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Also, habe ich das jetzt richtig verstanden?

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Am 1. August werden landauf und landab Reden geschwungen. Die Mutter aller Reden ist jene des jeweiligen Bundespräsidenten / der jeweiligen Bundespräsidentin.

Dieses Jahr hatte Hans Rudolf Merz die Ehre.

Ich habe mir seine ganze Rede angeschaut. Und nochmals angeschaut. Und jetzt frage ich mal kurz nach, weil ich - glaub's - ein bisschen blöd bin.

Ich soll also bei mir selber beginnen ("Wir müssen bei uns selber beginnen.") So weit, so gut, so klar.

Aber was soll die Warnung, die Sozialwerke mit zu vielen Forderungen zu überlasten? Kann mir das jemand erklären? Heisst das, dass wir das ganze schöne Geld der too big to fail Bank in den Rachen geschoben haben, jetzt zusehen, wie ein paar Banker nicht im Traum daran denken, bei sich selber zu beginnen, sondern lieber ihre Boni einstreichen - und wir uns deshalb bitte überlegen sollen, ob wir die Arbeitslosenkasse, die IV und die Sozialhilfe lieber unangetastet lassen und bei uns selber beginnen? Zum Beispiel, indem wir darauf verzichten, berechtigte Ansprüche zu stellen?

Fast so schön (?) wie unser Bundespräsident hat sich unsere Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard ausgedrückt. Sie will ein WIR statt ICH. Und um kritischen Nachfragen (zum Beispiel: sind wir in der Schweiz alle "wir" oder dürfen ein paar Leute gerne ein "ich" bleiben) den Wind aus den Segeln zu nehmen, fordert sie Macher, keine Mitmacher, und schon gar keine Miesmacher.

Ach ja, und nur im Fall: WIR Schweizer sind nicht an der Krise schuld. Nein, nein, die wurde uns von aussen aufgezwungen. Da bin ich jetzt grad nicht sicher, wer von uns beiden das nicht ganz richtig verstanden hat: Frau Leuthard oder ich.

Mir wurde beim Gucken und Lesen der Reden so elend, dass ich hier lieber einen Schlussstrich ziehe. Bevor ich noch viel miesepetriger werde.

Frau Zappadong

2 Kommentare:

Anonymous said...

Liebe Frau Zappadong,

zur Zeit bin ich bei Herbert, der, wie Sie ja wissen, auf einem anderen Planeten zuhause ist. Da Herr Merz leider keine Rede für Schweizer vorbereitet hat, die sich in anderen Galaxien aufhalten, habe ich mir ersatzweise seine Rede angehört, die er an die Auslandschweizer richtet.

Ich kann Ihnen versichern, mich hat seine Rede sehr nachdenklich gemacht. Herr Merz geht davon aus, dass die rund 700 000 Auslandsschweizer an "vorderster Front" arbeiten. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Schweizer in Kriegsgebiete verschlagen hat. Oder ist alles, was nicht Schweiz ist, automatisch Feindesland?

Anschliessend dürfen auch die Auslandschweizer im "Wir"-Gefühl baden:
"Aber wir Schweizerinnen und Schweizer verzagen nicht. Wir werden diese Krise meistern und am Ende gestärkt aus ihr hervorgehen. Wir werden dabei die Pflege guter internationaler Beziehungen nicht vergessen. Wir verdienen jeden zweiten Franken im Ausland."
Und dann wird´s ernst: "Verbreiten Sie unsere Botschaften und verkörpern Sie unsere Qualitäten."

Was bin ich froh, dass ich keine Auslandschweizerin bin! Denn ich weiss weder, welche Botschaften und welche Qualitäten ich verkörpern müsste, noch ob ich das überhaupt wollen würde, wenn ich denn wüsste, was Herr Merz damit meint.

Aber den Schluss der Rede, den verstehe ich wieder. Da wünscht mir der Herr Merz einen "fröhlichen Nationalfeiertag". Darauf habe ich dann mit Herbert angestossen. Prost.

Hochachtungsvoll

Ihr Rösli von Deralp

Die komplette Rede an die Auslandschweizer können sie übrigens hier http://www.aso.ch/de/rede-von-bundespraesident-hansrudolf-merz-1.-august-2009 nachlesen.

Titus said...

Treffend vormuliert, Rösli von Deralp & Frau Zappadong.

Die beiden hatte ich auch angeschaut resp. nachgelesen. Jene von BR Merz ging rein und wieder raus.

Jene von BR Leuthard ist eher haften geblieben und habe ich auch in meiner Bloghütte «verarbeitet»...