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Herr Ospels Frieden wird ein bisschen gestört

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Ich habe keine Ahnung, wie sehr diese Nachricht den Ex-Häuptling der too big to fail Bank jucken wird, aber mir geht es ein wenig besser.

Up-date: Von oben nach unten

Frau Zappadong

37 Kommentare:

Frau Müller said...

Solch erbärmlich billigen SP-Populismus würde mich auch kein bisschen jucken.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/SPAnzeige-gegen-ExUBSBosse--Levrat-persoenlich-am-Postschalter/story/31308738

Noch ist der Inhalt des Vergleichs zwischen der UBS und den USA unbekannt. Aber Levrat bestellt schon mal den Photographen, um sich vor dem Postschalter in selbstgefälliger Pose ablichten zu lassen.

Es ist richtig und wichtig, wenn die Verantwortlichkeit der Herren Ospel und Karrer juristisch abgeklärt wird. Aber bitte nicht mittels einer solch peinlich inszenierten Show, die lediglich Levrats Profilierungsneurose bedient.

Titus said...

Relevant ist der Gang zur Post sicher nicht. Insofern frage ich mich, wieso sich denn der Tagi dazu einspannen liess...

Übrigens, es wäre noch peinlicher gegangen, nämlich indem Christian Levrat den Umschlag vor sich hingehalten hätte...

Zappadong said...

Populismus? Mir egal.

Ich bin mittlerweile derart frustriert über unser Politiker, unsere Regierung, unsere Finanzwirtschaft, dass ich kurz davor bin, meine demokratischen Rechte an den Nagel zu hängen, in die Berge zu ziehen und Ziegen zu hüten, weit weg von dem Schwachsinn, dem ich täglich ausgesetzt bin.

Da kommt mir der Herr Levrat gerade recht. Wenigstens einer, der was tut. Dass er den Tagi einspannt, wusste ich beim Tippen des Eintrags nicht, weil ich von der Aktion aus einem Newsletter erfuhr. Von mir aus hätte er aber sogar den Blick einladen und den Umschlag der Dame am Schalter nackt übergeben können. Es geht mir nämlich um den Inhalt des Briefs und nicht um Herrn Levrat artig wie ein Schuljunge am Schalter.

Ich möchte endlich wieder einmal, und sei es auch nur ansatzweise, das Gefühl haben, dass in unserem Land wenigstens versucht wird, der Gerechtigkeit wieder etwas mehr Gewicht zu verschaffen.

Bruder Bernhard said...

@fakruechte: jetzt mal aber halblang - zuerst, kurz nach seinem Rücktritt, mussten wir uns das Argument anhören, Ospel habe der Schweiz mehr Benefiz eingetragen als die UBS anfänglich verloren hätte. Nun sind die Verluste und Kosten aber ins astronomische gestiegen, legen wir die Relationen aus der Zeit vor der Krise zu Grunde, deshalb muss der Horizont schon bis zurück in die 50er verlegt werden.
Tatsache ist aber, dass die UBS unter Führung von Ospel, Kurer und Co. mit dem Verhalten einer kriminellen Organisation massiv und systematisch gegen US-Gesetze verstossen hat, was die Bank zusätzlich in Schieflage gebracht hat; und dass die Schweizer Behörden diese Gangster vorerst rausgehauen haben. Wenn das nun folgenlos durchgeht, die Herren ihre Sore nun auf schönen Alterssitzen verprassen dürfen, dann verstehe auch ich die Weltsicht unserer Politiker einfach nicht mehr.

Bruder Bernhard said...

@Frau Müller: dass Levrat nun politische PR betreibt, das haben sich die Schnuderbueben von der UBS und die Politiker & -innen, die ihnen durch alle Böden hindurch die Stange gehalten haben, wirklich selber zuzuschreiben. Das Anliegen ist gerechtfertigt, die Stildiskussion lenkt nur von der eigentlichen Sauerei, die in den Teppichetagen betrieben wurde, ab.

Zappadong said...

Anmerkung von Frau Zappadong:

Aus Wunsch des Verfassers (begründet!) wurde der Kommentar vom Sonntag, 17. August, 2.10 am gelöscht.

Frau Zappadong

von-relax@bluewin.ch said...

Toll der Kommentar von Frau Müller, da schliesse ich mich doch gerne an. Musste 2 x Mal hinsehen! Doch Frau Müller hat die gezündeten Nebelkerzen erkannt und treffsicher den Finger auf den wunden Punkt gelegt. Bin ich ja von ihr gewohnt, aber Hut ab, dass sie bei der grassierenden Epidemie von Banker bashing nicht auf den Titel hereingefallen ist sondern die billige Message erkannt hat. Mir wird schlecht beim Gedanken, dass eine so abgelichtete und manipulierte Aktion in der Zukunft dafür herhalten muss, um eine Kandidatur von Levrat für den Bundesrat zu rechtfertigen. Ja, solche Typen sind natürlich sehr viel mehr wert, als diese Scheissbanker, denen die Steuerzahler und Konsumenten seit den 50ziger Jahren aber gar nichts zu verdanken haben.

Frau Zappadong wissen Sie, wie die Steuerzahler bluten müssen, wenn alle Banker eingesperrt werden? Eine populäre Meinung am Stammtisch, bei viel Bier und wenig Hirn. Wollen Sie das wirklich?

Ups, möchte bei Frau Zappadong keinen Adrenalinstoss auslösen, an einem Sonntag, der ohne mein Zutun noch sehr heiss wird. Lesen und staunen Sie! Sogar von Relax ist der Meinung, dass bei der UBS grosse Schei... gebaut worden ist und durchaus strafbare Handlungen begangen worden sind. Nur muss man dabei unterscheiden, was weder die Politiker noch die Servelat-Prominenz kann, weil sie die Materie nicht verstehen. Das Verzocken ist nicht strafbar sondern gehört schlicht zu Chance/Risiko bei der Unternehmensführung.

Aber da gibt es Dinge die „geduldet“ worden sind, wo mir und 99 Prozent der Banker in der Schweiz die Wut hochkommt, bzw. mir als nicht Banker einfach nur blankes Unverständnis. Doch auf was ich mich beziehe, ist nur strafbar in den USA, nicht jedoch rückwirkend strafbar in der Schweiz. Also nur schon die Voruntersuchung ob die Anzeige angenommen wird, kostet sehr, sehr viel Geld. Müsste Levrat und die SP einen Kostenvorschuss von z. B. FR. 500'000.- leisten, glauben Sie dann Frau Zappadong, dass für die billige Effekthascherei eine Strafanzeige eingereicht worden wäre? Bei einer Erfolgschance von weit weniger als
50 Prozent?

