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Mr Doorman besucht einen Freundlichkeitskurs

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"Es guet's Tägli!"
(Übersetzung: Einen guten Tag!")

Ich drehe mich einmal um meine Achse. Wer begrüsst mich denn heute Morgen so ausgesprochen freundlich und aufgeweckt? Da ist nur Mr Doorman und der ist doch .... Moment mal. Mr Doorman? Lächelt?

"Hännsi guet gschloofe?"
(Ü: "Haben Sie gut geschlafen?")

Okay. Er hat zu viel gesoffen gestern im Bügelzimmer und irgendwie haben alle unsere wüsten Wörter (siehe gestrigen Eintrag) wohl etwas bewirkt. Etwas, das ich gar nicht erst zu verstehen versuche.

"Isch's Chopfchüssi waich gnueg gsi oder söll's d'Svetlana wechsle?"
(Ü: "Ist das Kopfkissen weich genug gewesen oder soll es Svetlana wechseln?")

Während ich Mr Doorman keine Sekunde aus den Augen lasse, tasten meine Hände so unauffällig wie möglich nach dem Handy in meinem Handtäschchen. Wie ist noch mal die Notrufnummer? Mr Doorman strahlt mich an.

"Möchten Sie z'Köbi Kuhn Kicker-Müesli oder en Alex Frei Energiriigel zum Zmoorge?"
(Ü: "Möchten Sie das Köbi Kuhn Kicker-Müseli oder einen Alex Frei Energieriegel zum Frühstück?")

"Alex Wer?", hauche ich.

"Üsere Nazzi-Tschutter", sagt Mr Doorman und zieht seine Mundwinkel noch ein wenig weiter nach oben.
(Ü: "Unser Nationalfussballspieler.")

Ich gebe die Suche nach dem Handy auf. Diese Diagnose kann ich selber stellen. "Sie besuchen einen Freundlichkeitskurs für die Euro 08", konfrontiere ich Mr Doorman mit meinem scharfsinnigen Verstand und leider ziemlich heftig aufkommenden Unmut. Er (der Unmut) übermannt mich. Ich zähle innerlich auf 1,5 und sage dann ganz ruhig und gefasst:

"5000 ERWARTETE BESUCHER AUF DEM WUNDERSCHÖNEN MARKTPLATZ MITTEN IM WOHNGEBIET, EIN VERKEHRSKONZEPT, DAS DIESEN NAMEN NICHT EINMAL ANSATZWEISE VERDIENT, EINE DREIWÖCHIGE DAUERBESCHALLUNG, DIE EIN AN ARROGANZ NICHT ZU ÜBERBIETENDER ORGANISATOR AN EINEM WAHNSINNIG INFORMATIVEN INFORMATIONSABEND (60 Minuten PR - 3 Minuten Vorstellung (k)eines Verkehrskonzepts, 1,5 Minuten zur Sicherheit und dem Abfallproblem und gefühlte 24 Stunden im Nichternstnehmen besorgter Anwohner) MIT EINEM SCHLEIMIGEN "Nun seien Sie doch ein bisschen tolerant - und wissen Sie, Lärm ist subjektiv" UND EIN PAAR WEITEREN WIRKLICH WAHNSINNIG WITZIGEN KALAUERN ABTUT UND ..."

Weiter komme ich nicht. Sanft lächelnd nimmt mich Mr Doorman am Arm und geleitet mich zum Ohrensessel beim Fenster.

"Högglen Si doch es bizzeli hera. Das tuet guet. Schnufen Si tüüüüüüüf dure und sägen Si 48'000 Mol: I freue mi waaaansinnig. I hole Iine in dr Zwüschezit üsseri bunt und eggstrem informativ Broschüre."
(Ü: "Setzen Sie sich doch ein bisschen hin. Das tut gut gut. Atmen Sie tiiiiiieeeeef durch und sagen Sie 48'000 Mal: Ich freue mich wahnsinnig. Ich hole in der Zwischenzeit unsere bunte und extrem informative Broschüre.")

