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Ethik mit Sauerstoffübersättigung

"SVETLANA! SVETLANA!! Bring mir eine Plastiktüte, schnell..."

Svetlana wirft die Hände über den Kopf. Wir können uns mittlerweile ziemlich gut mit Gesten verständigen. Ich deute ihr an, dass ich eine Tüte brauche. Svetlana sieht interessiert zu und murmelt irgend etwas vor sich hin.

"Tüte!", versuche ich ihr anzudeuten, mache mit meinen Händen rechteckige Bewegungen und zeige ihr, dass man in das rechteckige Ding was reintun können soll.

Sie schlurft davon.

Wieder und wieder lese ich die Postkarte von Frau Zappadong. Melonengroße Orangen. Wachsen in drei Tagen. Mein Gott. Genmanipuliert. Oh mein Gott!

Mit Kühen wurden schon Versuche gemacht. Genmanipuliert. Die gaben dann 25% mehr Milch. Gut, oder? Unterschied sich chemisch nicht von normaler Milch. Die Leute, die diese Milch tranken, hatten hinterher einen halben Tag lang ein hyperaktives Immunsystem. Keiner weiß, warum.

Wenn ich weiter so atme, falle ich um. Ich muss mich beruhigen. Wenn nur diese Lederfrau endlich die Tüte bringen würde...

Wussten Sie, dass bereits 90% der Soja auf diesem Planeten genverseucht sind? Das Sojazeugs wird auch an Kühe verfüttert. Die Kühe werden dann an Hamburger verfüttert, und wo die landen, wissen wir eh alle.

Ich darf mich nicht mehr aufregen. Ganz ruhig. Ist nicht so schlimm. Postkarte. Panik. Ich bin ein friedlicher Mensch. Aber diese Ethikkommission würde ich gerne dahin treten, wo es wirklich weh tut.

Svetlana schlurft heran, In der Hand hat sie eine Tasse Tee. Sie stellt diese auf den Tisch, hebt den Teebeutel raus und grinst mir zahnlückend entgegen. Mit der anderen Hand deutet sie auf den Beutel, sagt "Tütte" und grinst von einem Ohr bis zum anderen. Ich habe beschlossen, vorsichtshalber ohnmächtig zu werden, bevor die Sauerstoff-Übersättigung dies erledigt.

Gruß Alex L.

Orangen so gross wie Zuckermelonen

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Okay. Ich bin ein Feigling. Ich habe es nicht geschafft, Mr Doorman die traurige Wahrheit zu erzählen. Die da wäre: Onkel Vladimir hat sich Mr Doormans Einnahmen aus der Skilehrertätigkeit in St. Moritz unter den Nagel gerissen, ihm etwas von sagenhaften Gewinnen mit Orangenplantagen in Sibirien vorgeblabbert und sich dann auf Bora Bora mit ein paar der Skihäschen eine schöne Zeit gemacht.

Dachte ich.

Bis Mr Doorman seinen Wagen vor einem absolut enormem Gewächshaus anhielt, mir galant die Beifahrertür öffnete und mich mitten in eine Pfütze aussteigen liess.

"Hier sind wir", sagte er unnötigerweise.

Ein sonderbarer Typ Marke Mischung Frankenstein/Glöckner von Notre Dame kam uns entgegengeeilt, wischte seine bratpfannengrossen Hände an einer ziemlich schmutzigen Schürze ab, an der noch schwach der Aufdruck Mamas Liebling zu erkennen war, und begrüsste uns dann mit einem formvollendeten Bückling.

Wir folgten ihm ins Innere des Gewächshauses. Während Mr Doorman einfach nur strahlte wie ein Atomreaktor, blieb mir kurz die Luft weg (man erzählte mir später, man habe mich drei Minuten lang wiederbeleben müssen): Orangen, so gross wie Melonen, hingen an den Bäumen, zu Hunderten, ja Tausenden. Formvollendet. Herrlich riechend. Und erst der Geschmack im Mund! Orangiger als alles, was ich je an Orangen gegessen habe!

