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Heidis + Peters, Teil III - Im Ernst

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"Im Ernst, ich wünsche mir, dass die Medien uns Schweizer Künstler wieder ernst nehmen."
(Dodo Hug, im Beitrag "Zusammenraufen - Gemeinsam stark)

Nachdem ich am Wochenende genau an diesem Thema genagt habe

(Zwischenbemerkung: Ich habe herausgefunden, dass eine sehr wichtige CH Organisation im Bereich Kinder- und Jugendbücher kein einziges meiner Bücher rezensiert hat.)

werfe ich das Thema und meinen Frust einfach mal ziemlich ungefiltert in die Runde.

Wie in diesem Beitrag diskutiert, ist ein Künstler ein selbständig Erwerbender und somit unter anderem auch ein Stück weit Selbstvermarkter. Auf die Unterstützung der lokalen und regionalen Presse kann man sich dabei verlassen - aber sobald es nur schon eine Nummer grösser wird, wird es schwierig.

Mögliche Gründe:

- Kultur hat in den meisten Zeitungen mittlerweile in einer kleinen Ecke Platz.
- Sogar, wenn da sehr viel mehr Platz wäre, hätte es immer noch nicht Platz für jeden und jede.
- Man schreibt über das, was man schon kennt => Neues hat es schwerer, überhaupt in die Medien Einzug zu halten.

Trotzdem: Dürfte man nicht erwarten, als Musiker auch mal im landesweiten Radio gespielt zu werden (ich habe Musikerkollegen, die das trotz hervorragender Musik nie geschafft haben)? Als Theatermacherin ein paar Kilometer abseits der grossen Stadt trotzdem einmal in einer landesweiten Tageszeitung aufzutauchen? Als bildender Künstler auch mal eine Zeile oder ein paar Filmsekunden zugestanden zu bekommen? Als Jugendbuchautorin auf einer Rezensionsseite für Kinder- und Jugendbücher aufzutauchen?

Und wenn ich schon beim Fragen bin: Ist es für jemanden aus der kulturellen Pampa schwieriger?

Sie dürfen Ihre Antworten gerne in diese Runde zurückwerfen. Danke.

PS: Zum Thema "Der Künstler als selbständig Erwerbender" geht es hier.

Update: Hochinteressant: Woher Werbung nehmen

Frau Zappdong

9 Kommentare:

bugsierer said...

nein, liebe frau zappadong, das alles dürfen sie nicht erwarten. genausowenig wie jeder schreiner erwarten kann, dass er in einem designermagazin gefiitschert wird.

wer sich entscheidet, mit kunst oder sport seinen lebensunterhalt zu verdienen, begibt sich in die brutalste auslese, die man haben kann. nichtbeachtung und finanzielles scheitern sind bei den meisten die regel. alle wissen das. es ist ein hochrisikospiel, die börse ist ein kindergarten dagegen.

nein, es ist nicht schwieriger, wenn man aus der pampa kommt. die meisten erfolgreichen künstler kommen aus der pampa.

dodo hug plappert politikersprech: schweizer medien haben schweizer künstler noch nie so ernst genommen wie heute. frau hug weiss das, denn sie ist auch schon 30 jahre im business.

es gibt 2 möglichkeiten: entweder ist es dir egal, wo du besprochen wirst, wieviel auflage du machst etc., und gehst weiter unbeirrt deinen weg. bis du entdeckt wirst und auf die titelseiten kommst.

oder du machst dich ran und startest deine selbstvermarktung nach allen regeln der kunst. dazu gehört: alle subventionen mit gesuchen und projekten anzubaggern, die es so gibt (einige 100); sich als kolumnistin in der lokalpresse anbieten; die onlinepräsenz optimieren; lesungen machen (machst du ja); projekte anreissen (subventionierte); etcpp.

das alles erfordert mindestens einen 50% job, den rest kannst du fürs schreiben einplanen. je fleissiger du bist, desto weniger wird deine auflage eine rolle spielen. ich kenne viele künstler, die das so machen. warum nicht? immer noch besser als am fliessband stehn oder überheblichen szenis den drink kellnern.

karl valentin hatte recht: kunst ist schön, gibt aber viel zu tun.

Zappadong said...

Lieber Bugsierer

Nein, erwarten tue ich nichts. Aber schön wär's trotzdem.

Zu den Subventionen: Ich will keine. Aber so langsam scheint es mir, dass man tatsächlich seine Gesuche überall einreichen muss, damit die Leute merken, dass man überhaupt da ist.

Zur Selbstvermarktung: Ich bin dran und sehe da durchaus Ausbaupotential. Freue mich auch darauf, das in Angriff zu nehmen.

Dabei gehe ich durchaus mit dir einig (und habe das in Heidis + Peters, Teil 2, auch geschrieben): In dieser Branche bist du ein selbständig Erwerbender, der genau so hart arbeiten muss, einen Kundenkreis aufzubauen wie an seiner eigentlichen Arbeit. Und kein Mensch hat Anspruch auf Erfolg und selbständig Erwerbende haben nicht einmal Anspruch auf ein ausreichendes Einkommen. Es kommt rein, was reinkommt. Punkt. Mehr nicht.

Ich tendiere im Moment zu einer bestmöglichen Kombination von Möglichkeit 1 und Möglichkeit 2.

Und vielleicht mache ich meinen Pampa-Status zum USP :-)

Danke für die gerade heraus Antwort!