Ich fürchte, das letzte "informativ" war ein "informativ" zu viel für mich. Ich springe Mr Doorman an die Gurgel. Starke Hände packen mich und ich werde durchgeschüttelt wie auf der höchsten Stufe im besten Mixer der Welt. Dazu prasselt eine Fluchkasskade auf mich ein. Dem Himmel sei Dank. Mr Doorman ist wieder Mr Doorman.

Drei Stunden später ist das Zittern meines Körpers - insbesonders der Finger - so weit abgeklungen, dass ich mein Handy aus dem Handtäschchen klauben kann. Ich stelle die Nummer ein und melde Mr Doorman vom Freundlichkeitskurs ab.

Ihre Frau Zappadong

PS: Noch 100 Tage zur EM. Freuen Sie sich. Und wenn Sie es nicht tun: Freuen Sie sich.

Online Durchsuchung abgewälzt

Was in Deutschland schon niemand mehr zu hoffen wagte, wird jetzt wahr: die vehement geforderte und allseits gehasste Online-Durchsuchung wurde vom Bundesverfassungsgericht erheblich entschärft. Nur in Einzelfällen und nur nach richterlichem Beschluss soll jetzt eine Durchsuchung möglich sein.

Ich möchte mich beim BVG für diesen Beweis seiner Unabhängigkeit bedanken. Und in Richtung Schäuble und Co. kann ich mir ein hämisches Grinsen nicht verbeißen. Leider kann ich nicht sagen, was ich ihm alles an den Hals wünsche, sonst müssten wir eine Altersfreigabe für dieses Blog einführen.

Gruß Alex L.

Hier ist die Meldung nachzulesen.



Ein paar Stunden später - NACHTRAG VON FRAU ZAPPADONG:
Schnappschuss aus dem Bügelzimmer (Verzeihung Herr Lightbringer, dass ich so einfach in Ihren Beitrag eindringe ... und prost!)


Foto von Tochter Zappadong

Die Welt der Zappadongs - Grossvater Zappadong

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Grossvater Zappadong (väterlicherseits) hat im Gonzenbergwerk Erz abgebaut. Man könnte auch weniger prosaisch sagen: Er hat sich im Gonzenbergwerg abgerackert und seine Gesundheit ruiniert. Wenn er über den Einstieg "Naus" auf 1000 m ü.M. ins Innere des Berges gelangen musste, dann ist er die ganze Strecke hochgestiegen. Ein Auto hatte er nicht. Nicht selten ist er nach der Arbeit entweder auf den Acker oder Holzen gegangen. Grossvater Zappadong hatte zusammen mit Grossmutter Zappadong 15 Kinder, acht Jungen und sieben Mädchen.

Als Kind wohnte ich ganz in der Nähe von Grossvater Zappadong. In meiner Erinnerung ist er ein Mann mit schlohweissem Haar, einer starken Brille, hinter der wache Augen hervorlugten. Er interessierte sich für Politik, konnte poltern und auf den Tisch hauen wie kein zweiter und las fürs Leben gerne stapelweise Wildwestromane (die ich - wenn er fertig war - nach Hause nahm und ebenfalls las). Als jugendliche Rebellin tat ich nichts lieber, als an dem grossen Küchentisch zu sitzen und ihm zuzuhören, denn er hatte ein Feuer in sich, wie es nur wenige haben. Damals dachte ich, er wäre wohl Kommunist geworden, wenn die Kommunisten bei uns eine Partei gehabt hätten. Heute bin ich nicht sicher, ob er vielleicht SVP gewählt hätte, wenn es die denn schon gegeben hätte. Ich hoffe nicht. Auf jeden Fall war er auf seine ganze eigene Art ein Rebell, der sich nicht auf die Kappe scheissen liess. Von niemandem. Auch nicht den "Oberen" vom Bergwerk. Er konnte problemlos eine Viertelstunde am Stück fluchen ohne sich einmal zu wiederholen. Ein Talent, in dem ihm die meisten seiner Nachfahren nur wenig nachstehen (Frau Zappadong eingeschlossen).

