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Adopt-a-Bundesrat, Teil II

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"Frau Zaaaaappppaaaaadooooong"

Oha. Ich halte drei Sekunden den Atem an (ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig), atme sechs Sekunden lang ruhig aus (ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig) und rufe zurück.

"Ja?" Ich glaube und hoffe, ich klinge gefasst genug.
"DAS IST NICHT LUSTIG!", ruft Mr Doorman.
Wenn er damit das Zweierticket für die Bundesratswahl meint: Nein, das ist wahrlich nicht lustig. Das meint er aber nicht. Er sitzt vor dem Computer und zeigt auf das da.

"ähm, das sollte ja auch nicht lustig sein", erkläre ich.
"Aha."
"Aha?"
"Ja. Aha."
"Sonst noch was?" (Ich meine, ich mag den Typen, aber er hat schon so seine Mödeli)
"Ja."
Stille.
"Ja, was?"
Mr Doorman windet sich. "Ich habe ein Problem", gesteht er nach einer gefühlten Ewigkeit.
Das kann ich mir schon vorstellen, aber ich sage nichts und warte, bis er selber damit herausrückt.
"ähm ... na ja ... es ist so .... Kann man sich von einer Adoption zurückziehen?"
Ich lasse meinen Türsteher noch ein bisschen schwitzen und sage immer noch nichts.
"Weil ... nun ... ich wollte ja einen Bundesrat adoptieren."
"Und das wollen Sie jetzt nicht mehr?", frage ich.
Er schüttelt den Kopf. "Den Ueli will ich nicht."

Mit diesem Nichtwollen ist er wahrlich nicht der Einzige. Auch mir reicht Herr Maurer im Bundeshaus, im Zappadong-Gebäude möchte ich ihn eigentlich nicht unbedingt beherbergen müssen. Also helfe ich. "Haben Sie etwas unterschrieben?", will ich wissen.
"Nein ..." Mr Doorman guckt mich verlegen an. "Aber ich habe mein Wort gegeben, dass ich die Nummer zwei adoptiere."
Ich lache.
"Was ist?", fährt mich Mr Doorman an.
"Passen Sie auf", hole ich Anlauf. "Der Ueli hat vor ein paar Tagen deutlich gesagt Ich stehe nicht zur Verfügung. Und gestern hat er erklärt, Ich stehe zur Verfügung."
Es dauert ein paar Sekunden, bis die Nachricht bei Mr Doorman ankommt. Er kehrt mir wortlos den Rücken zu, greift zum Telefon und wählt eine Nummer. Wenig später höre ich ihn sagen: "Ich habe am Montag gesagt, Ich adoptiere die Nummer zwei, und heute sage ich, Ich adoptiere die Nummer zwei nicht."

Das wäre erledigt, denke ich. Ein Problem haben wir noch. Auch dieser Beitrag ist nicht besonders lustig. Wenn Sie lachen wollen, nehmen Sie doch bitte eine Prise hiervon.

"Noch was!", ruft Mr Doorman.
Jetzt bedankt er sich gleich denke ich. Denkste.
"Das war schon wieder keine eigenes Thema, Frau Zappadong!"
Ich atme drei Sekunden lang tief ein (ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig), atme sechs Sekunden lang ruhig aus (ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig, ein-und-zwanzig) packe die weisse Schoggi aus, die ich für Mara gekauft habe und beginne zu essen (Mara, wenn Sie auch was davon wollen, müssen Sie sich beeilen).

Ihre Frau Zappadong

Eigene Themen setzen, Teil II - Draussen in der ungeschützten Welt

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"... sondern eben wenigstens ab und an eigene pflänzchen setzen, um so vielleicht gar nebst dem spass am spass das eigene gewächshaus verlassen und auch noch was inputen könnten, draussen in der ungeschützten welt - ist das zuviel verlangt von bloggern?"

Das hat André in einem Kommentar zu Teil I gefragt - und damit das Thema für heute gesetzt, das zwar nicht ein exklusives eigenes Thema und schon gar nicht neu ist, aber eines, über das zu reden / schreiben sich immer lohnt.

Ich kann die Frage nur für mich beantworten, denn das Bloggen ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Und so lasse ich Mr Doorman weitersurfen und werde für einmal so richtig ernst.

