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Immer diese Linker Linken

"Jetzt spinnen die total", brummt Mr Doorman und zeigt mit dem Finger auf einen Artikel in der Zeitung, die aufgeschlagen vor ihm liegt.
"Wer?", frage ich.
"Na, die Linker."
Dieser Lupe, der gestern hier war, muss ja einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterlassen haben bei meinem Türsteher. Nur, was hat Lupe in der Zeitung zu suchen und warum soll einer spinnen, der die freie Linkliebe propagiert? Neugierig beuge ich mich über Mr Doormans Zeitung.

"Die Linken", korrigiere ich Mr Doorman, nachdem ich den Artikel überflogen habe.
"Dann halt die Linken." Er schiebt die Zeitung etwas näher zu mir. "1:12. Weltfremde Spinner. Geistig verwirrte Irre."
Irgendwie verstehe ich ihn. Als Herr über eine Orangenplantage in Sibirien wird er wahrscheinlich ungefähr 8432 Mal mehr verdienen als einer seiner Orangenpflücker.
"Zugegeben, das Verhältnis ist total weltfremd", gestehe ich.
Mr Doorman hebt beide Augenbrauen. "Aber?", fragt er.
"Ich werde diese Initiative trotzdem unterschreiben."
Seine Kinnlade sackt nach unten. "Werden Sie nicht."
"Doch."
"Aber ..." Mr Doorman knallt die Faust auf den Artikel. "Sie sagten doch gerade ..."
"Ja, sagte ich", sage ich. "Diese Initiative ist noch mehr: Chancenlos. Nicht umsetzbar. Und sollte sie dennoch angenommen werden, hätte unsere Wirtschaft ein massives Problem."

Kinnladen können viel weiter runtersacken, als ich gedacht habe. Mein Türsteher sieht mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Ich glaube, hier ist eine Erklärung fällig. "Es ist so", hole ich aus, "wir sitzen in der Scheisse und jene, welche diese Krise verursacht haben, machen zum grossen Teil einfach weiter wie bisher. Sie kassieren ihre Millionen, reden schon wieder davon, dass der Markt die Dinge von alleine regelt, und sollte sich die Politik zu sehr einmischen, müsse man halt das Land verlassen. Ich finde das zum K...."
Ich komme nicht dazu, das Wort fertig auszusprechen. "Nicht aufregen, Frau Zappadong", sagt er ganz ruhig. "Trinken wir erst einmal einen Kaffee."
"Gleich", erwidere ich. "Erst will ich mich noch fertig aufregen. Sie können schon mal die Kaffeemaschine anwerfen."

Während Mr Doorman zwei Tassen aus dem Schrank holt, schiebe ich den Rest meiner Antwort nach, warum ich - seiner Ansicht nach - nicht alle Tassen im Schrank habe. "Es gibt ganz, ganz wenige in diesem Land, die es einfach nicht begreifen wollen", erkläre ich. "Und für die muss man es simpel und einfach auf den Punkt bringen."
"Der da wäre?", fragt Mr Doorman.
"Dass es so nicht weitergehen kann. Dass unser Land mit einer solchen Moral unserer Leithammel vor die Hunde geht. Dass der Graben zwischen höchsten und tiefstem Salär unverschämt viel zu hoch ist. Es ist Zeit, ein Zeichen zu setzen."

Mr Doorman drückt das Knöpfchen und wir horchen dem Geräusch von Kaffeebohnen, die gemahlen werden. "Einverstanden", meint er, und stellt mir meine Tasse hin. "Aber denken Sie nicht, dass diese Linken damit ganz viele Leute ziemlich hässig machen könnten mit ihrem Anliegen."
"Doch." Ich habe an diese Möglichkeit gedacht. Daran, dass sich niemand ernsthaft mit dem Anliegen auseinandersetzt, weil es so naiv daherkommt. "Trotzdem", sage ich. "Es ist ein Versuch, unser Land zu ändern. Allein das ist die Sache wert."
"Sie verstehen aber, dass ich so was nicht unterschreiben werde", antwortet Mr Doorman.
"Ja." Ich grinse. Denn: Er könnte gar nicht, mein Türsteher ohne Schweizer Pass.

Wir trinken unseren Kaffee, schauen unsere neuen Wände an und sind beide recht zufrieden.
"Ich muss noch schnell jemanden anrufen", sagt Mr Doorman nach unserer Kaffeepause. Er verschwindet in das Büro neben dem Empfang. Kurz danach höre ich ihn. "Vladimir, ich bin's. Verdreifache doch mal die Löhne unserer Orangenpflücker .... Nein, ich bin nicht verrückt geworden .... Nein, alles in Ordnung .... Und jetzt heb diese Löhne an ... Ja, per sofort."

2 Kommentare:

BodeständiX said...

Passt jetzt nicht in dieses Blog. Im Literaturhüttli "Kreuz und Quer" vermisse ich den Kommentier-Button. Vielleicht habe ich ihn jedoch auch übersehen.

Zappadong said...

So Renovationsarbeiten haben ihre Tücken. Nichts ist nachher mehr dort, wo es mal war.

Du musst gleich unter dem Titelbalken gucken, dort, wo das Datum und der restliche Infogrümpel steht - ganz hinten in dieser Zeile findest du "Kommentare". Klick das Wort an ... und schon geht's.

PS: Witziges Design; das hat sich sogar automatisch auf meine Sprache eingestellt. Irr. Der ganze Infobalken ist in deutscher Sprache (ist mir vorher gar nicht aufgefallen).

Liebe Grüsse

Frau Zappadong