Zu Grossvater Zappadong gehörte Grossmutter Zappadong. Sie gebar 14 ihrer 15 Kinder zu Hause und stellte nach der letzten Geburt im Spital fest, dass es ihr besser ging als bei all den Geburten zuvor. Sie zog ihre Kinder ohne Waschmaschine auf, ohne Zentralheizung, ohne elektrischen Herd. Ich habe sie nie klagen hören. Sie hatte - wie mein Grossvater - diese listigen Augen, war aber zusätzlich noch mit einem köstlichen Humor gesegnet und hielt nie viel von der politischen Polterei ihres Mannes. Im hohen Alter sah sie immer noch wie ein Adler, hörte dafür praktisch nichts mehr.

Grossvater Zappadong ist vor vielen Jahren gestorben. Erstickt auf dem Weg ins Krankenhaus. Grossmutter Zappadong wurde 96. Beinahe auf jeden Fall. Sie starb in der Nacht vor ihrem Geburtstag. Dabei hatte sie doch 100 Jahre alt werden wollen.

Warum ich Ihnen das erzähle? Es schien mir fast ein bisschen so, als habe das Schicksal mit dem Zaunpfahl gewinkt mit der Diskussion um den Grundlohn und Herrn Lightbringers Lebenserfahrungstest. Wenn wir wissen wollen, woher unsere Einstellungen kommen und was unser Denken prägt, müssen wir zurückblicken. Es wird weitere Folgen der Serie "Die Welt der Zappadongs" geben. Weil Lebenserfahrung nicht nur mit Gondelfahren in Venedig zu tun hat.

Ihre Frau Zappadong

Lebenserfahrung

Mr. Lightbringer: Haben Sie schon einmal blau gemacht, obwohl Sie nicht krank waren?
Mr. Doorman: Was?

Mr. L.: Haben Sie schon mal eine richtige Unterhaltung mit einem Bettler geführt?
Mr. D.: Haben Sie was getrunken?

Mr. L.: Haben Sie sich denn schon mal um jemanden gekümmert, der betrunken war?
Mr. D.: Ja, klar, fast jeden Tag, aber was zum Henker...

Mr. L.: Sind Sie schon mal mit einer Gondel durch Venedig gefahren?
Mr. D.: packt mich beim Revers, stemmt mich mit einer Hand in die Höhe und funkelt mich zornig anIch werde Sie gleich...

Mr. L.: Haben Sie schon mal an einer Schlägerei teilgenommen?
Mr. D.: Aber sicher... holt mit seiner anderen Hand weit aus, ballt die Faust und macht sich bereit, zuzuschlagen

Mr. L.: HALT, ich bin nicht verrückt, nicht schlagen... Lassen Sie mich runter, dann erkläre ich alles.


Mr. D. lässt mich langsam wieder auf den Boden sinken

Ich korrigiere den Sitz meiner Hausmeisterjacke und schaue ihn an. "Es gibt ein paar Dinge im Leben, die man gemacht haben sollte. Schauen Sie doch auf der Webseite hier nach."

Ich liege übrigens bei 80 bereits durchgeführten Dingen. Damit bin ich etwas über dem Schnitt.

Gruß Alex L.

Wie wird man 90 Jahre alt?

Auf diese Frage habe ich eine überraschende Antwort gefunden. In diesem Artikel wird beschrieben, wie man beste Chancen auf ein hohes Alter hat. Die Antwort ist überraschend: man soll gesund leben! Wer wäre ohne diese wissenschaftliche Studie auf eine solch revolutionäre Idee gekommen?

Wer also mit 70 nicht raucht, weder Bluthochdruck noch Übergewicht oder Diabetes hat und sich jeden Tag intensiv bewegt, wer also anders gesagt völlig gesund ist, hat immerhin eine Chance von ca. 50%, die nächsten 20 Jahre zu überleben. Das ist wie die Wettervorhersage: die Temperatur wird morgen mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent zwischen -10° und +16 Grad liegen. Wer braucht für so eine Vorhersage Wissenschaftler?