Frau Müller said...

@ Zappadong: Ich gebe mich nicht mit «Wenigstens einer, der was tut» zufrieden, sondern erwarte, dass ein Politiker was Vernünftiges und Weitsichtiges tut. Levrats Strafanzeige ist aber lediglich eine strategische Aktion, um sich selbst und seine marodierende Partei wieder mal in die Zeitung zu bringen. Sein wilder Aktionismus ersetzt bloss die geistige Flaute, die bei der SP seit langem herrscht. Aber bitte, einigen Leuten scheint das ja zu genügen.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat bereits vor anderthalb Jahren ein Monitoring-Verfahren gegen die UBS eingeleitet, um zu prüfen, ob genügend konkrete Anhaltspunkte vorhanden sind, die eine Eröffnung eines Strafverfahrens rechtfertigen würden. Empörung alleine ist nämlich kein rechtsgenügender Grund, um Anklage zu erheben.

Und noch gilt in einem Rechtsstaat der Grundsatz: Ohne Gesetz keine Strafe. Der leitende Staatsanwalt in der Abteilung für Wirtschaftsdelikte hat bereits vor Monaten erklärt, dass das Schweizer Recht keine Handhabe zur Verfolgung von Steuerbetrugsbeihilfe in den USA biete.

Für eine strafrechtliche Verurteilung bräuchte es überdies den Nachweis des Wissens und des Willens zur Steuerbetrugsbeihilfe. Diese Beweise sind kaum vorlegbar.

Und was die ungetreue Geschäftsbesorgung angeht, so sind Fehlentscheide und Milliardenverluste für sich alleine noch kein strafrechtlicher Tatbestand. Das sollte nach dem Swissair-Prozess nun bigoscht jeder wissen.

@ Bruder Bernhard: Es geht mir bei dieser Pseudo-Aktion Levrats nicht um Stil, sondern um Intelligenz, und die vermisse ich schmerzlich bei der SP.

Intelligentes Handeln vermisse ich auch bei Politikern anderer Parteien. Es ist zermürbend, wie konzeptionslos die Politiker im Fall der UBS vorgehen.

Statt Populismus würde die SP gescheiter Politik betreiben, nämlich Ordnungspolitik.
Statt nutzlos vor dem Photographen rumzuhampeln würde sich Levrat gscheiter für die Verbesserung der Wirtschaftsordnung einsetzen.
Aber Ersteres ist halt einfacher und medienwirksamer, als gemeinsam mit anderen Politikern ein transparentes und nachvollziehbares Ordnungsraster auszuarbeiten.

Zappadong said...

@ von Relax
Zu Abschnitt 1: Sowohl Banker als auch Politiker stehen im Moment unter Generalverdacht, das Land tief in die Scheisse geritten zu haben und immer noch reiten. Dass dies eine viel zu einfach gestrickte Theorie ist, ist jedem hier klar - sogar der sehr frustrierten und wütenden Frau Zappadong. Es gibt in jedem Beruf solche und andere. Dummerweise machen im Moment grad die negativsten Exemplare beider Berufsgattungen Schlagzeilen. Und dummerweise scheint es eine Schicht total Uneinsichtiger zu geben, die sehr viel Geschirr zerschlagen.

Zu den Steuerzahlern: Ja, wir verdanken guten Steuerzahlern eine Menge. Aber wir verdanken auch dem einfachen Büezer, der notgedrungen keine hohen Steuerbeträge überweisen kann, sehr, sehr viel. Dass in unserem Land bis vor ein paar Jahren viele das Gefühl hatten, gut aufgehoben und gerecht behandelt zu sein, liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Gesellschaft bewusst war, dass vom reichen Banker und Unternehmer bis zum durchschnittlichen Büezer alle zum Wohlstand und der Ausgeglichenheit des Landes beitragen, jeder auf seine Weise. So was nennt man soziale Gerechtikgeit und sozialen Frieden.

Aber dann kippte das System (ich erinnere an Herrn Ebner mit der schnieken Fliege, dem sorgfältig gekämmten Haar und seinem Kreuzzug für die freie Marktwirtschaft, von der wir alle etwas haben sollten). Die Reichen wurden reicher, der Mittelstand bügelte die Steuererleichterungen für die Reichen aus und der abgehängte Rest machte die Faust im Sack.

Die ehemals guten Steuerzahler (deren Steuergelder geschätzt wurden) begannen zu zocken, pokerten um die billigsten Steuerparadise, trieben Wohnungspreise in Steueroasen in die Höhe und vertrieben jene, die zwar gut und fleissig arbeiteten, aber keine so hohen Zahltäge kassierten. Der soziale Frieden geriet ins Wanken.

Die Krise, in die uns die Banker (und bevor jetzt jemand wieder laut schreit: Nein, es waren lange nicht alle Banker) eingebrockt haben, erschüttert diesen sozialen Frieden aufs Mark und macht unsere Gesellschaft kaputt.

Wenn ein Volk das Gefühl hat, dass es zwei Kasten gibt (eine Finanzkaste und den systemirrelevanten Pöbel), wenn aus einer Finanzkrise eine Staatskrise wird, wenn die Banker fröhlich weiter Bonüsslen, dann legt der systemirrelevante Rest des Volkes moralische und ethische Grundsätze beiseite: Warum soll er sich an etwas halten, an das sich andere nicht halten müssen?

Meiner Ansicht nach stehen wir als Land im Moment auf der Kippe. Entweder fangen wir uns auf und besinnen uns auf das, was wir waren und sein könnten, oder wir gehen mit dem Strom und finden uns damit ab, dass man nur genügend bescheissen muss, wenn man davonkommen will, dass man als Fernsehmoderator die Morde gleich selber in Auftrag gibt, über die man dann berichtet (ist in Südamerika wahrscheinlich geschehen), dass Anstand etwas für Blöde und moralische Grundwerte etwas für hirnlose "Gutmenschen" ist.

Wir sind - trotz Wischiwaschi-Politikern und einer uneinsichtigen Bankkaste - immer noch eine Demokratie, in der man seine Meinung sagen und Strafanzeige einreichen kann (auch wenn sie zugegebenermassen nichts oder nicht viel bringen wird).