Hier in Zappadong-Hausen leben wir die Realsatire der ungeschützten Welt da draussen. D.h. nicht der ganzen Welt. Es gibt Themen, da bleibt Frau Zappadong alles im Hals stecken (zum Beispiel der Konflikt, über den andré in seinem Blog berichtet). Die fiktive Einwohnerschaft von Zappadong-Hausen hat ihre eigenen Geschichten, die geprägt sind von den Themen, welche das Tagesgeschehen und der allgemeine Zustand der Welt vorgibt. Um unserer geistigen Gesundheit Willen nehmen wir hier sehr wenig ernst und dafür einiges aufs Korn. Ein paar Themen (wie Weihnachtsfeiern mit Mr Doormans Verwandtschaft oder die Orangen-Plantagen in Sibirien) besetzen wir exklusiv, andere nehmen wir auf und spinnen sie weiter oder verspinnen sie zu etwas nicht immer Geniessbarem.

Zappadong-Hausen ist ein Ort, den man umfahren kann, wie man viele Orte umfahren kann. In Zappadong-Hausen wird weder Geschichte geschrieben noch hat Zappadong-Hausen einen Einfluss auf die Geschichte. Manchmal tankt hier einer Benzin oder eine kauft Brötchen ein oder jemand guckt durch die Drehtür (was im Moment etwas schwierig ist). Wenn wir Besuch erhalten, freut uns das, wenn niemand kommt, putzen wir den Panikraum, gucken Filme im Filmsaal, schleppen uns in den 33. Stock und stemmen ein paar Gewichte im Fitnessraum. Danach essen wir gerne Schokolade und dekorieren glücklich unseren Panikraum.

Mehr Anspruch stellen wir in Zappadong-Hausen nicht. Zugegeben, das ist nicht viel. Nun ist aber Zappadong-Hausen nur ein Blog von ganz vielen. Es gibt unzählige Blogs, die sich mit der ungeschützten Welt da draussen sehr ernsthaft auseinandersetzen - auch mit Themen, bei denen mir übel und schwindlig wird. Dort lege ich - nicht immer zum Wohl meiner geistigen Gesundheit - meine Landpomeranzen-Flappsigkeit ab und werde ernst. Aber hier, in Zappadong-Hausen, esse ich gerne Schokolade und spiele mit Mr Doorman ab und zu eine Runde Russisch Roulette.

PS: Wenn mir nach ernsthaftem Bloggen zumute ist, setze ich mich in meine Stammbeiz und setze mich und meine Schreibe der ungeschützten Welt aus.

Update (etwas später am Morgen): Einen Eindruck der Vielfalt von Blogs können Sie gewinnen, wenn Sie auf die Links der Blogroll klicken - Sie werden ein wahres Sammelsurium an Variationen finden, und das alleine auf dieser relativ kurzen Liste.

Ihre Frau Zappadong

Eigene Themen setzen!

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Ich komme einem häufig geäusserten Wunsch an Blogger nach und setze ein eigenes Thema:

Weihnachtsstern. Nicht den am Himmel, sondern den im Blumentopf. (Haben Sie bemerkt, wie liebevoll ich das Thema gesetzt habe? Falls ja: Danke.)

Da war ich doch heute Morgen auswärts eingeladen (ja, ich musste erst aus dem Loch ans Tageslicht kriechen und nein, das hat keinen Spass gemacht, und nochmals nein, Mr Doorman kam nicht mit, der suft immer noch durch die virtuelle Welt ... ich sag jetzt nicht, was er sucht, sonst bekomme ich Ärger).

Dort, wo ich hinging, musste ich nicht putzen, sondern ich durfte erzählen und Fragen beantworten, also eine wesentlich angenehmere Angelegentheit als Böden im Panikraum zu schrubben. Als Dank schenkte man mir - nebst einer angemessenen Entlöhnung, mit der ich den Schokovorrat im Panikraum auffüllen kann - den Topf auf dem Tisch. Im Topf stand ein sehr schöner Weihnachtsstern und leuchtete knallrot. Wunderschön.

Dort (ich weiss, Wortwiederholung; beschweren Sie sich anderswo), auf dem Tisch, im Topf, steht der Weihnachtsstern immer noch.

Nein, die Geschichte hat keine witzigere Pointe. Wenn Sie sich darum betrogen fühlen, besuchen Sie Bruder Bernhard. Der setzt auch eigene Themen.

Update später am Abend: Auch Mara setzt heute ein eigenes Thema und stellt ein paar spannende Fragen.