Bei Aussagen wie "Sportliche Nichtraucher ohne Übergewicht und Diabetes fühlten sich subjektiv besser..." wird die ganze Kompetenz des wissenschaftlichen Teams ausgespielt.

Wenigstens ein Gutes konnte ich für mich aus diesem Artikel herausholen: Alkoholkonsum ist kein Schlüsselfaktor für das erreichte Lebensalter.

Mr. Doorman, haben Sie noch etwas Wodka für mich?

Gruß Alex L.

Sehr gerührt

Liebe Zappadong-Gemeinde,

vielen Dank für die besorgten Anfragen bezüglich meines Verbleibs. Ich befürchtete schon, dass die Lücke, die ich hinterließ, mich voll ersetzen würde...

Zuerst möchte ich Mr. Doorman willkommen heißen. Ich freue mich sehr, dass Sie wieder zurück sind. Was haben Sie sich nur dabei gedacht, hinter flotten, reichen, abenteuerlustigen, großzügigen und lustigen russischen Skidamen hinterherzuhecheln, wenn wir Sie doch so dringend bei uns benötigen? Gut, dass Sie wieder da sind.

Nun zum Grund für meine Enthaltsamkeit in letzter Zeit: die Prokrastination hat mich fest im Griff. Seit ich gehört habe, dass das sozusagen als Krankheit durchgeht, gehts mir gleich besser. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, hier ein Link: Prokrastination

Dazu möchte ich zu meiner Verteidigung noch sagen, dass es für mich selbst schon ungeheuer schwierig ist, unterscheiden zu lernen, wann ich mich faul stelle, um die Leute aus der Reserve zu locken, wann ich mich faul stelle, weil ich im Moment nichts tun und das Arbeiten andern überlassen will, wann ich mich unverschämt faul stelle, weil ich nicht weiß, wie etwas zu machen ist und wann ich wirklich und wahrhaftig faul bin*. Dieses Dilemma zu lösen, würde, glaube ich, einen großen Teil meiner persönlichen Probleme lösen. Ich werde mich gleich morgen daran setzen.

Gruß Alex L.

* in freier Adaption von Adams, Douglas, Hitchhikers Guide to the Galaxy

Undorthoxe Methoden

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Aus dem Panikraum dringen seltsam gedämpfte Geräusche. Nichts Gutes ahnend, reisse ich die Tür auf und blicke in die weit geöffneten Augen von Mr Lightbringer. Über sein Gesicht läuft der Schweiss in Bächen und auf seinem Mund klebt das Klebeband, das ich heute früh gesucht habe, um einen Schaden zu beheben, den eine von Frau Röslis Geissen angerichtet hat.

"MR DOORMAN!", brülle ich.

Als er etwas später zufrieden ginsend vor mir steht, zeige ich auf den verpackten Hausmeister. "Waren Sie das?"
"Sicher", erklärt er seelenruhig. "Ich habe ihn uns zurückgeholt."
"So, wie es aussieht, ist er nicht ganz freiwillig mitgekommen."
"Nicht ganz", schmunzelt Mr Doorman. "Ich musste ihm eins überbraten, ihn in den Kofferraum stopfen und über die Grenze schmuggeln."
Das Schmunzeln irritiert mich. "Und warum ist er eingepackt wie Onkel Vladimirs Weihnachtspaket von vor zwei Jahren?", frage ich.
"Weil er sofort wieder gehen wollte, als er erwachte."

Ich sehe mich in Gedanken schon in einer Einzelzelle für schwere Mädchen (und damit meine ich nicht mein Gewicht). "SO WAS GEHT NICHT!" Ich brülle schon wieder und wünsche mir ich hätte auf Frau Rösli gehört, als sie über Katastrophenpläne reden wollte.

"Aber sicher doch." Mr Doorman hält mir einen Zeitungsartikel unter die Nase.

"Um diesen Sumpf trockenzulegen, darf man auch unorthodoxe Maßnahmen anwenden", sagte SPD-Chef Beck.