Als ich mich einigermassen erholt hatte, fragte ich nach der Erntezeit.

"Immer", erklärte Frankenstein/Glöckner von Notre Dame. "Wenn wir sie pflücken, wachsen die Dingerchen in drei Tagen nach."

Mr Doorman interessierte etwas ganz anderes: "Einnahmen?", fragte er knapp.

"Bis jetzt?" Frankenstein/Glöckner von Notre Dame kratzte sich am Kopf. "Schwierig zu sagen. Pro Ernte rund 100'000 Dollar."

Es wäre Erbsenzählerei gewesen, nach dem Wechselkurs in Rubel zu fragen. Also liess ich es bleiben und japste nur noch ein fassungsloses: "Wie ...?"

"Genmanipulation!" Aus dem Mund von Frankenstein/Glöckner von Notre Dame klang das fast ein wenig lustig.

Weil uns eine Schweizerische Ethikkommission kürzlich mit erhobenem Zeigefinger erklärt hat, dass

"eine willkürliche Schädigung von Pflanzen moralisch falsch ist"

habe ich mich kurz erkundigt, wie das denn im Falle der Genmanipulation aussehe. Nun, die Ethikkommission hat dazu eine klare Meinung. Sie gab bekannt, dass

"Auch gentechnische Veränderungen von Pflanzen stünden der Würde der Kreatur nicht entgegen, sofern deren Fortpflanzungs- und Anpassungsfähigkeit dabei nicht abhanden kommt."

Da sich diese manipulierten Organgen ja schneller vermehren und nachwachsen als Karnikel, ist also soweit alles in Ordnung.

Ich liebe Ethikkommissionen. Mr Doorman sowieso, vor allem, wenn sie zu seinen Gunsten sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Lightbringer gerade kurz vor dem Hyperventilieren steht (siehe: hier) und schliesse wieder einmal mit den Worten:

So ist es, das Leben.

Ihre Frau Zappadong

Zurück zum Wesentlichen

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Nämlich den Orangenplantagen in Sibirien. Da fahren wir - wie Sie sicher wissen - hin, Mr Doorman und ich. Hätten wir nicht in halb Sibirien eine Poststelle suchen müssen, wären wir schon dort. Sprich, es dauert nicht mehr lange und ich habe ein ziemlich grosses Problem.

Ich muss Mr Doorman endlich erzählen, dass es mit seinen Plantagen so ist wie mit dem Christkind, dem Osterhasen und der Pressefreiheit in China: Es gibt sie nicht.

Das ist gar nicht so einfach. Je näher wir seinem vermeintlichen Geldsegen kommen, desto glücklicher wird mein Lieblingstürsteher. Seine Augen glänzen genauso wie seine stets polierten Uniformknöpfe, wenn er sagt: "Onkel Vladimir macht mich mit diesen Plantagen zum Millionär."

Ich schlucke leer. Und verschiebe den Moment der Wahrheit.

Etwas beklommene Grüsse

Ihre Frau Zappadong (die sich nie, nie, nie, nie, nie auf diese Sibirienfahrt hätte einlassen sollen)

Wichtige Pressemitteilung - Meinungsfreiheit

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In Abwesenheit von Frau Zappadong (sie weilt geschäftlich in Sibirien) habe ich als ihr Pressesprecher - nach Absprache mit Frau Zappadong, Amnesty International und der UNO -eine wichtige Mitteilung zu machen:

Wir begrüssen es ausserordentlich, dass das Versenden einer virtuellen Postkarte an einen gewissen Kurt in der Presse (FACTS) als Beispiel für Meinungsfreiheit angeführt wird. Das ist ein wichtiger und richtiger Schritt in die richtige Richtung. Damit wird endlich ein Signal gesetzt für all jene Ferienreisenden, die ihren Lieben mit einem etwas mulmigen Gefühl (tue ich das Falsche) eine bunte Ansichtskarte aus den Ferien mit “freundlichen” oder manchmal auch “geilen”, seltener “augenzwinkernden” Grüssen zukommen lassen.

