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Heidis + Peters, Teil I

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Unser Kulturminister Dominik Riedo hat in seinem Blog ja lange ein Riesengeheimnis um ein geplantes Projekt gemacht, und zwar so geschickt, dass mich wirklich der Gwunder packte.

Wer solche Erwartungen weckt, steckt die Latte sehr hoch, und so war ich erst einmal grauselig enttäuscht, als ich den Titel des Werks sah. Heidis + Peters. So ein Schrott, dachte ich. Geheimniskrämert der Typ so lange herum und bringt es dann nicht weiter als auf das Suhlen in Klischées. Wer will schon die umpfte Geschichte über Heidi lesen .... und überhaupt. Grummel.

Dann guckte ich genauer hin. Kaufte das Dingens und las es in einem Rutsch durch. Es geht nämlich nicht um die umpfte Heidi-Geschichte und der Peter muss auch keine Geissen hüten. In dem Werk schreiben Schweizer Kulturschaffende über ihre Ansichten, Einsichten und Visionen zum und über den Kulturraum Schweiz.

Dominik Riedo beginnt sein Vorwort mit der Aufschrift auf einem Schild von Pius Knüsel, dem Direktor der Pro Helvetia, der offiziellen Schweizer Kulturstiftung:

"In der Schweiz wird jährlich rund 1 Milliarde Franken für Autozubehör wie Felgen oder Spoiler ausgegeben. 30-mal mehr, als die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia für Kulturförderung zur Verfügung hat."

Nun, vielleicht bleibt deshalb für die über Vierzigjährigen nichts mehr übrig. Vielleicht rät deshalb ein Kollege von Sabina Altermatt: "Such dir doch einen reichen Mann." (Heidis + Peters, Autonomie der Zellen, Sabina Altermatt)

"Der Dialog Kultur und Öffentlichkeit ist eröffnet", heisst es auf dem Buchdeckel von Heidis + Peters.

Nun denn. Mir soll's mehr als recht sein.

Frau Zappadong

10 Kommentare:

Titus said...

Nun, Frau Zappadong, Sie mutmassen, dass wegen dem Autozubehör für über Vierzigjährige nichts mehr übrig bleibt.

Ich vermute, es liegt eher daran, dass auch seitens Kulturschaffenden nur Heidis und Peters zum Zuge kommen, siehe entsprechendes Buch. Die Grossvaters (also Heidis Grossvaters) bleiben hingegen auf der Strecke...

Ältere Kulturschaffende müssen erst 100 werden, bis man sie ehrt und würdigt...

Zappadong said...

Lieber Titus, jetzt muss ich nachhaken, denn ich verstehe das mit den Heidis und Peters, die im Buch zum Zug kommen, nicht so ganz.

Wenn du auf das Alter der Verfasser der verschiedenen Heidi und Peter Texte ansprichst, liegst du nicht ganz richtig (Jahrgänge 65, 55, 62, 75, 45, 59, 55, 55, 35, 49, 68, 73, 48, 50, 64 usw). Da hat's einige Grossväterchen und Grossmütterchen dabei ;-)

Frau Zappadong

Titus said...

Sowas in der Art habe ich mir schon gedacht ;-)

Trotzdem schade, dass sich das nciht auch im Titel niederschlug.

Dominik Riedo said...

Leave my comment? Nur eines: DANKE! Ich finde es fantastisch, liebe Frau Zappdong, dass sie damit quasi die (zum Beispiel zu sehen in (einem anderen Blog erwähnten) "nur" 66 Artikeln) Medien unterlaufen, die so selten über Kultur berichten.
Und: Ja, mein Tagebuch besteht aus Viiiieeeel Ironie. Denn ich als ich bin anders als ich als Kulturminister. Die Rolle musste ich erst mal für mich definieren...

Frau Müller said...

@ Zappadong: In diesem Pro-Helvetia-Schild ist ein grober Denkfehler eingraviert:

1. Es ist jedem Menschen selbst überlassen, wofür er sein eigenes, selbstverdientes Geld ausgibt. Man nennt es auch Freiheit. Die einen geben es für teueres Motorenöl aus, die anderen für teueres Olivenöl und wieder andere für teueres Badeöl. Und keines davon schliesst aus, dass man nicht auch viel Geld für Kultur ausgibt, ebenfalls aus der eigenen Tasche.

