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Heute Morgen bin ich in einer anderen Schweiz aufgewacht. Komisch. Sie fühlte sich an wie die von gestern und von vorgestern. Die Katze drückte mir ihre feuchte Schnauze auf den Mund (ja: igiiittt), der Zappadong-Nachwuchs musste geweckt, die Kaffeemaschine angeworfen werden. Dann hinaus in den Pflutsch (der Schnee ist über Nacht nicht gefroren) und die Zeitung aus dem Briefkasten gefischt.

Ah. Ja. Ich habe ja einen neuen Bundesrat bekommen, gestern. Einen, der gemäss nicht wenigen Kommentaren auf Online-Newsnetzen "endlich einmal den Laden ausmisten und es den Linken zeigen wird." Einen, der es sprachlich nicht immer ganz korrekt hielt und Werbekampagnen zu verantworten hat, die Frau Zappdong des öfteren in ungesund hohe Herzfrequenzen trieb.

Trotzdem: Ich bin froh, ist es so herausgekommen. Nicht etwa, weil Bundesrat 111 den Laden ausmisten wird. Sondern weil es jetzt sein Problem ist, seiner Basis zu erklären, warum man den Laden halt doch nicht genau so ausmisten kann, wie sie es sich vorstellt. Niemand anderem hätten sie das abgenommen. Nicht dem halben - oder auch klinisch und moralisch toten - Bundesrat vor ihm, nicht der unheiligen Verräterin aus dem Bündnerland und schon gar nicht irgendjemand anderem. Weil: Alle anderen - auch viele stramm Bürgerliche - sind linke Verräter. Mobber, welche die einzig wahre Partei aus der Regierung fegen wollen. Dreckige Winkelspieladvokaten. Unfähiges Gesocks.

Jetzt haben sie ihn, ihren Bundesrat. Genau den, den sie gewollt haben. Möge er es besser machen. Und wo "besser" nicht dem entspricht, was seine Basis für "besser" hält, möge er ihr erklären, was Menschenrechte sind. Was Gewaltentrennung ist. Und noch vieles mehr. Das ist jetzt sein Job.

Mr Doorman hat sich schon mal auf den Weg ins Dorf gemacht. Eine Mistgabel kaufen für Nummer 111. Zum Ausmisten. Nicht nur des Stalls in Bern, sondern vielleicht auch beim etwas gar anfälligen Gedankengut einiger radikaler Basismitglieder der wieder im Bundesrat vertretenen Partei.

Sollte das Experiment scheitern, kann man bei den nächsten Bundesratswahlen korrigeren. Endgültig. Denn, das sei auch gesagt: Versucht hat man es ja schon einmal. Und ist ganz kläglich gescheitert.

Ihre Frau Zappadong

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