Frau Zappadong wird in Zukunft alles daran setzen, sich für die Meinungsfreiheit einzusetzen. So dürfen ihre Kinder ab sofort bei Tisch sagen: “Ich mag keinen Spinat.”

Mit hochachtungsvollen Grüssen

Herr Dr. Ga-Ga, Studierter Irgendwas und Pressesprecher von Frau Zappadong

Postkarte aus Sibirien - für Kurt

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Drei geschlagene Stunden lang haben Mr Doorman und ich eine Poststelle gesucht. Wegen Kurt. Der hat nämlich eine Postkarte verdient. Doppelt und dreifach.

Hoch lebe Kurt. Lass dich nicht unterkriegen. Denn du bist Kurt, der Held ohne Helm und ohne Gurt, der Coole, der Brüller.

Augenzwinkernde Grüsse an Thinkabout - Hier kommt deine elektronische Postkarte:



Ihre Frau Zappadong mit einem Spezialgruss von Mr Doorman

Was man so alles stehlen kann

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Wir tuckeln gemütlich über holpriges Land (mittlerweile Mr Doormans Heimatboden), im Radio läuft Musik, mit der sich meine Ohren nicht unbedingt anfreunden wollen, unterbrochen von einer Sprache die mich an Svetlana erinnert.

(Zwischeneinschub: Herr Lightbringer, wenn Sie mit Svetlana nicht sprechen könnnen, ZEICHNEN Sie ihr doch auf, was sie zu tun hat. Nach dem Motto: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Ende Zwischeneinschub)

Mr Doormans Lachen reisst mich aus meinen schönen Gedanken, die alle etwas mit essen zu tun haben.

"Kennen Sie den FC St.Gallen?", fragt Mr Doorman. Nun, er gluckst eher als dass er fragt.
"Kein Fussball, Mr Doorman, kein Fussball. Bitte, bitte, bitte nicht", flehe ich. "Behalten Sie den Witz lieber für sich."

Das Glucksen neben mir hört augenblicklich auf. Mr Doorman umklammert das Lenkrad und stiert auf die Schotterstrasse vor uns (eine Abkürzung, die er unbedingt nehmen wollte).

Moment mal!

"Sagten Sie eben FC St. Gallen?", frage ich.

Natürlich erhalte ich keine Antwort. Nicht, nachdem ich meinen Lieblingstürsteher (von Lieblingsfahrer kann bei solchen Strassenzuständen keine Rede sein), so vor den Kopf gestossen habe.

"Ach, kommen Sie schon!" Ich knuffe ihn in den Arm.

"Nur wenn wir danach die russische Nationalhymne singen. Und danach Jingle Bells", erklärt Mr Doorman.

Zum Glück singe ich gerne!

Und dann erzählt mir Mr Doorman die verrückte Geschichte. Haben Sie gewusst, dass man bei hellheiterem Tag einen Penaltypunkt stehlen kann (und dabei noch Zeit findet, den eigenen Diebstahl fotografisch festzuhalten)? Vom heiligen Rasen eines Nationalliga-A Clubs? Falls nicht, hier ist die verrückte Geschichte - mit Bildern:

Vom gestohlenen Penaltypunkt

So ist es, das Leben. Mr Doorman und ich singen jetzt eine Runde.

Wort der Woche

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Während Mr Doorman und ich einigermassen (!) zügig nach Sibirien rottern, haben wir Zeit, uns über das Wort der Woche Gedanken zu machen. Nach einer sehr friedlichen Diskussion (es gab keine Toten) sind wir uns einig geworden:

Geschwurbel

Ja. Das gefällt uns.

Und dann hätten wir noch ein Sprüchlein für alle Politiker, die etwas länger brauchen bei der Meinungsbildung: "Wer zu spät auf einen fahrenden Zug aufspringen will, könnte auf den Geleisen landen."

Und bevor ich in Versuchung gerate, Ihnen noch mehr Geschwurbel um die Ohren respektive die Augen zu hauen, steige ich kurz aus, vertrete mir die Beine und esse den letzten Erdbeer-Schokoriegel.