Ihre weihnachtsstern- und hirnlose (aber immerhin Themen setzende)

Frau Zappadong

Adopt-a-Bundesrat

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"Mmmmm ....", brummt Mr Doorman, der virtuell unterwegs ist statt mir beim Schrubben des Bodens zu helfen, dem man immer noch die Invasion der italienischen Gewerkschafter ansieht.
"Was mmmmmmm...?" frage ich.
"Das mit dem Adopt-a-Journalist ist irgendwie daneben gegangen."
Ich tauche die Finger in den Putzkübel. "Warum? Finden Sie keine passende Dame?"
"Das ist es nicht. Ist nicht lustig." Er seufzt, um gleich danach die Finger über die Tasten fliegen zu lassen.
Ich putze. Er surft.
Ich putze immer noch, als er ein begeistertes "Das ist es!" so laut in den Raum brüllt, dass es von den Wänden zurückhalt. ....es.....es......es.......es.......es
Mir fällt vor Schreck die Schrubbbürste aus der Hand.
"Ich adoptiere einen Bundesrat!", ruft Mr Doorman.
"Aha", sage ich.
"Ja!", sagt er.
Ich hebe die Bürste auf und tauche den Lappen in den Eimer.
"Wissen Sie", beginnt Mr Doorman.
Ich weiss nicht. Aber putzen kann ich. Also winde ich den Lappen aus, drappiere ihn um die Bürste und schrubbe weiter.
"Jetzt wählen wir ja dann vielleicht den Zweitbesten zum Bundesrat."
"Wir?", frage ich und erinnere Mr Doorman an seine Nationalität - und daran, dass keiner von uns beiden im Parlament sitzt und deshalb gar nicht wählen kann. Nicht den Bundesrat.
Er wedelt den Einwand locker weg.
"Es sagen ja alle, dass sie den Fähigsten nicht wollen", fährt er unbeirrt fort. "Also bekommen wir nur den Zweitbesten. Das sagt auch Monsieur Mörgeli."
"Und? Den wollen Sie adoptieren?"
"Den Mörgeli? Nein."
"Den Bundesrat." Ich rolle mit den Augen, was Mr Doorman zum Glück entgeht.
"Ja", bekräftigt er.
"Warum?"
"Weil er mir leid tut. Stellen Sie sich vor, Sie werden in so ein Amt gewählt und alle wissen, dass sie nur der Zweitbeste sind. Da müssen Sie einfach Komplexe entwickeln."
Da hat Mr Doorman nun tatsächlich recht.
"Und Sie denken, Sie können dem Zweitbesten helfen, indem Sie ihn adoptieren?"
Mr Doorman nickt eifrig. "Zwei Wochen unter meinen Fittichen und er weiss, er ist der Beste."
Das hat was. Aber lustig ist das nicht.

Gutes tun

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Das ist gar nicht so einfach, hier im Panikraum, ungefähr 20 Meter unter der Erde.
Eigentlich wollten Mr Doorman und ich einfach nur gemütlich zusammensitzen, Schokolade essen und darüber plaudern, was so passiert ist die letzten Wochen. Aber dann haben wir blöderweise virtuell bei ugugu vorbeigeschaut (unterirdischer Internetanschluss sei Dank), und der hat uns an den Advent und die damit verbundenen Pflichten erinnert.

Zum Glück hat ugugu auch gleich einen wunderbaren Vorschlag gemacht. Und deshalb wollen wir jetzt einen Journalisten adoptieren. Leider geraten wir uns schon beim Grundsätzlichen in die Haare: Ich hätte gerne einen jungen, knackigen, verwegen aussehenden Typen, der nicht allzuschrottige Headlines fabriziert; Mr Doorman stellt sich eher etwas Blondes, Langbeiniges vor, das vor allem gut aussieht, gut riecht und gut kochen kann.

Mal sehen.

Nur falls Sie sich fragen ...

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Ja, Mr Doorman und ich haben es geschafft. Gerade noch rechtzeitig. Wir sind hier:

Grüsse aus dem Panikraum

Frau Zappadong

10 Millionen Viren, Teil II

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"Das lasse ich mir nicht bieten", brummte Mr Doorman, als er vom Plumsklo zurückkehrte.
"Es tut mir ja leid, ich weiss, ich hätte das Gebäude nicht versenken sollen", antwortete ich niedergeschlagen. Ich wollte meinen Türsteher nicht schon wieder verlieren, bevor ich ihn richtig zurück hatte.
"Es ist nicht wegen Ihnen, Frau Zappadong." Mr Doorman setzte sich zu mir ans Feuer und seufzte. "Es ist die Zeitung. Der Titel der Virengeschichte ist wirklich be.... nicht gut."
"Da haben Sie allerdings recht. Nur, was wollen Sie dagegen tun?"

