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Literaturbanausen unter sich

Weil das Leben grad so schön ist, habe ich mal bei Pro Helvetia reingeguckt. Die Aufgabe dieser Stiftung ist unter anderem das Fördern des künstlerischen Schaffens im Lande - dazu gehört das literarische und geisteswissenschaftliche Schaffen in der Schweiz.

"Ha!", ruft Mr Doorman. "Das stecken wir doch gleich mal Ihrem Alter Ego, der Schreibmamsel."
Bevor er zum Telefonhörer greifen kann, halte ich ihn zurück. "Sie müssen das Kleingedruckte lesen", erkläre ich, "bevor Sie Ihrer Begeisterung freien Lauf lassen."

"Das Kleingedruckte?" Mr Doorman zieht seine linke Augenbraue in die Höhe, Misstrauen schleicht sich in seinen Blick. Als einer, der mehr im Kleingedruckten seiner Orangenplantagenaktien versteckt hat als alle anderen Kleindrucker der Welt zusammen, weiss er, was die Stunde geschlagen hat. "Oha", meint er.

"Ja", antworte ich. "Oha."
"Und konkret?", fragt Mr Doorman.
"Konkret? Konkret heisst es da: Der Bereich Literatur und Gesellschaft unterstützt keine Publikationen deutsch- und französischsprachiger Belletristik".

Diesmal geht die rechte Augenbraue in die Höhe. Das bedeutet, Mr Doorman hat nichts kapiert. "Was ist der Unterschied?", fragt er.
"Welcher Unterschied?"
"Na, zwischen Literatur und Belletristik?"
"Hmmmmmm ...." Ich kratze mich am Kopf. "Das ... das ist eine ... etwas schwierige Frage, über die sich schon viele kluge Menschen Gedanken gemacht haben. Mit unterschiedlichen Resultaten."
Mr Doorman verliert sichtlich das Interesse. "Ich gehe dann mal die Wände weiter behängen", meint er. Dann stutzt er. "Moment mal! Sagten Sie deutsch- und französischsprachige Belletristik?"
Ich nicke.
Mr Doormans Gesicht leuchtet. "Ist doch ganz einfach!", ruft er. "Sagen Sie der Schreibmamsel, sie solle das nächste Werk in Rätromanisch verfassen. Oder in Italienisch."

Alles unklar. Vielleicht sollte ich im Namen der Schreibmamsel erst einmal nachfragen, was man denn bei Pro Helvetia ganz allgemein unter Literatur versteht und was im Speziellen genau unter gesellschaftspolitischer Themenstellung (zum Beipspiel, wie das mit einem Jugendkrimi zum Thema Jugendgewalt ist - oder mit ...). Italienisch lernen kann Schreibmamsel ja dann immer noch.

Frau Zappdong

10 Kommentare:

Petra said...

Da hat die neuerdings sich literarische Übersetzerin (Französisch-Deutsch) schimpfen dürfende Schreibmamsell aus bilingualem Lande jetzt aber heftig dazu gelernt. Wir im Grenzland hielten die Schweiz bisher als prädestiniert für Deutsches und Französisches. Ach, les belles lettres...

PS: Scharfes Outfit, das Blog!

Zappadong said...

Oh, für die literarische Übersetzerin habe ich gute Nachrichten:

"Pro Helvetia unterstützt ... die Übersetzungen von belletristischen Werken von Schweizer Autorinnen und Autoren." Da steht nix von wegen keine Unterstützung für Deutsch-Französisch / Französisch-Deutsch.

Ist ein Dschungel hier. Könnte ich eine Machete haben, bitte?

PS: Danke für das "scharfe" Outfit.

Frau Zappadong

Hanspeter Gautschin said...

Ja, liebe Frau Zappdong! Pro Helvetia-Gelder sind nur für Förderprofis. Die kennen sich in jedem Förderwinkelzug aus. Für unsereines gilt halt: Wir liefern. Sollen doch die Anderen lafern.