Zu dem Spruch, dass das gewöhnliche Volk inklusive Politiker nichts von der Sache verstehen: Er verursacht mir Brechreiz. Es gibt Studien, die beweisen, dass viele der obersten Banker, die unsere Wirtschaft an die Wand gefahren haben, genauso viel respektive genauso wenig von der Materie verstehen. Dieser Spruch ist Snobismus pur und zeugt von absoluter Uneinsichtigkeit. Auch der Kaspar Villiger hat gemeint, er müsse das den Politkern so deutsch und deutlich sagen. Den Chlütter und den ganzen staatlichen Verhandlungsapparat (UBS Prozess) nimmt man dann aber gerne in Anspruch.

Zu dieser Aussage: "Das Verzocken ist nicht strafbar und gehört schlicht zu Risiko / Chance bei der Unternehmensführung" kann ich nur sagen: Dann sollen die Zocker die Risiken auch tragen und vor allem ihre Konsequenzen ausbaden! Und nicht dem Staat unter die Fittiche kriechen.

Zappadong said...

@ Frau Müller

Sie haben wie immer recht.

Und trotzdem brauche ich (für mich und meinen Seelenfrieden) diese Levrat-Aktion. Und ich denke, ich bin nicht die Einzige. Mit wem ich auch rede: Die Frustration ist allgegenwärtig. Das Vertrauen ins System aufs Tiefste erschüttert. Das Gefühl, dass man nichts machen kann, gewaltig.

Ich wünsche mir eine Gegenbewegung. Und diese Gegenbewegung braucht Nahrung. Sie braucht Auftrieb. Sie soll nicht von Politikern kommen, sondern ganz normalen Leuten. Das geht nur, wenn man nicht das Gefühl hat, es sei sowieso alles für die Katz.

flashfrog said...

Ja, ich denke, es geht nicht so sehr um strafrechtliche Relevanz, sondern um moralische Verantwortung, und das haben viele offenbar noch nicht begriffen.
Dass da mal einer sagt: "Ok, ich habe Bockmist gebaut, das sehe ich ein" statt: "Strafrechtlich könnt ihr mir nix anhaben, also bin ich unschuldig".

von-relax@bluewin.ch said...

von Relax

Da habe ich ja wieder etwas angerichtet und es hat so viele gute Aspekte im allgemeinen Aufschrei der Wütigen, dass ich angesichts der fortgeschrittenen Nachtzeit leider keine Zeit für alle Punkte habe, die ich gelesen und für diskutierwürdig gefunden habe. Da ich jedoch demnächst ausgiebig in die Ferien gehe, versuche ich ein paar Brocken raus zu fischen.

@bb: Bewusst habe ich einen langen Zeitraum für einen ungeprüften, hypothetischen Kosten-Nutzen-Vergleich gewählt, weil ja der zurzeit bekannt Schaden bereits einen wahnsinnigen Umfang erreicht hat. Wie diese Vergleichrechnung aussehen würde, wissen wir beide nicht, aber eine Flasche Wein wette ich schon, dass meine optimistische Schätzung näher liegt.

Unwidersprochen von mir nehme ich die Kraftausdrücke zur Kenntnis, über die Sauerei und hirnlosem Verhalten, bei der aktiven Akquisition von US Kunden Onshore. Saudumm.... und strafbar dumm, pflichte ich bei.

Wenn die UBS trotzdem gerettet wurde, hat es mit der Systemrelevanz zu tun. Ich weiss, ein tiefrotes Tuch bei einigen aktiven Teilnehmern an dieser Diskussion. Kurz und bündig. Systemrelevant ist, wenn der zu übernehmende Schaden für die Volkswirtschaft kleiner ist, wie wenn man die Bude abrennen lässt. Und die UBS hätte nicht nur die Schweiz sondern die Finanzwelt in den Abgrund gerissen. Was übrigens ein wichtiger Grund ist, warum die USA n i c h t an einem Untergang der UBS interessiert sein könnte. Dagegen ist die Lehman Brother Geschichte schon wieder als peannuts anzusehen. Daher bin ich doch überrascht, dass in diesem Diskussionszirkel so inbrünstig gewünscht wird, der Supertanker UBS solle doch ruhig sinken, weil es billiger käme. In diesem Untergangsstrudel würden sehr, sehr viele Bürger und Büzer würden in diesem Sog mit unter gehen. Anschauungsunterricht alle die Lieferanten und KMU-Geschäftspartner der Swissair.

Ich bin seit über zwanzig Jahren Selbständigerwerbender und kein Banker mehr. Es gibt keinen Boni-Aktien-Börsen-Gewinn-Grund, warum ich mich für eine differenzierte Sichtweise ein setze. Nur die philosophische Sicht, dass man eine Situation immer aus mehreren Blickwinkeln betrachten muss. Ohne Banker und Börsen, würde das ganze Rentenvorsorgesystem in die Knie gehen, weil die Pensionskassen und die zukünftigen Rentner dringend auf Börsenrendite angewiesen sind. Grosse Teile der Bevölkerung haben jedoch vergessen, dass man mit Abschluss eines Börsengeschäfts keine Anrecht auf Ertrag und Gewinn abschliesst. Ein Börsengeschäft ist grundsätzlich eine Wette. Dies wird sogar von gut gebildeten Personen vergessen. Damit Opa, Oma und Enkel Börsenwetten abschliessen können, braucht es Zocker auf der professionellen Ebene. Huch, das Wort Zocker und schon sind wieder einige bei 180 Grad Wuttemperatur angekommen. Ich wähle dieses Wort, weil eine Börse ohne Zocker gar nicht funktionieren kann. Gemeint ist: Wenn alle Bürger verkaufen wollen, bricht der Markt zusammen, wenn niemand einen Preis zum Kaufen stellt, d.h. die angebotene Ware, in diesem Fall Wertschriften abnimmt. Wenn aber jemand diese eminent wichtige Marktfunktion wahrnimmt, dann ist er ein Zocker der nach Volkes Meinung gerädert und dann geteert und gefedert gehört, Dieselbe Prozedur wünscht man dem Zocker aber auch, wenn er die Not der Leute ausnützt, die unbedingt verkaufen wollen um ihren Verlust zu begrenzen und wenn der Zocker mit seiner Spekulation richtig liegt und anschliessend viel Geld verdient. Dieses Muster bringt mich dazu immer wieder mit meiner Meinung gegen den Strom zu schwimmen.

