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Klinisch und moralisch tot

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"Frau Zappadong?" Ein besorgter Mr Doorman beugt sich über mich.
Etwas verwirrt schaue ich hoch und frage: "Was ist denn passiert?"
"Sie sind einfach umgekippt. Geht es Ihnen nicht gut?"
"Weiss nicht, ich fühle mich irgendwie tot."
"Wie tot? Klinisch oder moralisch?"
"Klinisch und moralisch."
Mr Doorman kratzt sich am Kopf. "Warum denn?"
"Ich bin mir eben meiner Sünden bewusst worden. Sie wissen schon: Es ist schlecht, wenn Mütter arbeiten, das kann geradewegs zum Niedergang unserer Gesellschaft führen."
"Finden Sie nicht, es ist ein bisschen spät, deswegen halb tot umzufallen? Schliesslich sind Ihre Kinder mittlerweile alt genug und so schlecht sind sie nun auch wieder nicht geraten." Er grinst. Wahrscheinlich denkt er an Tochter Zappadongs letzte Fotosession mit ihm (die Bilder sind sehr gut geworden). "Und Sie haben ja nicht, kaum aus dem Spital, das Kind in der Krippe abgegeben wie andere Mütter."

Ich finde das nicht so lustig. Und weil ich gerade schlecht drauf bin, fällt mir auch ein, dass Frauen und Umwelt nur Aufwand und Kosten verursachen. Zum Glück liege ich immer noch am Boden, denn über mich schwappt eine weitere Schwindelwelle. Was bin ich doch für ein charakterloser, selbstsüchtiger Kleinkrämer, fast unerträglich für meine Umgebung, bis zum körperlichen Abgestossenwerden! Mir wird warm, ja heiss, der Schweiss bricht mir aus. Das kann an meinem Zustand liegen, vielleicht aber auch an der Klimaerwärmung, aber Mr Doorman zuckt auf meine klimatisch bedingten Bedenken nur die Schultern und meint: "Die Leute haben es gerne, wenn es ein bisschen wärmer ist."

Da bin ich jetzt überhaupt nicht einig mit ihm und schlage vor, dass wir das nächste Mal links wählen. Entsetzt schaut er mich an: "Man kann gar nicht links wählen, sonst hat man nicht alle Tassen im Schrank. " Er schüttelt den Kopf. "Nicht zu fassen. Wir haben bald Zustände wie in der DDR."

"Vergessen Sie es", sage ich und rapple mich hoch.
Behutsam führt mich Mr Doorman in den Panikraum, hilft mir aufs Sofa und reicht mir eine Tafel Schokolade. "Aber gell", murmelt er, "Sie sind bald wieder fit. Heute haben wir nämlich andere "schwarze Brüder" im Tessin, die von der Wohlfahrt leben."

In diesem Moment schlägt mir jemand ins Gesicht. "Frau Zappadong? Was ist mit Ihnen?"
Ein besorger Mr Doorman beugt sich über mich. "Geht es Ihnen gut?"
"Haben wir vorher gerade eine unsägliche Konverstation geführt?", frage ich beduselt.
Mr Doorman schaut noch ein Runde besorgter. "Nein, wie kommen Sie darauf? Sie haben beim Verspeisen der 10. Tafel Schokolade plötzlich die Augen verdreht und sind vom Sofa gekippt."
Ich stöhne dankbar auf. Alles nur ein Traum. Und ich gelobe: Ich werde nie wieder so viel Schokolade am Stück essen. Nie wieder!

Die rot gefärbten Textstellen sind Zitate von Bundesratskandidat Ueli Maurer, gefunden bei Lupe.

Zur Umfrage, ob Herr Maurer Ihrer Ansicht nach Bundesrat werden soll und kann, geht es hier.

Ihre Frau Zappadong

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