?"
"Hast du jemanden, der für dich bürgt?"
"Für mich bürgt?"
"Ja, jemanden, der bezeugt, dass du in Ordnung bist. Also keine Verschwörung planst."
"Klar doch", antwortete ich. "Dich."
"Ich zähle leider nicht."

Jemand klopfte ans Fenster. "Ich", drang es gedämpft durch die Scheibe.
Ich guckte nach draussen und mein Herz machte einen dreifachen Salto.
Vier Minuten später stand ich vor der Tür, in der kalten Nacht.
"Frau Zappadong, Sie kann man aber auch keine Minute alleine lassen!"
Ich guckte ein bisschen zerknirscht, um Mr Doorman eine Freude zu machen. Dann sagte ich: "Ich dachte, Sie sind auf Weltreise."
"War ich auch. Auf dem Weg nach Süden in Patagonien. Aber dann las ich in einer Zeitung von einer Irren, die ein 33 Stockwerke hohes Gebäude versenkt hat und das nun ausbuddeln will. Da dachte ich mir, es wäre wohl angebracht, nach Hause zu kommen."
Angebracht? Komische Wörter kennt er, der Mr Doorman. Mir soll's egal sein. Hauptsache, er ist hier.

Frau Zappdong

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