Bruder Bernhard said...

liebe zappadong - komm vom jammerpfad wieder runter, denn das jammern um die brotlosigkeit der kunst ist so alt wie diese selber. sei froh, dass du kreativ sein kannst, dass du überhaupt einen verlag gefunden hast, dass du ein publikum hast.

du klagst die falschen täter an: die zwischenhändler und agenten (feuilleton, gremnien, verlage) sind ja nur eine der ebenen zwischen produzenten und konsumenten, und diese ebene kann umgangen werden. wer auf das feuilleton wartet, kann lange warten. wer auf subventionen wartet, wird zum portfolio-künstler (immer am lebenslauf rumbasteln, immer am mäppli versenden) - tödlich.
es ist statistisch ganz einfach: kann in einer gesellschaft eine person von der kunst leben, dann wollen das 10 andere auch - und eine gesellschaft absorbiert soviel kunst wie sie es eben tut, sie lässt sich bestimmt nicht dazu zwingen.
es wird immer künstler geben, die zu unrecht sich nicht durchsetzen - klagen macht die sache aber nicht besser, eher im gegenteil.
hey, wär nid wot, het gha - pfeif auf die pfeifen und konzentriere dich auf dein publikum. das nimmt dich wie du bist, auch unnett.

Zappadong said...

Lieber BB

Schon passiert. Der Kopf sitzt wieder gerade auf dem Hals (so ab und zu ein bitzli jömerla tut gut).

Und jetzt zur Antwort: Bugsierer und Petra haben mögliche Antworten gezeigt (Petra im Link aus dem Update), Bugsierer in seiner herrlich geradeaus-Art hier in den Kommentaren.

Doch. Ich will einen Verlag. Und die Zwischenhändler. Ich weiss, dass es bei der Musik anders aussieht und bewundere euch Musiküsser deshalb total. Wenn es zum Schreiben kommt, tut ein Verlag gut, tut der Zwischenhändler gut, der die Bücher in seinem Laden auslegt und verkauft. Ich weiss, dass diese Zeiten änderen können und wahrscheinlich auch werden (und es dann in eine ähnliche Richtung gehen wird wie in der Musik), aber im Moment fahre ich gut mit beidem. Plus meinem Agenten (ja, so einen habe ich auch - und der ist sein Geld wert).

Auf das Feuillton warten bringt in der Tat nichts (dazu schreibe ich auch die falschen Bücher), aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten :-) Und da bin ich jetzt wieder mit frischem Schwung dran (siehe oben: jömerla ist reinigend - habe danach immer einen kreativen und arbeitstechnischen Schub).

Ideen habe ich auch schon. Ist also noch überhaupt nichts verloren. Im Gegenteil!

Liebe Grüsse und auch dir vielen Dank für die fadengerade Antwort.

Hanspeter Gautschin said...

Du kennst sicher die Federica de Cesco. Vielleicht rümpfst Du jetzt auch die Nase, wie einst die lieben Literaturkommissions-Mitglieder, die zu ihrem Leidwesen dauernd Lesungsbeiträge sprechen mussten. Ich glaube, die Cesco kümmerte das nur wenig. Sie hatte ihre feste Fangemeinde und DIE luden sie ein zur Lesung. Und DIE kauften (und kaufen) wie wild ihre Bücher.
Federica de Cesco wird wohl nie in den Literatur-Olymp gestellt. Ich glaube jedoch, ihr ist das so ziemlich egal. Sie liebt sicher das Schreiben, das Reisen, die Begegnungen und noch mehr wohl ihr Publikum (Leserschaft).

BB hat mehr als Recht, wenn er meint: "Konzentrier' Dich auf Dein Publikum." That's it. Ansonsten bist du Staatsschreiberin und schreibst nur noch, was die Förderkraten fördern.

Zappadong said...

Lieber Hanspeter

Nase rümpfen? Wo ich als Jugendliche die de Cesco Bücher verschlungen habe? No way.

Und das mit den Lesungen klappt wirklich gut! Sehr gut sogar :-)

PvC said...

Gefällt mir, was Bugsierer über das Hochrisikospiel sagt. Es gibt in der Tat viele Parallelen zwischen Schriftstellerei und Hochleistungssport (unser Doping ist nur nicht so gut...). Aber auch zur Arbeit, die eine Primaballerina auf sich nimmt oder ein Konzertpianist. Und das alles in einem Haifischbecken. ;-)

H. Gautschin sagt etwas Wichtiges: Letztlich entscheidet das Publikum. Die beste Werbung ist Mundpropaganda. Und die kann man mit keiner Werbung der Welt künstlich in Gang setzen. Die kann man nur durch ein verdammt gutes Buch fördern.
Was ein verdammt gutes Buch ist? Eins, das seine LeserInnen berührt.

Tja, so einfach ist das mit den 2% Fördermöglichkeiten. Die restlichen 98% verteilen sich auf Schweiß, Tränen, Hartnäckigkeit und irrsinns viel Glück.

Alternative: Roulette. Die Gewinnchancen stehen selbst auf Zahl sehr viel besser!

Bruder Bernhard said...

@zappadong: da hast natürlich recht, musiker sind als natürliche performer im vorteil. allerdings sind gerade aus diesem nachteil der wörtler die slams entstanden, oder wie doris leuthard hier motivationscoachen tät: man kann einen nachteil auch zum vorteil nutzen.
in diesem sinne ein kräftiges:
tschaka!!!

Dominik Riedo said...

Und hier der Leistungsausweis des Kulturministers, entstanden, weil viele dachten: Der macht joa goar nix, der... oder so...: http://kultpavillonblog.blogspot.com/2009/09/dominik-riedo-schweizer-kulturminister.html