Darüber musste Mr Doorman eine Weile nachdenken. Dann erklärte er: "Ich schreibe denen einen Brief." Er brütete einen Moment vor sich hin und fuhr fort: "Oder noch besser, ich schreibe einen Kommentar. Dieses neumodische Zeugs bei den Bildschirmzeitungen."
"Tun Sie das", sagte ich.
"Wenn ich wüsste, wie das geht ...."
"Kein Problem." Ich führt Mr Doorman in mein Zelt und schaltete das Maschinchen ein. Kurze Zeit später waren wir - Wunder moderner Technik - mit der Zeitung elektronisch verbunden.

Mr Doorman suchte den Weg zur Kommentarfunktion und blieb an folgendem Satz hängen:

Ab sofort wird Newsnetz keine Kommentare mit Phantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen veröffentlichen. Bitte haben Sie Verständnis für diese Massnahme.

"ähm, was ist das?", fragte Mr Doorman.
"Neu", erklärte ich. "Das ist neu. Damit Sie sich nicht als Mickey Mouse oder Barack Obama anmelden."
"Aha. " Es klang wie eine Frage.
"Ich zeige es Ihnen", bot ich meinem Türsteher an und klickte uns in die Kommentarspalten.

Hier ist, was wir (unter anderem) fanden:

no credit to take over
Guns Roses
Eben Geschieden
Kinder Leiden

Mr Doorman kratzte sich am Kopf. "Denken Sie, die heissen wirklich so?", fragte er.
"Nein", antwortete ich. "Ich denke, die haben sich alle am redaktionellen Kontrollposten vorbeigeschlichen."
"Aber dann ... dann machen die Bestimmungen ja gar keinen Sinn."
Ich widersprach nicht, sondern fragte: "Und jetzt, wie werden Sie sich anmelden?"
"Das werden Sie gleich sehen." Mr Doorman grinste. Ich guckte ihm über die Schulter und sah:

Vorname: Plums
Nachname: Klo

Herzliche Grüsse - Und vergessen Sie nicht: Immer schön ehrlich bleiben beim Eingeben von Phantasienamen!

Ihre Frau Zappadong

10 Millionen Viren

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Die Freude über das Wiedersehen mit Mr Doorman wurde getrübt, als er nach einem friedlichen Abend am glimmenden Lagerfeuer aufs Stille Örtchen musste.

"Wo ist es denn?", fragte er.
Ich deutete auf ein windschiefes Holzhüttchen.
"PLUMSKLO??!!!", rief er.
"Na ja", antwortete ich, "unsere blitzblankpolierten WCs sind im Zappadong-Gebäude. Und das steckt tief im Dreck unter der Erde."
"Ja, aber ... " Mr Doorman holte Luft. "Wissen Sie wie gefährlich das ist????"
Gefährlich? Nun, etwas unangenehm ist so ein Plumsklo schon, aber gefährlich? Ich schüttelte den Kopf (muss der Einfluss des Gemeindepolizisten sein).
"Frau Zappadong!", schrie Mr Doorman. "In einem Gramm Kacke hat es 10 Millionen Viren."
Ich hielt ihm die Zeitung hin, in welcher er den Artikel gelesen hatte. Und dann sagte ich ihm, was er damit tun konnte, dort, auf dem Plumsklo.

Noch mal gut gegangen

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Also. Da sassen der Gemeindevater und ich am Feuer und assen Biowürste vom Biobauern Res. Warm hatten wir es auch, dank eines Feuers, das seinen Ursprung in einem illegalen (weil ohne Baubewilligung erstellten) Holzbiigli hatte.

Als es gerade so richtig obergemütlich wurde, näherten sich Schritte und aus dem Dunkeln trat der Gemeindepolizist.
"Hoi", sagten der Gemeindevater und ich fröhlich und boten dem guten Mann an, sich zu uns zu setzen.
"Guten Abend."
So förmlich? Oha. Da bahnte sich etwas an. Und was!

"Zappadong, ich muss dich auf den Posten mitnehmen."
"Willst du dich nicht setzen und hier mit mir sprechen? Ich habe noch irgendwo eine Biow..."
"Geht nicht, musst mitkommen."
(Hab ich schon erwähnt, dass man sich auf dem Land duzt?)
"Warum? Wegen dem Holzstapel?", wollte ich wissen.
Er schüttelte den Kopf.
"Ist es wegen des Lochs, das ich buddle?"
Wieder schüttelte ich den Kopf.
"Hat mich Svetlana angezeigt, weil sie sich ausgebeutet gefühlt hat?"
Nochmals ein Kopfschütteln.
Da fiel mir nichts mehr ein.