Anonymous said...

von Relax

Teil 2 wegen Systemgrenzen

Doch klare Aussage: Die Zocker mit den Hypothekenderivaten haben den Rahmen gesprengt und kriminelle Energie – bereits bei der Konstruktion – eingebracht. Doch Superhirnmathematiker haben ausgerechnet, dass trotz einkalkulierten Verlusten aus der Wertschriftenmischung, per Saldo ein Gewinn zu erwarten war. Hätte wohl geklappt, wenn das weltweite System nicht implodiert wäre. Und eine ähnliche Katastrophe wird uns auch in Zukunft nicht erspart bleiben. Den katastrophalen Übermut und die Gier gibt es immer wieder. Wirtschaftshistorische Tatsache. Beispiel: Anno 1637 kam es zu einem Börsencrash nachdem zuvor mit Tulpenzwiebeln enorm viel Geld zu verdienen war.

Es ist empirisch nachgewiesen, dass es höchste Zeit ist, an der Börse auszusteigen, wenn die Leute das Geld unter der Matratze vor holen und wenn Mutti mit Vaters Monatlohn, bzw. dem Angesparten Feriengeld noch schnell einen Deal machen will, um die Ferienkasse aufzubessern. Alles Tausendfache Realität. Frau Zappadong, ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht, eine grosser Teil der Bevölkerung macht an der Börse mit, wenn die Medien immer nur Gewinnen berichten. Doch ich wiederhole: Börsengeschäfte sind schlicht Wetten mit ungewissem Ausgang.

Frau Zappadong, ich habe viel Sympathie für ihre mit Herzblut geschriebene Sicht zu Zockern und der UBS Katastrophe. Würde gerne noch was dazu ausführen, aber leider muss ich Computer abstellen. Aber einige Dinge die Sie ärgernd beschreiben, sind nichts Anderes als normale Auswirkungen der Marktmechanismen. Der Grossteil der Bankangestellten sind ganz normale Leute, die kräftig Chrampfen müssen. Grossverdiener gibt es einige Tausend, womit wir uns im Promillebereich bewegen. Und die ganz grossen Absahner sitzen ohnehin in London und New York.

Bruder Bernhard said...

hach, es lässt sich hier, als Made im Speck Europas, gar trefflich diskutieren über die Für und Wider von kurz- oder langfristigen Krisen - mit Verlaub, eigentlich sollten wir uns hier einfach nur schämen ob der Gedankenspiele und Weisheiten zu Börsenausschlägen und Profilneurosen. Denn eine unleugbare Auswirkung der jetzigen Krise ist, dass Millionen Menschen aus tiefer Armut zurück in tiefste Armut gestossen werden. An diese denke ich, die nicht wissen, was es heute zu essen gibt, die nicht wissen, wie und wo sie ärztliche Versorgung kriegen. Wir hier treiben eigentlich blosse Spiegelfechterei, denn ans Läbige geht es uns ja sowieso nie, ob Krise oder nicht.

Zappadong said...

@BB: Ich finde, es ist genau an uns, diese Krise zu analysieren und dann Konsequenzen daraus zu ziehen - nicht zuletzt für die Millionen Menschen in tiefster Armut. Die sind "uns" hilflos ausgeliefert. Und je erbarmungsloser wir die freie Marktwirtschaft ohne Rücksicht auf Verluste vorantreiben, je leichtherziger wir zum "zurück wie vorher" zurückkehren, desto mehr trifft es genau diese Armen.

Bruder Bernahrd said...

@zappadong: meine Rede. Wenig hilfreich finde ich die Nebenschauplätze, wie oben gesagt. Will mich da nicht wiederholen. Ob Krisen jetzt halt dazu gehören oder nicht - wer gar nichts hat, dem ist mir solchen Überlegungen nicht geholfen

Hanspeter Gautschin said...

@Bruder Bernhard:

"... denn ans Läbige geht es uns ja sowieso nie, ob Krise oder nicht ..."

Da wäre ich mir nicht zu sicher. Und ich denke nicht nur ans Fressen!

Frau Müller said...

@ Bruder Bernhard: Ich kann mit Ihrer Aussage überhaupt nichts anfangen. Was wollen Sie zum Ausdruck bringen? Dass ich nur Überlegungen tätigen darf, die den Ärmsten dieser Welt zum Nutzen gereichen? Und dass ich mich schämen muss, weil ich stattdessen über Profilierungsneurosen schreibe?

@ alle: Meines Erachtens wird die Debatte über die UBS oberflächlich und ideologisch geführt. Selbst 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges schwingt immer gleich die Systemfrage mit. Die Linken freuen sich über das vermeintliche Ende des Kapitalismus. Und die Rechten haben ausser Rhetorik nichts zu bieten.

Es ist völlig logisch, dass es mit der Marktwirtschaft nicht vereinbar ist, dass die Steuerzahler eine Bank retten und die Risiken tragen - und die Chancen weiterhin beim Aktionär bleiben.

Das Problem liegt jedoch darin, dass man in der politischen Debatte vergebens nach Leitplanken sucht, wie man mit solchen systemrelevanten Unternehmen in Schieflage umgehen will. Und für Ordnungspolitik sind nun mal Politiker zuständig, sonst können wir die Politiker, die Parlamente und die Regierungen gleich abschaffen.

Politiker wie Levrat, die einfach Politik zur persönlichen populistischen Profilierung machen, brauchen wir bestimmt nicht.

@ Flashfrog: Mir würde es keine Genugtuung verschaffen, wenn Ospel sagen würde, er hätte Bockmist gebaut. Das ist mir unwichtig. Nicht egal ist mir hingegen, wenn Politiker Aktionen veranstalten, die aus Empörung geboren sind, statt dass sie pragmatische Lösungen für die Probleme der Menschen ausarbeiten.

Bruder Bernhard said...

@Frau Müller: ob Sie sich schämen sollen, müssen Sie selber entscheiden. Mir fällt dieses Geplänkel auf Nebenkriegsschauplätzen halt auf. Dabei geht es wirklich nicht darum, wie Levrat jetzt sich in die Brust wirft. Dass er das kann, ist den Machenschaften der UBS-Führung und der wattierten Politik der bürgerlichen Parteien zu verdanken. In einem Vakuum ist leicht punkten. Sie wissen, dass mir von Zeit zu Zeit immer wieder die Systemfrage aufstösst. Ich verzweifle je länger je mehr an der Tatsache, dass sich in Hinsicht auf das Schicksal der Ärmsten der Welt während meines ganzen Lebens überhaupt nichts geändert hat!

