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Mr Doorman, bitte löschen

Ich habe mich entschieden, auf den klugen Rat von klugen Menschen zu hören.
"Mr Doorman!", rufe ich also vergnügt durch die herbstlich kühlen Gemäuer unseres Zappadong-Gebäudes.
Es dauerte eine Weile, bis ein nicht ganz so vergnügter Mr Doorman auftaucht (ich glaube, er ist immer noch ein wenig verärgert über meinen kleinen Zappadong-Löschscherz von gestern). "Ja?", brummt er.
"Wir löschen", sage ich.
Auf seinem Gesicht geht die Sonne auf. "Au ja!", ruft er genauso vergnügt wie ich vorhin. "Alles?"
"Viel besser", antworte ich. "Wenn Sie den ganzen Twitteraccount löschen, ist das genau ein Klick. Wir löschen also nicht alles, sondern Einzelteile."
Die Sonne geht unter und macht einem Fragezeichen Platz. Ich glaube, da sind weitere Erklärungen fällig. "Wir löschen ein paar Follow-Verbindungen", präzisiere ich und sehe mich mit einem Doppelfragezeichen konfrontiert. Neuer Anlauf: "Wir löschen, was das Zeug hält."
Diese Sprache versteht Mr Doorman.

Eine Minute später sitzen wir vor dem Computer und kappen Verbindungen. Genau 90 Mal klickt Mr Doorman einen Kontakt weg. In den Löschkorb fallen reine Linkschleudern, und Extremplaudertaschen (gefühlte 150 blabla-Tweets pro Tag). Am Schluss bleiben 78 Kontakte übrig.

Das reicht immer noch für ein sehr grosses Treppenhaus. Aber wenn wir jetzt unseren Twitteraccount öffnen (immer noch nur ein Mal am Tag für ganz kurze Zeit), dann finden wir endlich jene Twitterer wieder, die wir in der grossen Zeichenschlacht verloren haben. Und es ist endlich wieder witzig und informativ, sich durch die Nachrichten zu lesen.

Ein Problem haben wir noch.
"Was machen wir mit BodeständiX?", fragt Mr Doorman.
Ich seufze. Okay, Hanspeter schleudert seinen Müll maschinell ins Treppenhaus. Aber ich mag ihn. Und deshalb bleibt er auf der Liste.

Nach der grossen Wegklickorgie trinken wir Kaffee und sehen zu, wie uns von anderen Twitterern die Gefolgschaft gekündigt wird. Das fällt dann wohl unter Gegenmassnahmen.

"Und jetzt?", fragt Mr Doorman.

Jetzt? Jetzt widmen wir uns ganz den klugen Blogartikeln von klugen Leuten. Und wünschen uns, dass unsere Tageszeitung mit ihrer Berichterstattung auch nur annähernd in die Nähe solcher Artikel kommt.

Wünschen darf man ja, gell?

2 Kommentare:

bobsmile said...

Ja, ja, dieser bodenanständige Hanspeter. Den Müll von einer Maschine rausbefördern lassen, aber dann nach verbalen Streicheleinheiten schreien.
Also nei aber ou.
:-)

Titus said...

Das hier ist auch noch interessant (so ganz nach dem Motto: "Sie schreiben, Twitter kassiert"):
http://www.kleinreport.ch/meld.phtml?id=53730