Es sah auch nicht nach Verhandlungsspielraum aus. Wenn einer eine Reswurst ausschlägt, dann ist die Lage ernst. Und ganz ehrlich: Ich wollte schon immer mal mit einem Streifenwagen fahren. Am liebsten mit Blaulicht, aber der Gemeindepolizist meinte, so schlimm sei es denn nun auch wieder nicht.

Eine Weile später sassen wir bei ihm im Büro. Da war es zwar auch warm, aber es brannte kein Feuer.
"Du wirst beschuldigt, an einer Verschwörung teilgenommen zu haben."
"Einer WAS?"
"Einer Verschwörung", wiederholte er.
"Weil ich ein Loch in den Boden grabe?????"
"Nein, weil du etwas unterschrieben hast."
Mein Hirn versuchte, einen Gang höher zu schalten. Unterschrieben? Was hatte ich denn unterschrieben?
"Meinst du die Schultests von Zap-padong?", fragte ich etwas ratlos.
Er schüttelte den Kopf. Schon wieder. Wenn das nur nicht zur Gewohnheit wurde. Dann öffnete er eine Schublade und hielt mir ein Blatt Papier hin.
"Ach das!", sagte ich.
"Ja, das!", sagte er. (Wenigstens schüttelte er nicht den Kopf).
"Das haben über 60'000 andere auch unterschrieben. Gehört zu unserer Schweizer Demokratie, das mit den Referenden und so."
"Aber doch nicht DAS DA!" Er tippte mit dem Zeigefinger drei Mal heftig auf das Papier.
"Warum?"
"Weil das eine Verschwörung ist. Hier." Wieder griff er in die Schublade und zog ein Beweisstück heraus.
"Himmel noch mal!", rief ich. "Jetzt ist man also eine Verschwörerin, wenn man keinen biometrischen Pass will?!?"
"Ja."
"Du findest es also in Ordnung, wenn man in seinem Pass einen Chip und Fingerabdrücke hat?", fragte ich.
Er schwieg. Aber ich sah genau, dass er den Kopf schüttelte. Nur, der arme Kerl hatte seinen Job zu tun. Und so fragte ich: "Was tun wir denn jetzt?"
"Hast du jemanden, der für dich bürgt?"
"Für mich bürgt?"
"Ja, jemanden, der bezeugt, dass du in Ordnung bist. Also keine Verschwörung planst."
"Klar doch", antwortete ich. "Dich."
"Ich zähle leider nicht."

Jemand klopfte ans Fenster. "Ich", drang es gedämpft durch die Scheibe.
Ich guckte nach draussen und mein Herz machte einen dreifachen Salto.
Vier Minuten später stand ich vor der Tür, in der kalten Nacht.
"Frau Zappadong, Sie kann man aber auch keine Minute alleine lassen!"
Ich guckte ein bisschen zerknirscht, um Mr Doorman eine Freude zu machen. Dann sagte ich: "Ich dachte, Sie sind auf Weltreise."
"War ich auch. Auf dem Weg nach Süden in Patagonien. Aber dann las ich in einer Zeitung von einer Irren, die ein 33 Stockwerke hohes Gebäude versenkt hat und das nun ausbuddeln will. Da dachte ich mir, es wäre wohl angebracht, nach Hause zu kommen."
Angebracht? Komische Wörter kennt er, der Mr Doorman. Mir soll's egal sein. Hauptsache, er ist hier.

Frau Zappdong

Konsequenz

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Während ich fleissig schaufelte (kennt jemand ein Mittel gegen Blasen an den Händen?), hat mir jemand still und leise (und anonym) ein hübsches Holzbiigeli auf den Acker gestellt.

Die Freude daran hielt genau bis zum ersten Lagerfeuer. Da sass ich, mit mir und der Welt zufrieden und hielt eine Wurscht über die Glut. Gerade als ich herzhaft hineinbeissen wollte, tauchte aus dem Dunkel einer der Gemeindeväter auf.