Herzlichst

Ihre Frau Zappadong

Das Wort zum Donnerstag ...

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... kommt von "Bruder Bernhard":

Italien scheint eine Art Labor zu sein, wo Gott einen Menschenversuch durchführt. Anders ist das alles nicht mehr zu erklären. Jedenfalls scheint die Analyse noch auszustehen.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Ausser vielleicht: Amen.

Von unterwegs

Ihre Frau Zappadong

Spruch des Tages

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Bevor ich gleich in den klapprigen Wagen von Mr Doorman steige (eine Luxusmarke, allerdings gekauft auf dem russischen Schwarzmarkt und deshalb leicht rostig, leicht klapprig und u.U. nicht wirklich echt), rufe ich Ihnen noch den Spruch des Tages zu. Er stammt von Herrn Zappadong, der gestern beim Schauen der Nachrichten unvermittelt ausrief:

"Alle Macht den Schaben!"

(Der Ausruf könnte unter Umständen in Zusammenhang mit dem Ausgang der Wahlen in Italien gebracht werden, denn nach dieser spontanen Äusserung murmelte Herr Zappadong noch was von "schlimmer als das, was jetzt läuft, wäre das auch nicht.")

PS: Herr Lightbringer, könnten Sie vielleicht Frau Svetlana dazu bringen, endlich wieder einmal einen Schrubber in die Hand zu nehmen?

Herzlichst

Frau Zappadong

Raus aus dem Garten! Sofort!

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Fertig Lücke. Aber sofort! Mr Doorman und ich haben uns nämlich der Pflanzenquälung schuldig gemacht. Das sagt nicht irgendwer, sondern die Eidgenössische Ethikkommission für Biotechnologie. Sie kam zum Schluss, dass:

"eine willkürliche Schädigung von Pflanzen moralisch falsch sei. Wenn der Mensch die Entwicklungsfähigkeit einer Pflanze störe, müsse er gute Gründe haben, die diesen Schaden rechtfertigten."
(Quelle Tages Anzeiger; zum ganzen Artikel geht es: HIER)

Nun, Mr Doorman und ich haben zwar mit allen Blümchen nett gesprochen, die Erde um sie herum aufgelockert und einigen von ihnen sogar etwas vorgesungen. Aber - wir haben gnadenlos Unkraut aus dem Dreck gezerrt und hie und da ein Pflänzchen von seiner Familie entfernt (d.h. aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen) und in einem anderen Beet angesiedelt.

Selbstverständlich kann ich das nicht rechtfertigen (Mr Doorman schon, bedenkenlos!). Eine neue Lücke ist schon gefunden: Ich habe ebenfalls meinen Koffer gepackt und fahre jetzt mit meinem treuen Türsteher, Receptionisten und Meisterbügler nach Sibirien. Mal sehen, wie es seinen Orangen geht.

Bis dann.

Frau Zappadong

Mut zur Lücke

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Ein Bloggerkollege von mir hat zum Mut zur Lücke aufgefordert. Kaum hatte ich das Mr Doorman erzählt, packte er seinen Koffer und erklärte, er mache jetzt eine Weile "Lücke", sprich Ferien, und zwar in Sibiren, in einer seiner Obstplantagen, zusammen mit einem Schneehäschen, das er in St. Moritz kennen gelernt hat.

"Nichts da, Mr Doorman", habe ich erwidert. "Die ersten Blümchen blühen, unser Garten wartet. Wir machen unsere Internetlücke im Garten."

Wer sich erinnert, wie Mr Doorman letztes Jahr seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt hat, kann sich denken, dass der Koffer schnellstens in eine Ecke flog. Die Drehtür drehte geschlagene 10 Minuten weiter, mit so viel Schwung hatte sie Mr Doorman aufgestossen. Sobald ich es wage, sie mit blossen Händen zu stoppen, werde ich ihm folgen.

Mr Doorman und ich haben den Mut zur Lücke. Füllen Sie sich das folgende Blogloch doch mit etwas Sinnvollem (zum Beispiel dem Polieren des Zappadong-Tafelsilbers oder dem Ausmisten des Lamastalls).