Ich kann auch die ganzen Tulpengeschichten nicht mehr hören, solange hier geprasst und dort gestorben wird.

Frau Müller said...

@ Bruder Bernhard: Sie haben oben geschrieben, dass «wir uns hier einfach nur schämen sollten ob der Gedankenspiele und Weisheiten zu Börsenausschlägen und Profilneurosen». Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich mich Ihrem Schäm-Befehl verweigere. Auf solche Vereinnahmungen reagiere ich extrem allergisch.

Gemäss einem Ihrer Kommentare auf Ihrem Blog, sind Sie Jahrgang 1926. Aber selbst wenn Sie erst 17 Jahre alt wären: In dieser Zeitspanne hat sich für viele Menschen sehr vieles zum Besseren gewendet. Fakt ist: Noch nie gab es so wenig arme Menschen wie heute. Vielleicht finden Sie diesen Satz zynisch, angesichts der noch herrschenden Armut auf der Welt. Ich freue mich darüber, dass die Armut so massiv gesunken ist. Während 1981 noch 52 Prozent der Menschheit in den Entwicklungsländern in krasser Armut lebten, waren es 2005 noch 26 Prozent. Vor allem in Asien und in Südamerika sind enorme Fortschritte zu verzeichnen. Millionen von Menschen leben besser als ihre Eltern und Grosseltern. Vielleicht wissen Sie das aber auch einfach nicht, weil die Massenmedien nur ungern über gute Nachrichten schreiben, denn diese sind schlecht fürs Geschäft mit der Angst. Aber zum Glück kann ich Ihnen ein paar interessante Artikel zu diesem Thema liefern:

Zusammenfassung Global Monitoring Report:

http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/NEWS/0,,contentMDK:21881954~pagePK:34370~piPK:34424~theSitePK:4607,00.html


Global Monitoring Report zeigt die Veränderungen seit 1900 auf und misst sie an den UN-Milleniumszielen, die Zahl der Armen bis 2015 zu halbieren:

http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/EXTDEC/EXTGLOBALMONITOR/EXTGLOMONREP2008/0,,contentMDK:21703005~menuPK:4860348~pagePK:64168445~piPK:64168309~theSitePK:4738057,00.html


Empfehlenswert auch das Buch
«The Improving State of the World» von Indur M. Goklany.

http://en.wikipedia.org/wiki/The_Improving_State_of_the_World

Des weiteren empfehle ich David Dollars und Aart Kraays Studien zur Weltwirtschaft, sowie diejenigen François Bourguignon und Christian Morrisson «Inequality Among World Citizens, um nur einige aktuelle Studien zu nennen, die Beweise liefern, dass es der Welt noch nie besser ging.

Natürlich folgen auf die gute Nachricht eine ganze Batterie von «Abers». Aber in Subsahara-Afrika hat sich nichts verbessert. Aber es sind immer noch 1 Milliarde Menschen, die in skandalöser Armut leben müssen. Das ist alles richtig, und dennoch kann man sich über die Erfolgsmeldung freuen.

Die Welt wird besser, entgegen allen unrealistichen Einschätzungen von Endzeitpropheten.

Und was das Geplänkel angeht: Zappadong hat keinen Bericht über Armut publiziert, sondern diesen Brief von Levrat gepostet. Und genau den habe ich kommentiert. Ihr Geplänkel über das Geplänkel ist mit Verlaub auch nicht sonderlich substanziell.

Bruder Bernhard said...

@Frau Müller: Nein, ich finde es nicht zynisch, was sie hier sagen. Gestatten Sie aber, dass ich es nicht sehr hilfreich finde. Es lässt sich mit solchen Prozentzahlen alles beweisen. Ich bin halt so unpolitisch und unwissenschaftlich, dass ich mir sage, wer einer von der unglückseligen Milliarde ist, dem muss man mit solchen Nebelkerzen einfach nicht kommen. Ob die Milliarde nun Teil einer Weltbevölkerung von 6 oder 9 Milliarden ist - ja mei....

Wenn nun die reichen Länder die Weltwirtschaft in Schieflage bringen und Millionen wieder ärmer machen und wenn die Ospels daran entscheidenden Anteil haben, dann, verzeihen Sie, kann ich Ihrer Stilkritik überhaupt nichts abgewinnen. Schaut man die Welt von unten an, kann man Levrat nur Erfolg wünschen, ob man ihn und sein Sinnen und Trachten nun sympathisch findet oder nicht.

Zappadong said...

@Frau Müller

Genau hier liegt meiner Meinung nach der dicke Hund begraben: "Und für Ordnungspolitik sind nun mal Politiker zuständig, sonst können wir die Politiker, die Parlamente und die Regierungen gleich abschaffen."

Das Gefühl, dass absolut nichts läuft, dass die Politiker sich von der Finanzwirtschaft an der Nase herumführen lassen, ist derart frustrierend, dass ein Newsletter von Christian Levrat mir einen ganzen Tag retten kann.

Ich hoffe und baue darauf, dass Monsieur Levrat hinter den Kulissen knochenharte Arbeit macht und mehr vorhat, als nur diese PR-Aktion. Mit etwas Glück folgt da dann tatsächlich Fundierteres (das die anderen Parteien dann wieder mit vielen leeren Worten bachab schicken können).

Für mich hat Levrat mit dieser Aktion ein lange fälliges Zeichen gesetzt. Nun darf es nicht beim Zeichen bleiben, sondern jetzt folgt tatsächlich die Arbeit. Ansonsten verpufft ein weiterer PR-Furz in der Luft und es bleibt wieder einmal (mehr) nur das leere Schlucken.

Mara said...

@zappadong

Aber ist nicht gerade diese Aktion ein eingestehen der eignen Ratlosigkeit? Ein publimkumswirksames Mittel zur promotion verwendet - in dem Wissen, dass strafrechtlich die Herren überhaupt nicht belangt werden können? Warum dann noch eine Anzeige?

Wenn man wirklich jenseits der Empörung und Entrüstung eine Vision hätte, wohin man gehen will - bräuchte man dieses Kasperltheater überhaupt nicht.

Mangelnde Idee kann man zwar mit Tatendran überdecken - mangelde Ideen bleiben es aber trotzdem.

Frau Müller said...