"Mr Doorman", sage ich verzweifelt. "Er meint damit, dass es völlig okay ist, dass ein Rechtsstaat für eine gestohlene CD mit Kundendaten 5 Millionen hinblättert! Nicht, dass Sie Mr Lightbringer entführen dürfen."

"Unorthodoxe Methoden sind unorthodoxe Methoden. Und die sind jetzt in dem Rechtsstaat, aus dem ich Mr Lightbringer gekidnappt habe, offiziell abgesegnet. Schliesslich ging es mir um eine erzieherische Massnahme. Ich wollte den Kerl dazu bringen, seinen Job zu tun. Zum Beispiel Drehtüren ölen."

Ich schüttle den Kopf. Mr Doorman hält mir nochmals den Artikel hin.

"Das war ungeheuer wichtig, um präventiv und erzieherisch wirken zu können." Heisst es da.

Ich gebe mich geschlagen. Trotzdem würde ich Mr Lightbringer gerne noch fragen, ob er hierbleiben möchte. Freiwillig, natürlich.

Orangenplantagen in Sibirien

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"Frau Zappadong, haben Sie auch so eine Dingsda?"

Da Mr Doorman gerade die Drehtür ölt (wo ist eigentlich Mr Lightbringer?), ist es schwer abzuschätzen, von welchen Dingsdas er gerade spricht. Eine Ölspritzpistole? Die neuste It-Bag (DAS neuste It-Bag?)? Eine eigene Chesna mit eingebautem Himmelbett?

"Ich meine", murmelt Mr Doorman, "so eine Stiftung?"

"Eine Stiftung?", frage ich.

Er dreht sich zu mir um und ich muss sagen, der verschmierte Ölfleck auf seiner Wange steht ihm irgendwie. "Ja. In Liechtenstein. Sie wissen schon."

Ich weiss schon. Trotzdem habe ich keine. "Wie kommen Sie darauf?"

"Na, die Russen in St. Moritz. Die hatten alle welche. Mindestens jene, die ich gekannt habe. Ausser Mr P. natürlich."

"Natürlich", wiederhole ich wie ein Papagei.

"Und?" Mr Doorman fährt mit der Hand über seine Wange. "Habe ich Öl im Gesicht?", fragt er.

Ich nicke. "Aber nicht so viel, wie sie brauchen, um eine Stiftung in Liechtenstein ins Leben zu rufen."

"Öl?", fragt er verwirrt. "Ich denke, es braucht Geld."

"Wenn Sie ganz viel Öl haben und das verkaufen, dann können Sie sich eine Stiftung leisten."

"Verstehe." Mr Doorman streift diskret die ölverschmierte Hand am Mantel einer eintretenden Besucherin ab. Vielleicht irre ich mich, aber ich glaube, er blinzelt mir dabei verschwörerisch zu. Dann legt er den Kopf schief. "Sie haben kein Öl, Frau Zappadong."

"Richtig. Und auch sonst nicht genügend Kleingeld."

"Also keine Stiftung."

"Nein."

"Dann wird bei uns die Steuerfahnung nicht aufkreuzen?" Mr Doorman guckt fast ein bisschen enttäuscht.

"Nun, falls Sie Ihr Einkommen aus Ihrem Skilehrerleben nicht ..."

Mr Doorman legt den Zeigefinger auf den Mund. "Pssssst", flüstert er und schaut sich um. "Das habe ich Onkel Vladimir mitgegeben. Er wird es in eine Orangenplantage in Sibirien investieren und uns reich machen."

Ich sage nichts (was würden Sie denn sagen?).

"Und dann werde ich mir auch so eine Stiftung zulegen", fährt Mr Doorman mit kindlicher Freude fort.

"Obwohl ..." Weiter komme ich nicht. Mir Doorman unterbricht mich mit einem ungeduldigen Handwedeln.

"Tante Petrova arbeitet für xnklksdfe (Anmerkung von Frau Zappadong: Wenn Sie nichts verstanden haben ... ich habe auch nicht). Wenn da einer auftaucht und eine CD mit Daten verkaufen will, sagt Sie es dklafjö (Anmerkung von Frau Zappdong: Schon wieder nichts verstanden) und der adfjdkjfdjf (Anmerkung von Frau Zappadong: Na ja, diesen Teil habe ich verstanden, aber seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich den aus Sicherheitsgründen für mich behalte)."