Hanspeter Gautschin said...

Äaahm... paar Fehler getippt:

1. natürlich ZappAdong
2. ...nur für Fördergeldereinheimser-Profis

Zappadong said...

Lieber Hanspeter

Ich glaube, ich investiere die paar Stunden, die es braucht, die ganzen Antragspapiere auszufüllen :-). Vielleicht kann ich ja meinen Starkstrom zur Jugendliteratur aufmöbeln ;-)

Aber ehrlich gesagt: Es kann einem schon beim Lesen der Vorgaben "trümmeln".

Nun, nachdem ich mittlerweile zwei Mal bei Kulturinstitutionen ins Leere gelaufen bin (nicht einmal eine Antwort erhalten auf die jeweiligen Briefe/Mails), wird Pro Helvetia dann wohl der nächste harte Knochen zum Reinbeissen.

Es lebe das Leben!

Petra said...

Kleiner Tipp für Förderungen, weil ich ein wenig sehe, wie das mit europäischen läuft: Sich einen Fachmenschen / Insider schnappen und den das eigene Vorhaben "übersetzen" lassen. Man schönt sozusagen auf Fördersprech - und das muss man wirklich gelernt haben. Ob man allerdings diese Europa-Erfahrung auf literarische Ebenen übertragen kann weiß ich nicht.

Denke aber, mit entsprechenden Rezensionen oder Worten "aus berufenem Munde" lässt sich viel auf- und vermöbeln. ;-)

BodeständiX said...

@Petra: Das ist ja das Leidige an der ganzen Förderkraterei: Man/frau MUSS sich wirklich einen Profi angeln, um an die Kohle zu kommen. Ich frage mich jedoch: "Wo bleibt da die Kunst?"

Titus said...

Die Kunst, sich Fördergelder zu angeln? :-)

Ich hab' mal gehört, dass man ganz gut leben könne, wenn man bei jedem erdenklichen Wettbewerb mitmache und dann allenfalls die Sachen verkauft, welche man gewinnt.

Dieses Prinzip würd' ich nun auch mal hier versuchen: Einfach mal alle Institutionen anschreiben, die irgendwann mit schreiben zu tun hat, denn vielleicht kennen diese Institutionen selber ihr eigenes Regelwerk nicht mehr...

Und sonst bauen wir eine Stiftung ProZappadong auf. Da sähe ich Petra, Hanspeter und Mr. Doorman im Stiftungsrat :-)

Bruder Bernhard said...

@zappadong: dein Förderdossier scheint dich ja wirklich nachhaltig umzutreiben. kleiner tipp eines lesers: mach' eine romanfigur draus. dann sind die stunden und tage und der ärger nicht ganz für die katz

PS: bei den Kommentaren Datum wieder einschalten, oder willst Du uns damit die zeitlose Gültigkeit unseres Beiwerks vor Augen führen? Zu viel der Ehre für 5 Minuten Schreiben.

Zappadong said...

@titus: eine eigene Stiftung ... Mr Doorman ist so begeistert, dass er schon dabei ist, die Statuten zu entwerfen (keine Alterslimiten, es darf auch Belletristik sein, berücksichtigt wird nur, wer ein Aktienpaket seiner Orangenplantage gekauft hat ...)

@ BB: Ja, treibt mich um (und ich ärgere mich darüber, dass es mich umtreibt). Eine Romanfigur? Da komme ich wohl zu spät. Martin Suter hat Lila Lila schon geschrieben und der Film zum Buch ist ja auch schon da ... Ich glaube, ich bleibe beim Bloggen (nicht, dass du mir jetzt davonrennst - ich versuche, die Sache in einem ertragbaren Rahmen zu halten).

Datum: Wird eingeschaltet. Und für @titus erhöhe ich wieder auf 5 Kommentar (immer diese Berner).