@ Bruder Bernhard: Wenn Sie meine Kommentare als Geplänkel auf Nebenschauplätzen bezeichnen, dann gehen Sie doch bitte mit gutem Beispiel voran und zeigen auf, wie ein Beitrag auszusehen hat, damit er den Ärmsten der Welt von Nutzen ist und geistig Armen wie mir obendrauf. Von Ihren bisherigen Statements hat nämlich auch niemand gegessen. Und von Levrats Clownereien wird auch niemand satt.

Und wenn Sie es nicht als Erfolg bezeichnen, dass viele tödliche Krankheiten wie Pocken und Pest ausgerottet wurden, dass immer mehr Frauen zur Schule gehen und es weniger Kriege gibt, dann ist Ihnen auch nicht zu helfen.

Und wenn Sie den Prozentzahlen nicht glauben, dann lassen Sie sich die Geschichte doch von Menschen vor Ort erzählen. Oder lesen Sie Geschichtsbücher und vergleichen Sie diese mit dem Zustand der Welt heute. Jeder, der Brasilien oder Indien in den letzten Jahrzehnten regelmässig besucht hat, kann sehen, dass es den Menschen heute besser geht als zuvor.

Und wenn Ospel Schuld ist an der Schieflage der Weltwirtschaft, dann war sie dank ihm vorher am Prosperieren? Wenn Ospel die Leute ärmer macht, hat er sie dann vorher reicher gemacht?

Es tut mir leid, wenn ich Ihr Feindbild, dass Sie nun wohl seit 70 Jahren oder zumindest seit den 70er Jahren pflegen, zerstören muss. Aber die Welt ist ein bisschen komplexer, als Sie es hier darstellen. Sehr empfehlen kann ich die Lektüre der jungen afrikanischen Ökonomen, wie beispielsweise Dambisa Moyo, die in ihrem Buch „Dead Aid“ die These vertritt, dass beispielsweise eines der Grundübel Afrikas die Entwicklungshilfe ist.

http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E2312C0F2B2C34EF89001399FD62DDA0C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.zeit.de/2009/23/P-Moyo-Dambisa?page=all

Der indische Wirtschaftswissenschafter und Nobelpreisträger Amartya Sen hat analysiert, dass es in keiner funktionierenden Demokratie jemals zu einer Hungersnot gekommen sei. Hunger ist normalerweise ein Problem der Nahrungsmittelverteilung, nicht unbedingt ein absoluter Mangel an Nahrung.

Die meisten Hungersnöte sind Folge von Krieg, verfehlter Regierungspolitik oder werden in genozidaler Absicht ausgelöst. Dafür können Sie Ospel ja wohl kaum die Schuld geben, oder schaffen Sie es doch noch, dies irgendwie hinzubiegen?

@ Mara: Sie bringen es auf den Punkt!

Bruder Bernhard said...

@Mara: ob Ospel angeklagt werden kann, ist überhaupt noch nicht negativ beantwortet - da sind Sie jetzt ein bisschen vorschnell in Ihrem Urteil. Zumindest höre ich das in den Nachrichten. Das kann natürlich auch falsch sein...

@Frau Müller: habe ich Sie als 'geistig arm' bezeichnet?

Nochmals: mit Prozentzahlen hantieren ist äusserst praktisch bei zunehmender Bevölkerungszahl. Diue absoluten Zahlen sprechen eine andere Sprache: " La crise accentue le problème de la faim. Un milliard de personnes sont touchées
La faim dans le monde touchera 104 millions de personnes de plus en 2009 en raison de la crise, portant le nombre total de personnes sous-alimentées à près d’un milliard, a prévenu mercredi Jacques Diouf, directeur de l’agence de l’ONU pour l’alimentation et l’agriculture (FAO)." Le Temps, 7.5.2009.

Dass die Ospels dieser Welt für die jetzige Krise einen grossen Teil der Verantwortung tragen, können Sie bestreiten, so lange Sie wollen. Ich höre Anderes.

Äusserst praktisch zudem, dass Sie Kronzeugen finden, die Ihre beruhigende Weltsicht unterstützen. Als Simpel aus den 70er Jahren ist mir das zu einfach, und wie Hercule Poirot frage ich: Wem nützt die Erklärung? Ihnen? Scheint so.

Kriege, verfehlte Regierungspolitik, Genozide, lokale Eliten, die ihr Volk ausbeuten: Das fällt wohl alles vom Himmel? Auch da gibt es Erklärungsansätze, die ihr praktisches Weltbild ins Wanken bringen könnten. Aber das lassen wir lieber, weil die Systemfrage, die wollen wir jetzt gar nicht stellen. Vielleicht müsste man das aber jetzt langsam tun.

Pröstli.

Mara said...

@bb

Es wird bereits seit 1 1/2 Jahren bei der STA geprüft, ob ein hinreichender Anfangsverdacht besteht. Zum einen ist die Anzeige insofern völlig redundant - aber einfach die Presse auf das bereits laufende Verfahren hinzuweisen is ja auch zu öde.

Und zum anderen gibt es hier ein Problem wie es bei fast allen wirtschaftrechtlichen Prozessen gibt - wo hört normales Verhalten auf, wo fängt kriminelles Verhalten an, wo ist die Grenze der Risikobewertung und des noch tolerierbaren Verhaltens.
Ich würde gerne mal einen Prozess/eine Verurteilung erleben, bei dem dies alles als strafrechtlich Relevant eingestuft wird. Um Informationen in dieser Hinsicht wird geben. Ich kenne keinen ...
Jetzt allerdings damit anzufangen - is schon fast willkürlich. Die Tatbestände müssten klarer definiert sein, die Haftungsrisiken stärker umrissen usw...

Frau Müller said...

@ BB: Hab ich gesagt, dass Genozide vom Himmel fallen? Nein, ich bin bloss nicht so naiv, dem Ospel / dem Kapitalismus an allem Übel dieser Welt die Schuld zu geben.

Jene Kronzeugen, die ich genannt habe, unterstützen auch nicht einfach mein Weltbild (so klug bin ich nicht, dass ich von selbst auf diese Gedanken gekommen wäre), sondern sie haben umgekehrt nach eingehender Lektüre insbesondere der Schriften Amartya Sens über die Armut mein Weltbild neu justiert.

Das beste Mittel gegen Hungersnöte ist Demokratie, sagt er. Freiheit, Demokratie, Verwirklichungschancen und die Gleichberechtigung und Bildung der Frau. Die Steigerung des Bruttosozialprodukts ist dann nur eine positive Nebenerscheinung dieses Prozesses.

