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Tages Anzeiger

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Der Tages Anzeiger (dr Tagi) wird / wurde in der Familie Zappadong seit Generationen gelesen.

Die Eltern Zappadong haben ihren Tagi vor Jahren abbestellt (nach einem äusserst unschönen, kundenunfreundlichen Erlebnis).

Hier im Zappadong-Gebäude läuft das Abo noch (ich denke manchmal, wir haben einen Lebensvertrag abgeschlossen, das Dingens läuft einfach nicht aus).

ABER: Das Gefühl, die richtige Zeitung abonniert zu haben, ist schon lange weg. Spätestens nach dem Facts Skandal (Zappadong berichtete damals ausführlich) war die Begeisterung mehr als gedämpft und mit dem Aufkommen einer absolut boulevardmässigen Online-Ausgabe hat das resignierte Kopfschütteln eingesetzt.

In diesen Tagen entlässt "meine" Zeitung massenhaft Journalisten. Einzeln werden sie aufgeboten und abserviert. Und zwar auf eine Art und Weise, bei der einem schlecht wird vor Zorn. Der Journalistenschredder dokumentiert diesen Prozess - ein Lese-MUSS!

9 Kommentare:

Titus said...

Was halten Sie denn von der NZZ?

Andreas Kyriacou said...

Das Kopfschütteln setzte bei mir spätestens in dem Moment ein, als ich mal mit der Zürich-Redaktion telefonierte, um mich zu vergewissern, ob jemand an eine bevorstehende Medienkonferenz - es ging um die Kampagne zur 2000-Watt-Abstimmung der Stadt Zürich - kommen würde, und ich vom Herrn Redaktör gefragt wurde, ob wir denn wenigstens auch Inserate geschaltet hätten.

Zappadong said...

@ andreas. Oha. Das ist arg. So was macht nicht einmal meine Lokalzeitung.

@ titus. Früher, als einzelne Textpassagen noch kursiv gedruckt waren, damit auch jeder Depp begriff, was jetzt das Wichtige im Artikel ist, hat mich so eine Frage nur ein verächtliches Schulterzucken gekostet. Mittlerweile wäre ich für ein NZZ-Abo, ABER Herr Zappadong braucht einen ausführlichen Sportteil in der Zeitung (ich brauche gar keinen), und da fällt die NZZ für ihn weg - ausserdem ist sie uns beiden immer noch ein wenig zu Wirtschaftslastig. Andere Vorschläge (bitte, bitte nicht das St. Galler Tagblatt!)

Titus said...

Früher gab's mal den "Sport", aber der wurde inzwischen ja auch eingestellt. Da ich selber ein Sport-Banause bin, kann ich leider nichts empfehlen. Ich hätte höchstens den Hinweis auf die Sportberichterstattung auf SF (wer liest denn heute noch den Sportteil in einer Zeitung? ;-)

Was Andreas schreibt, hat schon was, allerdings ist das üblicher für irgendwelche Veranstaltungen (Eröffnung einer neuen Ausstellung usw.). Es gibt aber auch das Gegenteil, insbesondere bei den Regionalblättern. Da wird über jedes Lädeli berichtet, welches in greifbarer Nähe eröffnet wird. Das schafft Goodwill, damit der/die Ladenbesitzer/-in in Zukunft dann auch ja Inserent/-in werde...

Andreas Kyriacou über Manches said...

Ich war ehrlich gesagt ob der Frage ziemlich erschüttert, da ich annahm, dass der Tagi ausser bei den reinen Inserateakquisitionsrubriken (Reisen, Auto u. Ä.) im gegensatz zu Provinzpostillen Inserate und Redaktionelles sauber trennt. (Na ja, sagen wir: bis zu jenem Zeitpunkt annehmen wollte...)

Bei der NZZ hatte ich mal das Umgekehrte versucht: Die Zeitung als Medienpartner zu gewinnen für eine Veranstaltung an der ein NZZ-Journalist als Moderator fungierte (und die ohne weitere Veranstalter hätte angepriesen werden können). Die Inserateabteilung liess sich aber nicht erweichen und meinte, sie dürften keine Sondertarife gewähren, die in Zusammenhang mit Vereinbarungen der Redaktion stünden. Ich hab mich ja heimlich fast über das Nichtentgegenkommen gefreut...

Mara said...

Ein Pionier des privaten Fernsehens in Deutschland hat mal Jahre nach seinem Ausscheiden "aus den aktiven Dienst" gesagt: Wir wollten fernsehen machen, für die Nachfolger war es ein Geschäft.

Warum sollte das im Blattbereich anders sein. So frustrierend es für GerneleserInnen ist.

Zappadong said...

@ Andreas: Für eine "unabhängige" Tageszeitung ist so was schon fast eine Bankrotterklärung. Noch vor zwei Jahren hättest du mich mit deinem Kommentar zum Bauklötze-Staunen gebracht; leider überrascht mich dieses Verhalten heute nicht mehr. "Unabhängige Tageszeitung" war vorgestern.

@ Mara: Wir waren damals die ersten, die im Rheintal Lokalradio gemacht haben. Es ging ums "Radiomachen", um unsere Hörer, ums Lokale, darum, anders zu sein als die "Grossen". Heute füllen sie die Zeit zwischen den Werbeblöcken mit beliebiger Dudelmusik, Nachrichten werden in Kleinsthäppchen serviert und das Sendegebiet ist um so viel erweitert worden, dass der Begriff Lokalradio eine Frechheit ist - lauter Gründe, warum ich seit einem guten Jahr überhaupt kein Lokalradio mehr höre.

Titus said...

Die Rolle der Medien hat sich halt "unmerklich" verändert. Hier in Biel gab es z. B. zeitweise bis zu acht (!) Tageszeitungen.

Jede berichtete dabei über das politische Geschehen aus seiner politisch bevorzugten Sicht (so wie wir das heute mit unseren Blogs machen). Die Motivation, eine Zeitungen herauszubringen war somit eine andere. Es steckten noch mehr staatpolitische Überlegungen dahinter.

Mit den zahlreichen Zeitungsfusionen (nebst dem Platz Bern gibt's heute überall nur noch eine regionale Tageszeitung) verschwand diese idealistische, staatspolitische Überlegung. Gleichzeitig entstand eine Monopol-Situation, welche es erlaubte - und noch immer erlaubt - solche Händel durchzuziehen...

Inzwischen müssen sich die Verlage allesamt zur Decke strecken, weshalb man "offener" ist, den redaktionellen Teil in die Waagschale zu werfen...

Mara said...

@Zappadong

In anderen Wirtschaftsbereichen nennt man das wohl Professionalisierung.
Boss gehört einer englischen Investmentgruppe, amerikanische Kabelbetreiber kaufen sich in Content ein, Juristerei wird betrieben, weil man da besonders viel Geld verdienen kann...

Und die verbleibenden Idealisten bekommen ein schiefes Lächeln serviert..(och was sind die alle naiv...). Insofern wurde vielleich nur noch die letzte Bastion geknackt?