Amerika gibt es nicht

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Ich sitze im Wagen neben Mr Doorman, an uns rauscht die Engadiner Berglandschaft vorbei, im Radio singt Züri West "Amerika git's nid" (Amerika gibt es nicht).

"Ich habe Sie vermisst", sage ich.

Mr Doorman nickt.

Schwarzes Loch? - Weisse Hölle!

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Kurze Meldung aus dem Schwarzen Loch.

Mir sind auf der Fahrt mit dem Skilift die Füsse eingefroren, von den Händen reden wir schon gar nicht (welche Hände?). 20 Meter weiter hangabwärts sehe ich eine vertraute Gestalt in Begleitung einer sehr schlanken Person in einem extrem schnieken Skianzug (oder sagt man heutzutage Skidress).

Melde mich später wieder. Stürze mich jetzt in den Steilh ..... arhghxchzchtspmopf ....

Könnte bitte jemand die Ambulanz rufen? Oder bin ich schon tot und im Himmel? Über mich beugt sich gerade ein blonder Engel, der mich an jemanden erinnert, allerdings im Zusammenhang mit einer Bratpfanne.

Hilfe.

Es reicht!

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Ich will Mr Doorman zurück. Heute Morgen hat der Ersatztürsteher, dieser ewig gut gelaunte, gut aussehende Blonde mit den gebleichten Zähnen und dem modischen Ziegenbart, mich noch vor der Begrüssung gefragt: "Haben Sie eine Kundenkarte?"

Hätte ich eine Bratpfanne zur Hand gehabt, hätte ich ihm eins übergebraten. So fletschte ich die Zähne und knurrte: "Erwähnen Sie dieses Wort n.i.e. w.i.e.d.e.r. in meiner Gegenwart, wenn Ihnen Ihre Föhnfrisur und die darunter liegenden leeren Hirnwindungen auch nur ansatzweise etwas bedeuten."

"Aber ..."

Ich sah, wie der gute Mann (für seine Hirnwindungen kann er ja nichts) eine Viertelsekunde mit sich rang und dann hervorpresste: "... aber Sie brauchen doch eine, wenn Sie jetzt im Coop ihre Einkäufe selber einscannen wol...."

Ich ging zuerst die Bratpfanne holen. Dann machte ich mich auf den Weg nach St. Moritz - Mr Doorman suchen.

Ihre (entnervte)

Frau Z.

Gestern, im Kino

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Gestern überquerten Herr Zappadong und ich die Grenze und fielen - etwas weniger spektakulär als damals unsere Armee - im Nachbarland Liechtenstein ein um uns den Film "Into the Wild" anzusehen (Trailer am Ende des Eintrags).

Der Film lief im takino, einem der weltweit knuffeligsten Vorführsäle mit einem weltweit wohl einzigartigen Personal, das da wäre: Kassiererin, Getränkeverkäuferin, Platzanweiserin und Filmvorführerin in einem.

Bevor Sie weiterlesen, klicken sie bitte HIER und sehen sich den Vorführsaal an.

Geguckt? Gut! Nun, da Sie wissen, wie es dort aussieht, werden Sie auch den Rest der Geschichte, die an dieser Stelle eigentlich erst anfängt, zu geniessen wissen.

Die gemütlichen Sofas waren besetzt, was mir nur recht war, da ich es liebe, etwas höher zu sitzen. Also lümmelten Herr Zappadong und ich uns in die Sitze der "Estrade" und schauten den Leuten beim Hereinströmen zu. Es kamen mehr und mehr und mehr und irgendwann sassen sie dann auf den Stufentritten und Ersatzstühlen (die in allen Farben und Formen vorkommen). Die Dame mit dem Multijob guckte ein paar Mal rein, bat Leute auf den Sofas, doch bitte etwas zusammenzurücken und zählte schliesslich die Anwesenden (so ähnlich wie ein Lehrer Kinder auf der Schulreise zählt). Dann murmelte sie: "89. Das reicht. Mehr als 90 darf ich aus feuerpolizeilichen Gründen sowieso nicht hineinlassen."