Entspannte Grüsse

Frau Zappadong

Frau Zappdong wird persönlich - eine Erklärung

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Nachdem ich mit wachsender Wut, aber auch Verzweiflung und - schlimmer noch - einem ziemlichen Ohnmachtsgefühl mitverfolgt habe, wie bei uns in der Schweiz eine Politkultur überhand genommen hat, in der der Respekt gegenüber Andersdenkenden verloren gegangen ist, löst sich eine in die Ecke gedrängte Mehrheit in einer fast schon unheimlichen Wellenbewegung aus ihrer Erstarrung.

Monate-, ja fast jahrelang hat nun eine einzige Partei für sich in Anspruch genommen "das Volk" zu sein und "das Volk" zu repräsentieren. Wer nicht denkt, wie man in besagter Partei denkt, ist ein Verräter, kein richtiger Schweizer, er ist nicht "das Volk". Gehässigkeiten und abschätzige Bemerkungen gossen und giessen kübelweise über all jene, die anders denken als diese "Volkspartei." Neuster Höhepunkt ist eine bespielslose Hetzjagd gegen eine vom Parlament in demokratischer Weise gewählte Bundesrätin. Mit einer solchen holzschnitzartigen Taktik ist diese Partei in einem unheimlichen Tempo gewachsen, wobei ich weder verstand noch verstehe, warum das so ist (Sie können Ihre Erklärungsversuche gerne hier posten - ich stehe einer solchen Wand von Aggression, Arroganz, Überheblichkeit und Respektlosigkeit absolut ohnmächtig gegenüber).

Und endlich, endlich spüre ich deutlich, dass ich nicht alleine bin, wenn ich sage: Ich bin nicht das Volk, von dem diese Partei spricht. Aber ich gehöre zum Schweizer Volk. Einem Volk, das die Freiheit hat, eine eigene Meinung zu haben und sie vertreten zu dürfen. Ich will nicht von einer Partei vereinnahmt werden, die meint, genau zu wissen, was "das Volk" denkt - oder noch schlimmer: zu denken hat. Es bilden sich Bewegungen. Im Volk. Nicht dem Volk der besagten Partei, sondern dem Volk, das die Schweiz ausmacht, nämlich jenem, das man nicht über einen Kamm scheren kann und darf, weil gerade die Meinungsvielfalt ein freies Volk ausmacht.

Zum ersten Mal seit vielen Monaten habe ich so etwas wie Hoffnung. Nein, Illusionen habe ich keine. Die "Volkspartei" wird keine Ruhe geben, sie wird weiterhin Anstand und Respekt mit den Füssen treten. Aber vielleicht, vielleicht haben jene 70 Prozent, die diese Partei mit totalitärem Anspruch nicht gewählt haben, endlich wieder etwas Luft zum atmen. Lösen sich aus der Starre. Schliessen sich zusammen. Gewinnen Vertrauen in die Möglichkeit, dass diese selbsternannte "Volkspartei" nicht irgendwann alles überrennt und mit einem über 50-Prozent-Anteil aus der schweigenden Mehrheit eine mundtote Mehrheit macht.

Für einmal sehr persönlich

Ihre Frau Zappadong

Lahmgelegt ... und ein passender Spruch des Tages

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Rund 34'000 Unterschriften gingen seit Montagabend als Protestnote gegen den Umgang mit unserer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bis heute Mittag ein. Dann wurde die Seite lahmgelegt.

Gleiches passierte auf der Unterstützungsseite Forza Eveline. Nach rund 6400 Unterschriften ging nichts mehr.