Die Zahlen können Sie interpretieren wie Sie wollen oder ganz ignorieren. Fakt ist: Seit den 60er Jahren hat die Menschheit in jeder Dekade um eine Milliarde zugenommen. 1974 lebten 4 Milliarden Menschen auf der Welt, wovon ca. 50 Prozent, also 2 Milliarden in extremer Armut lebten. Heute leben 6,8 Milliarden Menschen auf der Welt, wovon 1 Milliarde in extremer Armut lebt. Hätte sich die Armut seit den 70er Jahren parallel zur Weltbevölkerung entwickelt, dann würden heute ca. 3,4 Milliarden Menschen hungern.

Die Menschen haben es aber geschafft, heute 5,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Und zwar Dank zunehmender Demokratisierung und wirtschaftlicher Freiheit.

Jacques Diouf hat diese Zahlen im Mai «prévenu». Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat an der G8-Konferenz im Juli hingegen gesagt, dass die gegenwärtige wirtschaftliche Situation in den Entwicklungsländern, vor allem in China und Brasilien, besser sei als die in den Industrieländern. So habe sich beispielsweise die Beschäftigungslage in diesen Ländern verbessert. Die Produktion und der Konsum nähmen zu. In den sogenannten "reichen Staaten" trete dieser Prozess nicht zu Tage.

Zappadong said...

@Mara
Ich habe eine Frage (da ich von Recht zu wenig verstehe):

Die SP hat nicht zuletzt aufgrund neuer Fakten (zugegebene Strafbestände im Rahmen der Vergleichsverhandlungen mit den Vereinigten Staaten) eine Anzeige eingereicht. Ist das nicht gleichzusetzen mit einem neuen Verfahren? Oder anders gefragt: Wären diese Fakten auch in dem seit 1 1/2 Jahren laufenden Verfahren berücksichtigt worden?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die SP diese Anzeige ohne Konsultation von Anwälten eingereicht hat - die hätten doch (hoffentlich!) bestimmt abgeraten, wenn das Ganze einfach nur heisse Luft wäre.

@Frau Müller: Ihre Fakten beruhigen mich überhaupt nicht! Es gibt immer noch viel zu viel Armut, viel zu viele Kriege, viel zu viele Hungertote, viel zu viele Aidstote, viel zu viele Tote infolge anderer Krankheiten. All den Betroffenen nützen diese Statistiken herzlich wenig.

Mara said...

@BB

Zu einer Tathandlung, hier Wohl Beihilfe zur Steuerhinterziehung/untreue Geschäftführung gibt es auch nur ein Verfahren. Alle Tathandlungen werden dann zusammengefasst in einer Untersuchung. Dabei werden die einzelnen jeweils auch Einzeln untersucht. Wenn jetzt also neue Beweise auftauchen, dann werden diese den einzelnen Tathandlungen zu geordnet. (ein bischen banal ausgedrückt ich weiss..)
Also ne Strafanzeige, wenn bereits eine Untersuchung stattfindet ist Unsinn - auf Beweise aufmerksam zu machen hingegen nicht. Die Frage ist nur, wass weiss Herr Levrat, wass der Untersuchungsbehörde fehlt?

Hätten sie abgeraten? Ich glaube hier wird einfach mit Nichtwissen der Meisten gerechnet.....

@Frau Müller

DAnke für die vielen guten Leseempfehlungen. Das nächste mal bitte vor dem Urlaub..:-)

Zappadong said...

@Mara

Danke für die Information.

Hätten sie abgeraten? Ich hoffe doch sehr, sie hätten (es gibt andere Mittel und Wege auf etwas aufmerksam zu machen als eine Anzeige einzureichen).

Nun, ich habe die Frage heute Morgen Christian Levrat gestellt und bin nun gespannt ob / was er darauf antwortet.

Frau Müller said...

@ Zappadong: Hat irgendjemand bestritten, dass immer noch zu viele Menschen an Hunger sterben? Hat jemand gesagt, jetzt ist gut? Nein, die UN-Milleniums-Ziele haben die Vorgabe, bis 2015 die Armut in der Welt zu halbieren. Und auf diesem Weg befinden wir uns, wie die Zahlen des Global Monitoring Reports der Weltbank beweisen.

Das sind nicht einfach Statistiken, sondern dahinter stecken Menschen, beispielsweise Millionen von Mädchen, die heute zur Schule gehen dürfen, statt Kinderarbeit zu machen, als erste Generation ihres Landes. Mir jauchzt das Herz vor Freude darüber, dass immer mehr Mädchen lesen und schreiben lernen!

Hinter diesen Zahlen stecken beispielsweise Menschen, die nicht an Pocken sterben, weil die WHO weltweit ein konsequentes Impf- und Bekämpfungsprogramm durchgeführt hat.
Millionen von Menschen, die nicht hungern müssen als erste Generation ihres Landes.
Millionen von Menschen, die Zugang zu Trinkwasser erhalten haben.
Millionen von Menschen, die sich an gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Prozessen beteiligen können, als erste Generation ihres Landes.

Das sind nicht einfach Statistiken, sondern dahinter stecken kluge Köpfe, die sich überlegt haben, wie man Hunger bekämpfen kann und die dies laufend umsetzen.

Ich verstehe einfach nicht, wieso sich die Schweizer darüber nicht freuen können, dass es der Welt kontinuierlich besser geht. Sind sie geimpft gegen jede positive Nachricht? Sind sie dermassen voller Ressentiments, dass es der Welt besser geht, als noch vor 50 Jahren? Wo wurzelt dieser Pessimismus der Schweizer? Wieso sind die Schweizer blind gegenüber dem Fortschritt? Warum sind sie so undankbar dafür, dass immer mehr Mädchen in die Schule gehen dürfen?

Bruder Bernhard said...

@Frau Müller: schön, jetzt sind wir uns fast ganz einig. Auch ich bin der Meinung, dass hinter den Statistiken das Einzelschicksal die einzige Grösse ist, die zählt.

Im Unterschied zu Ihnen allerdings will ich nicht bis 2015 warten. Und die gigantischen Summen, die jetzt zur Bekämpfung der westlichen Finanz- und der daraus entstandenen Wirtschaftskrise eingesetzt werden konnten beweisen: Wenn man nur wollte, könnte man schon morgen den grössten Teil des Welthungers abschaffen. Daher mein Frust, mein Zorn, auch mein Ekel vor den Satten, die so gerne die Anderen, denen es schlecht geht, vergessen, und die es so gerne den von Ihnen zitierten klugen Köpfen überlassen, eine Lösung zu finden, ohne hier Abstriche machen zu müssen. Wohlgemerkt: Ich predige nicht eine graugesichtige Askese, aber eine echt faire Teilung. Solange so wie jetzt noch gehungert, krank geworden und gestorben wird, solange lässt sich der westliche Lebensstandard nicht guten Gewissens vertreten.