Dann kletterte sie hoch zu ihrem bequemen Sessel (auf dem Bild nicht sichtbar; links vom Vorhang, oben bei der Estrade) und liess die Vorfilme laufen. Zuerst war das Bild nicht scharf und dann komisch in der Mitte zerschnitten und als dann endlich der Hauptfilm kam, stimmte das Format nicht. Kurz danach fiel der Sound aus und dann das Bild. Leicht gestresst rannte die nette Multitaskerin hin und her, das Licht ging an, dann wieder aus und wieder an. Schlussendlich verkündetet die Dame, dass es wie verhext sei. Jedesmal, wenn eine Vorstellung gut besucht sei, gehe etwas schief. Im aktuellen Fall rutsche ihr der Film stets wieder von der Rolle. Jemand versuche das nun zu beheben und wir sollen ein wenig Geduld haben.

So warteten wir geduldig. Irgendwann ging das Licht wieder aus, der Film lief - im falschen Format. Aber auch diese kleine Nebensächlichkeit wurde behoben und so kamen wir in besten Filmgenuss. Ohne Pause und in der englischen Originalsprache. Ich war kurz davor, vor Begeisterung den Boden (oder Herrn Zappadong) zu küssen.

Zum Schluss sei noch angefügt, dass der gezeigte Film sehr, sehr sehenswert war.



Ihre (begeisterte)

Frau Zappadong

Warum ich es liebe, Konsumentin zu sein

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Heute gelesen in der Coop-Zeitung:

"Wenn Sie Ihrer Samtpfote am Valentinstag auch eine besondere Freude machen möchten, so eignet sich eine Delikatesse von Sheba, zum Beispiel die exquisiten Thunfischfilets, perfekt für diesen Tag als Zeichen der Zuneigung und besonderen Wertschätzung. Ihre Katze wird sich über diese leckere Aufmerksamkeit freuen - natürlich nicht nur am Valentinstag."

Es ist einfach erhebend, wie ernst man als Konsumentin genommen wird. Was spielt es bei solch intelligenten, gut gemeinten und wahrlich hilfreichen Tipps für eine Rolle, dass pro Tag 26'000 Kinder verhungern?

Ihre Frau Z.

Grenzüberschreitungen ... zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang

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Samstag, 9. Februar, 11.05 Uhr, Grenze Fürstentum Liechtenstein / Österreich. Übertrittsort: Hinterschellenberg




Bin wieder zurück. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang haben wir die Grenze überquert.
Herzliche Grüsse
Frau Zappadong

Dekadenz, Teil II - Gedanken aus dem Panikraum

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Zum Glück hat Mr Doorman im Panikraum einen Internetanschluss installiert, bevor er sich nach St. Moritz abgesetzt hat. So habe ich Zeit, im Netz zu surfen und Interessantes und Uninteressantes zu lesen.

Interessant:

- Der Literaturblog
- Neu entdeckt und beinahe darin verloren gegangen: Bugsierer's Short cuts

Gefunden auf Bugsierer: Ein Zitat von Walter Keller, dem neuen Chefredaktor vom"Du" (das ganze - sehr lesenswerte - Interview gibt es hier: Interview.)

"Die Hip-Hop, Rapper- und allgemein die Clubszene ist ja von einer weltanschaulichen Verbohrtheit, dass eine Schweizerische Volkspartei geradezu als revolutionärer Stosstrupp bezeichnet werden müsste. "

Dekadent (womit wir beim titelgebenden Thema sind):

Der Zappadong-Blog wird gestürmt. Die Hits schnellen nach oben. Suchbegriffe: rotes Pferd / nackte Friseusen. Herr Lightbringer, es ist alles noch viel schlimmer als Sie denken.

PS: Das erwähnte Uninteressante erspare ich Ihnen.

Ihre Frau Z.