"Setz dich", lud ich ihn ein. "Willst du auch einen Bissen?"
Umständlich liess er sich auf einer Bierkiste nieder und scharrte dann nervös mit den Füssen im Dreck herum.
"Was ist?", fragte ich. "Die Wurst ist vom Res, dem Biobauern. Kannst also ruhig zugreifen."
"Zappadong .... ähm ...", er scharrte noch ein wenig mehr. "Es ist mir grausam peinlich, aber die da oben in St. Gallen haben irgendso einen Furz losgelassen."
"Oha. Lass mich raten. Ich darf keine Biowürste braten. Nicht in der freien Natur nach 20.00 Uhr."
"Das wäre auch ein Furz", gibt er zu. "Aber es geht um etwas anderes. Du brauchst eine Baubewilligung."
"Eine Baubewilligung? Für ein Loch zu einem versenkten Gebäude?"
Er schüttelte den Kopf. "Für dein Holzbiigli."
"Für mein .... Holzbiigli????"
Er zog ein Papier aus seiner Tasche und ich glaubte, ihn "Idioten" brummen zu hören.
Dann hielt er mir das Dingens hin:

Konsequente Einhaltung von Baubewilligungen

Ich nahm ihm das Dingens aus der Hand und warf es ins Feuer. Dann setzten wir uns hin, tranken Bier und assen Biowürste.

Ihre Frau Zappadong

Es kommt noch dicker

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Geht nicht?, denken Sie.

Ha, weit gefehlt. Der Herr UBS Verwaltungsrat, der sich gestern um das Vertrauen foutiert hat, hat heute eine Begründung nachgeliefert, die noch viel hanebüchener ist als der sonst schon irre Verkauf seiner UBS-Aktien.

Stellen Sie sich vor: Er hat ALLE seine Aktien verkauft, weil er nach dem Kollaps der US Bank Lehmann Brothers Mitte September entschieden habe "seine ganzen Aktienbestand zu verkaufen - aufgrund seiner Einschätzung des Geldmarkts." Und so einer sitzt im Verwaltungsrat einer Bank. Halt. Nicht EINER Bank. Sondern der Bank, die sich mit unseren Steuergeldern durch die Krise retten soll. Da sage ich: Gute Nacht, Schweiz (und könnte ich bitte das Geld zurück haben, dass der Staat so fürsorglich in meinem - und aller Schweizer - Namen der Bank hinterhergeworfen hat)!

Nicht um dicker, sondern um tiefer geht es nun. Nämlich um die Tiefe der Gürtellinie. Oliver Reichenstein hat sie heute noch einmal um ein paar Zentimeter (na ja, eigentlich Dezimeter) gesenkt. Er hat jetzt begonnen, Blogger zu outen. Wenn das so weitergeht, muss ich mir den Gürtel bald einmal um den Knöchel schnallen....

Ihre Frau Zappadong

Vom Regen in die Traufe

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Nicht nur, dass es auf mein Zelt schifft, ich den Schnee auf den Bergen mittlerweile gesichtet habe und mir kein Mensch Brennholz anbietet ... nein ... da tritt auch noch der oberste Militärler, Bundesrat Samuel Schmid auf Ende Jahr zurück.

Das bringt mich jetzt in eine echte Zwickmühle. Das Zelt über meinem Kopf ist nämlich ein Armeezelt, das mir jemand, den ich hier lieber nicht beim Namen nenne, organisiert hat. "Aber...", hat mir dieser Jemand erklärt, "das Zelt kannst du nur bis zum Rücktritt von Bundesrat Schmid behalten."

Nun, darin sah ich überhaupt kein Problem. Der Herr Schmid, der wird eh nicht zurücktreten, nicht vor 2011, dachte ich. Und überhaupt: Das Loch zum Zappadong-Gebäude sollte vor dem ersten grossen Schnee gegraben sein.

Jetzt liegt der Schnee zum Greifen nah, genauso nah wie das Rücktrittsdatum von Herrn Schmid.

Ich gehe jetzt Loch buddeln. Hoffentlich steht das Zelt noch, wenn ich zurück bin.

Was geht mich das Vertrauen an ...

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... hat sich wohl dieser Herr aus dem UBS Verwaltungsrat gesagt und UBS Aktien für 17,7 Millionen Franken verkauft.

... hat sich wohl auch dieser Herr gesagt und fordert, dass sich der Staat bitte nach seinen Rettungsaktionen schnellstmöglich wieder aus dem Banksektor zurückzieht.

Derweil baden andere den ganzen Schlamassel aus. Zum Beispiel (als ein Beispiel von vielen) die Mitarbeiter bei Volvo.