Es gibt trotzdem Lichtblicke. Die Stadtzürcher FDP hält den Kopf aus dem Schützengraben und bietet der SVP die Stirn: Sie tritt mit einem eigenen Stadtratkandidaten an! Damit hat sie, finde ich, mindestens ein Blumensträusschen verdient. Mr Doorman geht noch einen Schritt weiter. Er schlägt die Aussage von FDP Finanzvorstand Martin Vollenwyder als Zitat des Tages vor. Diesem Antrag kann ich nur beipflichten. Hier ist es:

"Was ich jeden Mittwoch im Gemeinderat von Mauro Tuena (Erklärung von Frau Zappadong: Das ist der Kandidat der SVP, der eigentlich auf die FDP Unterstützung gezählt hat) höre, ist sogar noch unter der Gürtellinie, wenn man den Gürtel auf Knöchelhöhe trägt."
(Quelle: Tagesanzeiger)

PS: Der Server von Alliance F funktioniert wieder. Wenn Sie Ihren Protest noch nicht ausgedrückt haben, können Sie es hier tun. (Stand der Unterschriften um 14.17 Uhr: 36493)

Ihre Frau Zappadong

(Fast) alles, was es zur Bankenkrise zu sagen gibt ...

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... bringt der Zgraggen Schagg so ziemlich auf den Punkt. Hier.

Und wenn wir schon bei dem Urgestein aus Uri sind: Mr Doorman findet, der gehört auf jeden Fall zur täglichen Lektüre. Ich finde das auch.

Vor allem, weil der Schagg bereitwillig die Schuld auf sich genommen hat, dass die SVP die 50 Prozent-Marke in seinem Kanton nicht geschafft hat. Lesen Sie selbst: Hier.

Und wenn wir schon bei der "Säuberungsaktionspartei" sind: Haben Sie die Protestnote schon unterschrieben?

Herzliche Grüsse aus dem alltäglichen Wahnsinn

Frau Zappadong

Protest

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Mr Doorman und ich haben schon protestiert. Bitte schliessen Sie sich uns und der Aktion von allicance F an:

Solidarität mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

alliance F verurteilt aufs Schärfste den rüden Umgang mit der nach rechtsstaatlichen und demokratischen Grundsätzen gewählten Bundesrätin. Sie lehnt die Diffamierungen gegenüber Eveline Widmer-Schlumpf kategorisch ab und spricht sich deutlich für eine anständige und tolerante politische Kultur aus.

Mit dem Senden der Protestnote bezeugen Sie Ihre Solidarität mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.Die gesammelten Unterschriften übergeben wir ihr als Geschenk und Zeichen der Unterstützung.

Zur Protestnote geht es hier: PROTESTNOTE

Danke.

Ihre Frau Zappadong



Monster-Mais

Der Firma Monsanto ist es gelungen, in normalen Mais ein Gen einzupflanzen, das den Mais für Schadinsekten giftig macht und damit, könnte man sagen, resistent. In Deutschland ist der Anbau dieser Pflanze jetzt vom Bundesverbraucherschutzminister Seehofer genehmigt worden (Seehofer! Seehofer! Seehofer!).

Wie so vieles in Deutschland wird auch diese Entscheidung am Volk vorbei geprügelt, in Beschwichtigungen erstickt, mit schönen Worten verschleiert. Die Öffentlichkeit nimmt kaum Notiz davon. Was ist an diesem Gen-Mais so furchterregend?

Zuerst mal nichts. Der Mais wird auf Millionen Hektar in den USA angebaut, und die leben ja noch alle, oder? Auch in Südamerika (vor allem Argentinien) stehen Massen dieser Maispflanzen. Dass die Firma Monsanto ein Patent auf diesen Mais hat, ist ja normal. Schließlich haben sie den auch entwickelt, und die Kosten müssen wieder hereinkommen.

Hier beginnen die Probleme. Jeder Bauer verwendet einen Teil seiner Ernte als Saatgut für das nächste Jahr. Das geht bei MON 810 nicht ohne Lizenzzahlungen an Monsanto! Und diese Firma schreckt nicht davor zurück, Kontrolleure auszusenden, die die Bauern notfalls verklagen. Da sich der Mais auch über Pollen, Insekten und Vögel verbreitet, kann Monsanto im schlechtesten Fall auch für Felder Lizenzen verlangen, die gar nicht bewusst mit MON 810 bepflanzt wurden (einfach, weil zufällig eine andere Pflanze mit MON 810 bestäubt wurde).

