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Unterirdisch schlecht

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Okay. Wir waren gewarnt.

"Geht da bloss nicht zu früh hin! Die erste Band ist grausam schlecht."

Nun, Herr Zappadong und ich hielten uns an die Ratschläge und gingen da bloss nicht zu früh hin. Leider, leider müssen sich der Veranstalter und die Band gesagt haben: "Fangen wir bloss nicht zu früh an."

Und so stolperten Herr Zappadong und ich in die Halle, als das Konzert gerade erst angefangen hatte.

Auf der Bühne stand ein Typ, der sich einen Penis wie eine Stirnlampe an den Kopf geschnallt hatte, in der Mitte einer, der so alt aussah wie Mick Jagger und Keith Richard zusammen, und rechts aussen einer im Batman-Kostüm, der daherkam wie ein Werbespot für Autoreifen.

Herr Zappadong und ich guckten uns an. Bevor wir etwas sagen konnten, sagte der mit dem Geschlechtsteil auf dem Kopf: "Normalerweise sind alle schon besoffen, wenn wir anfangen."

Ich dachte, das könnte von Vorteil sein. Volltrunkene sind bekanntlich kein sehr kritisches Publikum. Da Herr Zappadong und ich nur einen vorzüglichen Curry à la Herr Zappadong im Magen hatten, waren wir leider stocknüchtern.

Die "Band" legte los. Es ging um einen (oder mehrere) Rudelf****. Sperma auf den Hosen. Und andere unappetitliche Dinge. Kurz: Der Song hatte einen Text, für den man ein pubertierender Teenager, ein Masochist oder voll besoffen sein muss, um ihn witzig zu finden.

Herr Zappadong und ich guckten uns an und suchten das Weite. Während wir einen grosszügigen Spaziergang durch Bad Ragaz machten, fragten wir uns, ob wir so was vor dreissig Jahren (als Teenager) lustig gefunden hätten, und kamen zum Schluss: Wir hätten nicht.

Der Spaziergang dauerte 45 Minuten. Als wir zurückkamen, hatte die Band das Stadium des halbherzigen Singens verlassen und gröhlte jetzt in Borat-Tangas gekleidet das Jägermeisterlied, rief Zige-Zage-Zige-Zage-Hoi-Hoi-Hoi und hängte "By the Rivers of Babylon an" (na ja, etwas, das so ähnlich klang).

Herr Zappadong und ich setzten uns zum zweiten Mal ab, hörten dann aber, wie die Band versprach, gleich aufzuhören. Danach krakehlte sie unbeirrt noch eine halbe Stunde lang weiter. Ohne mich. Ich flüchtete an die frische Luft und wollte nur noch eins: Nach Hause!

Eigentlich waren wir ja wegen einer AC/DC und einer Bon Jovi Cover Band da. Mir ging das Mittlerweile am Hut vorbei. Der Fluchtinstinkt war um einiges grösser als die Lust auf AC/DC (eingeweihte Blogleser können erahnen, wie schlecht meine Laune gewesen sein muss).

Herrn Zappadong zuliebe blieb ich dort. Die AC/DC Coverband war genial. Bon Jovi liessen wir sausen.

Nach über drei Jahrzehnten Rockkonzerten, von denen einige wahrlich schlecht waren, habe ich gestern den absoluten Tiefpunkt erreicht. Die Jungs hier sind mit Abstand die grottigste Band, der ich je über den Weg gelaufen bin. Und das will was heissen. Uäch!

3 Kommentare:

Hausfrau Hanna said...

Jetzt haben Sie aber masslos übertrieben,
liebe Frau Zappadong,
wollte ich eigentlich schreiben. Bis, ja bis ich Ihrem Link auf die Seite der präsenilen Jungs gefolgt bin. Was ich da gesehen und gehört habe, hat mir die Sprache verschlagen (was normalerweise nicht so schnell passiert...).
Und so rettet mich der Spruch, den unsere 9-jährige Vera kürzlich in einem ganz anderen Zusammenhang gemacht hat, über die Peinlichkeit hinweg:
"Die häi es Hirni wienes Ärbsli!"

Mit stummem Kopfschütteln grüsst Sie
Ihre Hausfrau Hanna

Bruder Bernhard said...

huachahäilandsagg!!!

ich weiss, ich dünge den mythos vom digitalen mob jetzt noch etwas, aber trotzdem: verrisse sind einfach viel töller zu lesen als jubelarien. bitte mehr schlechte konzerte in der ostschweiz besuchen!

bugsierer said...

haha, was für ein saupech. kenn ich auch, grauenhaft. miese und unnötige vorgruppen, zweistündige verspätungen, lauwarmes bier und unfreundliches personal machen es uns alten säcken nicht leicht. ein jammer.