Und ich hocke im ungeheizten Zelt, mit nur einer Schaufel, und auf morgen ist Regen angesagt. Ich ahne Böses. Und fast geht es mir wie dem Journalistenschredder, der heute zu frustriert ist, um überhaupt was zu sagen.

PS: Verkauft jemand günstiges Brennholz?

Ja, was denn nun?

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Da wohne ich wegen eines Typen seit zwei Wochen auf einem Zeltplatz, hechle Schaufeln und Sponsoren für Luxuszelte nach - ja, überlege gar, Diktatorin zu werden ...

... und dann finde ich das da, ein nettes Textchen über nette Leute, die nette Blogs lesen. Und danach das da:

"Auch in der Blogosphäre, der Welt der Blogs, bilden sich einige bedeutende Stimmen heraus. Interessant sind Blogs dann, wenn nicht der Schreiber und sein höchstwahrscheinlich durchschnittliches Leben im Zentrum stehen, sondern Neuigkeiten und Meinungen zu einem bestimmten Thema: Wenn der Blog nicht ein Online-Tagebuch ist, sondern ein Online-Medium."*

STOP. Sage ich mir. Und lese nocheinmal dieses hier.

Dann hole ich meine Brille und lese noch einmal alle drei Texte. Ganz langsam. Nützt aber nichts. Denn ich verstehe trotzdem nichts mehr. Weil: Alle Texte hat derselbe Typ geschrieben.

Da gibt es nur noch eins zu sagen: Die Welt ist ein wirklich irrer Platz.

* Verfasst von David Bauer, der mit seinen Blogger Bashing Artikeln für ziemlichen Wirbel gesorgt hat

Neues Berufsziel: Diktatorin - Gefunden auf dem Schrottplatz der Berufe

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Heissa! Der Rückschlag von gestern ist verdaut, meinen zukünftigen Berufszielen sind keine Grenzen mehr gesetzt. Ich kann nicht nur die Betreiberin eines oberschrottigen Schweizer Superblogs werden, sondern sogar Diktatorin! DIKTATORIN. Yes I can. Nicht übel für ein Blogwürstli, gell.

Die Beweisführung finden Sie hier und hier.

Einen schönen Sonntag noch.

Ihre Frau Zappadong

Erste Rückschläge

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Da stehe ich also vor dem Geschäftsführer des Ladens, für den ich die Farbe meines Blogs zu ändern bereit bin.

"So, so. Sie wollen 15 Luxuszelte. Umsonst." Er legt die Stirn in Falten.
"Ja", sage ich selbstbewusst.
"Sind Sie denn vom Fernsehen?", will er wissen.
"Nicht ganz. Aber ich habe einen."
"Dann wenigstens von einem grossen Medienhaus?"
"Beinahe. Ich habe ein grosses Haus, das ich im Moment unterirdisch zwischenlagere."
"Kennen Sie denn jemanden, der berühmt ist?"
"Wenn das eine Grundvoraussetzung ist", lächle ich nonchalant. "Aber sicher doch."
Ich sehe, wie er erleichtert aufatmet. "Das ist nämlich wichtig, wissen Sie", erklärt er etwas verlegen.
"Aber natürlich." Ich zünde mein Lächeln und lasse es glitzern. "Und an der ersten Gala, die ich veranstalte, dürfen sie neben Hildegard Fässler sitzen. Versprochen."
"Sie meinen Hildegard Schwaninger." Nun lächelt auch mein Gegenüber und sieht dabei aus wie ein frisch in Betrieb genommener elektrischer Weihnachtsbaum.
"Nicht ganz. Hildegard Fässler." Ich wiederhole den Namen ganz langsam.
Die Lichter am Weihnachtsbaum gehen aus. "Kenne ich nicht", sagt der Mann.
Bevor ich etwas sagen kann, schleicht sich Misstrauen auf sein Gesicht. Er zieht ein Heftli aus seiner Schreibtischschublade, schlägt es auf und hält mir ein paar Bildli unter die Nase. "Das da ..." sagt er, "... das sind die Leute, von denen ich spreche." Ich gucke und kenne keinen Einzigen. Das macht mich jetzt doch etwas nervös. Es kommt noch schlimmer. Der Zeigefinger des Mannes legt sich auf das erste Bild. "Nur ein kleiner Test", sagt er. "Ich möchte einfach auf Nummer sicher gehen. Nennen Sie mir doch die Namen ..."

Ich lasse die Schaufel neben dem Schreibtisch stehen. Hake in Gedanken die Luxuszelte und Kundenkarten-Punkte für meine Zeltplatzbesucher ab und verabschiede mich.

