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Petition gegen Verbot von Killerspielen

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Wenn etwas schief läuft in unserem Land - und erst dann - schreien sie los, unsere Politiker! Dann wollen sie Massnahmen sehen, dann fordern sie im Namen der Gesellschaft und des Volks Strafen und Verbote, dann aber subito, bitte!

Warum erst dann? Weil man mit Prävention und Vorsorge kein Blumensträusschen gewinnen kann, oder, wie es ein Polizeibeamter so schön (und ziemlich frustriert) auf den Punkt gebracht hat: Prävention zeigt sich nicht in Statistiken, Verurteilte Straftäter eben schon.

Und so sind sich nach Vorkommnissen in den letzten Monaten alle Politiker wunderbar einig gewesen, dass Killerspiele verboten werden müssen. So - wird dem gemeinen Volk signalisiert - wird alles wieder gut.

Das ist und war mir schon immer zu kurz gegriffen. Den Josos der Schweiz offenbar auch. Nachdem ihre Mutterpartei sich für ein Verbot eingesetzt habt, stellen sie sich hin und rufen "Halt!"

Ihre Begründung überzeugt:

Die SP-Fraktion stimmte im Nationalrat geschlossen für ein Verbot der so genannten Killerspiele. Das ist für uns absolut unverständlich. Anstatt zu fragen, was die Gründe für Amokläufe sind, wird mit pseudopsychologischen Argumenten ein extrem umstrittener Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und Gewalt im realen Leben hergestellt.

Ein liberales Verständnis von sozialdemokratischer Politik aber lässt für solche generellen Repressalien keinen Raum. Wir brauchen kein Verbot, welches alle VideospielerInnen kriminalisiert. Wir brauchen eine intelligente Politik, welche Perspektiven schafft, um Gewalt an ihren Wurzeln zu bekämpfen. Was wir brauchen, sind mehr Lehrstellen für Jugendliche, damit diese eine Perspektive erhalten.

Zu der Petition mit den Forderungen geht es hier.

Frau Zappadong

3 Kommentare:

Anonymous said...

Liebe Frau Zappadong,

mein erster Reflex war, die Begründung der Jusos abzunicken. Wer kann schon gegen eine intelligente Politik, gegen (hoffentlich gute) Perspektiven und mehr Lehrstellen sein?

Doch bevor ich mich zustimmend auf dem Petitions-Stuhl niederließ, habe ich den Fehler begangen, mir den Stuhl genauer anzusehen. Da steht zum Beispiel hinten an der Lehne: wir ... schlagen ... folgende Lösungen vor: „Verbote von Videospielen, in denen bestimmte Rassen oder Bevölkerungsgruppen diffamiert werden oder spezifisches Ziel von Angriffen sind.“
Schon wieder setzt das reflexartige Kopfnicken ein, bis mir der Gedanke durch den Kopf schiesst, dass das doch heute schon verboten ist? Oder bin ich da falsch informiert?

In der Hoffnung, mehr Informationen zu bekommen, habe ich den gesamten Petitionstext gelesen, und es ist beinahe herzig, was da drin steht. Da sollen es u.a. die Lehrer und die Eltern richten. Ich wage zu behaupten, dass verantwortungsbewusste Lehrer und Eltern schon heute versuchen, die Kinder zu gewaltfreiem Verhalten und sinnvoller Computernutzung zu erziehen. Was ist das revolutionär Neue an dem Vorschlag?

Weiter wird in der Petition der SP-Fraktion die „Verteufelung des technologischen Fortschritts“ vorgeworfen, und die Computerspiele mit der Erfindung des Zuges, des Telefons, des Fernsehers und des Computers verglichen. Selten so den Kopf geschüttelt. Computerspiele NUTZEN eine Erfindung, die des Computers nämlich, sind aber für sich genommen kein technologischer Fortschritt.

Aber nun kommt die Petition zum wirklich Wichtigen: Es wird aufgezählt was „Wir brauchen“. Eine ganze Menge. Unter anderem einen funktionierenden Jugendschutz, der „Eltern die Kontrolle des Spielverhaltens ermöglicht“. Schon wieder setzt mein Kopfschütteln ein, das wird langsam gesundheitsschädlich. Fällt den Jusos tatsächlich nichts besseres ein, als gegen ein Verbot zu schimpfen, die eigene Mutterpartei „reaktionären Kräften“ gleichzusetzen, und die „Killerspieldebatte“ in die freikirchliche Ecke (und damit „pfui-bäh“) zu stellen?
Und als Lösungsvorschlag erfolgt der billige Rückgriff auf Eltern und Lehrer, die Kraft einer plötzlich vorhandenen Autorität die Jugendlichen kontrollieren sollen?
Hm, nein, ich denke, auf den Stuhl setze ich mich nicht.