2. Pro Helvetia und auch das BAK geben mit vollen Händen fremdes Geld aus. Dabei kommt es immer wieder zu gravierenden Fehlentscheidungen, respektive Entscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind. So subventioniert Pro Helvetia privatwirtschaftliche, profitorientierte Unternehmen wie den Buchverlag Nagel & Kimche, der dem deutschen Grossverlag Hanser gehört. Und das BAK subventionierte zwei private Unterwäschehersteller mit 70'000 Franken, wie der «Sonntag» diesen Sonntag aufdeckte.
http://www.sonntagonline.com/index.php?show=news&type=aktuell&id=458


Ich gebe sehr viel Geld für teuere Dessous und für Kultur aus. Aber ich halte es für völlig idiotisch, dass der Staat Latex-Slips subventioniert.

Hingegen gehe ich kaum an Jazz-Konzerte, aber ich muss dafür zahlen. Andere waren ihr Lebtag noch nie in der Oper und müssen dafür bezahlen. Grad so, als würde man beim Metzger sein Geld abgeben, aber kein Filet mitnehmen. Kein vernünftiger Mensch täte sowas.


@ Riedo: «Heidis + Peters» brauchen in der Tat dringend Werbung. In der Presse wurde es gemäss Schweizer Mediendatenbank gerade zwei Mal erwähnt.
Ich fürchte, Sie vermischen Kultur und Ihre Person. Über Kultur wird täglich sehr viel berichtet, nur Ihre Person, Ihre Tätigkeit und Ihr Amt finden bloss ein dünnes Echo in den Medien. Aber Sie haben sich mit Ihrer Rollendefinition ja auch ganz schön Zeit gelassen.

Zappadong said...

Liebe Frau Müller

Zu 1: Ich mag das Schild. Trotz Denkfehler.

Zu 2: ähm ... Das mit dem Design lasse ich noch ganz knapp gelten, aber eigentlich gehört das wenn schon denn schon unter Wirtschaftsförderung. Auch ich mag schöne Unterwäsche, aber unter Kultur würde ich die netten Teilchen nun wirklich nicht einordnen.

Nun, um etwas bösartig zu sein: Sexy Unterwäsche ist eben schöner anzusehen und zu fördern als Altliteraturtalente über 40.

Zum Argument, dass man für Dinge bezahlt, die man nicht beansprucht:

Kinderlose bezahlen Steuern für Schulen, Gesunde tragen die Krankenkassenprämien für chronisch Kranke mit usw.

Nur: Wenn man schon mitbezahlt, was man unter Umständen nicht beansprucht, dann möchte man sicher sein, dass das Geld am richtigen Ort landet. Latex-Slips gehören in der Tat nicht dazu. Auch ohne dieses Extrembeispiel ist das Verteilen von Geld im Kulturbereich auch sonst schwierig genug.

Dominik Riedo said...

@ Frau Müller:

Wenig Echo? Mag sein. Trotzdem würde ich - gerade in der Blogger-Szene - nicht nur Zeitungen mitzählen. Wichtigere Berichte sind hier (http://www.facebook.com/home.php?#/group.php?gid=57066438716) aufgelistet. Unwichtigere (blosse Erwähnungen, auch der "Kulturpolitischen Tour de Suisse 2009" setz ich da nicht hin) aufgelistet...

flashfrog said...

Hätte Frau Zappadong das hier nicht gebloggt, hätte mich das hinlänglich bekannte Klischee des Buchtitels auch nicht angesprochen.

@Dominik Riedo: Vielleicht bekämst du mehr Echo, wenn du in Latex-Dessous lesen würdest?

Dominik Riedo said...

Aber ich les ja in Latex. Nur sieht's keiner.
Das einfache Schweizer Volk: Wie, was sieht keiner? Du meinst doch nicht etwa...?
Ich: Doch!

Dominik Riedo said...

Und heute, heute ist es in Latex ganz schön heiss! :--)