PS: Dem Journalistenschredder wäre das nicht passiert (danke für den Steilpass, ugugu)

Auf dem Weg zum Schweizer Superblog

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Wer hätte das gedacht? Da schreibe ich ein Mal Apfel und ein Mal i.fonne und schon stürmen die Besucher meinen Zeltplatz. Schon noch cool.

Um ein noch schrottigerer Blog zu werden, muss ich jetzt nur noch ein paar gute Werbekunden finden. Wie die da zum Beispiel.

Ich würde selbstverständlich für einen solchen Werbeplatz die Farbe des Blogs wechseln. Zum Beispiel auf diese Farbe, oder diese Farbe oder sonst irgendeine.

Um die Attraktivität dieses Blögglis zu stärken, könnte ich mit zukünftigen Werbepartnern auch einen Deal aushandeln. Ich hätte da ein paar Ideen: Jedes Mal, wenn ein Besucher meinen Zeltplatz betritt, werden seinem Kundenkartenkonto ein paar Kumolus-Pünktchen, ein paar Sehrgut-Pünggtli oder ein Deziliter eines Getränks gutgeschrieben (okay, die Idee mit dem Getränk müsste noch etwas weiter ausgefeilt werden; ich will ja nicht, dass Sie in einem ungeniessbaren Blöterliwasser ersaufen).

Damit mich die Suchmaschinen auch wirklich finden, könnte ich die 200 Namen der einflussreichsten Zürcherinnen und Zürcher zu meinen Labels / Tags machen. Und - falls das wider Erwarten nicht so zieht - noch Brad Pitt und Angelina Jolie dazunehmen.

Erste Verhandlungen habe ich aufgenommen. So kaufe ich meine Schaufel zum Beispiel nur gegen Abgabe von 15 Luxuszelten, die ich an meine Blog-Besucher verlosen werde. Plus weitere 30 Gratisschaufeln.

Ich bin nämlich clever, müssen Sie wissen. Ich lasse meine Kunden das Loch zum Zappadong-Gebäude buddeln.

Qualitätstrash

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Ich suche immer noch eine Schaufel. Das mit dem Lochbuddeln könnte sich also etwas hinziehen.

Das Schlagwort des Tages (zur Erinnerung: ich schreibe hier einen schlechten Schweizer Blog):

i.fonne

Suchen Sie bitte die Qualtiät anderswo. Wo Sie finden können, verrät Ihnen der HIER.

Ihre Frau Zappdong

Schaufel kaufen und Unkultur

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Ich mache mich jetzt auf die Suche nach einer Schaufel, mit der ich ein Loch zum versenkten Zappadong-Gebäude graben kann. Bevor ich losstapfe, muss ich noch meinen Ruf als schlechte Schweizer Bloggerin festigen und etwas schreiben, was einen schlechten, irrelevanten Schweizer Blog ausmacht.

Das sei hiermit getan: Apfel.

(Das andere Mainstream-Unwort hebe ich mir für nächstes Mal auf).

Während ich mich auf Einkaufsmission begebe, können Sie - statt auf das leere Zappadong-Feld zu starren - gerne einen Besuch bei einer Kollegin abstatten, deren Blog ebenfalls nichts wert ist(und die auch noch froh darüber ist - also gemäss wichtigen Meinungsmachern wohl einen Knall in der Birne hat). Bitte HIER klicken.

Widerstand - Gopfertami!

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Es kann nie genug Blogwürstchen geben!
Es kann nie genug schlechte Schweizer Blogs geben!

Und so betritt Frau Zappadong mit wehender Mähne und der Zappadong-Widerstandsfahne das Ödland, in dem sie das Zappadong-Gebäude versenkt hat.

Was Göla kann, kann ich auch: Meine Meinung ändern.
Was er nicht kann, kann ich auch nicht: Singen. (Nun ja, er ist immer noch um Runden besser als ich.)

Viva la Revolution! Möge sie beim Kühemelken beginnen!

Ich stecke die Fahne in den Blogheimatboden und stelle erst mal ein Zelt auf (Der Sch****-Knopf ist mit dem versenkten Gebäude zusammen im Sumpf abgesoffen - muss ziemlich zügig eine Schaufel kaufen und ein Loch buddeln) und bestelle mir bei Bruder Bernhard eine Kuh. Nein, nicht zum Essen. Zum Melken. Gras genug hat es ja hier.



Frau Zappadong