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Ich bin einfach nicht cool genug für diese Welt

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Ich ging einkaufen.

Eingefleischte Zappadong-Leser und Leserinnen wissen, dass alleine in diesem Satz jede Menge Aggressionspotential liegt. Ich kaufe nämlich etwa so gerne ein wie ich zum Zahnarzt gehe (was Herrn Zappadong und das Haushaltsbudget freut).

Heute aber brauchte Tocher Zappadong (kurz Zap) ein paar Utensilien, bei denen Sie meinen Rat (etwas) und mein Geld (sehr) benötigte. Und weil ich seit 2009 im Dorf in kleinen Geschäften einkaufe und total grundversorgt war, freute ich mich mich auf gemütliches Herumwandeln zwischen den Regalen des Kaufhauses ohne jeglichen Kaufdruck.

Die erste halbe Stunde ging für Zaps Bedürfnisse drauf (fragen Sie nicht!), die zweite halbe Stunde wollte ich für mich allein. Ich wandelte also wie geplant zwischen den Regalen, fand das eine oder andere und begab mich dann an zur Kasse: Drei Kassen, 10 Meter Theke, 3 Personen (zwei Freundinnen, die zusammen waren und ich) und vier Verkäuferinnen. Zwei Meter neben der Kasse führten eine Angestellte und ihre Chefin ein Mitarbeitergespräch, bei welchem die Angestellte ihre Enttäuschung über einen Vorfall sehr sachlich, aber mit viel Nachdruck und für alle gut hörbar an die Frau brachte. Kurz: Es wuselte mehr Personal herum als Kunden.

Ich legte also meine Ware auf diese lange Theke und wartete, bis die zwei Freundinnen bedient waren. Dann wartete ich, bis die Kundin, die sich hinter die zwei Freundinnen gestellt hatte, bezahlt hatte. Und dann bis zwei weitere Kundinnen bedient waren. Etwas ratlos sah ich zu, wie die restlichen Verkäuferinnen herumwuselten und suchte Augenkontakt. (Nein, ich wollte nicht herumschreien!). Nix da. Kein Wort, kein Lächeln, nichts. Die eine schaffte es, mindestens vier Mal an mir vorbeizugehen ohne mich anzusehen. Ich war Luft. Zwei weitere Kundinnen wurden bedient. Neben mir stellte sich ein Mann mit einer riesigen Schachtel hin. Bedient wurden laufend neue Kunden.

Gerade als ich wirklich genug hatte, guckte mich die Frau von der Kasse an, während sie die nächste Kundin heranwinkte. Dummerweise war ich zu diesem Zeitpunkt schon in einem zu fortgeschrittenen Stadium von schlechter Laune. Ich schob ihr also meine so sorgfältig und mit Herzblut zusammengesuchten und gefundenen Sächelchen hin und sagte: "Das hier können Sie behalten", schnappte mir Zaps Sachen und erklärte der verdutzten Frau: "Und das bezahle ich an einer anderen Kasse." (Zap braucht diese Dinge wirklich! - Und mit ihr woanders hinzufahren, hatte ich nicht den Nerv.)

Ich bin so was von uncool. Wäre ich cool, hätte ich zu singen begonnen. Oder nackt auf der Theke getanzt. Oder mir die Boxer Shorts von Zap (fragen Sie nicht!) über den Kopf gestülpt, einen Kleiderbügel wie eine Pistole auf die Verkäuferin gerichtet und gesagt: "Wenn ich nicht bezahlen darf, schiesse ich." Oder mindestens ganz laut und genervt an der Kasse herumgebrüllt.

Ach je.

PS: Mein nächster Einkaufsbummel mit Zap steht zum Glück erst im April auf dem Programm. Wir fahren nach Zürich.

4 Kommentare:

Bruder Bernhard said...

Die Verkäuferinnen stehen wahrscheinlich immer noch perplex an der selben Stelle und fragen sich: Was war denn das eben? Hahaha

nach Zürich? Hahaha nochmals, viel Glück. Dort habe ich übrigens, ganz unter uns, meinen Trick bis zur Vollendung üben können - meist in Szenebeizen, wo man ja legendär schlecht bedient wird. Was da immer hilft: Auf die Knie fallen, und dann sein Anliegen vorbringen. Ich musste noch nie so weit gehen, die nächste Eskalationsstufe einzuschalten: Auf dem Bauch heerumrutschen vor den Künstlern-zwischen-zwei-Projekten, die zwecks was auch immer grad schnell im Service arbeiten...

Zappadong said...

Hoffentlich (an der selben Stelle stehen).

Zürich: Na ja, dort sind sie nicht schlimmer als bei uns. In Zaps Lieblingsladen (ein kleiner Hinterhofshop, in dem man sich Sujets auf Shirts drucken lassen kann) ist gute Musik und ein längeres tolles Gespräch (Zap schaut sich jedesmal alle 8 bis 10 Musterordner durch) inbegriffen.

Und dann gehen wir jedes Mal beim Cabaret Voltaire vorbei und treiben die Leute mit unseren Fragen an den Rand des Wahnsinns.

Also, Zürich ist gar nicht so übel (mindestens dort, wo Zap und ich hingehen).

flashfrog said...

Oha, da hast du dich anscheinend auch mit diesem schlimmen Unsichtbarkeitsvirus angesteckt, der geht hier auch gerade um. Offenbar infiziert er sogar unbelebte Gegenstände. Handtücher zum Beispiel.

Ich habe am Samstag in einem Laden die Handtücher gesucht, die bis zum Umbau des Ladens vor ca. einem halben Jahr immer in einem bestimmten Regal zu finden waren. In besagtem Regal befinden sich nun aber Socken. Ich fragte dort eine Verkäuferin. Die meinte, ja sie wüsste genau, welche Handtücher ich meine, die müssten im unteren Stockwerk sein, wenn sie sich recht erinnere, sie käme so selten nach unten. Ich also ins untere Stockwerk. Keine Handtücher. Ich fragte dort eine Verkäuferin. Die meinte, ja, sie wüsste genau, welche Handtücher ich meine, die müssten im oberen Stockwerk sein, wenn sie sich recht erinnere, sie käme so selten nach oben. Ich also wieder ins obere Stockwerk. Die Verkäuferin von unten war so nett, mich zu begleiten. Oben angekommen stellte sie fest, dass sich dort, wo sie die Handtücher vermutet hatte, Socken befanden.

Alex Lightbringer said...

Verkaufen ist was wunderbares. Das einzige, was halt immer stört, ist der Kunde.

Gruß Alex

der auch davon träumt, mit seinen drei Frauen mal eine Stunde einzukaufen und dabei noch eine halbe Stunde für sich selbst zu haben. Das Verhältnis liegt eher bei 8/0,2