Außerdem weiß niemand, welche Auswirkungen diese veränderten Pflanzen auf längere Sicht auf die Menschen haben. Ich zitiere dazu diese Seite, die es ziemlich gut zusammenfasst:


Es gibt bisher keinerlei Langzeitstudien, welche Auswirkungen der Verzehr von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln auf Mensch und Tier hat. Die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse stammen aus den Labors der Hersteller. Wie es um die Informationspolitik der großen Pharma-Konzerne bestellt ist, weiß man. Nichts, was die Vermarktung behindern könnte, gelangt an die Öffentlichkeit, es sei denn, durch eine Panne oder eine bewusste Indiskretion eines Einzelnen. Die wenigen Erkenntnisse anderer Wissenschaftler sind durchweg von skeptisch bis negativ zu bewerten. Tatsache ist, dass bei regelmäßigem Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen Fragmente der DNA im Blut nachzuweisen sind. Doch das ist nichts besonderes, denn das funktioniert bei natürlichen Pflanzen auch. Nur haben natürliche Pflanzen auch natürliche DNA, gentechnisch veränderte Pflanzen verfügen aber über "synthetische, also künstlich geschaffene Gene", wie bei MON 810 das BT-Toxin. Das Shaare Zedek Medical Center in Jerusalem hat nachgewiesen, dass Nahrungs-DNA Wirkung auf unser Immunsystem haben kann. Welche Wirkung mögen synthetische DNA auf unser Immunsystem haben?



In Deutschland wurde eine Initiative gestartet, die dem Treiben der Gen-Industrie etwas Einhalt gebieten soll. Je mehr Leute sich daran beteiligen, desto wirksamer wird das Ganze. Der Aufwand für den Einzelnen ist sehr überschaubar. Die Wirkung allerdings potenziert sich auf ein Mass, das es den gewinnorientierten Firmen schwer machen wird, diesen Gewinn auch wirklich zu realisieren. Auf die Gefahr hin, wie ein Sektenprediger zu wirken:

Gentechnik geht uns alle an! Vor allem unsere Kinder!

Gruß Alex L.

Carry only what you fear - Trust none of what you hear

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Wie Sie sich vielleicht gedacht haben, war ich nicht wirklich im Panikraum (wer will schon eine ganze Woche Erdbeer-Schokolade essen).

Familie Zappadong fuhr in ein Land, in dem kein nettes, hübsches Fräulein den Wetterbericht im Fernsehen zu einem peinlichen Event macht, sondern ein strammer Herr in Militäruniform die Vorhersage herunterrattert, und wo im morgendlichen Nachrichtenblock ein als Sprecher getarnter älterer Herr drei Beiträge präsentiert, in denen ungehemmt Werbung für neue Autotypen gemacht wird.

Auf dem Nachhauseweg stellten wir im Autoradio die heimischen Nachrichten ein, in der Hoffung, etwas Seriöses zu hören, aber dummerweise hatte Parteihäuptling Toni Brunner gerade verkündet, dass es mit der Schweiz total den Bach hinuntergeht, und zwar so total und brutal, dass mir nur noch übrig bleibt, Sie, liebe nichtschweizerische Blogleser, dringend davor zu warnen, unser Land in den nächsten 1291 Jahren zu betreten - oder sonst auf eigene Gefahr. Nehmen Sie am besten Hellebarde und Morgenstern mit und hüten Sie sich vor Morgarten.

Wie singt Bruce Springsteen so schön?

Now there's a fire down below
But it's coming up here
So leave everything you know
Carry only what you fear
On the road the sun is sinkin' low
Bodies hanging in the trees
This is what will be
This is what will be

Hier ist das Video dazu und den ganzen Songtext finden Sie hier: Magic



PS: Wenn Sie erraten können, wo Familie Zappadong in den Ferien war, schenke ich Ihnen eine Tafel Erdbeer-Schokolade.

Ihre Frau Zappadong

Ein neues Spiel

Das Deutschland und die Schweiz (eigentlich komisch, dass man für Deutschland normalerweise keinen Artikel benutzt, aber für die Schweiz schon. Warum ist die Schweiz weiblich?) haben ja jetzt wieder etwas mehr gemeinsam. Ihre Banken können nicht mit Geld umgehen.