Ich habe jetzt grad eine 20'000-Franken-Operation hinter mir, das weckt die Empathie für Andere, die sich nicht mal Grippemittel leisten können. Auch die sollen nicht bis 2015 warten müssen, bitte.

Den letzten Abschnitt über Ressentiments und Schweizer habe ich jetzt mal überlesen.

Mara said...

@BB

Welternährungsprogramme etc sind doch nicht nur eine Frage des Geldes.

Schon allein die fatale Situation in Afghanistan zeigt, dass allein der gute Wille und Millionen von Dollar nicht reichen um eine darbende Bevölkerung versorgen zu können (die Korruption blüht seitdem und Afghanistan hat die höchsten Lebensmittelpreise der Welt).

Bruder Bernhard said...

@mara: niemand behauptet, es sei ausschliesslich eine Frage des Geldes. Aber es dürfte wohl unbestritten sein, dass die Gelder oft nicht oder nur harzig fliessen. Es besteht wirklich kein Grund, sich zurückzulehnen. Oder doch? Wird wirklich genug getan? Ist mein Ärger so verfehlt?

Mara said...

@BB

Das grösste Problem der mittelfristigen Hilfe (keine Katastrophenhilfe...) ist, dass derzeit viel zu wenig Geld wirklich ankommt, bzw. man die Auswirkungen von Hilfe kaum wirklich einschätzen kann.

Flüchtlingslager sind voll von Menschen ohne jede Eigeninitiative, ohne HOffnung und! weil sie es so sehr gewohnt sich, versorgt zu werden.
Die Korruption blüht - und nur selten erreicht die Hilfe die ärmsten Teile der Bevölkerung.
Es fehlt an Idee und Konzepten wie das Geld sinnvoll verteilt wird.

Viel sinnvoller scheint wirklich eher ein langfristiges Engagement zur Demokratieförderung zu sein - mit steigender Bildung und Eigenengagement ist Entwicklung nachhaltiger und befriedigender.

Zappadong said...

Ich unterbreche die Diskussion ganz kurz.

Herzlichen Dank für diese spannende, anregende, kontroverse und harte, aber wunderbar anständig geführte Diskussion.

In der Zwischenzeit wird in diesem Kommentarthread weit mehr als nur über die Wirtschaftskrise diskutiert. Ich habe mir überlegt, neue Threads zu den entsprechenden Themen aufzumachen, finde aber, dass zwischen den vielen angeschnittenen Themenbereichen ein Zusammenhang besteht und denke, es passt, so wie es jetzt läuft. Wenn jemand von euch eines dieser Themen in seinem / ihrem Blog anreisst, schickt mir bitte den Link und ich füge ihn als up-date in den Blogeintrag ein.

Gerne weise ich auch auf Von Relax' Gästebeitrag - eingestellt als Link - ein (veröffentlicht heute Morgen, 19. August). Von Relax hat auf meine Bitte hin einen Text über die Finanzwelt aus seiner Sichtweise geschrieben. Herzlichen Dank an ihn!

Frau Zappadong

Frau Müller said...

@ Bruder Bernhard: Sie sagen, dass Sie im Gegensatz zu mir nicht bis 2015 warten möchten. Bitte hören Sie auf mir solchen Mist zu unterstellen. Ich habe nicht gesagt, dass ich bis dahin warten möchte, sondern dass dies das Ziel der Uno ist.

Sie behaupten, dass «die gigantischen Summen, die jetzt zur Bekämpfung der westlichen Finanz- und der daraus entstandenen Wirtschaftskrise eingesetzt werden konnten beweisen: Wenn man nur wollte, könnte man schon morgen den grössten Teil des Welthungers abschaffen.»

Wenn Sie erklären, wie man die Hungersnot im Sudan, die dort bekanntlich als Mittel der Kriegsführung eingesetzt wird, mit Geld lindern könnte, dann ist Ihnen der Friedensnobelpreis sicher.
Die Flüchtlinge darben derzeit nämlich nicht wegen der Weltwirtschaftskrise, sondern weil der selbst ernannte Präsident kürzlich 13 Hilfswerke ausgewiesen hat, weitere sollen folgen. Und was vorher an Lebensmittel reinkam, hat das Militär, also der Feldmarschall-Präsident Omar Hassan al-Baschir für sich und seine Mördertruppen annektiert. Die Regierung versorgte nur den, der bereit war, zum Islam überzutreten. Das Prinzip lautete «Lebensmittel gegen Islam». Übrigens mit voller Unterstützung der arabischen Staaten.
Wie Krisenexperten sagen, ist diese Hungersnot die Schuld des Präsidenten und nicht von Ospel. Jeden Monat sterben 5.000 Menschen in Darfur, weil Baschir entschieden hat, sie auszurotten, sagt Louis Moreno-Ocampo, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, der Baschir wegen Völkermord vor Gericht bringen will. «Baschir vernichtet seit mehr als sechs Jahren ein ganzes Volk durch Hunger und Vergewaltigungen. 2,5 Millionen Menschen sterben in Darfur einen langsamen Tod. Baschir behindert die humanitären Helfer. Schon indem er internationalen Organisationen Visa verweigert oder Nahrungsmittelkonvois angreift, tötet er Menschen. Baschir wird diese Verbrechen weiterhin begehen.»

Laut FAO wurden 17 Hungerkrisen Anfang 2007 durch Bürgerkriege und Konflikte ausgelöst. Ströme von Vertriebenen und Flüchtlingen können in Ländern wie Zentralafrikanische Republik, Elfenbeinküste, Demokratische Republik Kongo, Guinea, Sudan aber auch Afghanistan oder Timor-Leste nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden. In anderen Ländern führte die verschlechterte Sicherheitslage zur Aufgabe der existenziell wichtigen lokalen Landwirtschaft (Zentralafrikanische Republik, Somalia, Tschad).

Wie Amartya Sen empirisch-historisch nachwies, sind Hungersnöte ein spezifisches Charakteristikum von autoritären Regierungssystemen.

Satt machen Demokratie und Freiheit.