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Selbstversuch Twitter, Teil II

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Am 8 März habe ich mich in einen dreimonatigen Twitterversuch gestürzt. Nun, diese drei Monate laufen aus - Zeit für ein Fazit.

Um es vorwegzunehmen: Fast alle meine Vorurteile haben sich bestätigt.

"Bin mit den Kindern auf dem Spielplatz."
"Koche gerade Bublrblubr."
"Im Tram auf dem Weg nach XY."

Würden sich Mütter bei einem gemeinsamen Treffen über solche Belanglosikeiten austauschen, würde die gesamte Männerwelt augenrollend den Kopf schütteln und sich in sämtlichen Vorurteilen über das weibliche Wesen bestätigt sehen. Die oben angeführten Beispiele entspringen jedoch Männerhirnen und wurden lustvoll der halben Welt (und nicht nur einer kleinen Runde) um die Ohren gehauen - lustvoll deshalb, weil sie online geschehen, also irgendwas mit der hippen Cyberwelt und der noch viel hipperen Technik zu tun haben. In solcher Umgebung finden eben keine Waschweibermännergespräche statt, sondern es werden Netzkontakte geknüpft. HA!

Dann gibt es die Followersammler (wer hat die meisten???), die selbst ausgetrockneten Regenwürmern folgen würden, sähen sie eine Chance auf eine "Rückverfolgung". Oder - wie mir kürzlich eine neue Followerin versprach: "Ich verfolge garantiert zurück." Weil mich ihr Versprechen kalt liess, kündigte sie mir nach knapp einem Tag ihre Gefolgschaft wieder - ich "brachte" ihr wohl nichts, vor allem keine höhere Followerzahl.

Ja, und dann sind da noch die Geschäftsheinis, die sich einem mit ihren todsicheren Tipps an die Fersen heften. Das sind meist solche, die 2659 Leuten folgen und selber nur 13 Follower haben, einem aber grosskotzig weismachen wollen, sie wüssten, wie man mit Twitter Geld macht.

Kurz und gut: Man kann es getrost bleiben lassen und verpasst fast gar nichts.

Etwas weniger kurz und mit einem anderen Fazit: Der Versuch lohnt sich. Trotz allem.

... Weil man spannende Leute findet.
... Weil man auf interessante Links zu sehr guten Onlineartikeln oder Blogeinträgen stösst.
... Weil man selber bestimmen kann, wie vielen und welchen Twitterern man folgen möchte; d.h. man stellt sich seine Infos selber zusammen.

Ganz wichtig, wenn man sich auf diese Twittersache einlässt: Man muss mit diesem pfeifenden Dampfkochtopf namens Twitter umgehen lernen. Für mich hiess das:

... Nur Menschen folgen, die wirklich etwas zu sagen haben, das mich interessiert.
... Twittern, die zu viel plaudern ("Bin auf dem Tram") die Gefolgschaft künden, selbst wenn man sie eigentlich mag (denn wer will schon seine Zeit verschwenden mit Aussagen wie "Bin mit den Kindern auf dem Spielplatz"?).
... Vom Gefühl loskommen, alles mitverfolgen zu können. Selbst wenn man selber nur wenigen Leuten folgt, ist es praktisch unmöglich, alles immer nachzulesen.
... Selber nicht jeden Senf zu twittern (gelingt nicht ganz immer, aber immer häufiger).
... Twitter nicht nur zu reinen PR-Zwecken verwenden (Blog promoten, seine Arbeit bewerben usw.), sondern auch spannende / witzige / geistreiche Kurztexte einstellen und sich so ein Profil geben.

Ich selber habe keinen "Liveticker" installiert. Ich logge mich bewusst in Twitter ein, wenn ich etwas Zeit habe und bleibe wenn immer möglich nicht zu lange dort. Am Anfang war ich häufiger dort, mit der Zeit flacht das ab. Ich gehöre auch nicht zu jenen, die meinen auf jeder virtuellen Plattform mitmachen zu müssen. So brauche ich zum Beispiel kein Facebook und kein Xing. Am allerliebsten sind mir sowieso und immer noch die Blogs.

Ende der Abhandlung. Uff. So viele Zeichen über etwas, für das man nur 140 Zeichen hat, seine Nachricht in die Cyberwelt zu schicken. So was nennt man wohl Verhältnisblödsinn.

PS: Fast vergessen - ich bleibe bei Twitter.

Frau Zappadong

8 Kommentare:

bugsierer said...

gratuliere zum jubiläum ;-)

Bruder Bernhard said...

ein sehr guter Leitfaden, muss ich sagen. Vor allem zur ständigen 'Followerfrage'.

BB
(who wasn't born to follow ... (The Byrds))

S. von Relax said...

Wenn vR beim gleichen Zappadong-Besuch gleich 2 x die Zeithürde überspringt um einen Kommentar zu hinterlassen, dann attestiert vR dem Z-Artikel Infogewinn und somit spezielle Wertschätzung. Dies auch, weil diese Peng-Geradlinigkeit von Z dafür sorgt, dass eine unbeschönigte Darstellung der Eigenorientierung dient, dass man anhand ungefilterter pro und contra Schilderung eine neue Wissensebene über Twitter erreicht. Also bitte einen Update im Herbst erstellen, damit ich pro aktiv am Thema dran bleiben kann. Danke Zappadong

bobsmile said...

Prima Abhandlung, Frau Zappadong. Sollte ich es also doch mal probieren mit dem Zwitschern, einfach nur aus Spass an der Freud, oder kindlicher Neugier, oder naivem Masochismus, oder weil ich keine Ahnung hab, was es MIR dann bringen wird und wie es funktionieren soll? Tja, das ungeschminkte Versuchsergebnis von Frau Z liegt mir vor, die Entscheidung fällt wohl morgen.

Frau Müller said...

Wie ich gerade auf Spiegel Online gelernt habe, gibt es für diese neue unkontrollierte, durchfallartige Geschwätzigkeit per Twitter auch einen neuen Ausdruck: "Twitterhö"

Das Wort, das es in den Szenesprachen-Duden geschafft hat, leitet sich ab vom Wort Diarrhoe.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,630455,00.html

Hat jemand eine Idee, wie man den Dünnschiss, den die Leute auf ihrer Facebook-Pinnwand aller Welt mitteilen, nennen könnte?

flashfrog said...

@Frau Müller: Hum-Book?

Mara said...

wirf ins Rennen:

Schnadderdatsch

PvC said...

Danke! Frau Zappadong hat mich ermuntert, zu zwitschern, ohne dass es mich auffrisst. Wie geht man eigentlich mit dem Blockieren von zweifelhaften Werbeleuten um - kräftig und saftig oder tolerant?