Nach den läppischen Verlusten der deutschen WestLB (8,5 Milliarden Euro) und anderen Banken reiht sich die UBS nahtlos in diese Liste ein. 12 Milliarden Schweizer Franken verbrannt. Da die WestLB (so wie auch die bayrische Landesbank, von mir geschätzte 4 Milliarden Brenngeld) zu großen Teilen dem Staat gehört, muss der auch gerade stehen. Das wiederum bringt den Steuerzahler aufs Tapet, der mit seinen zusammengekratzten Milliarden das Loch stopfen soll.

Auf der anderen Seite wird ein Transrapid, der das Vorzeigemodell deutscher Industrie sein soll und in China bereits patentwidrig kopiert wird, in Deutschland jetzt nicht gebaut, weil da irgendwo zwei Milliarden fehlen. Ich werde die Politik nie kapieren.

Darum bin ich für folgenden Link dankbar: jetzt kommt ein Spiel auf den Markt, bei dem die Bankenkrise auch einem Kleinkind schon mundgerecht erklärt wird. Sehenswert.

Gruß Alex L.

Bricht die Hölle los?

In einer Universität in Washington stellte ein Chemie-Professor seinen Schülern folgende Bonus-Frage

"Ist die Hölle exotherm (gibt sie Wärme ab) oder endotherm (nimmt sie Wärme auf)?"

Die meisten Studenten versuchten, ihre Glaubensgrundsätze mit Boyles Gesetz in Einklang zu bringen (Gas erhitzt sich bei Komprimierung und kühlt sich bei Expansion ab). Ein Student schrieb allerdings das Folgende:

Zuerst müssen wir feststellen, wie sich die Masse der Hölle mit der Zeit ändert. Daher müssen wir wissen, wie viele Seelen in die Hölle kommen und wie viele diese wieder verlassen.

Ich denke, wir können als sicher annehmen, dass eine Seele, einmal in der Hölle, für immer dort bleibt. Also: keine Seele verlässt die Hölle.

Um die Zahl der Seelen festzustellen, die in die Hölle kommen, müssen wir einen Blick auf die verschiedenen Religionen werfen, die auf der Erde existieren. Einige dieser Religionen konstatieren, dass, wenn Sie nicht dieser Religion angehören, Ihre Seele zur Hölle fährt. Da es mehr als eine solche Religion gibt, und weil Menschen normalerweise nur einer Religion angehören, können wir vorhersagen, dass alle Seelen in der Hölle landen.

Mit den momentanen Geburts- und Todesraten sollte die Anzahl der Seelen in der Hölle also exponentiell wachsen.

Betrachten wir jetzt die Veränderung des Volumens der Hölle. Boyles Gesetz sagt aus, dass, um Temperatur und Druck konstant zu halten, das Volumen der Hölle größer werden muss, wenn mehr Seelen dazu kommen.

Das gibt uns zwei Möglichkeiten:

1. Wenn die Hölle mit einer langsameren Rate expandiert als die Rate, mit der Seelen hinzukommen, wird die Temperatur und der Druck steigen, bis die Hölle losbricht.
2. Wenn natürlich die Hölle schneller expandiert als der Zuwachs der Seelen, dann werden Temperatur und Druck sinken und die Hölle gefrieren.

Welche der zwei Möglichkeiten ist es nun? Wenn wir die Vorhersage akzeptieren, die Miss Teresa Banyan in meinem ersten Semester aufgestellt hat,

"... dass es ein kalter Tag in der Hölle sein wird, bevor ich mit dir schlafe."

und die Tatsache berücksichtigen, dass ich immer noch keinen Erfolg darin gehabt habe, mit ihr sexuelle Beziehungen aufzubauen, dann kann Alternative 2 nicht wahr sein, und so bin ich sicher, dass die Hölle exotherm ist und nicht gefrieren wird.


Der Student war der Einzige, der eine 1 bekommen hat.

Gruß Alex L.