Ich sehe mir den andern an, den, der ein Spielverbot fordert. Doch, er sieht ganz verlockend aus, „Killer“-Spiele verbieten, Gewalt-Spiele verbieten, wer soll da etwas dagegen haben?

Leider hängt auch hier an der Lehne ein Warnschild: Achtung! Verbote haben noch nie funktioniert. Verbote reizen zur Übertretung. Verbote beissen sich mit demokratischen Grundrechten und funktionieren in Zeiten von Internet und internationalem Handel sowieso nicht.
Und jetzt? Welchen Stuhl nehme ich?

Mich hat beeindruckt, was Leena Hässig hier http://www.derbund.ch/leben/gesellschaft/Warum-ein-Mensch-zum-Monster-wird/story/22368071
über Gewalt und ihre Entstehung sagt. Als Stichworte fallen Langeweile und Bindungslosigkeit. Und dann sagt sie: „Nicht die Zahl der Gewalttaten, sondern vor allem die Brutalität und die Qualität der Gewalt haben zugenommen, sagt Leena Hässig: «Das ist auch der Ausdruck einer gewissen Abgestumpftheit. Viele heutige Gewalttäter spüren lange nicht, dass sie ihrem Opfer Schmerzen zufügen. Ich bin deshalb auch überzeugt, dass Gewaltdarstellungen in den Medien, vor allem im Fernsehen und im Internet, zu dieser Abgestumpftheit beitragen können.“

Ich wünsche mir, dass wir Leute wie Frau Hässig ernster nehmen. Weil es Zeichen braucht, Signale, die vermitteln: So nicht. Hier ist eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, weil sonst der Mensch und die Gesellschaft schaden nimmt. Und dieses Zeichen-setzen sollte nicht wieder nur den andern (Lehrern, Eltern, Politikern, Wirtschaftsführern) in die Schuhe geschoben werden, auch wenn die natürlich in der Pflicht sind, sondern jeder von uns könnte den ersten Schritt tun. Hier und heute.

Ich häkel schon mal ein Kissen für meinen Stuhl.

Mit besten Grüssen

Rösli von Deralp

Carolus Magnus said...

Ego-Shooter zum Stressabbau
In den USA beginnt sich derzeit ein neuer Trend abzuzeichnen, der zukünftig ein völlig anderes Licht auf das Thema Videospiele werfen könnte. Wie Cnet berichtet, geht nämlich eine zunehmende Zahl von Unternehmen dazu über, Multiplayer-fähige Online-Games als Mittel einzusetzen, um internen Kommunikationsdefiziten innerhalb der eigenen Mitarbeiterschaft entgegenzuwirken und die allgemeine Teamfähigkeit des Personals zu stärken.

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Zappadong said...

Liebe Frau Rösli

Ich habe den Stuhl nicht so genau angeschaut wie sie. Aber weil ich eine ganze lange Weile der SP angehörte, weiss ich, wie die Jusos ticken. Sie sind jung und unbedarft, viele ihrer Ideen absolut unausgegoren. Das fällt für mich unter das Vorrecht der Jugend. Die Jugend muss noch nicht so abgeklärt daherkommen wie die "weisen" Alten. Sie dürfen meiner Meinung nach noch über das Ziel hinausschiessen. Es gibt genügend Ältere, die die jungen Hüpfer ganz unsanft wieder auf den Boden holen.

Was für mich zählt: Ich will kein Verbot der Killerspiele. Nicht, dass ich es super finde, wenn diese Spiele gespielt werden - im Gegenteil. Aber ich wünsche mir anstatt eines Verbots eine Auseinandersetzung (hier kommt jetzt Frau Hässig ins Spiel), ein Ein- und Nachhaken. Die Jusos versuchen mit ihren Forderungen Gedankenanstösse zu geben. So ungelenk sie sind: Es sind Anstösse, die eine Diskussion auslösen können.

Nach Verboten zu rufen ist einfach und billig. Wirklich etwas zu tun schon sehr viel schwieriger. Anfangen könnte man zum Beispiel damit, dass Eltern sich überhaupt erst einmal dafür interessieren, was ihre Kinder so spielen ...